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Raubverlage schaden Wissenschaft

20. Juli 2018

Raubverlage, die eine wissenschaftliche Qualitätssicherung nur vortäuschen, schaden der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft, die solchen Geschäftsmodellen gegenüber noch sensibler werden muss.


"Predatory Publishing" - Schaden für die Wissenschaft, nicht durch die Wissenschaft

„Predatory conferences“ und „predatory journals“ erwecken den Anschein wissenschaftlicher Qualitätssicherung, ohne sie einzulösen. Hinter den meist professionell gestalteten Angeboten stehen rein wirtschaftliche Interessen, die auf den ersten Blick kaum von seriösen Angeboten mit zuverlässigen Peer Review-Systemen zu unterscheiden sind.

Da Qualitätssicherung eines der wesentlichen Merkmale qualitativ hochwertiger und damit auch vertrauenswürdiger Wissenschaft ist, können „predatory conferences“ und „predatory journals“ aufgrund des Fehlens entsprechender Mechanismen für die Wissenschaft und ihre Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft großen Schaden anrichten. Dabei können die wissenschaftlichen Ergebnisse, die auf diese Weise veröffentlicht werden, wohlgemerkt von hoher Qualität sein – diese wurde nur eben nicht durch eine neutrale Begutachtung – im Anschluss an die internen Qualitätskontrollen der Leibniz-Einrichtungen selbst – bestätigt. Das entspricht nicht den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis der Leibniz-Gemeinschaft und im Allgemeinen. Demgegenüber ist das bewusste Vortäuschen der Durchführung oder Inanspruchnahme von Maßnahmen und Verfahren zur Qualitätssicherung (wie bspw. peer-review) wissenschaftliches Fehlverhalten.

„Predatory journals“ waren vor einigen Jahren bei weitem noch nicht so verbreitet wie heute und daher auch im Bewusstsein von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern noch nicht präsent genug. In der Leibniz-Gemeinschaft wissen wir von einer im niedrigen zweistelligen Bereich liegenden Anzahl solcher bedauerlichen Veröffentlichungen in zurückliegenden Jahren - bei fast sechzigtausend Peer Review-Publikationen in diesem Zeitraum insgesamt.

Hier erläutert Klaus Tochtermann, Direktor des Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft (ZBW) im Deutschlandfunk die Tragweite des Problems für die Wissenschaft, aber auch die Mechanismen der Wissenschaft selbst, die ihre Qualität, Transparenz und Verlässlichkeit sichern: https://www.deutschlandfunkkultur.de/informatiker-klaus-tochtermann-ueber-fake-science.1008.de.html?dram:article_id=423280