© Jan Zappner

Kontakt

Leibniz-Gemeinschaft
Referat Kommunikation
Chausseestraße 111
10115 Berlin
Tel.: 030 / 20 60 49 - 48
Fax: 030 / 20 60 49 - 55

Schützenswerte Habitate

14. März 2019 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

25.000 Gebiete hat das Netzwerk "Natura 2000" in Europa unter Schutz gestellt. Doch nicht alle in Deutschland vorkommenden Lebensraumtypen sind laut einer Studie gleichermaßen repräsentiert.


Das größte koordinierte Netz von Naturschutzgebieten weltweit liegt weder am Südpol noch in Australien, Afrika, Asien oder auf den amerikanischen Kontinenten  –  sondern in Europa. In den letzten 17 Jahren wurden im Rahmen von Natura 2000 zwanzig Prozent der EU-Landmasse und große Teile der sie umgebenden Meere zu Schutzgebieten erklärt. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) untersuchten in einem internationalen Team, wie effektiv Natura 2000 die gelisteten Lebensraumtypen in Deutschland schützt. Und sie verglichen Natura 2000 mit einem hypothetischen idealen Netzwerk. Das Ergebnis: Das bestehende Netzwerk schließt besonders schützenswerte Habitate ein, jedoch sind nicht alle Lebensraumtypen ausgewogen repräsentiert.

„Torfmoor-Schlenken; Waldmeister-Buchenwald; Brenndolden-Auenwiesen; Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden – diese skurrilen Namen gehören zu meinen Favoriten unter den 220 besonders wertvollen Lebensraumtypen, die in Europa geschützt werden“, so Martin Friedrichs vom IGB, Hauptautor der Studie.

Unter dem Namen Natura 2000 wurde 1992 das weltweit größte zusammenhängende Netzwerk von Schutzgebieten errichtet, um dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Mehr als 25.000 Schutzgebiete wurden auf Basis der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) von 1992 sowie der Vogelschutz-Richtlinie von 1979 ausgewiesen. Das ehrgeizige Ziel: über 1000 der dort vorkommenden Tierarten zu schützen und etwa 220 besonders wertvolle Lebensraumtypen zu erhalten. Trotz Natura 2000 hat sich das Artensterben in Europa nicht verlangsamt. Weltweit sterben täglich 150 bis 200 Pflanzen-, Insekten, Vogel- oder Säugetierarten aus. Dieser drastische Verlust der Artenvielfalt bedroht nicht nur die Funktionalität vieler Ökosysteme, sondern auch das menschliche Wohl, welches untrennbar mit intakten Ökosystemen verbunden ist.

Der Schutzstatus von Lebensraumtypen durch die Natura 2000 wurde bisher nur unzureichend untersucht. „Es ist bekannt, dass Lebensraumtypen generell schlechter geschützt sind als Tier- und Pflanzenarten. Aus diesem Grund haben wir in unserer Studie eine Verbreitungskarte der Lebensraumtypen erstellt und evaluiert, wie effektiv Natura 2000 für den Schutz der 93 gelisteten Lebensraumtypen in Deutschland ist. Zusätzlich haben wir, basierend auf der räumlichen Verteilung von Natura 2000-Teilgebieten, besonders bedeutsame Gebiete identifiziert, welche in zukünftigen Planungsprozessen berücksichtigt werden sollten“, erklärt Simone Langhans den Forschungsansatz. Sie ist Leiterin der Studie und aktuell Wissenschaftlerin an der University of Otago in Neuseeland. Die Analysen wurden für Deutschland durchgeführt, die Herangehensweise ist jedoch auf alle Natura 2000-Mitgliedsstaaten anwendbar.

Die Ergebnisse zeigen, dass alle in Deutschland vorkommenden Lebensraumtypen im jetzigen Natura 2000-Netzwerk vertreten sind. Großflächige und häufig vorkommende Lebensraumtypen sind jedoch deutlich unterrepräsentiert; im Verhältnis zu ihrer Gesamtfläche nimmt die geschützte Fläche einen zu geringen Anteil ein. In Zukunft könnten typspezifische Flächenziele Abhilfe gegen das unausgewogene Verhältnis im jetzigen Natura 2000-Netzwerk schaffen.

„Wir waren wirklich positiv überrascht von unseren Ergebnissen. Sogar in einem dicht besiedelten und stark industrialisierten Land wie Deutschland kann es gelingen, Naturschutz und andere Formen der Landnutzung unter einen Hut zu bringen“, resümiert Martin Friedrichs.

Originalpublikation

Evaluation of habitat protection under the European Natura 2000 conservation network - the example for Germany; Martin Friedrichs, Virgilio Hermoso, Vanessa Bremerich, Simone D. Langhans. PLOS ONE; doi: https://doi.org/10.1101/359125.

Kontakt

Anja Wirsing
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsverbund Berlin e.V.
Tel.: 030 / 6392 3337
wirsing(at)fv-berlin.de

www.fv-berlin.de