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Blick durch den Wolkenschleier

17. Mai 2017 Leibniz-Institut für Astrophysik

Es ist das bislang größte Infrarotbild der Kleinen Magellanschen Wolke: Forschern ist es mit einem Spezialteleskop gelungen, die unzähligen Sterne der Nachbargalaxie so klar aufzulösen wie nie zuvor.


Foto: ESO/VISTA VMC

Das größte Infrarotbild, das je von der Kleinen Magellanschen Wolke aufgenommen wurde: Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen, geleitet von AIP-Forscherin Prof. Dr. Maria-Rosa Cioni, ist es mit dem Teleskop VISTA gelungen, die unzähligen Sterne in der Nachbargalaxie so klar aufzulösen wie nie zuvor.

Selbst mit bloßem Auge ist die Kleine Magellansche Wolke (engl. Small Magellanic Cloud, kurz SMC) ein markantes Merkmal des südlichen Sternhimmels. Die SMC ist eine Zwerggalaxie und der kleinere Zwilling der Großen Magellanschen Wolke (engl. Large Magellanic Cloud, kurz LMC). Sie gehören beide zu denen der Milchstraße nächstgelegenen Nachbargalaxien im Weltraum — die SMC ist etwa 200.000 Lichtjahre von uns entfernt, was nur einem Zwölftel der Entfernung zur viel bekannteren Andromedagalaxie entspricht.

Die vergleichsweise große Nähe zur Erde macht die Magellanschen Wolken zu idealen Kandidaten, um zu erforschen, wie Sterne entstehen und sich entwickeln. Eines der größten Hindernisse bei der Beobachtung der Sternentstehung in Galaxien ist interstellarer Staub: Riesige Wolken aus winzigen Staubkörnern streuen und absorbieren einen Teil der Strahlung, die von den Sternen innerhalb der Galaxien abgegeben wird – besonders das sichtbare Licht. Nur Infrarot-Beobachtungen mit Teleskopen wie VISTA ermöglichen einen Blick auf das, was innerhalb der SMC verborgen ist. Infrarotstrahlung kann den interstellaren Staub deutlich leichter durchqueren als das sichtbare Licht.

VISTA, das Visible and Infrared Survey Telescope der Europäischen Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) am Paranal-Observatorium in Chile, ist so konzipiert, dass es Infrarotstrahlung abbilden kann. Der VISTA Survey of the Magellanic Clouds (VMC) konzentriert sich auf die Kartierung der Sternentstehungsgeschichte der SMC und der LMC, sowie ihrer dreidimensionalen Struktur. Im Rahmen des VMC gelangen den Forscherinnen und Forschern bereits einmalige Aufnahmen von Millionen von Sternen, die im sichtbaren Licht nicht möglich gewesen wären. „Die Daten, die wir mit VISTA gewonnen haben, haben unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Maria-Rosa Cioni. „Wir haben am AIP kleine Bewegungen von Sternen gemessen, von denen wir zuvor angenommen hatten, dass sie mit Teleskopen auf der Erdoberfläche nicht nachweisbar sind. Dies ist nur ein Aspekt der umfangreichen Forschung, die der VMC ermöglicht hat und die in bislang mehr als 24 Artikeln beschrieben wurde.“   

Der VMC hat gezeigt, dass die meisten Sterne innerhalb der SMC jünger sind als die der größeren Nachbargalaxien. Diese ersten Ergebnisse sind nur ein Vorgeschmack auf die neuen Entdeckungen, die noch kommen werden, da der VMC noch weitere blinde Flecken der Magellanschen Wolke unter die Lupe nehmen wird.

Veröffentlichung zu dem Forschungsprojekt

Stefano Rubele, Léo Girardi, Leandro Kerber, Maria-Rosa L. Cioni, Andrés E. Piatti, Simone Zaggia, Kenji Bekki, Alessandro Bressan, Gisella Clementini, Richard de Grijs, Jim P. Emerson, Martin A. T. Groenewegen, Valentin D. Ivanov, Marcella Marconi, Paola Marigo, Maria-Ida Moretti, Vincenzo Ripepi, Smitha Subramanian, Benjamin L. Tatton and Jacco Th. van Loon. „The VMC survey – XIV. First results on the look-back time star formation rate tomography of the Small Magellanic Cloud”, MNRAS 449, 639–661 (2015).

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Katrin Albaum
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