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Bis zu 50.000 Rufe pro Nacht geben bolivianische Pfeiffrösche ab, um Weibchen anzulocken. Dabei müssen die kleinen Tiere eine enorme Energie aufbringen.

02.01.2017 · News · Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung · Biodiversität · Forschungsergebnis · Lebenswissenschaften

Wissenschaftler haben die Rufleistung der südamerikanischen Froschart Leptodactylus mystacinus untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die männlichen Tiere bis zu 50.000mal pro Nacht rufen. Dabei müssen die kleinen Tiere eine enorme Energie aufbringen - das Werben um Weibchen scheint im Leben der Frösche das energetisch kostspieligste Verhalten zu sein. Noch unerforscht ist, welche Prozesse es denn Frösche erlauben stundenlang "quaken" zu können. Die Studie ist heute im Fachjournal "Salamandra" erschienen.

Schnauzbärtiger Frosch - so wird der Pfeiffrosch Leptodactylus mystacinus im Volksmund genannt. Doch nicht seine auffällige Gesichtszeichnung setzt der kleine Frosch ein, um den Weibchen zu imponieren. Vielmehr verausgabt sich der zwischen 3 und 6 Zentimeter große Frosch hierfür mit seiner Stimme. "Uns hat interessiert, wie oft und wie lange ein Froschmann in der Nacht ruft und wie er zu dieser Hochleistung fähig ist", erklärt Dr. Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: "Darüber hinaus wollten wir wissen, wie variabel - oder im Gegensatz dazu stereotypisch - die Männchen ihre Rufe produzieren und welche Vorteile es hierbei eventuell bei der Partnerwahl gibt."

Zu diesem Zweck haben Jansen und seine Kollegen mehrere Stunden von kontinuierlichen Froschrufen ausgewertet. Aufgenommen wurden diese von 22 bis 6 Uhr morgens mit einem Langzeitaufnahmegerät und einer Infrarotkamera in der bolivianischen Savanne, nahe der Senckenberg-Forschungsstation "Chiquitos". "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Pfeiffrösche über 700 Sekunden in der Stunde rufen können, dass macht 12 Minuten aufgeteilt auf über 15.000 Rufe. In einer Nacht geben sie über 50.000 Rufe von sich", erläutert Jansen. Der Frankfurter Herpetologe vermutet, dass es andere "Hochleistungsquaker" gibt, die mit einer höheren Rate Rufen und somit noch weit mehr Rufe in einer Nacht von sich geben können. Die Abschätzung der Rufleistung der verwandten Art Leptodactylus cupreus ergab beispielsweise über 50.000 Rufe in nur einer Stunde - und bis zu 300.000 Rufe in einer Nacht.

Diese hohen Schätzzahlen müssen aber in empirischen Studien erst noch belegt werden. Besonders rund geht es laut dem Forscherteam gegen 23 Uhr; nach 1 Uhr Nacht werden die Amphibien dann wieder deutlich ruhiger. "Ob es an den schwindenden Kräften liegt oder andere Gründe hat, können wir aber noch nicht mit Sicherheit sagen", ergänzt Jansen.

Die Studie zeigt, dass die männlichen Frösche unterschiedliche Strategien verfolgen, um bei den Weibchen zu landen: Einige Arten quaken weniger pro Zeiteinheit, die einzelnen Rufe sind dafür deutlich länger.

Andere Arten setzen eher auf eine Dauerbeschallung. "Wie die Frösche diese höchst anstrengende Leistung über so einen langen Zeitraum aufrechterhalten können, ist uns immer noch völlig unklar", sagt Jansen und gibt einen Ausblick: "Hier möchten wir zukünftig untersuchen, welche inneren und äußeren Einflüsse eine Rolle spielen, und welche verschiedenen Strategien die verschiedenen Arten im Laufe der Evolution entwickelt haben."

Publikation

Jansen, M., A. Masurowa & R. B. O'Hara: Temporal variation, duty cycle, and absolute calling effort during sustained calling of Leptodactylus mystacinus (Anura: Leptodactylidae). pp. 328-336.

http://www.salamandra-journal.com/index.php/home/contents/2016-vol-52

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