© GWLB Kopie Gemälde von A. Scheits (1703)

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Gottfried Wilhelm Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz, von dem gesagt wird, er sei der vielleicht letzte Universalgelehrte gewesen, ist der Namenspatron der Leibniz-Gemeinschaft. Eine gute Wahl, spiegelt sich doch in der Leibniz-Gemeinschaft jene Universalität, die den Gelehrten ausmachte.

Jurist, Bibliothekar, Universalgelehrter

Am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren, studierte er in Leipzig und Jena und erwarb an der Universität  in Altdorf bei Nürnberg den Doktor beider Rechte — des Kirchen- wie des Zivilrechts — mit einer Arbeit über ungewöhnliche Rechtsfälle. Das Juristische wird ihn zeitlebens begleiten, auch wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung zurücktritt hinter Leistungen in anderen Disziplinen. Dabei spielt seine Sammlung und Edition völkerrechtlicher Urkunden eine beachtliche Rolle, auch in seiner Tätigkeit als Politikberater: Mit seinen Gutachten begründet er Rang- und Herrschaftsansprüche der Welfen wie des Wiener Hofs.

1676 nimmt Leibniz, nach mehrjährigem Aufenthalt in Paris und Reisen nach London, Amsterdam und Den Haag, eine Stellung als Hofbibliothekar in Hannover an. Die Stadt wird bis zu seinem Tode Zentrum seines Lebens sein, auch wenn er eine für seine Zeit außerordentlich intensive Reisetätigkeit durch Europa entwickeln wird, auch wenn er eine geradezu internationale, bis Peking reichende Korrespondenz führen wird, auch wenn er Ämter in anderen Ländern anstreben und annehmen wird. Zu diesen Ämtern gehört ab 1691 die Leitung der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel, in der er den ersten alphabetischen Katalog anlegen ließ und für die er einen Erweiterungsbau anregte. 

Leibniz kümmert sich intensiv um Fragen der Mathematik, schreibt – parallel zu Isaac Newton — Wegweisendes zur Infinitesimalrechnung einschließlich der bis heute gültigen Summenzeichen, entwickelt ein binäres Zahlensystem, die „Dyadik“, das die Darstellung aller Zahlen mit Hilfe der Null und der Eins ermöglicht — später Grundlage der Computersprache —,  und ertüftelt eine Rechenmaschine, die er jahrzehntelang zur Perfektion zu bringen versucht.

Ganz lebenspraktisch dringt Leibniz in Hannover auf die Einrichtung einer Brandkasse, gewissermaßen einer Feuerversicherung, und macht den gleichen Vorschlag mit Blick auf das gesamte Reich auch am Hof in Wien — jeweils vergeblich.

Als Pionier der Windkraft gescheitert

Leibniz ist Pionier der Windkraft, auch wenn er mit seinen Versuchen, mit Hilfe von Windrädern die Erzgruben im Harz zu entwässern, scheitert. Seiner Ingenieurtätigkeit sind die Endloskette zur Erzförderung, Pläne für ein Unterseeboot, die Staffelwalze bei der Rechenmaschine und vieles mehr zu verdanken.

Leibniz gehört zu den großen Philosophen seiner Zeit. Seine Überlegungen verdichtet er zu einer Monadentheorie, sein Nachdenken über Religion findet Ausdruck in einem seiner relativ wenigen gedruckten Bücher, der Theodicee.  Leibniz prägt auch den viel zitierten — und heftig debattierten — Satz von der „besten aller möglichen Welten“.

Religionspolitisch wie religionswissenschaftlich strebt er eine Vereinigung von Katholizismus und Protestantismus an, ebenso die Zusammenführung von Reformierten und Lutheranern — dabei spielen allerdings staatspolitische Opportunitätserwägungen gelegentlich eine beherrschende Rolle. So rät Leibniz einer Tochter des Welfengeschlechts um einer vielversprechenden Heirat willen auch schon mal zum Religionswechsel.

Leibniz erforscht Sprachen und sammelt europaweit Sprachproben, er arbeitet an einer universellen Kunstsprache und er bemüht sich zeitweilig um die Förderung der deutschen Sprache, obwohl er überwiegend in Latein, großenteils in Französisch und nur zu einem geringen Teil in Deutsch schreibt.

Korrespondenz bis China

Der Hofrat aus Hannover ist ein unermüdlicher Anreger, Berater, auch Diplomat. Er sucht den Kontakt zu den Einflussreichen seiner Zeit, zum Kaiser in Wien, zum Zaren, vergeblich auch zum Kaiser von China, natürlich zu den Angehörigen des Welfenhauses, dessen Geschichte zu schreiben zu seiner großen unvollendeten Dienstpflicht und Lebensaufgabe wird. Auch als Historiker setzt er dabei Maßstäbe in der Erschließung und Auswertung der Quellen.

Dem brandenburgischen Kurfürsten rät Leibniz zur Einrichtung einer Sozietät der Wissenschaften, deren erster Präsident er dann auch im Juli 1700 wird – Keimzelle der Akademie der Wissenschaften mit dem Wahlspruch „Theoria cum Praxi“. Diese Initiativen stehen in der Kontinuität seiner Anregungen zur Wissenschaftsorganisation. Schon in Paris hatte er für die Einrichtung eines Kuriositätenkabinetts — heute würde man sagen: eines Forschungsmuseums – plädiert, eines „theatrum naturae et artis“. Und Vorschläge zur Finanzierung der Forschung macht Leibniz auch.

Auch wenn Leibniz quasi weltweit korrespondiert — und durch den Austausch mit einem Jesuiten in Peking hierzulande sogar als Chinaexperte gilt — , so schätzt er doch auch den persönlichen Gedankenaustausch — besonders mit Preußens erster Königin Sophie Charlotte und deren Mutter Sophie, Kurfürstin in Hannover. Er ist dort oft — und gerngesehener — Gast, sei es in Charlottenburg, sei es in Herrenhausen.

Seine Schattenseiten machen ihn nicht kleiner, nur menschlicher

Leibniz ist revolutionär im Denken, Fragen und Forschen, aber er ist kein Revolutionär. Er stellt die feudale Ordnung seiner Zeit nicht in Frage, auch wenn er in der Wahrnehmung seiner Dienstpflichten lax ist bis zum Ungehorsam und bei der Durchsetzung seiner Ziele nicht Intrige noch Illoyalität scheut. Doch dass Leibniz auch Schattenseiten hatte, macht ihn nicht kleiner, nur menschlicher. Und so mag man auch Verständnis haben, dass Leibniz titel- und talersüchtig ist. Er erlangt in den letzten Jahren vor seinem Tod noch die  Ernennung zum russischen Geheimen Hofrat durch Peter I. und die Ernennung zum Reichhofrat in Wien. Vergeblich bemüht er sich um Adelung, fälschlich führt er zeitweilig ein „von“ im Namen. Regelmäßig kämpft er — oder lässt Freunde, Gönner und Bekannte kämpfen — um ein regelmäßiges Salär jenseits der 1.000 Taler, die er in Hannover jährlich bezieht. In einer Zeit ohne Tarifverträge und garantierte Pensionsleistungen scheint er besorgt um seine Altersversorgung, hinterlässt aber, als er am 14. November 1716 in seinem Wohnhaus stirbt, ein beachtliches Vermögen. Der Universalgelehrte hinterlässt auch Unmengen an Papieren und Büchern — davon rund 20.000 Briefe — die einer weisen Eingebung folgend sofort nach dem Tod an die Königliche Bibliothek übergeben werden und ungeteilt überliefert sind. Die Edition aller Leibniz-Schriften ist bis heute nicht abgeschlossen.

Zum Weiterlesen:

Eike Christian Hirsch: Der berühmte Herr Leibniz, Beck-Verlag, München 2000

Reinhard Finster/Gerd van den Heuvel: Gottfried Wilhelm Leibniz, rororo, Reinbek 1990

Zitat:

„Dieser Mann hat allein Deutschland so viel Ruhm gebracht, wie Platon, Aristoteles und Archimedes zusammen Griechenland.“

Aus Denis Diderots Encyclopédie (Band 9, 1765), dem bahnbrechenden Werk der Aufklärung und französischen Revolution

 

Leibniz-Handschrift „Monade“

Leibniz gehört zu den großen Philosophen seiner Zeit. Seine Überlegungen verdichtete er zu einer Monadentheorie (Monadenlehre, Monadologie).

Das Bild zeigt eine Faksimile-Reproduktion der Leibnizhandschrift „Monade“ (Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek Hannover LH IV, Vol. I, Ia Bl.1r).

Leibniz verwandte den philosophischen Terminus (von Monas, griech. für „Einheit, Einfachheit“) erstmals 1696. 

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Gottfried Wilhelm Leibniz

Der letzte Universalgelehrte

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