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Leibniz-Einrichtungen in Dresden, Köln/Bonn, Großbeeren/Erfurt und Kühlungsborn evaluiert

18. März 2016 | Leibniz-Gemeinschaft

Die Förderung von drei Leibniz-Instituten soll fortgeführt werden. Das hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft nach Abschluss der regelmäßigen wissenschaftlichen Evaluierung beschlossen. Mit dem Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau soll eine dieser Einrichtungen allerdings bereits nach vier Jahren erneut überprüft werden. Darüber hinaus entspricht eine vierte Leibniz-Einrichtung nicht mehr den Qualitätsstandards: Für die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin in Köln und Bonn empfiehlt der Senat, die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern zu beenden.


Folgende Leibniz-Einrichtungen wurden evaluiert:

  • Leibniz-Institut für Polymerforschung e. V., Dresden (IPF)
  • Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik e. V. an der Universität Rostock, Kühlungsborn (IAP)
  • Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau e. V., Großbeeren und Erfurt (IGZ)
  • Deutsche Zentralbibliothek für Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften, Köln und Bonn (ZB MED)

Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen:

1.) Leibniz-Institut für Polymerforschung e.V., Dresden (IPF)

Das Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden erforscht Polymere, also natürliche sowie synthetische Makromoleküle, und entwickelt auf dieser Grundlage neuartige Materialien. Das Institut arbeitet ausgesprochen erfolgreich, wie der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner Stellungnahme festhält. Die Arbeiten umfassten die gesamte Prozesskette von der Grundlagenforschung bis hin zu innovativen Anwendungen, beispielsweise in der Biomedizin oder im Umweltschutz. Zudem sei es dem Institut in den vergangenen Jahren überzeugend gelungen, vielversprechende neue Themen aufzugreifen.

Das IPF zeichne sich durch zahlreiche wissenschaftlich hochrangige Arbeitsergebnisse aus, so der Senat. Das Institut arbeite mit einer Vielzahl von Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen, insbesondere mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wissenschaftlich sehr ertragreich sei zudem die enge Kooperation mit der Technischen Universität Dresden und über die Region weit hinaus mit anderen Instituten der Leibniz-Gemeinschaft.

Insgesamt habe sich das IPF seit der letzten Evaluierung bemerkenswert weiterentwickelt, so der Leibniz-Senat. Er empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IPF fortzusetzen.

2.) Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik e.V. an der Universität Rostock, Kühlungsborn (IAP)

Mit großem Erfolg erforscht das IAP die mittlere Atmosphäre, die Kopplung ihrer Schichten und die dort stattfindenden langfristigen Veränderungen, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner Stellungnahme. Mit modernsten Methoden und Messtechniken bearbeite das Institut eine beeindruckende Breite innovativer Fragen, die nicht zuletzt für die Klimaforschung relevant seien.

Der Senat stellt fest, dass das IAP mit seinen exzellenten Leistungen zu den international führenden Instituten seines Fachgebiets zählt. Er befürwortet nachdrücklich, den Bau des aufwändigen, neuartigen Messsystems VAHCOLI (Vertical and Horizontal Coverage by Lidar) zu ermöglichen, mit dem erstmals großräumige dreidimensionale Messungen thermischer und dynamischer Strukturen im Höhenbereich von zehn bis 110 Kilometern vorgenommen werden können.

Der Senat betont außerdem, dass das IAP eine Vielzahl wichtiger Kooperationsbeziehungen unterhält und insbesondere sehr erfolgreich mit der Universität Rostock zusammenarbeitet, an der alle drei Abteilungsleiter gemeinsam berufene Professoren sind. In der internationalen Gruppe von Forschungseinrichtungen, die das geophysikalische Observatorium ALOMAR (Arctic Lidar Observatory for Middle Atmosphere Research) in Nordnorwegen betreibt, nimmt das IAP aufgrund seiner Instrumentierungsbeiträge eine herausragende Stellung ein. Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IAP fortzusetzen.

3.) Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau e.V., Großbeeren und Erfurt (IGZ)

An seinen Standorten Großbeeren (Brandenburg) und Erfurt (Thüringen) betreibt das IGZ anwendungsorientierte Grundlagenforschung zu Qualität, Gesundheit, Ernährung und Vermehrung von Pflanzen. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Voraussetzungen für einen effizienten und nachhaltigen Gartenbau zu schaffen.

In seiner Stellungnahme hält der Senat der Leibniz-Gemeinschaft fest, dass sich der Standort Großbeeren in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. Dort sei die Forschung sowohl personell als auch infrastrukturell in überzeugender Weise gestärkt worden. Entsprechende Kooperationsbeziehungen mit Hochschulen in Berlin und Brandenburg hätten sich intensiviert, so dass das IGZ dort mittlerweile auch in der grundlagenorientierten Forschung beachtliche Erfolge vorweise.

Am Standort Erfurt hingegen stagniere die Entwicklung sowohl strukturell als auch wissenschaftlich. Der Senat beurteilt die dortigen Leistungen als „nicht hinreichend“ und empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung dieses Standorts zu beenden.

Um auch auf längere Sicht den Ansprüchen an eine Forschungseinrichtung von überregionaler Bedeutung zu genügen, müsse das IGZ sein wissenschaftliches Profil schärfen und seine Leistungen weiter steigern. Der Leibniz-Senat erwartet, dass die empfohlene Fokussierung auf Großbeeren die Steuerung des Instituts deutlich erleichtern und so zu einer Steigerung der Leistungen führen wird. In vier Jahren soll überprüft werden, wie sich das Institut unter den geänderten Rahmenbedingungen weiterentwickelt hat.

4.) Deutsche Zentralbibliothek für Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften, Köln und Bonn (ZB MED)

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften dient der überregionalen Informations- und Literaturversorgung in Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt und Agrarwissenschaften. Um ihre Angebote auf dem neuesten informationswissenschaftlichen Stand zu halten, soll sie auch eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte bearbeiten.

Die ZB MED war bei der letzten Begutachtung vor vier Jahren kritisch beurteilt worden, so dass die Einrichtung nun vorzeitig erneut evaluiert wurde. Bereits 2012 vermisste der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine Strategie, mit der die ZB MED den Wandel von einer klassischen Bibliothek hin zu einem modernen Fachinformationszentrum gestalte. Die Entwicklung eines entsprechenden Konzepts wurde angesichts der Dynamik auf dem internationalen Markt für Fachinformationen als dringlich eingestuft.

Der Senat stellt nun fest, dass es nicht in dem erwarteten Maß gelungen ist, die konzeptionelle Erneuerung der ZB MED voranzubringen. Zwar sei die Bibliothek, wie empfohlen, in die rechtliche Selbständigkeit überführt und auch die Organisationsstruktur verbessert worden. Eine schlüssige Gesamtstrategie, die inhaltlich den Wandel deutlich mache, habe sie hingegen nicht entwickelt. Es fehle insbesondere ein überzeugendes Forschungskonzept, auf dessen Grundlage die digitalen Angebote weiterentwickelt werden könnten. Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit benachbarten Hochschulen in Forschung und Entwicklung würden kaum ausgeschöpft. Auch sei in den vergangenen vier Jahren die Empfehlung nicht umgesetzt worden, die informationswissenschaftliche Kompetenz an der ZB MED deutlich zu stärken.

Der Leibniz-Senat sieht darüber hinaus keine hinreichende Strategie, wie die digitalen Angebote der ZB MED auf dem hochkompetitiven Fachinformationsmarkt positioniert werden könnten. Gleichzeitig hat die Tätigkeit der ZB MED in der Literaturversorgung über Lieferdienste in den vergangenen vier Jahren weiter spürbar an Bedeutung verloren.

Angesichts der kritischen Gesamtsituation empfiehlt der Senat Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung der ZB MED zu beenden.

Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auch auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/

Hintergrund

Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die in der Regel Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) werden die Senatsstellungnahmen auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind.

Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft

Dr. Christine Burtscheidt
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