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Dr. Matthias Premke-Kraus
Sektion E: Umweltwissenschaften | Biodiversität | Nachhaltigkeit | Citizen Science
Leibniz-Gemeinschaft
Chausseestr. 111
10115 Berlin
Tel.: 030 / 20 60 49 - 62

Citizen Science

Citizen Science ("Bürgerwissenschaft") klingt nach einer neuen Erfindung, ist aber im Kern ein bewährtes Konzept: Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich in unterschiedlicher Art und Weise an der Wissensbeschaffung und am Erkenntnisgewinn. Bereits vor Jahrhunderten gab es leidenschaftliche Laienforscher, die zu wissenschaftlichen Erkenntnissen beigetrugen, indem sie Naturphänomene experimentell erforschten und dokumentieren oder sich an Vogelzählungen beteiligten.

In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten stark erweitert. Neue digitale Technologien erlauben es Bürgern, ortsunabhängig aktiv an großangelegten Forschungsprojekten mitzuwirken. So können zum Beispiel über Smartphone-Apps Daten erhoben oder über Online-Meldeportale gemeldet werden. Ohne diese Unterstützung käme manche Forschung nicht mehr aus, da für gesicherte Erkenntnisse oft große Datenmengen benötigt werden, die hauptberufliche Wissenschaftler selbst kaum sammeln können.

Zum anderen steigt das Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger, an allen Stufen und Prozessen der Forschung beteiligt zu werden - von der Definition neuer Forschungsfragen über die Konzeption von Projekten bis hin zur Auswertung und Veröffentlichung.

Leibniz-Netzwerk Citizen Science

Das Leibniz-Netzwerk Citizen Science verbindet Institute der Leibniz-Gemeinschaft mit Kompetenzen im Bereich Citizen Science.

Mehr Information zum  Leibniz-Netzwerk Citizen Science in der Leibniz-Gemeinschaft finden Sie hier.


Die Leibniz-Gemeinschaft macht sich in vielen Bereichen für Citizen Science stark und gestaltet seine Weiterentwicklung federführend mit.

Online-Plattform "Bürger schaffen Wissen"

Die Website "Bürger schaffen Wissen" ist die zentrale Plattform für Citizen Science in Deutschland. Sie bietet einen Überblick über Citizen Science-Projekte, vernetzt die Akteure und begleitet den aktuellen Diskurs zu Bürgerwissenschaften. Die Plattform ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung. Gefördert wird sie vom BMBF und dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.

Zur Website "Bürger schaffen Wissen"

European Citizen Science Association

In der "European Citizen Science Association (ECSA)" haben sich über 17 EU-Länder zusammengeschlossen, um die Citizen Science-Bewegung in Europa und international zu fördern. Geleitet wird das Netzwerk aus Citizen Science-Initiativen, Forschungsinstituten, Universitäten und Museen vom Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (MFN) in Berlin.

Zur Website der ECSA


Citizen Science-Projekte bei Leibniz

African Plants

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), Frankfurt am Main

Botaniker des Senckenberg Forschungsinstituts haben einen Online-Fotoführer für afrikanische Pflanzen ins Leben gerufen. Die Datenbank wächst kontinuierlich – dennoch sind die Wissenschaftler auf die Beteiligung von interessierten Bürgern, Afrika-Urlaubern und Hobbyfotografen angewiesen. Die Frankfurter Wissenschaftler nehmen deswegen gerne illustrative Pflanzenfotos aus Afrika an, um sie dann – nach wissenschaftlicher Prüfung – in das Online-Verzeichnis einzustellen.

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Anymals + plants

Museum für Naturkunde (MfN), Berlin

Anymals+plants ist ein dynamischer Naturbegleiter in Form einer Smartphone-Anwendung (App) – ein mobiler Naturführer für die Hosentasche. Man kann sich über Tiere und Planzen am aktuellen Standort informieren, eigene Sichtungen eintragen und sich mit anderen Teilnehmern austauschen. Ziel ist es, das Interesse an Biodiversität über ein modernes Medium zu vermitteln und den Spaß an der Entdeckung und Erfassung von Informationen zur Natur sowie den Austausch zwischen Hobby- und Profi-Naturkundlern zu fördern.

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Dem Plastikmüll auf der Spur

Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), Kiel

Das Thema Plastikmüll im Ozean hat in den letzten Jahren traurige Bekanntheit erlangt. In diesem Projekt untersuchen 600 Schüler sowie 20 Lehrer aus Chile und Deutschland den Plastikmüll an deutschen und chilenischen Stränden. Wie viel Müll findet man dort und wo kommt er her? Das Projekt soll den Schülern ermöglichen, sich an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen und gleichzeitig an aktueller naturwissenschaftlicher Forschung mitzuarbeiten.

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GBOL - German Barcode of Life

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK), Bonn

Das Projekt hat das Ziel, die Artenvielfalt aller deutschen Tiere, Pilze und Pflanzen anhand ihres genetischen DNA-Barcodes (Fingerabdrucks) zu erfassen. Damit übernimmt Deutschland als Wissenschaftsnation eine führende Rolle in einem internationalen Konsortium aus Naturkundemuseen, Zoos, Herbarien, Forschungseinrichtungen und staatlichen Institutionen, die den Aufbau einer "DNA Barcode Bibliothek des Lebens" zum Ziel haben. Wir suchen deutschlandweit nach erfahrenen Artenkennern, die durch ihre Sammelaktivität gezielt zur GBOL-Bioinventur beitragen wollen! Es gilt die Artenvielfalt unseres Planeten so schnell und umfassend wie möglich zu erfassen, damit effektive Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

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Igel in der Stadt

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin

Wo kommen Igel in Berlin vor? Wie haben Igel sich in ihrer Lebensweise an die Großstadtbedingungen angepasst? Wie beeinflussen die menschlichen Aktivitäten das Verhalten von Igeln, z.B. den Winterschlaf? Durch die Mithilfe von Bürgern, die ihre Igelbeobachtungen melden, können umfangreiche Datensätze über das gesamte Stadtgebiet und über lange Zeiträume erhoben werden, was einzelnen Wissenschaftlern in gleichem Umfang nicht möglich wäre. Die von Bürgern gesammelten Daten zu Tiersichtungen werden gespeichert und können von allen Portal-Nutzern eingesehen werden.

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Landschaft im Wandel

Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg

Das Projekt dokumentiert den Landschaftswandel mit Hilfe von Fotopaaren - ein historisches Foto wird dazu mit einem aktuellen Bild des jeweiligen Motivs verglichen. Daran schließen sich Untersuchungen zur landschaftlichen Vielfalt, deren Veränderung und den Auswirkungen auf die Landschaftsfunktionen an. Suchen Sie aus Ihren Alben alte Landschaftsfotos heraus und fotografieren Sie die gleichen Bildausschnitte neu. Laden Sie das Bilderpaar auf der Homepage www.landschaft-im-wandel.de hoch und tragen Sie Informationen zum Standort in die Online-Karte ein.

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Map of Life

Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Frankfurt am Main

Die Smartphone-App „Map of Life“ erlaubt es, mit Hilfe des Mobiltelefons Arten zu bestimmen, die Umgebung auf Tier- oder Pflanzenarten zu überprüfen sowie eigene Beobachtungen zu dokumentieren und zu teilen. Die kostenlose App ist in sechs Sprachen für Apple- und Android-Smartphones unter https://auth.mol.org/mobile verfügbar.

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Mückenatlas

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Münchberg

Durch den globalisierten Warenaustausch, weltweiten Tourismus und durch den Klimawandel breiten sich hierzulande Stechmücken-Arten aus, die potentiell auch Überträger von Infektionskrankheiten sein können. Um die Verbreitung der Mückenarten in Deutschland flächendeckend zu erfassen, wurde das Projekt "Mückenatlas" ins Leben gerufen. Mitsammeln kann jeder, der sich zutraut, eine Stechmücke vorsichtig einzufangen, im Gefrierschrank abzutöten und in einer Schachtel einzusenden. Jedes Exemplar hält in die Referenzsammlung Einzug, um auch in einigen Jahrzehnten noch einen Beleg dafür zu liefern, wo es wann vorkam.

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Ofentechnologie der Mayener Töpferei-Industrie im Experiment

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Leibniz-Institut für Archäologie, Mainz

In der Experimentellen Archäologie besteht ein besonderes Interesse an der Zusammenarbeit mit Handwerkern und technischen Spezialisten, die über überdurchschnittliche Prozessroutinen und Erfahrung verfügen. Es werden flexible Angebote entwickelt, damit sich Bürgerwissenschaftler regelmäßig auch über längere Zeiträume in Forschung und Vermittlung einbringen können. Die Projekte sollen die individuelle Entwicklung und die besonderen Potenziale von nicht-professionellen Wissenschaftlern fördern. Vor Beginn eines Projektes werden Zielvorstellungen und Rahmenbedingungen für beide Seiten verbindlich vereinbart.

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Tatort Gewässer

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin

Wissenschaftler wollen die Zukunft unserer Gewässer erforschen. Aber wie sollen sie fast 9000 km2 Wasserfläche zu einem bestimmten Zeitpunkt untersuchen? Darum ruft „Tatort Gewässer – dem CO2 auf der Spur!“ Bürgerwissenschaftler und Wissenschaftler dazu auf, vom 1. bis zum 14. November Proben aus den Gewässern vor ihrer Haustür zu entnehmen. Das Projekt verfolgt das Ziel, mit diesen Daten den CO2-Anstieg und die Biodiversität in deutschen Binnengewässern besser einschätzen zu können. Anmeldeschluss ist der 20. Oktober.

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Verlust der Nacht-App

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin

Unzählige künstliche Lichter verschmutzen zunehmend natürliches, nächtliches Licht. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur sind bisher weitgehend unbekannt. In diesem Projekt sollen die Auswirkungen der Lichtverschmutzung erforscht werden - mit Unterstützung von Bürgern. Eine Smartphone-App hilft, die Himmelshelligkeit zu beschreiben. Mitmachen ist ganz einfach: App herunterladen, eine klare Nacht abwarten und rausgehen. Die App leitet Sie zu bestimmten Sternen und fragt nach deren Sichtbarkeit. Durch Bestimmung des lichtschwächsten Sternes können die Wissenschaftler ermitteln, wie hell der Himmel an diesem Ort ist und wie viele Sterne gesehen werden können.

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Wildschweine in der Stadt

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin

Das Projekt untersucht die Lebensweise von Wildschweinen in Berlin. Neben Fragen zur Nahrungsökologie, Reproduktion und Verwandtschaft werden die räumlichen und zeitlichen Bewegungsmuster der Tiere erfasst. Diese sind in einer Großstadt wie Berlin für Wissenschaftler nur mit immensem Aufwand zu erfassen. Durch Beobachtungen Berliner Bürger können Wildschweine im Stadtgebiet großräumig erfasst werden - jede Meldung über eine Wildschweinsichtung ist wertvoll. Die von Bürgern gesammelten Daten zu Wildschweinsichtungen werden gespeichert und können von allen Nutzern des Portals eingesehen werden.

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zeean [ziːn]

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Potsdam

Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Fluten oder Dürren an einem Ort können starke Auswirkungen auf die Wirtschaft überall auf der Welt haben – direkt oder indirekt über Versorgungsketten. Bislang sind solche Folgen für globale Wirtschaftsströme aber in den Abschätzungen zu den Folgen des Klimawandels kaum erfasst. Das soll sich mit zeean.net ändern. Auf der Internetseite können Wirtschaftsdaten gesammelt werden. Jeder registrierte Nutzer kann Informationen etwa zu Güterströmen eingeben. So soll eine Datenbank entstehen, die ökonomische Netzwerke in bislang noch nie dagewesenem Umfang abbildet.

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Downloads

Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland

Download (PDF)

Die Bürgerforscher
Leibniz-Journal 3/2014

Download (PDF)

"Citizen Science für alle. Eine Handreichung für Citizen Science-Beauftragte"
Bürger schaffen Wissen

Download (PDF)

„Citizen Science versucht Bürger und Wissenschaftler zum gemeinsamen Arbeiten an gemeinsamen Problemen und Herausforderungen zu bringen."

Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und Präsidiumsbeauftragter für Citizen Science in der Leibniz-Gemeinschaft.