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Koordination

Prof. Dr. Johann Wolfgang Wägele
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK)
Tel.: 0228 / 0122 200

Deutsches Zentrum für Biodiversitätsmonitoring (BioM-D)

Herausforderung und Relevanz

Der Kenntnisstand über Veränderungen von Biodiversität in Deutschland ist unzureichend. Bislang gibt es keine geeignete Infrastruktur mit moderner Technologie, die analog zu existierenden Infrastrukturen in der Klimaforschung Veränderungen der Biodiversität detektiert und die Ursachenforschung und Szenarienentwicklung ermöglicht. Solange die Datenbasis ungenügend ist, fällt es schwer, Akteure in Landwirtschaft, Stadt- und Landschaftsplanung mit guten Analysen zu überzeugen und Erkenntnisse der Systemökologie lassen sich kaum auf die reale Landschaft übertragen. BioM-D entwickelt daher neuartige automatisierte Multisensorstationen und Auswertungsverfahren. Damit sollen sowohl historische als auch neue Beobachtungsdaten in einem umfassenden IT-System mobilisiert, harmonisiert und integriert werden.

Was ist BioM-D?

BioM-D ist als eine verteilte Infrastruktur vergleichbar mit Infrastrukturen, die in der Klimaforschung eingesetzt werden. Sie wird Multisensorstationen („Wetterstationen“), Messstationen auf Schiffen, Zentren zur Auswertung von Fernerkundungsdaten, Portale zum Einspeisen von Beobachtungsdaten und eine aufwändige IT-Infrastruktur umfassen. BioM-D wird eine koordinierende Zentrale haben und mehrere spezialisierte Standorte, die für das Monitoring in Gewässern und an Land sowie für die Fernerkundung und die Einbindung der Aktivitäten von ehrenamtlichen Naturbeobachtern zuständig sind. Die beteiligten Institute verschränken ihre bisherigen Aktivitäten zu der größeren Einheit BioM-D, so dass Analysen für sehr viele Arten über große Flächen und Zeiträume mit standardisierten Verfahren möglich werden. Nutzer können Daten und Empfehlungen für Monitoringprogramme abrufen Analysewerkzeuge einsetzen, Ergebnisse dauerhaft sichern und mit anderen Daten abgleichen und so BioM-D als Arbeitsplattform für Projekte verwenden.

Zugang und Nutzergruppen

Open Access, Shared Access und User Access. Nutzer sind Forschungsinstitute, die sich mit Populationsbiologie, Biogeographie, Ausbreitungspotentialen, Populationsgenetik, Landschaftsgenetik oder genomischer Evolution befassen. Auch Klimafolgenforschung und Nachhaltigkeitsforschung brauchen BioM-D, ebenso wie die Forschung zu Natur- und Artenschutz, Stadt- und Landschaftsplanung und die Analyse der Folgen von Landnutzung. BioM-D wird mit seiner neuen Qualität von Technologien und Daten eine wertvolle Unterstützung für Gutachter, Bundes- und Landesämter sein. Technologien wie DNA-Barcoding sind zudem relevant für Forensik und Zollämter. Die Daten sind des Weiteren für zahlreiche internationale Berichtspflichten, Abkommen und Initiativen relevant (u.a. AEWA, CBD, CMS, CITES, EUROBATS, FFH,  IPBES, WRRL). Alle Daten und Software-Werkzeuge sind grundsätzlich frei verfügbar und leicht zugänglich – mit Ausnahme besonders sensibler Daten (beispielsweise Fundorte geschützter Arten). Für alle Nutzungen, die zusätzliche Kosten verursachen, müssen diese erstattet werden. Ein zentrales Internetportal wird die Nutzungsmöglichkeiten erläutern und Nutzer an die Standorte weiterleiten, die spezielle Methoden anbieten.

Partner

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK)

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin (BGBM)

Botanische Staatssammlung München (BSM)

Leibniz-Institut Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ)

Senckenberg – Deutsches Zentrum für Marine Biodiversität (DZMB)

German Federation for Biological Data (GFBio)

German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDIV)

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)

Museum für Naturkunde (MfN)

Umweltforschungszentrum (UFZ)

Group on Earth Observations Biodiversity Observation Network (GEO BON)

Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Dazu zahlreiche Fraunhofer-Institute und Universitäten in F&E Projekten

Zeithorizont

Aufbauphase: 10 Jahre

Nutzungsphase: unbegrenzt

Finanzierung

Aufbauphase: ca. 418,6 Mio. Euro; davon ca. 15,35 Mio. Euro für Baumaßnahmen, ca. 99,7 Mio. Euro für Investitionen, ca. 294,4 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung neuer Technologien und Datenstrukturen