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Neue Eizellen für Nashörner

20. März 2017 | Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Die weltweit letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner können sich nicht mehr auf natürlichem Weg fortpflanzen. Forscher wollen die Art aber noch retten, indem sie ihre Eizellen gewinnen.


Anfang März fand im Zoo Dvůr Králové in der Tschechischen Republik ein Treffen der "European Northern White Rhino Working Group" (Europäische Arbeitsgruppe Nördliches Breitmaulnashorn) statt. Ziel der internationalen Experten ist es, das Nördliche Breitmaulnashorn vor dem Aussterben zu retten. Mit nur drei Individuen ist es die am stärksten gefährdete Säugetierart der Welt. Die verbliebenen Tiere sind auf natürlichem Weg nicht mehr fortpflanzungsfähig. Das Treffen in Dvůr Králové zeigte, dass die Gewinnung von Eizellen (Ovum pick-up - OPU) bei den letzten beiden Weibchen der Art bald möglich sein wird. In den letzten zwei Jahren wurde eine neue OPU-Methode speziell für diese großen, zwei Tonnen schweren Tiere entwickelt. Bisher trainierten die Reproduktionsexperten die neue Methode am nahe verwandten Südlichen Breitmaulnashorn. Die Gameten-Gewinnung wurde in Kombination mit modernen in-vitro-Protokollen zur Heranreifung und Befruchtung von Eizellen entwickelt.

Nachdem im Mai 2016 in der internationalen Fachzeitschrift "Zoo Biology" die bahnbrechende Strategie, wie man diese todgeweihte Art noch vor dem Aussterben retten kann, veröffentlicht wurde (Saragusty et al., 2016), gründete sich ein Konsortium aus Experten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin, von Aventea srl. in Cremona, Italien, zweier Helmholtz-Institute in Berlin und München und der Kyushu Universität in Fukuoka, Japan. Der Zoo Dvůr Králové, "Besitzer" der letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner, koordiniert das Projekt und leistet erhebliche finanzielle Unterstützung.

"Das komplexe Verfahren wurde bisher an zwölf Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen durchgeführt. Alle Oozytenspenderinnen sind Teil des Europäischen  Erhaltungszuchtprogramms (European Endangered Species Programme - EEP). Bei einigen ausgezeichneten Spenderinnen konnten wir ohne Nebenwirkungen zwei OPUs durchführen. Unser Verfahren hat keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Tiere. Dieses Verfahren kann auch zur Behandlung von Unfruchtbarkeitsursachen, wie z. B. bei Zysten im Uterus oder in den Eierstöcken, verwendet werden", sagt Professor Thomas Hildebrandt, Leiter der Abteilung Reproduktionsmanagement am Leibniz-IZW.

Die gewonnenen Eizellen wurden regelmäßig an Avantea srl. geschickt, einem Labor im italienischen Cremona, das sich auf die assistierte Reproduktion von großen Tieren spezialisiert hat. Hier versucht man Eizellen heranreifen zu lassen, zu befruchten und Embryos zu entwickeln, die für einen Transfer geeignet sind. Die ersten Zellteilungsstadien der embryonalen Entwicklung wurden bereits erreicht. Die vielversprechenden Ergebnisse des Avantea-Teams wurden von Professor Cesare Galli, Geschäftsührer von Avantea, präsentiert.

Den zweiten Teil des zweitägigen Treffens leiteten Stammzellexperten aus Japan und Deutschland (Kyushu-Universität, Helmholtz-Zentrum München, Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin der Helmholtz-Gemeinschaft Berlin). Die Experten entwickelten ihren Ansatz weiter, künstliche Gameten im Nördlichen Breitmaulnashorn in vitro zu erzeugen.

Die letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner leben in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia. Dorthin wurden sie 2009 vom Zoo Dvůr Králové übersendet. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir in diesem Jahr versuchen können, Oozyten aus den letzten Nördlichen Breitmaulnashörnern zu gewinnen", sagt Jan Stejskal, Direktor für internationale Projekte des Zoos Dvůr Králové.

"Um den Lauf gegen die Zeit tatsächlich zu gewinnen, ist es äußerst wichtig, dass wir in sehr kurzer Zeit ausreichend finanzielle Mittel finden. Nur so kann diese wertvolle Art noch gerettet werden", sagt Steven Seet, Leiter der Stabsstelle Presse und Kommunikation am Leibniz-IZW.

Hintergrundinformationen

Europäische Zoos, die es dem Leibniz-IZW-Team ermöglichten, Oozyten von ihren Nashorn-Weibchen zu gewinnen: Dvůr Králové Zoo, Zoo Salzburg, Zoo Budapest, Zoo Schwerin, Zoo Chorzow, Zoo Thoiry, Zoo Montpellier, Zoo Poznan, Zoo Pairi Daiza.

Publikation

Saragusty J, Diecke S, Drukker M, Durrant B, Friedrich Ben-Nun I, Galli C, Göritz F, Hayashi K, Hermes R, Holtze S, Johnson S, Lazzari G, Loi P, Loring JF, Okita K, Renfree MB, Seet S, Voracek T, Stejskal J, Ryder OA, Hildebrandt TB (2016): Rewinding the process of mammalian extinction. ZOO BIOL 35, 280-292. doi:10.1002/zoo.21284.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/zoo.21284/abstract

Kontakt

Steven Seet
Stabsstelle Presse & Kommunikation
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
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