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Die dünne Haut der Erde

07. September 2017 Zoologisches Forschungsmuseum Alexander König

In einer neuen Sonderausstellung schrumpfen die Besucher auf die Größe einer Landassel, begegnen den Bodenbewohnern Auge in Auge und erfahren, wie der Mensch diesen wichtigen Lebensraum gefährdet.


©Pixabay

Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK) in Bonn eröffnete am 6. September 2017 die interaktive Sonderausstellung „Die dünne Haut der Erde – unsere Böden“.

Die Ausstellung des Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz umfasst vier inhaltlich wichtige Spiel- und Informationskammern zur Bedeutung von Böden für Pflanzen, Tiere und den Menschen. Böden spenden Leben und sind für uns unverzichtbar wie Wasser und Luft. Die Ausstellung zeigt auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse den Boden einerseits als Lebensraum zahlreicher Bodenorganismen und deren Zusammenleben. Andererseits werden die Folgen der Bodennutzung bis hin zur Zerstörung angesprochen. Dabei können die Besucher die verborgene Welt unter unseren Füßen aus dem Blickwinkel einer Assel erleben. Die Ausstellung ist insbesondere für Familien sowie Schulklassen geeignet und bis zum 21. Januar 2018 zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Es besteht ein umfangreiches Begleitprogramm. Es wird kein gesonderter Eintritt erhoben.

Der Besucher schrumpft beim Betreten der Ausstellung auf die Größe einer Landassel, die reell etwa 17–20 Millimeter groß ist. Derart verkleinert erforscht der Besucher eine der am wenigsten bekannten Lebensräume der Erde und begegnet seinen Bewohnern Auge in Auge. Fünf Kammern laden Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein, einen unbekannten Mikrokosmos jenseits unserer Sehgewohnheiten zu erkunden.

Die in verschiedenen Lebensräumen Bodenorganismen weisen erstaunliche Anpassungen an extreme Bedingungen auf. So überstehen Bärtierchen ein komplettes Austrocknen über äußerst lange Zeit im Gegensatz zu anderen Lebewesen völlig unbeschadet. Dies ist durch großformatige rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen verbildlicht.

Übersichtsaufnahmen verschiedener Bodentiere, die durch Detailaufnahmen einzelner Strukturen ergänzt werden, zeigen die teilweise skurril wirkenden Körperbauten dieser Lebewesen und die faszinierende Welt Boden. Auch die Themen Fortpflanzung und Aufzucht des Nachwuchses finden in einem eigenen Themenkomplex Beachtung. Die Problematik der Neobiota, eingeschleppter Arten, bildet den thematischen Übergang zur Kammer des Schreckens. Böden verlieren durch Erosion ihre natürliche Fruchtbarkeit, die landwirtschaftliche Anbaufläche schrumpft und die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung wird zunehmend problematischer. Wie die Einflüsse der Menschen die Bodenökosysteme und ihre Bodentiergemeinschaften gefährden und was zu tun ist, um dieser Gefährdung entgegenzuwirken, ist Inhalt dieses Themenkomplexes. Auch das eigene Verbraucherverhalten wird gespiegelt.

Und, zuletzt die gute Nachricht: Es ist nicht alles verloren. An interaktiven Stationen lernen die Besucher Visionäre kennen, die durch ihr Engagement die Bodenwelt schützen.

Kammer des LEBENS - Bodentiere und ihre Biologie

In der Kammer des Lebens stehen die Biologie, Vielfalt, Lebensweise und die ökologische Bedeutung der Bodentiere im Fokus.

  • Welche sind die Lebensräume, Eigenschaften und Funktionen der verschiedenen Bodenorganismen?
  • Wie funktioniert der Verwertungsprozess unter unseren Füßen?
  • Welchen Nutzen bringen uns Bodentiere?

Das zentrale Modell der Ausstellung zeigt eine Raubmilbe, die einen Springschwanz erbeutet, und verdeutlicht die Räuber-Beute Beziehungen im Boden. Umrahmt wird dieses Modell von Tafeln, die sich mit den unterschiedlichen Jagdstrategien und Abwehrmechanismen exemplarisch ausgewählter Bodentiere auseinandersetzen. Besucher können verschiedene Abwehrsekrete an einer Riechstation wahrnehmen.

Kammer der KRÜMEL- Bodentypen: ihre Zusammensetzung und Nutzung

Die Kammer der Krümel zeigt den Boden nicht nur als Ergebnis geologischer und physikochemischer Vorgänge, sondern auch als Lebensraum, Nahrungsquelle und Wasserspeicher.

  • Was sind die einzelnen Bestandteile unserer Böden und wie sind sie entstanden?
  • Was gibt es für unterschiedliche Böden auf der Welt?
  • Wie haben sich die Beziehungen zwischen Mensch und Boden in den letzten 2000 Jahren verändert?

Kammer des WISSENS - Böden, Bodenbiodiversität und der Mensch

In der Kammer des Wissens erfahren die Besucherinnen und Besucher nicht nur, wie man Boden untersucht und die geheimnisvollen Bodentiere fängt, sondern lernen auch aktuelle Forschungsprojekte wie die Projekte Edaphobase (Datenbank der Bodenorganismen) und German Barcode of Life (GBOL) kennen.

Kammer des SCHRECKENS - Gefährdung von Böden

In der Kammer des Schreckens wird deutlich, wie die Eingriffe der Menschen die Bodenökosysteme und ihre Bodentiergemeinschaften gefährden und wie man dieser Entwicklung entgegenwirken kann.

  • Welche Rolle spielt der Boden für die Menschen?
  • Wie nutzen und benutzen wir unsere Böden?
  • Warum sollten wir Böden besser schützen?

Ausgang der Visionäre - Licht am Ende des Tunnels

Interaktive Stationen stellen Visionäre vor, die durch ihr Engagement die Bodenwelt schützen.

  • Was kann ich selbst für den Bodenschutz tun?
  • Was gibt es bereits für Bodenschutzprojekte?

Die Ausstellung wurde erstellt vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Kontakt

Sabine Heine
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Adenauerallee 160
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Tel.: +49 228 9122 - 215
E-Mail: s.heine(at)leibniz-zfmk.de