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Neues Gen für Alkoholismus entdeckt

18. Januar 2013 Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie

Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu erhöhtem Alkoholkonsum neigen unter Stress zu exzessivem Missbrauch. Mit einem einfachen Eingriff in den Proteinstoffwechsel könnte ihnen geholfen werden.


Foto: Lupo / pixelio.de

Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu erhöhtem Alkoholkonsum neigen gerade unter Stress zu einem exzessiven Missbrauch. Die molekularen Ursachen dieser Form von Abhängigkeit sind Gegenstand intensiver Forschung. Betroffenen Personen könnte mit einem einfachen Eingriff in den Proteinstoffwechsel geholfen werden. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Berliner Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie in einer Gemeinschaftsarbeit gekommen, die jüngst im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht wurde.

Alkoholismus ist eine komplexe Erkrankung, beeinflusst von verschiedenen Genen und Umwelteinflüssen. Der individuelle Alkoholkonsum steht auch im Zusammenhang mit Enzymaktivitäten. Um dies nachzuweisen, haben die Wissenschaftler Mäuse gezüchtet, denen das Gen für das Enzym Neprilysin fehlt. Die Forscher konnten bereits zeigen, dass es eine wichtige Rolle bei zwei der aktuell schlimmsten Zivilisationskrankheiten spielt, Alzheimer und Fettleibigkeit. In der aktuellen Studie konnte das multidisziplinäre Team nun zeigen, dass die Mäuse stressanfälliger sind und sich unter Stress zu wahren Alkoholiker-Mäusen entwickeln.

Im Experiment konnten die Tiere frei zwischen Flaschen mit Wasser und mit Alkohol wählen. Danach wurde ein fremdes Männchen für maximal 15 Minuten mit in den Käfig gesetzt, was Mäuse unter sehr großen Konkurrenzstress setzt. In dieser Situation fingen sie an, sich verstärkt dem Alkohol zuzuwenden, und zwar in einem Verhältnis, das dem eines Alkoholikers vergleichbar ist. Blieb es bei einer einmaligen Stresssituation, so normalisierte sich der Alkoholkonsum nach einigen Tagen wieder. Wurden sie dagegen ein weiteres Mal gestresst, tranken sie bis zum Abbruch des Experiments exzessiv Alkohol.

Durch die speziell gezüchteten Mäuse sind nun eindeutige Aussagen über die genetische Veranlagung möglich. "Die Studienergebnisse stimmen uns optimistisch, dass sie auf den Menschen übertragbar sind", sagt Studienleiter Prof. Thomas Walther. Er ist Biochemiker und internationaler Experte auf dem Gebiet der Identifizierung neuer Therapieansätze bei Zivilisationserkrankungen, vor allem des Herz-Kreislauf-Systems. "Der Zusammenhang zwischen der Neprilysin-Aktivität und stressbedingtem Alkoholkonsum ist jetzt hergestellt. Wir haben die Befunde sowohl in genetisch veränderten, als auch in pharmakologisch behandelten Tieren erhalten, was die Ergebnisse besonders stark macht. Damit können unsere Ergebnisse einen völlig neuen Therapieansatz aufzeigen. Auch wenn es bis zur Anwendung beim Patienten noch ein weiter Weg ist, könnte bei Alkoholikern in Zukunft medikamentös auf den Proteinstoffwechsel eingewirkt werden." Die Forschungsgruppe von Prof. Walther ist dabei, Substanzen ausfindig zu machen, die aktivierend auf das Enzym Neprilysin wirken. Im Rahmen einer von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft geförderten Arbeit sind die Wissenschaftler bereits auf eine erste vielversprechende Substanz gestoßen.

"Alkoholismus gehört zu den verheerendsten Krankheiten, mit massiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, das familiäre Umfeld sowie auf das gesamte Gesundheitssystem. Jeder noch so kleine Fortschritt bei der Behandlung ist ein großer Schritt für den jeweiligen Betroffenen und sein soziales Umfeld," so abschließend Prof. Walther.

Link zur Fachveröffentlichung: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23185571

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Silke Oßwald
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