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Unbekanntes Kasachstan

28. Januar 2013 | Deutsches Bergbau-Museum

Vom 26. Januar bis 30. Juni 2013 lädt das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum dazu ein, die beeindruckenden archäologischen Funde Kasachstans zu entdecken.


Sonderausstellung „Unbekanntes Kasachstan – Archäologie im Herzen Asiens“
26.1.-30.6.2013

Kasachstan - wir erfahren selten etwas über dieses weit entfernte Land mit seiner langen, wechselvollen Geschichte und über die Menschen, die dort leben. Meist handelt es sich um aktuelle politische Ereignisse oder wirtschaftliche Abkommen. Die derzeit schnell wachsende Wirtschaft des Landes profitiert vor allem von den reichen Rohstoffvorkommen, zu denen neben Erdöl, Gas und vielen anderen auch seltene Erden zählen – unentbehrlich für Computer und Handys.

Bergbau und Rohstoffgewinnung sind allerdings bereits seit 6.000 Jahren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung Kasachstans. Die sehr vielfältige Archäologie des Landes ist hierzulande fast unbekannt und wird das Publikum sicher überraschen und beeindrucken.

Seit 2003 erforscht ein Team von Montanarchäologen des DBM gemeinsam mit  kasachischen Partnern die bronzezeitliche Gewinnung von Kupfer und Zinn. Ziel der Untersuchungen war es herauszufinden, wie die bergmännische Ausbeutung der Lagerstätten in Askaraly vonstatten ging, was mit dem Erz geschah und welche Rolle Kupfer und Zinn im überregionalen Handel der Vorgeschichte spielten.

Die erste Sensation gelang dem Team im Jahr 2005. Damals entdeckten die Archäologen unweit der Zinngruben die ältesten Bergmannsgräber Zentralasiens. Unverkennbar ließ sich der ehemalige Beruf der Toten an ihrem Arbeitsgerät erkennen – den Rillenschlägeln. Mit diesen für den Laien zunächst unscheinbar wirkenden Steinwerkzeugen schlugen die Bergleute das Erz aus dem Fels.

Die Wissenschaftler erforschten zudem, welche Abbautechnik die prähistorischen Bergleute einsetzten: Sie errichteten Holzbühnen, auf denen sie große Feuer entfachten. Dadurch riss und platzte das Gestein, das Erz ließ sich mit deutlich weniger Kraftaufwand aus dem Berg lösen. Noch heute nutzen Menschen in Papua-Neuguinea diese Methode.
Das Grabungsteam fand auch heraus, wie das alte Bergbaurevier organisiert war. Nahe der Mine konnten die Bochumer nicht nur die Gräber, sondern auch eine zugehörige Siedlung nachweisen. Der Funde nach zu schließen, gewannen die Bewohner dort metallisches Zinn aus dem Erz.
Momentan geht das Projektteam der Frage nach, ob Kasachstan sogar als Rohstofflieferant für die Hochkulturen des Orients in Betracht kommt.

Aus diesem Forschungsprojekt resultierte die Idee zur Gestaltung einer Ausstellung, die auf einer Fläche von 850 m2 6.000 Jahre Geschichte durch rund 1.000 direkt aus Kasachstan eingeflogene Originale lebendig werden lässt. Viele der Exponate sind erstmals außerhalb des Landes zu sehen.

Kurator der Ausstellung ist Prof. Dr. Thomas Stöllner. Er ist Leiter der Forschungsstelle Archäologie und Materialwissenschaften im Forschungsbereich Montanarchäologie des DBM und zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte beim Institut für Archäologische Wissenschaften der Ruhr-Universität Bochum.

Das Spektrum der archäologischen Objekte aus allen Provinzen Kasachstans reicht von der kleinsten Perle  bis zum 2,20 m großen „Goldenen Mann von Issyk“.  Dabei wird direkt am Eingang zur Ausstellung deutlich, dass die Kasachen als Viehzüchter ein ursprünglich nomadisch lebendes Volk waren: Hier empfängt die Besucher eine originalgetreue Jurte, das typische Wohnzelt der Nomaden, mit einer prächtigen und sehr farbenfrohen Einrichtung. Zwar lebt heute ein großer Teil der 17 Millionen Einwohner in Großstädten und damit in einem modernen Umfeld, aber einige bewohnen nach wie vor Jurten, die nicht selten mit Fernsehern, Mikrowellen und Spülmaschinen ausgestattet sind.

Großinstallationen wie der Nachbau eines mehr als 2.000 Jahre alten riesigen Kurgangrabes zeigen die handwerklichen Fähigkeiten der alten Kulturen, veranschaulichen aber auch die damaligen Glaubensvorstellungen. Ein etwa 4.000 Jahre alter Streitwagen zählt zu den weltweit ältesten Exemplaren überhaupt. Auch hiervon wird eine Replik in Originalgröße zu sehen sein.
Multimediale, teils interaktive Installationen und Präsentationen runden die Ausstellung ab.

Die Besucher begeben sich auf eine Reise in die wechselvolle Geschichte dieses Landes zwischen Ost und West, des Landes der vielen Kulturen, Sprachen und Gesichter.

Zur Ausstellung erscheinen ein umfangreicher wissenschaftlicher Begleitkatalog und ein Kurzführer; zudem wird ein vielfältiges Rahmenprogramm für Erwachsene und Kinder angeboten. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.unbekanntes-kasachstan.de

Kontakt:

Bereichsleiterin Presse-  und Öffentlichkeitsarbeit/Besucherservice
Eva Koch
Telefon: +49 (234) 5877 141/171
eva.koch(at)bergbaumuseum.de

www.bergbaumuseum.de


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