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Einmal Wutbürger, immer Wutbürger?

09. August 2017 | GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Eine neue Studie untersucht, wie sich die Emotionen in Bezug auf das umstrittene Verkehrsprojekt Stuttgart 21 über die Jahre entwickelt haben.


Eine auf Paneldaten fußende Studie konstatiert, dass die allgemeine Wut über das milliardenschwere Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 nach der Volksabstimmung im November 2011 weitgehend zum Erliegen kam. Allerdings zeigt sich die heterogene Gruppe der Projektgegner weiterhin unversöhnlich.

Der Begriff „Wutbürger“, der erstmals im Zusammenhang mit Stuttgart 21 geprägt wurde und nicht mehr nur die jungen Radikalen, sondern arrivierte deutsche Staatsbürger umfasst, ist längst in der Alltagssprache etabliert. Eine Studie von Johannes N. Blumenberg (GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften) untersucht, ob die deutschen Bundesbürger nach wie vor Groll gegen das Infrastrukturprojekt hegen und wie sich ihre diesbezügliche Einstellung zwischen den Jahren 2011 und 2015 verändert hat.

Um die Emotionen zu Stuttgart 21 langfristig nachzuvollziehen, greift der Autor auf ein sogenanntes Panel zurück, in dessen Rahmen ein identischer Kreis von Personen insgesamt 13 Mal befragt worden ist. Dabei betrachtet er nicht alle Personen, die jemals an der Befragung teilgenommen haben, sondern beschränkt die Analyse auf Teilnehmende an allen 13 Befragungen. Damit lassen sich Veränderungen der Emotionen nachvollziehen.

Blumenberg zieht für die Gesamtbevölkerung folgendes Fazit: „Waren die Befragten unserer Studie zu Beginn des Untersuchungszeitraumes noch sehr wütend über Stuttgart 21, so verlor sich diese Wut nach der Volksabstimmung teilweise.“ Die Gegner des Projektes Stuttgart 21 blieben jedoch weitgehend unversöhnlich. Sie lassen sich nicht als eine homogene Gruppe, beispielsweise als „konservative Bürgerliche“ oder als „junge Revoluzzer“ begreifen. Statt über den ideologischen Hintergrund sind sie vielmehr durch ihre Involviertheit miteinander verbunden, die in ähnlichen Analysen indes noch kaum Beachtung findet.

Download

Die Studie „Wutbürger für immer – wirklich? Ein Blick auf die Wut über Stuttgart 21, 2011 bis 2015“ ist im Informationsdienst Soziale Indikatoren ISI 58 erschienen und kann hier heruntergeladen werden:

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Dr. Sophie Zervos
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