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Forschungsdaten

Forschungsdaten bilden einen Grundpfeiler wissenschaftlicher Erkenntnis und können unabhängig von ihrem ursprünglichen Erhebungszweck vielfach Grundlage weiterer Forschung sein. Die nachhaltige Sicherung und Zugänglichkeit von qualitätsgesicherten Forschungsdaten gewinnt für die Wissenschaft, auch im Hinblick auf die immer weiter steigenden Datenmengen, zunehmende Bedeutung.

Zahlreiche wissenschaftspolitische Erklärungen fordern daher den offenen Zugang zu Forschungsdaten (u. a. ICSU Principles for Dissemination of Scientific Data, 2002; Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003; OECD Declaration on Access to Research Data from Public Funding, 2004, Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten, 2010). Der transparente Zugang ermöglicht sowohl die Reproduzierbarkeit, als auch die Nachnutzbarkeit der Forschungsdaten in der Wissenschaft.

Ein nachhaltiges Forschungsdaten-Management erfordert spezielle, an den Bedarf der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angepasste, technische, organisatorische und in internationale Netzwerke integrierte Infrastrukturen. Diese sollen die Effizienz der Wissenschaft erhöhen, indem sie den Umgang mit, sowie das Management von, Forschungsdaten erleichtern. Hierzu sind Infrastrukturen erforderlich, die den Wissenschaftler während des gesamten Forschungsprozesses unterstützen, angefangen von der Erstellung von ersten Datensammlungen über kollaborative Strukturen bis hin zu Publikation und Datenrepositorien. Hier sind fachdisziplinäre Spezifika zu beachten, die z.B. in den Sozialwissenschaften andere Forschungsdaten-Infrastrukturen hervorgebracht haben als in  naturwissenschaftlichen Disziplinen.

In den Sektionen A und B der Leibniz-Gemeinschaft gibt es Forschungsdatenzentren von acht Leibniz-Instituten (DIPF - Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, IDS - Institut für Deutsche Sprache, LIfBi - Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, RWI - Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, ZEW - Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, ZPID - Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation), die vom Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) nach vorgegebenen Qualitätskriterien akkreditiert wurden.

Die Forschungsdaten-Repositorien der Sektionen C,D,E sind fachspezifisch und überdecken einen unterschiedlichen Scope.

Darüber hinaus unterstützen WGL-Institutionen interdisziplinäre Infrastrukturen.

Ein Beispiel hierfür ist RADAR (Research Data Repository) von FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur. RADAR ist eine disziplinübergreifende Dienstleistung zur Archivierung und Publikation von Forschungsdaten und damit ein essentieller Baustein der Informationsinfrastruktur. Archivierung und Publikationen beziehen sich auf abgeschlossene Forschungsprojekte und damit auf Daten, die nicht mehr geändert werden. Der Dienst  richtet sich zunächst an öffentlich geförderte Institutionen (Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen, dort z. B. an Bibliotheken und Rechenzentren) in Deutschland. RADAR legt seinen Schwerpunkt auf den so genannten "Long Tail", also auf die Fächer, in denen noch keine disziplinspezifischen Lösungen zum Forschungsdatenmanagement existieren. Gestartet wurde RADAR im Rahmen eines DFG-Projektes, an dem u.a. das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) als fachlicher Partner beteiligt war. Nach Abschluss des Projektes wurde es zu einem Produkt für die wissenschaftliche Community weiterentwickelt.

Das internationale Konsortium DataCite hat sich zum Ziel gesteckt, Forschungsdaten mit Hilfe von eindeutigen Bezeichnern (DOIs) genauso zitierbar zu machen wie Publikationen. Dies soll Forschungsdaten zur Anerkennung als legitime und zitierfähige Beiträge der wissenschaftlichen Forschung verhelfen. Drei der vier deutschen Mitglieder von DataCite gehören der Leibniz-Gemeinschaft an (TIB – Technische Informationsbibliothek, ZBW – Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften/ Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften) und arbeiten bereits in enger Kooperation mit Forschungsdaten-Repositorien unterschiedlicher Fachdisziplinen zusammen.

Zur weiteren Intensivierung und Positionierung des Themas Forschungsdaten-Management in der Leibniz-Gemeinschaft wurde 2009 der Arbeitskreis Forschungsdaten gegründet. Seine Mitglieder sind eingebunden in die Aktivitäten der Allianz-Initiative "Digitale Information". Die Leibniz-Gemeinschaft erarbeitet hier gemeinsam mit den anderen Wissenschafts-organisationen die notwendigen Schritte zum Ausbau und Aufbau von Infrastrukturen, die sowohl das Forschungsdaten-Management unterstützen, als auch Teil der wissenschaftlichen Arbeit werden können.

Informationen zum Thema Forschungsdaten finden Sie in der rechten Spalte.