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Gesammeltes Schlangen-Wissen

05. Dezember 2017 | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Eine neue Datenbank für Schlangen der Neotropen listet die Verbreitungsmuster von 886 Schlangenarten in 27 Ländern und zeigt bislang unbekannte Biodiversitäts-Hotspots.


Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team aus Brasilien, Australien, den USA, Ecuador, Schweden und Deutschland die Ergebnisse einer umfangreichen Datenbank für Schlangen der Neotropen veröffentlicht. Die Daten stammen aus Sammlungen der letzten 150 Jahre und zeigen beispielsweise, dass einige neotropische Regionen wie der Cerrado in Zentralbrasilien ein bisher unbekannter Biodiversitäts-Hotspot für Schlangen ist. Darüber hinaus ist aus den gesammelten Datensätzen zu erkennen, dass in einigen Regionen, wie zum Beispiel dem Amazonas, eine ausreichende Sammlungstätigkeit fehlt.

Erstmals werden in der Datenbank alle Faktoren wie Verbreitungsmuster, Sammlungsprotokolle und Häufigkeit des Auftretens in insgesamt 147.515 Beiträgen zu 886 Schlangenarten gelistet – damit sind 74 Prozent aller Schlangenarten aus 27 Ländern erfasst. Die Datenbank, die in dieser Form bisher einzigartig ist, wird als solide Grundlage für Naturschutzkonzepte, Biodiversitäts- und Evolutionsmodelle in der Zukunft sowie für zukünftige Forschungsprojekte dienen. Die Studie wurde heute in der Zeitschrift "Global Ecology and Biogeography" veröffentlicht.

Etwa 10.450 Reptilienarten gibt es weltweit – etwa 150 bis 200 neue Arten werden zudem jedes Jahr neu entdeckt. Schlangen machen etwa 34 Prozent dieser Klasse aus. „Wir gehen davon aus, dass es noch zahlreiche Schlangenarten gibt, die wir noch überhaupt nicht kennen. Um zu wissen, wo wir nach unbekannten Arten suchen sollten, müssen aber erst Gebiete identifiziert werden, die bisher nicht ausreichend untersucht wurden“, erklärt Dr. Thaís Guedes, Erstautorin der Studie von der Universität Göteborg und fügt hinzu: „Wir wissen dank der neuen Datenbank, dass das artenreiche Amazonasgebiet zum Beispiel eines der am wenigsten erforschten Gebiete ist – das ist dem Zusammenspiel zwischen dem sehr großen, häufig schlecht zugänglichen Gebiet, dem Mangel an lokalen Experten und den geringen Investitionen in die dortige Forschung geschuldet. Wissenschaftliche Sammlungen gibt es hier nur aus dem geographischen Umkreis von größeren Städten und Universitäten“. Die internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat Daten über Schlangensammlungen der Neotropen – Süd- und Mittelamerika, die Westindischen Inseln und den südlichen Teil von Mexiko und Florida – gesammelt, um die Vielfalt der Schlangenarten, ihre

Verbreitung sowie ihre Bedrohungen aufzuzeichnen. Das Ergebnis ist eine einzigartige Datenbank mit 147.515 Einträgen für 886 Schlangenarten aus 12 Familien. Der Seniorautor Alexandre Antonelli von der Universität Göteborg freut sich: „Wir haben hier eine der größten und detailliertesten Erhebungen zur Verbreitung von Schlangen veröffentlicht. Von einer der artenreichsten Reptilien-Vertreter der Welt! Was für eine gemeinsame Leistung!“

Der riesige Datensatz ist das Ergebnis einer Zusammenführung von einer öffentlichen Datenbank, die von Experten geprüft wurde, und den Daten aus Sammlungen verschiedener internationaler Taxonomen. Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Martin Jansen hierzu: „Der Gebrauch ausschließlich von Daten, die durch taxonomische Experten verifiziert wurden, hat den Datensatz enorm aufgewertet. Man könnte sagen, dass der Datensatz nun eine Art Qualitätszeichen hat, sowas wie ‚Taxonomisch einwandfrei’. Das ist sehr wichtig, denn oft fehlt es bei Biodiversitätsmodellen an dieser vertieften taxonomischen Expertise. Die Ergebnisse dieser umfassendsten und neuartigen Datenbank unterstreichen auch die Notwendigkeit, Gebiete mit hoher Diversität sowie seltene Arten besser zu untersuchen, zu erforschen und zu schützen. „Unsere Datenbank bietet hierfür die ideale Grundlage und kann von anderen Wissenschaftlern – auch ohne taxonomisches Fachwissen – als solide Grundlage für weitere Modelle genutzt werden, zum Beispiel für die Erforschung evolutionärer Muster oder zu den Auswirkungen des Klimawandels", erklärt Guedes.

Publikation

Guedes TB, Sawaya RJ, Zizka A, et al. Patterns, biases and prospects in the distribution and diversity of Neotropical snakes. Global Ecol Biogeogr. 2017;00:1–8. https://doi.org/10.1111/geb.12679Presse

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