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Leibniz-Institute und -Forschungsmuseen in Berlin, Greifswald, Nürnberg, Dresden und Potsdam evaluiert

24. März 2015 Leibniz-Gemeinschaft

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat gestern nach Abschluss der wissenschaftlichen Evaluierung von fünf Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft Bund und Ländern empfohlen, diese Einrichtungen weiterhin gemeinsam zu fördern.


  • Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik, Berlin
  • Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie, Greifswald
  • Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
  • Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden
  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung 

Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) wird die Senatsstellungnahme auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind. 

Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen: 

1.)     Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik im Forschungsverbund Berlin e. V. (FBH)

Das Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) widmet sich erfolgreich der grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung im Bereich der Mikro- und Millimeterwellentechnik sowie der Optoelektronik. Im Mittelpunkt steht die Erforschung elektronischer und optischer Bauteile auf der Basis sogenannter III/V-Verbindungshalbleiter. International zählt das Institut zu den renommiertesten Kompetenzzentren in diesem Fachbereich, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. In den vergangenen Jahren ist es dem Institut eindrucksvoll gelungen, das bereits sehr hohe Leistungsniveau weiter zu steigern. Um in seinem international hoch kompetitiven Umfeld konkurrenzfähig zu bleiben, empfiehlt der Senat zu prüfen, wie neue Forschungsansätze künftig noch schneller aufgegriffen werden können.

Sehr beeindruckend sind auch die Kooperationen des FBH mit den Berliner Universitäten im Rahmen der universitären Lehre, der Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie einer Vielzahl wissenschaftlicher Projekte und Verbünde. Das FBH verfügt über eine äußerst leistungsfähige apparative und räumliche Ausstattung, darunter Reinräume, die eine Produktion elektronischer Bauteile unter industriellen Bedingungen erlauben. In diesem Zusammenhang begrüßt der Senat, dass in der Vergangenheit substantielle Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur aufgewendet wurden. Der mittlerweile fertiggestellte Institutsanbau wird die räumliche Situation nochmals verbessern.

Bund und Ländern wird empfohlen, die gemeinsame Förderung des FBH fortzusetzen. 

2.)     Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V., Greifswald (INP)

Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) betreibt anwen­dungsorientierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Niedertemperaturplasmen. Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft bescheinigt dem INP in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme ausgesprochen überzeugende Leistungen. Seit der letzten Evaluierung vor sieben Jahren sind am Institut erfolgreich strategisch bemerkenswerte neue Wege eingeschlagen worden.

Das INP hat seine Forschungsarbeiten zu klassischen Anwendungen im Bereich neuer Materialen oder der Energieversorgung klug weiterentwickelt und leistet auf diesem Gebiet nach wie vor sehr erfolgreiche Arbeit. Gleichzeitig ist es gerade in den vergangenen Jahren gelungen, eine bereits mit Dienstantritt des Institutsdirektors im Jahr 2003 angestoßene Ausweitung der Arbeiten auf plasmabiologische und -medizinische Forschungen entscheidend und mit großem Erfolg voranzutreiben. Der Senat begrüßt, dass die Tragfähigkeit dieser neuen Arbeiten zunächst überwiegend in zeitlich befristeten, vom Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanzierten Projekten geprüft wurde. Weil das INP inzwischen zu den weltweit führenden Instituten auf diesem Gebiet zählt, müssen nun zügig Wege für eine dauerhafte Finanzierung der plasmabiologischen und ‑medizinischen Arbeiten gefunden werden, so der Senat.

Die erfolgreiche Arbeit des INP schlägt sich, so der Senat, auch in einer sehr guten Publikationsleistung und hohen Drittmitteleinnahmen nieder. Zudem ist das Institut eng an die umliegenden Hochschulen in Rostock, Greifswald und Stralsund angebunden und leistet über Industriekooperationen einen bedeutenden Wissens- und Technologietransfer. Verbesserungsmöglichkeiten sieht der Senat im Bereich der Nachwuchsförderung und insbesondere in Bezug auf die viel zu geringe Zahl von Wissenschaftlerinnen oberhalb der Doktorandenebene.

Der Leibniz-Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des INP fortzusetzen.

 3.)    Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (GNM)

Das Germanische Nationalmuseum (GNM) ist das größte kunst- und kulturgeschichtliche Museum, das sich auf den deutschsprachigen Raum konzentriert. Die Sammlungsbestände sind sowohl quantitativ als auch qualitativ einzigartig und von höchster Bedeutung.

In den drei für Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft zentralen Bereichen Sammlung, Forschung und Vermittlung bescheinigt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heutigen Stellungnahme dem GNM hohe Leistungen. Die Sammlungsbestände werden sehr gut kuratiert. Der Senat hebt die beachtlichen Fortschritte bei der Erfassung, Digitalisierung und Online-Stellung der Sammlungen hervor. Die Sammlungen kulturhistorischer Objekte werden durch die wichtigen Bestände der Bibliothek und verschiedener Archive hervorragend ergänzt. Nicht zuletzt unterhält das GNM mit dem „Institut für Kunsttechnik und Konservierung“ eine zentrale Arbeitseinheit, die ausgesprochen wichtige wissenschaftliche Dienstleistungen entwickelt und anbietet. Auf der Grundlage der einzigartigen Bestände werden am GNM zahlreiche Forschungsprojekte entwickelt. Sie führen, so der Senat, regelmäßig zu sehr guten Sonderausstellungen, in denen neue Erkenntnisse auch einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden.

Der Senat betont, dass das GNM vielfältige Möglichkeiten besitzt, sich noch weiter zu profilieren. Das Museum muss diese große Herausforderung annehmen, übergreifende strategische Fragestellungen klar und konkret zu formulieren, um die Arbeit inhaltlich stärker zu bündeln. Es wird erwartet, dass sich die Anbindung an Hochschulen, insbesondere im Rahmen von gemeinsamen Berufungen, der Austausch mit der universitären Wissenschaft, die wissenschaftliche Nachwuchsförderung sowie die Einwerbung von Drittmitteln verbessern. Das Der Senat bittet das GNM, zu diesen grundlegenden Fragen im kommenden Jahr ein Konzept vorzulegen.

Der Leibniz-Senat weist nicht zuletzt darauf hin, dass die von Bayern und vom Bund vorgesehenen umfangreichen und kostenaufwändigen Sanierungs- und Baumaßnahmen am Germanischen Nationalmuseum dringend notwendig sind. Er empfiehlt, die Ausarbeitung eines Masterplans zu prüfen.

Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des GNM fortzusetzen. 

4.)     Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden e. V. (IFW)

Das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden e.V. (IFW) betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Material- und Werkstoffwissenschaften. In seiner heute veröffentlichten Stellungnahme attestiert der Senat der Leibniz-Gemeinschaft dem IFW hervorragende, international anerkannte Leistungen.

Der Senat hebt dabei unter anderem positiv hervor, dass das IFW über gemeinsame Berufungen, eine Vielzahl von wichtigen Verbundprojekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Mitwirkung in Fördermaßnahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern intensiv mit der TU Dresden kooperiert. Zudem bietet das Institut dem wissenschaftlichen Nachwuchs ein äußerst attraktives Umfeld. So arbeiten am IFW drei Nachwuchsgruppen, die die DFG über das Emmy-Noether-Programm fördert, außerdem warben Mitarbeiter auf europäischer Ebene zwei starting grants des Europäischen Forschungsrates (ERC) ein. Darüber hinaus ist es einem leitenden Wissenschaftler des IFW gelungen, einen ERC advanced grant einzuwerben.

Die vom IFW geplante Neustrukturierung des Forschungsprogrammes ist in ihren Ansätzen überzeugend, so der Senat. Es wird jedoch bedauert, dass es im Zuge der weiteren Ausgestaltung und Umsetzung zu gravierenden Meinungsunterschieden unter den leitenden Wissenschaftlern kam. Das Kuratorium reagierte zügig und berief einen neuen externen Vorstand. Unter dessen Leitung muss nun entschieden werden, welche Reformen am IFW notwendig sind, um die hohe wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Einrichtung zu erhalten. Dazu erwartet der Senat einen Bericht.

Bund und Ländern wird empfohlen, die gemeinsame Förderung des IFW fortzusetzen.

5.)     Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e. V. (PIK)

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat sich als eine der weltweit führenden Einrichtungen zur Erforschung des globalen Klimawandels und seiner Folgen etabliert. Dies hebt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme zum Institut hervor. Es konzentriert sich auf die Entwicklung und Durchführung von Modellsimulationen und die Analyse und Vermittlung der Ergebnisse.

Wie der Leibniz-Senat betont, hat sich das Institut seit der letzten Evaluierung ausgezeichnet entwickelt, so dass seine Modelle das internationale Forschungsfeld heute maßgeblich prägen. Daneben ist es als kompetenter Ansprechpartner für die Beratung von Politik, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen gefragt und geschätzt. Hervorzuheben sind hierbei die Beiträge zum Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC sowie die Mitwirkung in internationalen und nationalen Gremien.

Damit das PIK seine führende Stellung erhalten und nach Möglichkeit weiter ausbauen kann, empfiehlt der Senat, klarer als bisher bereichsübergreifend strategische Forschungsziele zu formulieren und zu operationalisieren. In Bezug auf die Weiterentwicklung der Modellierungsarbeiten zum Klimawandel ist darüber hinaus interdisziplinär die anspruchsvolle Frage zu prüfen, inwieweit nicht-lineare Faktoren wie beispielsweise sich veränderndes menschliches Handeln einbezogen werden können. Außerdem sollte die Forschung zu Anpassungen an die Folgen des Klimawandels verstärkt werden.

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des PIK fortzuführen. 

Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auch auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/ 

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Christoph Herbort-von Loeper
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