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            <title>Leibniz-Gemeinschaft</title>
            <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/</link>
            <description>TOP-Meldungen von Leibniz-Gemeinschaft</description>
            <language>de-DE</language>
            
                <copyright>Leibniz-Gemeinschaft</copyright>
            
            <pubDate>Tue, 14 Apr 2026 15:55:12 +0200</pubDate>
            <lastBuildDate>Tue, 14 Apr 2026 15:55:12 +0200</lastBuildDate>
            
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                        <guid isPermaLink="false">news-7402</guid>
                        <pubDate>Mon, 13 Apr 2026 18:18:00 +0200</pubDate>
                        <title>Psychosoziale Hilfe für Geflüchtete</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/niedrigschwellige-hilfe-fuer-gefluechtete</link>
                        <description>Krieg, Verfolgung, Gewalt: Viele Geflüchtete tragen schwere psychische Lasten. Ob das WHO-Programm „Problem Management Plus“ in Deutschland helfen kann, wird nun erprobt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Geflüchtete Menschen haben oft schwerste Traumata erlebt. Krieg, Verfolgung, Gewalt, der Verlust von Angehörigen – viele tragen seelische Wunden, die lange unsichtbar bleiben. Genau hier setzt das neue Projekt HOME an: Gemeinsam mit dem Bremer Behandlungszentrum REFUGIO will das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS prüfen, ob eine von der Weltgesundheitsorganisation entwickelte Intervention Geflüchteten in Deutschland wirksam helfen kann.<em> </em></p>
<p>Im Zentrum steht „Problem Management Plus“ (PM+), ein niedrigschwelliges, präventives Unterstützungsangebot. Es richtet sich an Menschen, die nicht schwer psychisch erkrankt sind, aber besondere psychische Belastungen zu bewältigen haben und denen bislang ein Zugang zu Therapie oder Beratung fehlt. Das Besondere: PM+ wird von geschulten Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren durchgeführt, die die Sprache der Teilnehmenden sprechen. Internationale Studien zeigen, dass das Programm Symptome von Depression, Angst und Stress deutlich reduzieren kann. In Deutschland gibt es jedoch bislang keine nachhaltige Implementierung.</p>
<h6>Bremen als Vorbild</h6>
<p>Mit HOME soll sich das ändern. Das Projekt untersucht nicht nur, ob PM+ in Bremen wirksam eingesetzt werden kann, sondern auch, wie sich das Konzept an die hiesigen Versorgungsstrukturen anpassen lässt. Zudem sollen Barrieren und förderliche Faktoren identifiziert und konkrete Implementationsleitfäden entwickelt werden. Dies könnte als Grundlage dienen, um es auf andere Regionen in Deutschland auszuweiten.<br> „PM+ ist international gut evaluiert und in Ländern wie der Schweiz bereits etabliert. Wir freuen uns sehr, dieses Konzept nun auch in Deutschland wissenschaftlich zu erproben und zu prüfen, wie es sich nachhaltig in bestehende Strukturen integrieren lässt“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Daniela Fuhr vom BIPS.</p>
<h6>Großer Bedarf an psychologischer Unterstützung</h6>
<p>Projektpartner ist <a href="https://www.refugio-bremen.de/" target="_blank" rel="noreferrer">REFUGIO Bremen</a>, ein psychosoziales Zentrum für Geflüchtete mit jahrzehntelanger Erfahrung. Seit 1989 unterstützt der gemeinnützige Verein Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Diskriminierung geflohen sind. „Wir erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist und wie schwer es für viele Betroffene ist, Hilfe zu bekommen“, sagt Marc Millies, Leitung Kommunikation und Verwaltung bei REFUGIO Bremen. „Die Zusammenarbeit im Projekt HOME bietet die Chance, ein wirksames, sprachsensibles Angebot strukturell zu verankern und damit Menschen zu erreichen, die bislang durchs Raster fallen.“<br> <br> Das Projekt HOME läuft vom Oktober 2025 bis September 2028 und wird kofinanziert von der Europäischen Union. Anmeldungen für das Programm sind ab dem 08. April 2026 möglich. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich <a href="https://www.bips-institut.de/medien/einzelansicht/niederschwellige-psychosoziale-hilfe-forschungsprojekt-home-bringt-who-intervention-nach-deutschland.html" target="_blank" rel="noreferrer">hier</a>.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.bips-institut.de/medien/einzelansicht/niederschwellige-psychosoziale-hilfe-forschungsprojekt-home-bringt-who-intervention-nach-deutschland.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS</a></p>

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                                <category>Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
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                        <guid isPermaLink="false">news-7401</guid>
                        <pubDate>Mon, 13 Apr 2026 17:31:00 +0200</pubDate>
                        <title>Klimaintelligente Landwirtschaft</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/klimaintelligente-landwirtschaft</link>
                        <description>Afrikas Landwirtschaft leidet unter dem Klimawandel. Eine Analyse von knapp 300 Agrarbetrieben untersucht, inwieweit klimaintelligente Anbaumethoden die Ernährungssicherheit verbessern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Der IAMO Policy Brief 49 untersucht, ob und inwieweit die Einführung klimaintelligenter landwirtschaftlicher Praktiken die Ernährungsunsicherheit in Afrika verringert. Die Erkenntnisse beruhen auf einer empirischen Forschungsstudie des IAMO unter Agrarbetrieben im Senegal, in Ägypten und Marokko.</p>
<p>Die Landwirtschaft spielt nach wie vor eine zentrale Rolle für die Lebensgrundlagen und die Wirtschaft in Afrika. Gleichzeitig ist der Sektor mit wiederkehrenden Nahrungsmittelengpässen und begrenzten Anpassungsfähigkeiten an klimabedingten Auswirkungen konfrontiert, was den Fortschritt bei der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (sog. United Nations Sustainable Development Goals - SDGs) behindert.<br> <br> Der Klimawandel hat die Gefährdung der afrikanischen Agrarsysteme weiter verschärft, insbesondere da ein Großteil der Landwirtschaft in der Region nach wie vor überwiegend regenabhängig und sehr empfindlich gegenüber sowohl natürlichen Klimaschwankungen als auch anthropogenen Klimaveränderungen ist. Klimaintelligente Landwirtschaft (sog. Climate-Smart Agriculture - CSA) gilt weithin als vielversprechender Ansatz, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die Produktivität und die Umweltintegrität zu erhalten. Obwohl es eine breite Palette von klimaintelligenten landwirtschaftlichen Praktiken gibt, die von internationalen Organisationen wie der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltbank gefördert werden, ist die Akzeptanz bei den Landwirten und Landwirtinnen nach wie vor gering, und es ist noch nicht vollständig geklärt, wie diese Praktiken die Ernährungssicherheit in Afrika beeinflussen.<br> <br> Der IAMO Policy Brief 49 soll diese Lücke schließen, indem er untersucht, ob und inwieweit die Einführung klimaintelligenter landwirtschaftlicher Praktiken die Ernährungsunsicherheit bei 287 landwirtschaftlichen Haushalten im Senegal, in Ägypten und in Marokko verringert. Es werden acht klimaintelligente Anbaumethoden bewertet und ihre Auswirkungen auf die Ernährungsunsicherheit unter Verwendung des Marginal-Treatment-Effect-Modells (MTE) geschätzt. Die Ergebnisse liefern Erkenntnisse als Grundlage für politische Maßnahmen und Interventionen, die darauf abzielen, eine resiliente, nachhaltige und ernährungssichere Landwirtschaft zu stärken<br> <br> Der IAMO Policy Brief 49 „Adopting climate-smart agriculture to enhance food security: empirical evidence from African farms” ist in der englischen und französischen Sprache erschienen. Die Ausgaben können auf der folgenden Webseite kostenfrei heruntergeladen werden: <a href="https://www.iamo.de/iamo-policy-briefs" target="_new" rel="noreferrer">https://www.iamo.de/iamo-policy-briefs</a>.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p><a href="https://www.iamo.de/fileadmin/documents/IAMOPolicyBrief49_en.pdf" target="_blank" class="download" rel="noreferrer">IAMO Policy Brief 49 (PDF) </a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.iamo.de/presse/pressemitteilungen/artikel/verbesserung-der-ernaehrungssicherheit-durch-klimaintelligente-anbaumethoden-in-afrika" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien </category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Fri, 10 Apr 2026 10:12:00 +0200</pubDate>
                        <title>Einsatzbereit fürs Kulturerbe</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/international-einsatzbereit-fuer-kulturerbe</link>
                        <description>Überschwemmungen, Brände, Erdbeben und andere zivile Krisen bedrohen weltweit das Kulturerbe. Mit dem Projekt KulturGutRetter kann Deutschland jetzt schnell Hilfe leisten.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn irgendwo auf der Welt Kulturerbe durch Überschwemmungen, Brände, Erdbeben oder andere zivile Krisen bedroht ist, muss schnell und effektiv Hilfe geleistet werden. Deshalb hat das Deutsche Archäologische Institut (DAI) im Projekt KulturGutRetter zusammen mit der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und dem Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) eine derzeit einzigartige Kapazität aufgebaut: die Auslandseinsatzeinheit „Cultural Heritage Response Unit“ (CHRU). Sie kann im Rahmen der internationalen Katastrophenhilfe zur Notversorgung von z. B. Museen, Baudenkmälern, Sammlungen oder Archiven im Katastrophenfall beitragen.</p>
<p>Die neue Einheit ist nun offiziell im EU-Katastrophenschutzverfahren registriert und damit als einsatzbereit gemeldet. Im Fall von Natur- oder durch Menschen verursachte Katastrophen kann Deutschland nach einem internationalen Hilfsersuchen bei der Notversorgung von bedrohtem Kulturerbe weltweit Hilfe leisten. Nach Annahme des Hilfsangebots durch das betroffene Land kann die CHRU gemäß EU-Standards innerhalb von 96 Stunden entsendet werden. Der Einsatz der Einheit erfolgt in der Regel erst nach Abschluss der lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Im Vollbetrieb umfasst die CHRU ein 43-köpfiges Team sowie 18 Tonnen Material, ausgelegt für Einsätze von mindestens 10 Tagen.</p>
<p>Zur Durchführung ihrer Einsätze verfügt die CHRU über spezialisierte Ausstattung zum Schutz von Kulturgut. Für immobiles Kulturgut – wie historische Gebäude oder Denkmäler – stehen Materialien zur Reinigung, Dekontamination und Objektstabilisierung bereit. Für mobile Güter – wie bspw. Sammlungen – hat das LEIZA im Rahmen des Projekts KulturGutRetter ein mobiles Notfalllabor entwickelt: „Durch die in den letzten Jahren durchgeführten Ausbildungen und Erprobungen und die für den Einsatz artikulierten minimalen Standards zur Handhabung von Kulturgütern sind die KulturGutRetter-Freiwilligen und Einsatzkräfte gut gerüstet, jederzeit in den Kulturgutschutz entsendet zu werden. Außerdem wurden die Module des Notfalllabors und das dazugehörige Equipment für die Einheit mobiles Kulturgut nach mehreren Tests überarbeitet und sind jetzt fit für den Ernstfall,“ erläutert Ulrike Lehnert, Restauratorin am LEIZA.</p>
<p>Das Projekt bündelt in Deutschland vorhandene Expertise für Kulturerhalt und Katastrophenschutz und leistet ab 2026 weltweit schnelle Unterstützung bei der Bergung, Sicherung und Erhaltung von Objekten und Bauwerken. Gemeinsam entwickeln Kulturgutschutz- und Katastrophenschutzexpert*innen spezialisierte Ausstattung, digitale Workflows, Minimalstandards sowie Schulungen und bauen ein Netzwerk von Expert*innen auf, um wichtige Aufgaben wie Schadensbewertung, Bergung und Notversorgung von mobilem und immobilem Kulturerbe erfolgreich durchzuführen.&nbsp;</p>
<p>Das Projekt wird seit 2019 entwickelt, durch das Auswärtige Amt finanziert und vom Deutschen Bundestag unterstützt.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leiza.de/aktuelles/nachricht/projekt-kulturgutretter-staerkt-europaeischen-katastrophenschutz" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Zentrum für Archäologie</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 09 Apr 2026 17:33:00 +0200</pubDate>
                        <title>Wohin fließen die Kohlemilliarden?</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/milliardenfoerderung-fuer-den-strukturwandel</link>
                        <description>Mit rund 41 Milliarden Euro will der Bund die wirt&amp;shy;schaftlichen und sozialen Folgen des Kohleausstiegs in den Regionen abfedern. Eine neue Datenbank zeigt, wie das Geld investiert wird.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p class="IWHFlietext">Geld für neue Straßen, Schienen und Forschungseinrichtungen: Die Bundesregierung stellt in den Jahren von 2020 bis 2038 41,09 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Folgen des Kohleausstiegs in den betroffenen Regionen zu mildern. Dank einer neuen Datenbank auf der Website des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lässt sich von nun an der Einsatz der Finanzhilfen besser nachvollziehen. Die aggregierten Statistiken zeigen auf der Ebene der Kohlereviere, wann, wo und wie viel Geld verplant, freigegeben und ausgezahlt wurde.</p>
<p class="IWHFlietext">Nach einer Registrierung erhält jede interessierte Person umgehend einen kosten­freien Zugang zu dem Online-Angebot. Aufgrund der komplexen Datenstruktur eignen sich die Statistiken insbesondere für die Nutzung in professionellen Kontexten wie zum Beispiel in Politik, Verwaltungen, Wissenschaft und Medien. Zum besseren Verständnis des Zahlenwerks bietet das IWH auf seiner Website Hintergrund­informationen und ein Dokument mit einer ausführlichen Beschreibung der Daten an.</p>
<p class="IWHFlietext">Die Datenbank entstand im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Sie bietet zurzeit Informationen mit Stand 31.12.2024 und wird ein­mal pro Jahr aktualisiert. „Unser jetziges Angebot verstehen wir als Startpunkt, das wir zukünftig weiter ausbauen werden“, sagt Mirko Titze, Leiter des IWH-Zentrums für evidenzbasierte Politikberatung – jenes Teams, das die Informationen zu den Fördermitteln sammelt und aufbereitet. „Wir erhöhen damit die Transparenz in einem hoch komplexen, laufenden Förderprozess, der die Lebenswelt von Millionen Menschen in Deutschland für Jahrzehnte mitprägt.“</p>
<p class="IWHFlietext">Den Zugang zu dem neuen Datenangebot finden Sie auf dieser Webseite:<br> <a href="https://328553.seu2.cleverreach.com/c/115654876/0753a910b95-td5y68" target="_blank" rel="noreferrer">www.iwh-halle.de/kohledaten</a></p>
<h6 class="IWHFlietext"><strong>Hintergrund: Kohleausstieg, Milliardenförderung und wissenschaftliche Begleitung </strong></h6>
<p class="IWHFlietext">Um die gesetzlichen Klimaschutzziele zu erreichen, hat die Politik den Ausstieg aus der Kohleverstromung beschlossen. Davon betroffen sind vor allem die Braunkohle­reviere in der Lausitz, in Mitteldeutschland und im Rheinland. Der Bund stellt diesen drei Regionen bis zum Jahr 2038 bis zu 40 Milliarden Euro zur Verfügung, um die wirt­schaftlichen und sozialen Folgen des Kohleausstiegs zu mildern. Außerdem erhalten zwei kleinere Braunkohleregionen – das ehemalige Helmstedter Revier und das Altenburger Land – sowie zehn weitere Kreise und kreisfreie Städte mit Steinkohle­kraftwerken Finanzhilfen von etwas mehr als einer Milliarde Euro. Das Gesamtbudget liegt laut Investitionsgesetz Kohleregionen bei 41,09 Milliarden Euro.</p>
<p class="IWHFlietext">Wird dieses Geld zielgenau ausgegeben? Und welche Wirkung entfalten die unter­schiedlichen Maßnahmen? Diese Fragen untersucht das Leibniz-Institut für Wirt­schaftsforschung Halle (IWH) zusammen mit dem RWI – Leibniz-Institut für Wirt­schaftsforschung, das seinen Sitz in Essen hat. Die groß angelegte Evaluierung läuft in den Jahren 2022 bis 2026 im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Regelmäßige Gutachten stellen die Forschungsergebnisse vor. Die Analyse soll es der Politik erlauben, Erfolge zu erkennen und bei weniger günstigen Entwicklungen gegenzusteuern. Im Auftrag des BMWE veröffentlicht das IWH von nun an regelmäßig Daten über die Verwendung der Fördermittel.</p>
<h6 class="IWHFlietext">Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p class="IWHFlietext"><a href="https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/neue-datenbank-zu-kohlemilliarden-iwh-macht-einsatz-der-foerdermittel-transparent" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 07 Apr 2026 19:17:00 +0200</pubDate>
                        <title>Kein Rückzug, aber ein „Pipeline-Problem“</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/kein-rueckzug-aber-ein-pipeline-problem</link>
                        <description>Beleidigungen und Angriffe verringern den Frauenanteil auf kommunalen Wahllisten nicht. Doch das Bedrohungsklima hält weniger politisch interessierte Frauen davon ab, überhaupt zu kandidieren.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die Beleidigungen, Bedrohungen und tätlichen Angriffe, denen kommunalpolitisch Engagierte immer stärker ausgesetzt sind, führen nicht dazu, dass Frauen sich aus diesem Feld zurückziehen. Eine Studie der Forscher Jeyhun Alizade und Fabio Ellger vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung mit internationalen Co-Autoren belegt für Deutschland anhand von Statistiken und Umfragedaten: Weder die Häufigkeit noch die Schwere politischer Angriffe beeinflussen den Anteil von Kandidatinnen auf den Wahllisten der betroffenen Gemeinden negativ. Dass die zunehmende Gewalt Frauen auf kommunaler Ebene nicht einschüchtert, gilt allerdings nur für die, die ohnehin hoch motiviert sind. Frauen, die sich als politisch weniger interessiert beschreiben, werden durch das steigende Risiko durchaus von einer möglichen Kandidatur abgehalten. Dieses „Pipeline-Problem“ trifft auf eine Situation, in der Frauen deutlich unterrepräsentiert sind: In neun von zehn deutschen Rathäusern regiert ein Mann, der Frauenanteil in lokalen Räten liegt bei unter einem Drittel.</p>
<p>Nach Angaben des Bundesinnenministeriums nahmen die Angriffe auf Politikerinnen und Politiker im Jahr 2023 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, 2024 gab es einen erneuten Anstieg um 20 Prozent. Es stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung Einfluss auf die politische Teilhabe bislang ohnehin unterrepräsentierter Gruppen hat. Zur Beantwortung dieser Frage verband das Forscherteam zwei empirische Zugänge. Für mehr als 2.000 Gemeinden in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Hessen wurde der Zusammenhang zwischen Angriffen auf politisch Aktive und dem Anteil von Kandidatinnen bei Kommunalwahlen untersucht. Außerdem wurden über 3.500 Menschen mit Informationen über die steigende Gewalt konfrontiert und anschließend nach ihren politischen Ambitionen befragt.</p>
<p>Die Auswertung der Listen bot eine Überraschung: Selbst dort, wo es zu gravierenden Übergriffen kam, lässt sich kein Rückzug von Frauen aus der lokalen Parteipolitik beobachten. Die Repräsentation von Frauen auf kommunaler Ebene erweist sich gegenüber einem zunehmend konflikthaften politischen Umfeld als erstaunlich stabil. Die ergänzenden Online-Befragungen zeichnen ein differenziertes Bild: In der Gruppe mit hohem politischem Interesse führte die Konfrontation mit Gewaltstatistiken eher bei Männern dazu, dass ihre Bereitschaft zum Engagement sank. Dieser Effekt verringert die bestehende Gender-Lücke tendenziell, da in dieser Gruppe die Bereitschaft der Frauen stabil bleibt. Abschreckend wirken die Informationen allerdings auf Frauen, die sich selbst politisch als weniger interessiert einstufen. Die Forscher sprechen von einem „Pipeline-Problem“: Es fehlt die zweite Reihe, aus der neue Engagierte gewonnen werden können. „Offensichtlich entscheiden sich überhaupt nur Frauen für diesen Weg, die bereits eine hohe Resilienz mitbringen“, erläutert Jeyhun Alizade.</p>
<p>Männer dominieren also weiterhin das Bild in der deutschen Kommunalpolitik. Die Befürchtung, dass die zunehmende verbale und physische Gewalt Frauen noch weiter verdrängen könnte, wird durch die vorliegende Studie zwar nicht bestätigt. Die Ergebnisse sind dennoch beunruhigend. „Eine lebendige Demokratie darf nicht zur Voraussetzung machen, dass ihre Repräsentantinnen und Repräsentanten über eine außergewöhnliche Risikobereitschaft verfügen“, betont Co-Autor Fabio Ellger. „Besserer Schutz der Engagierten ist unabdingbar für eine vielfältige Demokratie.“</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Alizade, J., Ellger, F., Grünewald, M. and Tichelbaecker, T. (2025), Does political violence undermine descriptive representation? The case of women in politics. European Journal of Political Research, 64: 2106-2121. Die Studie ist abrufbar unter: <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/european-journal-of-political-research/article/does-political-violence-undermine-descriptive-representation-the-case-of-women-in-politics/6298EFBEA40C9656E44D9C9FE654AD59" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1111/1475-6765.70017</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/wenig-frauen-in-der-zweiten-reihe" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 07 Apr 2026 19:00:32 +0200</pubDate>
                        <title>Milliarden für Krebsmedikamente</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/fmp-spin-off-tubulis-geht-an-gilead</link>
                        <description>Der US-Pharmakonzern Gilead übernimmt das Leibniz-Spin-off Tubulis für bis zu 5 Milliarden Dollar.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Das US-amerikanische Biopharmaunternehmen Gilead hat eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme der Tubulis GmbH geschlossen. Tubulis wurde 2019 aus dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der LMU München ausgegründet und entwickelt Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugate (ADCs) der nächsten Generation, die darauf ausgelegt sind, verschiedene Wirkstoffe selektiver an Tumore abzugeben und den Nutzen für die Patient:innen zu maximieren. Mit der Transaktion wird die Onkologie‑Pipeline von Gilead um mehrere innovative Programme und Plattformtechnologien erweitert, deren Ursprung teilweise in der akademischen Forschung des Leibniz‑Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin liegt.</p>
<p>Die Übernahme umfasst das führende Produkt von Tubulis, TUB‑040, ein gegen NaPi2b gerichtetes Topoisomerase‑I‑Inhibitor‑ADC, das sich derzeit in Phase-1b/2 der klinischen Entwicklung zur Behandlung von platinresistentem Eierstockkrebs und nicht‑kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) befindet. Gilead wird zudem TUB‑030 übernehmen, ein gegen 5T4 gerichtetes ADC mit vielversprechenden frühen klinischen Daten bei verschiedenen soliden Tumorarten sowie die ADC-Plattform der nächsten Generation von Tubulis und eine vielversprechende frühe Pipeline.</p>
<p>Dr<strong>. </strong>Dominik Schumacher, CEO und Mitgründer von Tubulis, betont die Bedeutung der Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Entwicklungsstärke: „Von Anfang an waren wir davon überzeugt, dass unsere Konjugationstechnologieplattformen weitreichende Auswirkungen auf den gesamten ADC-Bereich haben könnten, und die ersten Daten zu TUB-040 haben diese Überzeugung bestärkt“, sagte Dr. Dominik Schumacher, Chief Executive Officer und Mitbegründer von Tubulis. „Der Beitritt zu Gilead ermöglicht es uns, auf dieser Grundlage innerhalb einer Organisation aufzubauen, die über fundiertes wissenschaftliches Fachwissen, globale Entwicklungskapazitäten und die erforderliche Größe verfügt, um Innovationen in Medikamente für Patienten weltweit umzusetzen. Durch unsere bestehende Zusammenarbeit hat Gilead bereits das Potenzial unserer Technologien erkannt, und gemeinsam sind wir gut aufgestellt, um die Entwicklung unserer ADC-Pipeline zu beschleunigen.“</p>
<p>Eine Schlüsselrolle in der Produktentwicklung von Tubulis spielt die innovative P5‑Konjugationstechnologie, eine Linkerchemie, die die präzise Verknüpfung von Antikörpern mit hochpotenten Wirkstoffen ermöglicht. Entwickelt wurde sie in der Grundlagenforschung von Prof. Dr. Christian Hackenberger, einem der Mitgründer von Tubulis, und seinem Team am Leibniz‑Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP).&nbsp;Tubulis hat die P5‑Technologie in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinrich Leonhardt (Ludwig-Maximilians-Universität München), einem Mitbegründer von Tubulis, für die klinische Forschung und Anwendung weiterentwickelt. "Diese erfolgreiche Technologieentwicklung zeigt das Potential interdisziplinärer Kooperationen über Fakultäts- und Institutsgrenzen hinweg", sagt Prof. Dr. Heinrich Leonhardt. Diese Technologie bildet heute eine zentrale Plattform für die stabile und kontrollierte Wirkstoffabgabe in den ADC‑Programmen des Unternehmens. „Diese Übernahme unterstreicht nicht nur den Erfolg unserer Konjugationstechnologie und die Leistung des Tubulis Teams mit neuen ADCs die Krebstherapie zu verbessern. Sie zeigt auch wie wichtig die Grundlagenforschung an Universitäten und Forschungsinstituten für die translationale Innovation ist“, sagt Prof. Dr Christian Hackenberger.</p>
<p>Nach Abschluss der Transaktion wird Tubulis als eigenständige ADC‑Forschungsorganisation innerhalb von Gilead agieren, wobei der Standort München als Drehscheibe für ADC-Innovationen dienen wird. Dabei wird auf bestehende integrierte Kompetenzen in Forschung, Produktion und klinischer Entwicklung aufgebaut, um ADCs der nächsten Generation voranzutreiben.</p>
<p>Gilead wird das gesamte ausstehende Eigenkapital von Tubulis für eine Barzahlung in Höhe von 3,15 Milliarden US‑Dollar auf einer „cash-free, debt-free“-Basis sowie für bis zu 1,85 Milliarden US‑Dollar an erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen erwerben. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt des Ablaufs oder der Aufhebung bestimmter behördlichen Genehmigungen sowie weiterer üblicher Abschlussbedingungen.</p>
<h6 class="my-2"><strong>Über Tubulis</strong></h6>
<p class="my-2">Tubulis entwickelt maßgeschneiderte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) mit verbesserten biophysikalischen Eigenschaften. In präklinischen Modellen haben die ADCs bereits eine gezielte und dauerhafte Anreicherung im Tumor sowie langanhaltende Anti-Tumor-Wirkungen gezeigt. Die beiden am weitesten fortgeschrittenen Programme in der wachsenden Pipeline sind TUB-040 (gerichtet gegen NaPi2b) und TUB-030 (gerichtet gegen 5T4). Beide Programme werden derzeit in klinischen Studien bei Krebserkrankungen mit einem hohen medizinischen Bedarf untersucht. Weitere Informationen unter: <a href="http://www.tubulis.com" target="_blank" rel="noreferrer">www.tubulis.com</a></p>
<h6 class="my-2">Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p class="my-2"><a href="https://leibniz-fmp.de/de/newsroom/news/detail/gilead-uebernimmt-fmp-und-lmu-spin-off-tubulis-und-erweitert-onkologie-pipeline-um-adc-der-naechsten-generation" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Gründungen</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7397</guid>
                        <pubDate>Tue, 07 Apr 2026 16:45:00 +0200</pubDate>
                        <title>Neues Modell für Taubheit</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/primatenmodell-fuer-menschliche-taubheit</link>
                        <description>Ein defektes Gen lässt Menschen taub zur Welt kommen. Als Grundlage für künftige Therapien steht Forschenden nun erstmals ein Primatenmodell zur Verfügung, das den Defekt realitätsnah abbildet.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Warum können manche Menschen von Geburt an nicht hören – obwohl ihr Innenohr intakt zu sein scheint? Eine mögliche Ursache liegt im sogenannten <em>OTOF</em>-Gen. Es spielt eine zentrale Rolle dabei, Schallsignale von den Hörzellen an den Hörnerv weiterzuleiten. Fehlt diese Funktion, kommen akustische Informationen im Gehirn nicht an. Forschende vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung haben zusammen mit der Universitätsmedizin Göttingen und dem Max-Planck-Institut für multidisziplinäre Naturwissenschaften nun erstmals Weißbüschelaffen erzeugt, bei denen dieses Gen gezielt ausgeschaltet wurde. Die Tiere sind gesund und entwickeln sich normal, sind jedoch von Geburt an taub. Damit steht erstmals ein Primatenmodell zur Verfügung, das zentrale Formen menschlicher Taubheit realitätsnah abbildet (Nature Communications).</p>
<p>Hörverlust ist eine der häufigsten angeborenen Sinnesstörungen beim Menschen. Eine wichtige Ursache ist ein Defekt im <em>OTOF</em>-Gen. Dieses Gen sorgt dafür, dass in unserem Innenohr das Eiweiß Otoferlin gebildet wird. Dieses ist nötig, damit Schallsignale von den Hörzellen an den Hörnerv weitergegeben werden. Fehlt es, funktioniert zwar das Ohr äußerlich noch – aber die Signale kommen im Gehirn nicht an.&nbsp;</p>
<h6 class="element-header ">Genetisch veränderte Weißbüschelaffen</h6>
<p>Das Göttinger Forschungsteam hat befruchtete Eizellen des Weißbüschelaffen mit der Genschere CRISPR/Cas9 präzise genetisch so verändert, dass das <em>OTOF</em>-Gen in den aus den veränderten Eizellen entstandenen Tieren funktionsunfähig war. Die genetisch veränderten Embryos wurden dann einer Leihmutter eingesetzt. Die geborenen Tiere entwickelten sich normal, sie waren jedoch von Geburt an taub. Untersuchungen des Hörens mittels elektrophysiologischer Methoden, ähnlich einem EEG, wiesen eine Taubheit nach, wie sie auch bei Patient*innen mit einem Defekt des <em>OTOF</em>-Gens beobachtet wird.&nbsp;Das Fehlen von Otoferlin in den inneren Haarzellen bestätigte den genetischen Knockout zusätzlich.</p>
<h6 class="element-header ">Ein entscheidender Schritt für neue Therapien</h6>
<p>„Mit den <em>OTOF</em>-Knockout-Weißbüschelaffen haben wir erstmals ein Primatenmodell, das die menschliche <em>OTOF</em>-bedingte Schwerhörigkeit sehr realitätsnah abbildet“, sagt Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen. „Damit gewinnen wir ein entscheidendes Werkzeug, um neue Therapien gezielter, sicherer und mit Blick auf ihre Langzeitwirkung weiterzuentwickeln.“</p>
<p>Das neue Modell schließt eine wichtige Lücke zwischen Mausmodellen, Zellkultursystemen und klinischer Anwendung. Es ermöglicht Untersuchungen unter Bedingungen, die der menschlichen Hörentwicklung und -physiologie deutlich näherkommen als bisherige Systeme. Gerade für die Weiterentwicklung neuartiger Innenohrtherapien ist dies von großer Bedeutung.</p>
<h6 class="element-header ">Komplexe Forschung im interdisziplinären Verbund</h6>
<p>Möglich wurde das Projekt durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (MPI-Nat).</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.dpz.eu/im-dialog/news/artikel/genetisch-veraenderte-weissbueschelaffen-als-modell-menschlicher-taubheit" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Deutschen Primatenzentrums - Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 07 Apr 2026 12:30:00 +0200</pubDate>
                        <title>Balzgesang im Rotorbereich</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/balzgesang-im-rotorbereich-von-windraedern</link>
                        <description>Dass Fledermäuse mit Windrädern kollidieren, ist bekannt. Nun weist eine Studie nach: Vor allem paarungsbereite Tiere kommen den Anlagen gefährlich nahe.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Forschungsteam unter Leitung des Museums für Naturkunde zeigt erstmals, dass verschiedene Fledermausarten im unmittelbaren Rotorbereich von Windenergieanlagen Balzgesang produzieren und dabei um die Gondel herumfliegen. Daten von über 80.000 Lautaufaufnahmen in Gondelhöhe an sechs deutschen Standorten sowie stereo-thermische 3D-Rekonstruktionen der Flugbahnen von Fledermäusen belegen sowohl Fledermausgesang als auch erhöhte Fledermausdichte Im Rotorbereich. Beide Befunde legen nahe, dass sich Fledermäuse unter bestimmten Umständen aktiv Windenergieanlagen nähern und liefern eine Erklärung dafür, warum in der Paarungszeit das Kollisionsrisiko steigen könnte.</p>
<p>Fledermausmännchen singen, ähnlich wie Singvögel, um Weibchen anzulocken und Konkurrenten abzuschrecken und fliegen dabei oft um markante Landschaftselemente herum. In homogenen, strukturell armen Landschaften wie z.B. Ackerflächen stellen Windkraftanlagen attraktive Strukturen dar, die Männchen wahrscheinlich als „Gesangswarten“ nutzen. Damit bringen sie sich nicht nur selbst in Gefahr – ihr vergleichsweise weit zu hörender Gesang kann Weibchen zu den Anlagen locken.<br> Die Forschenden konnten an allen untersuchten Standorten und im gesamten Untersuchungszeitraum Fledermausgesang nachweisen, es handelt sich also nicht um ein lokales Phänomen oder einen Einzelfall. Bemerkenswerterweise wurde der Gesang des Großen Abendseglers und der Rauhautfledermaus auf häufigsten aufgenommen. Diese beiden Arten kollidieren in Deutschland am häufigsten mit Windrädern – ein klarer Verhaltenslink zu den bekannten Schlagopfermustern.<br> <br> „Aus einer Untersuchung von Kolleg:innen im nordwestdeutschen Küstenraum geht hervor, dass während der Paarungszeit häufiger weibliche als männliche Rauhaut-fledermäuse tot unter Windenergieanlagen gefunden werden“, so Martina Nagy, die Erstautorin der Studie. „Unsere Ergebnisse liefern eine schlüssige mögliche Erklärung für die vielen Weibchen unter den Schlagopfern.“<br> <br> Die Forschenden konnten aus der Dauer des aufgenommenen Gesangs, der Reichweite der verwendeten Mikrofone und dem bereits vorhandenem Wissen über artspezifische Fluggeschwindigkeiten ableiten, dass Fledermäuse nicht einfach singend an den Anlagen vorbeiflogen, sondern stattdessen um die Gondeln oder den Turm kreisten. Passend dazu schwankte die Lautstärke des Gesangs periodisch (lauter/leiser), wie es beim Kreisen um ein stationäres Mikrofon zu erwarten ist.<br> <br> Auch die mit zwei Wärmebildkameras erstellten 3D-Rekonstruktionen zeigten ein äußerst eindeutiges Bild. Die Dichte an detektierten Fledermäusen fiel mit wachsendem Abstand zur Gondel stark ab. Das spricht für eine aktive Annäherung der Fledermäuse an die Turbinenstruktur selbst. In der Vergangenheit wurde bereits vermutet, dass Fledermäuse sich Windkraftanlagen nähern könnten, weil sie auf der Suche nach Quartieren oder Nahrung sind. Die neu gewonnenen Ergebnisse zeigen nun, dass Windkraftanlagen für paarungsbereite Fledermäuse interessant sind.<br> <br> Die Forschenden hoffen, dass sich diese neuen Erkenntnisse mittelfristig in effektivere Schutzstrategien umwandeln lassen. „Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, aber dies darf nicht auf Kosten des Artenschutzes geschehen“, sagt Mirjam Knörnschild, Seniorautorin der Studie. Wenn wir verstehen, warum Fledermäuse Windkraftanlagen gezielt anfliegen, können Betreiber präziser und artsensibler als bisher abschalten, um die Schlagopferzahl zu minimieren.“</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p><a href="https://doi.org/10.1038/s42003-026-09882-7" target="_new" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s42003-026-09882-7</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.museumfuernaturkunde.berlin/museum/services/presse/pressemitteilung/Fledermausm%C3%A4nnchen%20singen%20im%20Rotorbereich%20von%20Windr%C3%A4dern/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Museums für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (MfN) </a></p>

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                                <category>Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Wed, 01 Apr 2026 14:51:31 +0200</pubDate>
                        <title>Leitungswechsel am DIE</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/neuer-vorstand-am-die</link>
                        <description>Nach dreizehn Jahren wissenschaftlicher Leitung verlässt Josef&amp;nbsp;Schrader das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung. Seine Nachfolge übernimmt&amp;nbsp;Hannes Schröter.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Nach mehr als dreizehn Jahren in der Wissenschaftlichen Leitung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) verabschiedet sich Prof. Dr. Josef Schrader und kehrt als Seniorprofessor für Erwachsenen- und Weiterbildung an die Universität Tübingen zurück. Seine Nachfolge tritt Prof. Dr. Hannes Schröter an, bisher Abteilungsleiter am DIE und Inhaber der Kooperationsprofessur für Kognition und Lernen Erwachsener an der FernUniversität in Hagen.</p>
<p>Josef Schrader hat das DIE am Leitmotiv der Leibniz-Gemeinschaft ausgerichtet, Wissenschaft und Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung zu betreiben. Ihm war wichtig, das Institut auf zentrale gesellschaftliche Herausforderungen auszurichten. Hierzu zählen insbesondere Migration, demografischer Wandel sowie die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten. Ebenso rückte er die große Zahl Erwachsener mit geringen Grundkompetenzen in den Fokus – immer mit dem Ziel, zu gerechteren Bildungschancen und einer starken, zukunftsfähigen Weiterbildung beizutragen.</p>
<p>Um dieser Rolle gerecht zu werden, setzte Josef Schrader eine grundlagenbasierte und zugleich problemorientierte Forschung um und suchte Lösungen, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch für Politik und Praxis anschlussfähig und umsetzbar sind. Voraussetzung hierfür ist eine enge Zusammenarbeit, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Ein solches Selbstverständnis und eine dafür tragfähige Organisations- und Leitungsstruktur im Institut verankert zu haben, die Forschung, Wissenstransfer und Infrastrukturen miteinander verzahnt, zählen zu seinen zentralen Leistungen.</p>
<p>Auch in seiner eigenen Forschung setzte er wichtige Akzente. Seine Arbeiten widmen sich der Professionalisierung des Lehrpersonals, den Potenzialen digitaler Medien sowie der Struktur und Steuerung von Weiterbildungssystemen. Die Erwachsenenbildungsforschung hat er als Mitherausgeber der „Zeitschrift für Weiterbildungsforschung“ und des „Wörterbuchs Erwachsenen- und Weiterbildung“ sowie als Initiator einer Lehrbuchreihe geprägt. Zudem engagierte er sich in der Politikberatung und im Austausch mit der Praxis. Er wirkte u.a. in der Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, im „Leibniz-Forschungsnetzwerk Bildungspotenziale“ und als Autor für den nationalen Bildungsbericht, begleitete Entwicklungen im Feld der Integrationskurse und in der europäischen Weiterbildungspolitik.</p>
<p>Zum Abschied betont Josef Schrader: „Ich habe es immer als eine Ehre betrachtet, Verantwortung für die Leitung eines Instituts zu tragen, das mit den Mitteln von Forschung, Wissenstransfer und Infrastrukturen einen substanziellen Beitrag dazu leistet, Bildung für alle Erwachsenen zu ermöglichen. Ein Blick in die nunmehr fast 70jährige Geschichte des Instituts zeigt, dass diese Aufgabe immer wieder neu interpretiert werden muss. Ich wünsche Hannes Schröter viel Erfolg bei der Weiterentwicklung des DIE.“</p>
<p>Hannes Schröter ist Abteilungsleiter am DIE und Inhaber der Kooperationsprofessur für Kognition und Lernen Erwachsener an der FernUniversität in Hagen. Mit seiner langjährigen Erfahrung in Forschung und Praxis bringt er neue Impulse für die strategische Weiterentwicklung des Instituts ein. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen empirische Forschung zu Lehr- und Lernprozessen, die Professionalisierung von Lehrenden, Lernvoraussetzungen und Lernentwicklungen Erwachsener, sprachliche Bildung, kompetenzorientierte Unterrichtsforschung sowie den Einsatz digitaler Medien zur Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen. Er promovierte und habilitierte an der Universität Tübingen, wo er die Venia legendi für Psychologie erhielt. Von 2009 an war er Akademischer Rat auf Zeit und vertrat dort Professuren für Biologische Psychologie sowie für Kognition und Wahrnehmung. Seit 2016 ist er am DIE und leitet seit 2021 die Abteilung „Lehren und Lernen“.</p>
<p>Hannes Schröter dankt Josef Schrader herzlich für sein prägendes Wirken am DIE: „Unter seiner Leitung hat sich das Institut wissenschaftlich profiliert, als verlässlicher Partner für Politik und Praxis etabliert und seine Position in der Leibniz-Gemeinschaft gestärkt. Auf diesem Fundament möchte ich gemeinsam mit den Mitarbeitenden das DIE als zentrale Einrichtung für Forschung und Transfer in der Erwachsenen- und Weiterbildung weiterentwickeln und neue Impulse in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen setzen. Auch künftig wird es unser Anspruch sein, exzellente Forschung mit den Herausforderungen von Praxis und Politik zu verbinden und so die Erwachsenen- und Weiterbildung in Deutschland aktiv mitzugestalten.“</p>
<p>Mit dem Vorstandswechsel wird nicht nur Kontinuität gesichert, sondern auch der Grundstein für kommende Entwicklungen gelegt. Das DIE und alle Mitarbeitenden danken Josef Schrader herzlich für sein langjähriges Engagement und werden ihn im Rahmen einer Festveranstaltung gemeinsam mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus Wissenschaft, Praxis und Politik verabschieden. Hannes Schröter heißen sie in seiner neuen Funktion als wissenschaftlicher Direktor herzlich willkommen.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.die-bonn.de/institut/wir-ueber-uns/presse/mitteilungen/vorstandswechsel-schrader-schroeter" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Deutsches Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Menschen</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Wed, 01 Apr 2026 13:46:00 +0200</pubDate>
                        <title>Nachhaltig forschen</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/klimaneutral-forschen</link>
                        <description>Leitbild und Pilotvorhaben der Leibniz-Gemeinschaft zeigen, wie Klimaschutz Teil des Wissenschaftsbetriebs wird.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem überarbeiteten Leitbild Nachhaltigkeit sowie der Veröffentlichung zentraler Ergebnisse aus zehn Pilotvorhaben zum klimaneutralen Forschungsbetrieb geht die Leibniz-Gemeinschaft auf dem Weg zu Klimaneutralität und Nachhaltigkeit weiter voran. Während das Leitbild Nachhaltigkeit die grundsätzliche Strategie der Leibniz- Gemeinschaft skizziert, formuliert die Gesamtsynthese der Pilotvorhaben konkrete Erkenntnisse, Best Practices und Empfehlungen für den alltäglichen Forschungs- und Wissenschaftsbetrieb.</p>
<p>„Für die Leibniz-Gemeinschaft ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema unter vielen, sondern konstitutiver Bestandteil unserer Identität: in der Forschung, in der Organisationsentwicklung, im täglichen Handeln“, betont der designierte Präsident der Leibniz- Gemeinschaft, Christoph M. Schmidt. „Unser Ansatz ist es, Nachhaltigkeit systemisch zu denken, Verantwortung über disziplinäre Grenzen hinweg zu übernehmen und Forschung wirksam auf gesellschaftlichen Wandel auszurichten.“</p>
<p>Barbara Sturm, Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft und Präsidiumsbeauftragte für Nachhaltigkeit, ergänzt: „Effektiver Klimaschutz kann nur als integraler Bestandteil der Forschungskultur, des Alltagsbetriebs und der Organisationsentwicklung realisiert werden. Deshalb haben wir aus zehn Pilotvorhaben konkrete Maßnahmen und Hilfestellungen entwickelt, mit denen in den einzelnen Instituten Klimaneutralität schrittweise als ein langfristiger, dynamischer Lernprozess von unmittelbar wirksamen Sofortmaßnahmen bis hin zur ganzheitlichen und dauerhaften Managementaufgabe erreicht werden kann.“</p>
<p>Das Leitbild Nachhaltigkeit setzt den Rahmen für eine „Kultur der Nachhaltigkeit“ in der Leibniz-Gemeinschaft. Es versteht Nachhaltigkeit nicht nur im ökologischen Sinn umweltfreundlicher und ressourcenschonender Forschungsprozesse, sondern weitet den Blick bewusst ganzheitlich auf die Bereiche Strategie- und Organisationsentwicklung sowie Personalentwicklung und -management.</p>
<p>Die an den Pilotvorhaben zum klimaneutralen Forschungsbetrieb beteiligten Institute wurden bewusst so ausgewählt, dass sie die Vielfalt der Leibniz-Einrichtungen widerspiegeln. Entsprechend umfassen die Pilotvorhaben unterschiedlichste Ausgangslagen und Anforderungen – von energieintensiven Forschungsinfrastrukturen wie Laboren, Reinräumen oder Tierhäusern über teils unter Denkmalschutz stehende Bürogebäude bis hin zu Forschungsmuseen. Zugleich berücksichtigen sie die föderale Verteilung über Bundesländer mit jeweils unterschiedlichen landesspezifischen Rahmenbedingungen.</p>
<p>Das Leitbild Nachhaltigkeit und die Gesamtsynthese finden sich online unter <a href="http://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/nachhaltigkeit/" target="_blank">www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/nachhaltigkeit/</a>&nbsp;und sind unter der unter der Lizenz „Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)“ wie folgt verfügbar:</p>
<ul> 	<li>Leibniz-Gemeinschaft. (2025). Leitbild Nachhaltigkeit der Leibniz-Gemeinschaft.Zenodo. <a href="https://doi.org/10.5281/zenodo.17897010" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5281/zenodo.17897010</a></li> 	<li>Leibniz-Gemeinschaft. (2026). Gesamtsynthese: Erkenntnisse, Best Practices und Empfehlungen aus den Leibniz-Pilotvorhaben zum klimaneutralen Forschungsbetrieb. Zenodo.</li> 	<li><a href="https://doi.org/10.5281/zenodo.18698220" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5281/zenodo.18698220</a></li> </ul>
<h6>Kontakt</h6>
<p>Christoph Herbort-von Loeper<br> Leibniz-Gemeinschaft<br> T 030 206049 471<br> M 0174 3108174<br> herbort(at)leibniz-gemeinschaft.de</p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Gemeinschaft</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 30 Mar 2026 15:40:00 +0200</pubDate>
                        <title>Wie das Immunsystem altert</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/kleiner-fisch-grosse-erkenntnisse</link>
                        <description>Der Killifisch macht im Zeitraffer sichtbar, was beim Menschen Jahrzehnte dauert: Chronische Entzündungen, DNA-Schäden in Vorläuferzellen und Umbauprozesse im blutbildenden Organ prägen die Alterung des Immunsystems.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Mit zunehmendem Alter verliert das Immunsystem seine Leistungsfähigkeit, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und alternsbedingte Erkrankungen führt. Forschende des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena haben nun mit Hilfe des kurzlebigen Türkisen Prachtgrundkärpflings (<em>Nothobranchius furzeri,</em> Killifisch) eine umfassende molekulare und zelluläre Karte der Immunalterung eines Wirbeltiers erstellt. Mit einem Multi-Omics-Ansatz identifizierten sie wichtige Merkmale der Immunalterung, darunter chronische Entzündungen, DNA-Schäden in Vorläuferzellen und die Umgestaltung des blutbildenden Organs. Die Studie zeigt, dass wesentliche Prozesse der Immunalterung evolutionär konserviert sind. Damit eignet sich der Killifisch besonders gut als Modell für die Erforschung der Mechanismen der Immunalterung und für die Erprobung potenzieller Interventionen.</p>
<p>Unser Immunsystem schützt den Körper ein Leben lang vor Infektionen und schädlichen Veränderungen. Mit zunehmendem Alter verliert es jedoch an Leistungsfähigkeit, wodurch das Risiko für Krankheiten steigt. Doch was passiert, wenn das Immunsystem altert – und lässt sich dieser Prozess möglicherweise aufhalten?</p>
<p>In einer jetzt in <em>Nature Aging</em> (Cover-Story) veröffentlichten Studie sind Forschende des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz Lipmann Institut (FLI) der Beantwortung dieser Fragen einen wichtigen Schritt näher gekommen. Sie nutzten die extrem kurze Lebensdauer des Türkisen Prachtgrundkärpflings (<em>Nothobranchius furzeri</em>, Killifisch) und identifizierten innerhalb weniger Wochen Schlüsselmerkmale der Immunalterung. Damit eignet sich dieses Modell besonders gut für schnelle mechanistische Entdeckungen und die Erprobung potenzieller Interventionen.&nbsp;</p>
<p>Die Studie kombiniert verschiedene Analysemethoden, wie beispielsweise Zytometrie, Einzelzell-Transkriptomik, Proteomik, KI-gestützte Bildklassifizierung, In-situ-Bildgebung, Histologie und funktionelle Immunassays. Mit der neu eingerichteten offen zugänglichen Multi-Omics-Ressource KIAMO bietet sie damit einen umfassenden Überblick über die Immunalterung bei einem kurzlebigen Wirbeltier. Die Arbeiten begannen am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns (MPI-AGE) in Köln und wurden später am FLI in Jena fortgesetzt.</p>
<p>Die Forschenden zeigen, dass wichtige Merkmale der Immunalterung beim Killifisch auftreten und denen bei Säugetieren und Menschen auffallend ähnlich sind. Die Studie liefert so einzigartige Einblicke in die Mechanismen der sogenannten „Immunalterung“. Da Killifische nur wenige Monate leben, lassen sich Alternsprozesse innerhalb weniger Wochen im Zeitraffer beobachten – ein großer Vorteil für die experimentelle Forschung.&nbsp;</p>
<p>„Das Killifisch-System überrascht uns immer wieder, denn es zeigt, dass Schlüsselaspekte der Immunalterung – sowohl auf molekularer als auch auf zellulärer Ebene – stark evolutionär konserviert sind“, sagt Prof. Dario Riccardo Valenzano, Pionier der Killifischforschung und Wissenschaftlicher Direktor des FLI. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Killifische bestens als Modell eignen, um Interventionen zu testen, mit denen durch gezielte Beeinflussung der Immunalterung die systemische Alterung verbessert werden kann.“</p>
<h6><strong>Entzündungsprozesse nehmen im Alter zu</strong></h6>
<p>Eine der zentralen Ergebnisse der Studie ist das Vorhandensein einer ausgeprägten systemischen Entzündungssignatur in älteren Fischen, die oft als „Inflammaging“ bezeichnet wird. Blutuntersuchungen zeigten erhöhte Werte von Akutphasenproteinen sowie Markern eines metabolischen Ungleichgewichts. Ähnliche Entzündungssignaturen, die bei alternden Säugetieren und Menschen bekannt sind, stehen mit einer Vielzahl von alternsbedingten Erkrankungen in Verbindung.</p>
<h6><strong>Veränderungen in der Fabrik der Immunzellen</strong></h6>
<p>Besonders deutlich zeigten sich alternsbedingte Veränderungen im Nierenmark, dem wichtigsten blutbildenden Organ bei Fischen, und das funktionale Pendant zum Knochenmark von Säugetieren. Mit zunehmendem Alter beobachteten die Forschenden strukturelle Umgestaltungen, Fibrose, Gewebeveränderungen und Verschiebungen in der Zusammensetzung der Immunzellpopulationen.</p>
<p>Gleichzeitig deuten die Daten auf eine Zunahme von Vorläufer- und stammzellähnlichen Immunzellen hin. Diese Zellen weisen jedoch eine Anhäufung von DNA-Doppelstrangschäden auf und zeigen verminderte Marker für eine aktive DNA-Reparatur. Bemerkenswert ist, dass diese Anhäufung von DNA-Schäden nicht allein durch die Replikation erklärt werden kann, was auf einen Zustand hindeutet, der mit zellulärer Seneszenz und einer beeinträchtigten Differenzierungsfähigkeit einhergeht.&nbsp;</p>
<p>„Die Vorstellung, dass biologische Prozesse – darunter auch das Altern – Prinzipien folgen, die man verstehen und schließlich in therapeutische Maßnahmen umsetzen kann, hat mich schon immer fasziniert. Anstatt den Verfall als unvermeidlich hinzunehmen, ermöglicht uns das Killifisch-Modell, die Mechanismen des Alterns in kürzester Zeit zu untersuchen und dabei zentrale Aspekte der Immunalterung bei Säugetieren nachzubilden“, erklärt Gabriele Morabito, Doktorand und Erstautor der Studie.&nbsp;</p>
<h6><strong>Geschwächte Immunantwort im Alte</strong></h6>
<p>Funktionelle Experimente bestätigten diese Beobachtungen. Immunzellen, die aus älteren Killifischen isoliert wurden, reagierten deutlich schwächer auf eine bakterielle Stimulation als Zellen von jungen Tieren.</p>
<p>In Zellkulturversuchen konnte durch eine Vorbehandlung mit einem Senolytikum die jugendliche Immunantwort <em>in vitro&nbsp;</em>teilweise wiederhergestellt werden. Das lässt vermuten, dass seneszente Zellen zum Funktionsverlust des alternden Immunsystems beitragen könnten.&nbsp;</p>
<p>Ein Hinweis darauf, dass seneszente Zellen aktiv zur alternsbedingten Schwächung der Immunantwort beitragen. Der Killifisch stellt daher ein vielversprechendes Modell dar, um Interventionen zu testen, die gezielt auf die Immunalterung wirken.</p>
<h6><strong>Neue öffentlich zugängliche Ressource für die Forschungsgemeinschaft</strong></h6>
<p>Parallel zur Studie haben die Forschenden eine öffentlich zugängliche Multi-Omics-Plattform namens KIAMO (Killifish Immune Aging Multi-Omics) eingerichtet. Diese Plattform stellt der internationalen Forschungsgemeinschaft umfangreiche molekulare Datensätze zur Verfügung, darunter Einzelzell-Genexpressionsprofile, Proteomikdaten und Bildgebungsressourcen.</p>
<h6><strong>Modellorganismus zur Erforschung der Immunalterung</strong></h6>
<p>Obwohl die Studie detaillierte Einblicke in die Immunalterung im hämatopoetischen System liefert, bleiben wichtige Fragen offen. Es ist noch unklar, wie stark diese Veränderungen die Alternsprozesse in anderen Organen beeinflussen.</p>
<p>Der Killifisch bietet jedoch laut Prof. Valenzano eine einzigartige Gelegenheit, diese Zusammenhänge experimentell zu untersuchen. Mit seiner kurzen Lebensdauer, seiner konservierten Immunbiologie und der neu eingerichteten KIAMO-Ressource stellt der türkisfarbene Killifisch eine leistungsstarke experimentelle Plattform dar, um die Immunalterung bei Wirbeltieren zu untersuchen und die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der Gesundheit im Alter voranzutreiben.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leibniz-fli.de/de/news/altern-im-zeitraffer-kurzlebiger-fisch-liefert-neue-einblicke-in-das-alternde-immunsystem" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 30 Mar 2026 13:24:00 +0200</pubDate>
                        <title>Die Erde hat Fieber</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/planetary-health-am-puls-von-mensch-und-planet</link>
                        <description>Die Sonderausstellung „Planetary Health“ zeigt, wie eng unser Wohlbefinden mit dem Zustand des Planeten verbunden ist.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sonderausstellung&nbsp;„Planetary Health“<br> Deutsches Museum, München<br> 20. März bis 30. September 2026 </strong></p>
<p>Hitzewellen, Dürren, Extremwetter: Die Erde hat Fieber. Und das ist auch für uns Menschen nicht gesund. Wie eng unser Wohlbefinden mit dem Zustand des Planeten verbunden ist, das zeigt ab 20. März die neue Sonderausstellung „Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet“ in der Eingangshalle des Deutschen Museums. Hier erfährt man – aufgeschlüsselt in die fünf Bereiche Luft, Biosphäre, Wasser, Stoffe und Landschaft – wie unsere Lebensweise auf die Natur wirkt und was passiert, wenn das natürliche Gleichgewicht aus dem Takt gerät. Zugleich werden Ideen, Projekte und Visionen vorgestellt, mit denen sich ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Planet finden lässt.&nbsp;</p>
<p>Zunächst einmal ist der Zustand der Erde im Moment besorgniserregend: Von den neun planetaren Belastungsgrenzen, die von einem internationalen Forschungsteam eingeführt wurden, sind mittlerweile schon sieben überschritten. Und die Auswirkungen, die das auf die Menschheit hat, werden immer deutlicher spürbar: Durch die Klimaerwärmung gibt es beispielsweise erwiesenermaßen immer mehr extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen. Die Dürren, Stürme oder Überschwemmungen fordern dann ganz unmittelbar Menschenleben. „Aber es gibt auch viele Opfer, wo der Zusammenhang nicht so offensichtlich ist“, sagt Museumsmitarbeiter Sebastian Brumann aus dem Projektteam. „Zum Beispiel steigt durch die Hitze unter anderem das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.“&nbsp;</p>
<p>In den fünf Modulen der neuen Sonderausstellung sind noch viele weitere solcher Beispiele zu finden: vom Ausrotten einer Geierart, das zu einer steigenden Zahl von tödlichen Tollwutfällen führte; von winzigsten Plastikteilchen in der Nahrung oder im Trinkwasser, die Krebs auslösen können; oder von Ernteeinbußen und Hunger wegen des Insektensterbens. „Um die komplexen Zusammenhänge zu vermitteln und das Bewusstsein dafür zu schärfen, beleuchten wir vor allem auch ganz alltägliche Situationen, Produkte und Gewohnheiten“, sagt Sebastian Brumann. So sind in der Ausstellung unter anderem auch ein Paar Ski, ein Pizzakarton, eine Bratpfanne oder eine schlammverkrustete Puppe zu sehen.&nbsp;</p>
<p>Im Zentrum der Module stehen die „Attraktoren“: Diese Elemente ziehen durch ihre schiere Größe zuerst die Aufmerksamkeit auf sich. In jedem der fünf Bereiche steht mittig so ein Turm symbolisch für das Thema, um das es geht: Bei „Landschaft“ ist das Gebilde unten noch stark von Beton geprägt und wird nach oben hin nachhaltiger und naturnäher. In der „Biosphäre“ nimmt die Artenvielfalt von unten nach oben zu – was man hier sogar an einer Audiostation hören kann. Bei den „Stoffen“ stellt der Attraktor ein menschliches Blutgefäß dar. Neben den roten Blutkörperchen sind hier auch künstlich hergestellte Materialien wie Mikroplastik, PFAS oder Bisphenole zu erkennen, die aber nach oben hin immer weniger werden. Ähnlich ist es beim „Wasser“: Auch hier nimmt die Reinheit und dazu die Verfügbarkeit von unten nach oben zu. Die „Luft“ wird ebenfalls nach oben hin besser – sauberer und mit moderateren Temperaturen. „Wir wollen immer einen positiven Ausblick mitliefern“, erklärt Brumann den Aufbau der Türme, „so ein bisschen nach dem Motto ‚Kopf hoch‘“.</p>
<p>Denn es gibt auch die „Guten Neuigkeiten“: An jedem Modul werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, die zeigen, wie man die bestehenden Zustände zum Besseren ändern und eine gute Zukunft aktiv mitgestalten kann, vom Wasserrucksack PAUL über das Solar Gate bis hin zum Cloudfisher. „Und Initiativen wie die ‚Grünpaten‘ mit ihren Straßengärtchen beweisen, dass man schon mit wenig Aufwand wirklich viel erreicht“, sagt Sebastian Brumann. Die blühenden Beete liefern nicht nur Futter für Insekten, sondern sind auch „Augenschmaus“ für menschliche Stadtbewohner und sorgen für mehr Wohlbefinden.&nbsp;</p>
<p>Und alle Besucherinnen und Besucher können schon in der Sonderausstellung selbst aktiv werden: Zahlreiche Elemente laden dazu ein, „Planetary Health“ nicht nur anzuschauen, sondern zu erleben. Da gibt es den Escape Room „Hitzenotruf“ oder als zusätzlichen Bereich ein ganzes Spielmodul. An vielen Stellen ist die direkte Beteiligung gefragt, wie beispielsweise, dass man sein Lieblingstier auf einen Zettel schreibt, der dann als Origamifigur an den Biodiversitäts-Attraktor gehängt wird. Im Landschaftsmodul kann man auf einer Parkbank Platz nehmen und ein animiertes Szenario mit passender Klangkulisse auf sich wirken lassen, während auf dem Bildschirm Reflexionsfragen zum Wohlbefinden in dieser Landschaft gestellt werden. „Da kommen die Leute ganz automatisch ins Nachdenken“, sagt Sebastian Brumann, „und gleichzeitig können sie auch schon mitgestalten.“&nbsp;</p>
<p>Wissenschaftliche Fakten mit Bezug zum Alltag auf interaktive Weise vermittelt und im engen Dialog mit dem Publikum: „Das sind die Grundfesten des Deutschen Museums und das bietet auch die neue Sonderausstellung“, sagt Generaldirektor Michael Decker. „Wir sind damit aber nicht nur ‚Am Puls von Mensch und Planet‘, sondern auch am Puls der Zeit, denn es geht um ein Thema, das uns wirklich alle unmittelbar betrifft!“&nbsp;</p>
<p>„Planetary Health“ lädt dazu ein, den Gesundheitszustand unseres Lebensraums zu erkunden, denjenigen zuzuhören, die bereits an einer gesünderen Zukunft arbeiten – und vielleicht auch sich selbst die Frage zu stellen: Wie will ich weitermachen? Die Sonderausstellung ist von 20. März bis 30. September 2026 in der Eingangshalle des Deutschen Museums (Ebene -1) zu sehen und zu erleben.</p>
<p>Eine Ausstellung des Munich Science Communication Lab, gefördert von der Volkswagen Stiftung.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.deutsches-museum.de/museum/aktuell/am-puls-von-mensch-und-planet" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Deutschen Museums (DM)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Deutsches Museum</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7385</guid>
                        <pubDate>Fri, 27 Mar 2026 12:58:00 +0100</pubDate>
                        <title>Drogenmärkte im Blick</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/drogenmaerkte-im-blick</link>
                        <description>Was hat sich zwei Jahre nach der Cannabis-Teillegalisierung verändert? Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Cannabiskonsum stabil bleibt, während die Märkte für&amp;nbsp;harte Drogen wachsen.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Nach der Cannabis-Teillegalisierung im April 2024 ist der Cannabiskonsum bei 18- bis 64-Jährigen entgegen manchen Befürchtungen kurzfristig nicht sprunghaft gestiegen. Die Zahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Cannabisdelikte ging infolge der neuen Rechtslage deutlich zurück, während Straßenhandelspreise stabil blieben. Andere Drogenmärkte, insbesondere für Kokain, Crack und Methamphetamin, entwickeln sich seit Jahren deutlich dynamischer, mit deutlichen Anstiegen in der Prävalenz vor allem von Kokain (einschließlich Crack) und Methamphetamin. Dies ergibt sich aus einer Studie der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).</p>
<p>Seit zwei Jahren ist unter anderem der Besitz begrenzter Mengen Cannabis für Erwachsene in Deutschland nicht mehr strafbar. Nach Einschätzung der Studienautorinnen erklärt die gesetzliche Neuregelung den deutlichen Rückgang der registrierten Delikte, da viele der zuvor polizeilich erfassten Fälle wie etwa der Besitz und Anbau begrenzter Mengen nicht mehr strafrechtlich relevant sind. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass die Zahl der Cannabisdelikte nach der Teillegalisierung auf rund ein Drittel zurückging – von fast 174.000 Fällen im Jahr 2023 auf knapp unter 62.000 Fälle im Jahr 2024. Dieser Effekt spiegelt sich im Rückgang der erfassten Drogendelikte insgesamt wider: Im Jahr 2023 machten cannabisbezogene Delikte etwa die Hälfte der erfassten Fälle von Rauschgiftkriminalität aus.</p>
<p>Die Teillegalisierung polarisiert. Zuletzt wurden in Gesellschaft und Politik immer wieder Stimmen laut, die ein erneutes Cannabis-Verbot forderten. „Erste Untersuchungen nach der Teillegalisierung deuten aber nicht auf einen markanten Anstieg des Cannabiskonsums hin“, bilanziert Studienautorin Anna Bindler, Leiterin der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit. „Wenn es der politische Wunsch ist, den Cannabiskonsum zu reduzieren, ist ein erneutes Verbot nicht unbedingt der wirksamste Hebel. Vielmehr sollten wir uns Gedanken um Aufklärung und Prävention machen. Gleichzeitig dürfen wir die Entwicklungen auf anderen Drogenmärkten nicht aus dem Blick verlieren.“</p>
<h6>Konsum von Kokain, Crack und Methamphetamin steigt stark an</h6>
<p>Bindler und ihre Ko-Autorin Andreea-Maria Stoica verweisen etwa auf die Märkte für harte Drogen wie Kokain, Crack und Methamphetamin. Kokaindelikte (einschließlich Crack) steigen seit Jahren ebenso wie der Konsum. Abwasserdaten liefern dabei in der Regel verlässlichere Daten zum gesamten Ausmaß des Drogenkonsums als Befragungsdaten, die auf Selbstauskünften beruhen, sowie die Polizeiliche Kriminalstatistik, die nur erfasste Delikte abbildet. Abwasserdaten zeigen eine fast vierfach höhere Belastung mit Kokainrückständen gegenüber 2015, Methamphetamin weist insbesondere in Städten nahe der tschechischen Grenze besonders hohe Werte auf. „Diese Entwicklungen verlaufen unabhängig von der Cannabisreform und stellen eine zentrale Herausforderung für die Politik dar“, sagt Studienautorin Stoica. „Anders als auf legalen Märkten wie etwa bei Alkohol oder Tabak gibt es keine Steuerungsinstrumente wie Altersbeschränkungen und Steuern. Internationale Studien deuten darauf hin, dass eine Unterbrechung der Lieferketten den Drogenmarkt kurzfristig destabilisieren kann. Langfristig können Suchtberatung, Prävention und Aufklärung eine nachhaltigere Lösung darstellen.“</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.diw.de/de/diw_01.c.1003686.de/cannabiskonsum_bleibt_trotz_teillegalisierung_stabil_____konsum_harter_drogen_wie_kokain_steigt_seit_jahren.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Wed, 25 Mar 2026 15:17:00 +0100</pubDate>
                        <title>Leibniz-Forschende beraten zu China</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/leibniz-forschende-beraten-politik-zu-china</link>
                        <description>Julian Hinz und Bettina Peters sind in die neu geschaffene Kommission des Deutschen Bundestags zu Wirtschaftsbeziehungen mit China berufen worden.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.zew.de/team/bpe" target="_blank" rel="noreferrer">Prof. Dr. Bettina Peters</a>, stellvertretende Leiterin des Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, und <a href="https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-experten/julian-hinz/" target="_blank" rel="noreferrer">Prof. Dr. Julian Hinz</a>, Direktor der Forschungsgruppe „Handelspolitik“ am Kiel Institut für Weltwirtschaft sind Gründungsmitglieder des neuen Expertengremiums des Deutschen Bundestags. Die konstituierende Sitzung fand am 19. März in Berlin statt.</p>
<p>Der Bundestag hat im November die Einsetzung einer „Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China“ beschlossen. Die Experten/-innen sollen ermitteln, wie groß die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China ist, besonders bei Energie- und Rohstoffimporten sowie bei wirtschaftlich und sicherheitspolitisch maßgeblichen Technologien. Die Kommission ist berechtigt, öffentliche Anhörungen von Sachverständigen, Interessenvertretern und Betroffenen durchzuführen, wissenschaftliche Expertisen und Gutachten einzuholen sowie Forschungsaufträge zu vergeben.</p>
<p>In der Expertenkommission sind 13 Mitglieder aus Verbänden, Forschungsinstituten und Gewerkschaften tätig: neben dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und dem Kiel Institut für Weltwirtschaft unter anderem auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), das International Institute for Strategic Studies (IISS) und das Mercator Institute for China Studies.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.zew.de/presse/pressearchiv/zew-oekonomin-in-china-kommission-des-bundestags-berufen" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung</a></p>
<p><a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw12-pa-china-kommission-1155084" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Mitteilung des Deutschen Bundestags</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Kiel Institut für Weltwirtschaft</category>
                            
                                <category>ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Menschen</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 24 Mar 2026 11:33:41 +0100</pubDate>
                        <title>Nicht nur ein Energieschock</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/nicht-nur-ein-energieschock</link>
                        <description>Die Hormus-Schließung gefährdet die globale Ernährungssicherheit – eine interaktive Website zeigt die Abhängigkeiten.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die Schließung der Straße von Hormus – eines nur 21 Seemeilen breiten Nadelöhrs, durch das etwa ein Fünftel des weltweiten Erdöls und ein Viertel des Flüssigerdgases transportiert wird – hat einen weitreichenden Angebotsschock ausgelöst. Eine neue Analyse sowie eine <a href="https://www.kielinstitut.de/topics/international-trade/current-trade-issues/" target="_blank" rel="noreferrer">interaktive Website</a> des Kiel Instituts zeigen, dass die Störung weit über den Energiesektor hinausgeht und sich über Chemikalien und Düngemittel bis in die Ernährungssysteme weiterträgt, wobei die schwerwiegendsten Folgen auf Entwicklungsländer entfallen.</p>
<p>„Das zentrale Problem ist die Kettenreaktion“, sagt <a href="https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-experten/julian-hinz/" target="_blank" rel="noreferrer">Julian Hinz</a>, Leiter der Forschungsgruppe <a href="https://www.kielinstitut.de/de/institut/forschungszentren/aussenhandel/handelspolitik/" target="_blank" rel="noreferrer">Handelspolitik</a> am Kiel Institut. „Ein Energieschock wird schnell zu einem Düngemittelschock und schließlich zu einer Ernährungskrise – insbesondere in Ländern, die in jeder Stufe auf Importe angewiesen sind.“&nbsp;Die Schließung folgt auf die Eskalation des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran, wodurch der Tankerverkehr durch die Meerenge innerhalb weniger Tage von rund 40 täglichen Durchfahrten auf nahezu null zurückging. Während sich die Aufmerksamkeit bislang vor allem auf Öl und Gas richtet, reicht die Bedeutung des Golfs für den Welthandel deutlich weiter. Eine kleine Gruppe von Ländern, die mit der Meerenge verbunden sind, dominiert die Exporte einer Vielzahl kritischer Güter – von Petrochemikalien und Düngemitteln bis hin zu Metallen und Agrarprodukten –, von denen viele kurzfristig nicht anderweitig beschafft werden können. Um das gesamte Ausmaß dieser Abhängigkeiten zu verdeutlichen, hat das Kiel Institut eine <a href="https://www.kielinstitut.de/de/themen/internationaler-handel/aktuelle-handelspolitische-lage/" target="_blank" rel="noreferrer">neue interaktive Website</a> gestartet, die sichtbar macht, wie stark die weltweite Abhängigkeit von diesen Produkten ist.</p>
<p>Diese breitere Abhängigkeit ist entscheidend, um das Ausmaß des Schocks zu verstehen. Derivate von Kohlenwasserstoffen, Methanol und Harnstoffdünger – zentrale Vorleistungen für Landwirtschaft und Industrie – sind stark in der Produktion der Golfregion konzentriert. Energieintensive Metalle wie Aluminium und Stahl sowie regionale Agrarprodukte festigen zusätzlich die Rolle des Golfs in globalen Lieferketten. In vielen dieser Sektoren ist die Abhängigkeit in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht gesunken, sondern sogar gestiegen.</p>
<p>Gängige Handelsmodelle unterschätzen die Folgen, weil sie nicht erfassen, wie Störungen sich durch diese eng miteinander verbundenen Systeme ausbreiten. Rückgänge bei Energieflüssen begrenzen die chemische Produktion, was wiederum die Verfügbarkeit von Düngemitteln einschränkt und die Nahrungsmittelpreise steigen lässt – ein Engpass-Effekt.&nbsp;</p>
<p>Dieser Effekt verstärkt die Auswirkungen in Ländern, die auf importierte Vorleistungen angewiesen sind – insbesondere in Südasien, Subsahara-Afrika und Teilen des Nahen Ostens. Beispielsweise könnten im Szenario einer kurzfristigen vollständigen Schließung der Straße von Hormus die Nahrungsmittelpreise in Sri Lanka, Pakistan und Indien um etwa 10–15 % steigen, wobei auch höhere Steigerungen möglich sind. Die Wohlfahrtsverluste in diesen drei Ländern werden auf −3,5 % bis −1,8 % geschätzt. Allgemeiner werden die Wohlfahrtsverluste in diesen Regionen auf das 10–20-fache der Verluste in den traditionellen Industrienationen geschätzt, eine Ausnahme sind erdölexportierende Länder. Zum Vergleich: Die Wohlfahrtswirkungen in der Europäischen Union liegen nur zwischen −0,76 % und −0,36 %, während sie in den Vereinigten Staaten noch geringer ausfallen und zwischen −0,16 % und −0,04 % liegen.</p>
<p>Auch der Zeitpunkt der Störung verschärft die Lage erheblich. März und April sind Spitzenmonate für die Ausbringung von Düngemitteln in der Pflanzsaison der Nordhalbkugel. Zwar können sich Märkte mit der Zeit teilweise anpassen, doch strukturelle Schäden an Lieferketten und landwirtschaftlicher Produktion dürften bestehen bleiben.</p>
<p>Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an koordiniertem politischem Handeln. Die Störung in Hormus ist nicht nur ein Energieschock, sondern auch eine Krise für Industrieproduktion und Ernährungssicherheit. Strategische Düngemittelreserven in importabhängigen Ländern sowie stärkere internationale Mechanismen zur schnellen Bereitstellung von Düngemitteln und Nahrungsmittelhilfe könnten helfen, künftige Schocks abzufedern. Gleichzeitig bleibt die Verringerung der Abhängigkeit von Energie aus der Golfregion und von energieintensiven Importen – durch Diversifizierung, Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienzsteigerungen – die wirksamste langfristige Antwort.</p>
<p>„Es geht nicht nur um den globalen Durchschnitt, sondern darum, wer am stärksten betroffen ist“, sagt Hinz. „Für die ärmsten Länder der Welt kann etwas, das global noch überschaubar wirkt, schnell zu einer schweren Ernährungskrise werden.“</p>
<h6>Interaktive Website</h6>
<p><a href="https://5siut.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/SMK1E8tHeGLdbm04W6xX2OHiJxY3/Li6qtTilZ8tq" target="_blank" rel="noreferrer">Website zu aktuellen Handelsfragen in der Straße von Hormus</a></p>
<h6>Kiel Policy Brief</h6>
<p><a href="https://5siut.r.sp1-brevo.net/mk/cl/f/sh/SMK1E8tHeGEm9dB7Kwo2wYyyLexn/MwNphfVIJl0K" target="_blank" rel="noreferrer">The Cost of Closing the Strait of Hormuz: Energy Bottlenecks and Global Food Security</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/aktuelles/hormus-schliessung-loest-angebotsschock-aus-und-gefaehrdet-ernaehrungssicherheit/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft</a></p>




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                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Kiel Institut für Weltwirtschaft</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7378</guid>
                        <pubDate>Tue, 24 Mar 2026 09:25:20 +0100</pubDate>
                        <title>Zähne erzählen Geschichte</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/zaehne-erzaehlen-geschichte</link>
                        <description>Wie lebten die Eiszeit-Elefanten, die vor 125.000 Jahren zur Jagdbeute von Neandertalern gehörten? Zahnanalysen rekonstruieren Wanderverhalten und Ernährung der Tiere.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam, darunter Wissenschaftler*innen des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied, einer Einrichtung des LEIZA, konnte die Lebensgeschichte vier Europäischer Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) rekonstruieren – anhand der Analyse ihrer Zähne. Die Studie wurde im Fachjournal Science Advances veröffentlicht.</p>
<p>Die Elefanten – deutlich größer als heutige Arten – waren die größten Landsäugetiere des prähistorischen Europas und lebten während der letzten Warmzeit vor rund 125.000 Jahren. Studien von 2023, ebenfalls mit Beteiligung der MONREPOS-Wissenschaftler*innen, hatten gezeigt, dass sie zur Jagdbeute von Neandertalern gehörten.</p>
<p>Die Fundstelle Neumark-Nord in Sachsen-Anhalt zählt zu den wichtigsten europäischen paläontologischen Fundstellen des Europäischen Waldelefanten. Dort wurden die fossilen Überreste von mehr als 70 Elefanten entdeckt, die in dieser Gegend einst von Neandertalern erlegt worden waren. Durch diese außergewöhnliche große Anzahl gibt der Fundort zudem einen einzigartigen Einblick in die Beziehung zwischen diesen großen Tieren und den Menschen des Pleistozäns.</p>
<p>Mit einem innovativen Ansatz, der die Analyse von Isotopen (Kohlenstoff, Sauerstoff und Strontium) und Proteinen (Paläoproteomik) kombiniert, rekonstruierten die Forschenden das Wanderverhalten, die Ernährung und sogar das Geschlecht mehrerer Individuen der Elefanten. Isotopenanalysen des Elements Strontium entlang der Wachstumsrichtung der Backenzähne zeigten, dass sie sich über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen europäischen Regionen aufhielten.</p>
<p>Die Studie ist die jüngste in einer Reihe laufender wissenschaftlicher Analysen von Fundmaterial aus dem ehemaligen Braunkohletagebau Neumark-Nord. Die Forschungsprojekte werden von einem gemeinsamen Team des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied – einer Einrichtung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) –, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Leiden durchgeführt. Möglich wurden sie durch die kontinuierliche Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.&nbsp;</p>
<p>„Was wir in Neumark-Nord sehen, ist kein Bild bloßen Überlebens, sondern das einer Population, die ihre Umwelt verstand und über einen Zeitraum von mindestens 2.500 Jahren aktiv und auf komplexe Weise mit ihr interagierte“, sagt Studienautorin Sabine Gaudzinski-Windheuser, Professorin für vor- und frühgeschichtliche Archäologie an der JGU und Leiterin von MONREPOS.</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Elena Armaroli, Federico Lugli, Théo Tacail, Lutz Kindler, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Fulco Scherjon, Wil Roebroeks, Glendon Parker, Hubert Vonhof, Anna Cipriani, Thomas Tütken, Wolfgang Müller: <strong>Life histories of straight-tusked elephants from the Last Interglacial Neanderthal site of Neumark-Nord (~125 ka).</strong> Science Advances (2026)&nbsp;<br> <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adz0114" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1126/sciadv.adz0114</a>&nbsp;</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt&nbsp;</h6>
<p><a href="https://www.leiza.de/aktuelles/nachricht/beute-der-neandertaler-europas-eiszeit-elefanten" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Zentrum für Archäologie</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 23 Mar 2026 11:22:00 +0100</pubDate>
                        <title>Lohnende Investitionen</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/investitionen-die-sich-auszahlen</link>
                        <description>Höhere Ausgaben für Bildung und Gesundheit zahlen sich aus: Eine neue Studie beziffert die jährliche Produktivitätsrendite auf durchschnittlich zehn Prozent.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Höhere Ausgaben für Bildung und Gesundheit zahlen sich ökonomisch aus – im Schnitt mit rund zehn Prozent jährlicher Produktivitätsrendite. Das zeigt eine internationale Studie des World Inequality Labs, an der auch das ZEW Mannheim beteiligt war und die nun im renommierten Journal of Public Economics veröffentlicht wurde. Dafür ausgewertete globale Langzeitdaten von 1800 bis 2025 zeigen, dass der Effekt bei öffentlicher Bildung und in ärmeren Ländern besonders groß ist. Zugleich verharren die Unterschiede auf extrem hohem Niveau. So betragen 2025 die Ausgaben für ein Schulkind in Subsahara-Afrika kaufkraftbereinigt nur rund drei Prozent der öffentlichen Bildungsausgaben für ein Schulkind in Europa oder Nordamerika.</p>
<p>„Investitionen in Bildung und Gesundheit sind Wachstumspolitik. Das gilt insbesondere dort, wo das Ausgangsniveau niedrig ist. Wenn Länder ihre Bildungs- und Gesundheitsausgaben verlässlich erhöhen, beschleunigt sich das Produktivitätswachstum messbar. Für öffentliche Bildung liegen die Renditen teils bei 15 bis 20 Prozent“, sagt Li Yang, PhD, Ko-Autor der Studie und Wissenschaftler in der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“.</p>
<h6>Globale Chancenlücke bei Bildung und Gesundheit</h6>
<p>Die Studie dokumentiert einen langfristigen Anstieg der öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit – weltweit von unter einem Prozent des BIP vor 1900 auf etwa neun Prozent im Jahr 2025. Sie zeigt allerdings auch, dass die globalen Investitionen in Humankapital ungleich verteilt sind.</p>
<p>Reiche Regionen tätigen einen überproportionalen Anteil der weltweiten Ausgaben. Ärmere Regionen stellen dagegen den Großteil der jungen Bevölkerung, sodass sich dort weniger Investitionen auf mehr Menschen aufteilen. Die öffentlichen Bildungsausgaben in Süd- und Südostasien sowie Subsahara-Afrika betragen nur rund vier Prozent des jeweiligen kaufkraftbereinigten BIPs, während sie in Europa, Nordamerika oder Ozeanien zwischen zwölf und 13 Prozent ausmachen. Auch bei Gesundheitsausgaben zeigt sich eine markante Lücke: Die Pro-Kopf-Beträge in ärmeren Regionen entsprechen teilweise nur einem Fünfzigstel bis Sechzigstel des Spitzenwerts.</p>
<h6>Ausblick in die Zukunft: Was bis 2100 möglich ist</h6>
<p>2025 liegt die durchschnittliche Stundenproduktivität global bei rund 16 Euro, von etwa vier Euro in Subsahara-Afrika bis über 55 Euro in Europa und Nordamerika. Auf Basis historischer Regressionsanalysen schätzt das Forschungsteam, dass ein zusätzlicher BIP-Prozentpunkt an altersbereinigten Humankapitalausgaben die jährliche Produktivitätsrate im Schnitt um 0,1 Prozentpunkte steigert. Ohne zusätzliche Investitionen verfestigen sich dagegen die Lücken und das globale Wachstum verlangsamt sich. Wenn sich die Ausgaben aber global angleichen, steigen die gesamten – also öffentliche und private – Bildungs- und Gesundheitsausgaben bis 2100 schrittweise auf etwa 35 bis 40 Prozent des BIP und die globale Stundenproduktivität steigt auf rund 100 bis 120 Euro an.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.zew.de/presse/pressearchiv/ausgaben-fuer-bildung-und-gesundheit-lohnen-sich" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7376</guid>
                        <pubDate>Fri, 20 Mar 2026 11:52:35 +0100</pubDate>
                        <title>Gefördert im Leibniz-Wettbewerb: MADBARLEY</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/gefoerdert-im-leibniz-wettbewerb-madbarley</link>
                        <description>Sie ist entscheidend für die globale Ernährung, jedoch wärmeempfindlich: Können wir Gerste klimaresistent machen?</description>
                        <content:encoded><![CDATA[
<p>Von der Geschichte der Automobilinfrastruktur bis zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen: An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen ausgewählte Projekte, die aktuell im <a href="https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-wettbewerb" target="_blank">Leibniz-Wettbewerb</a> gefördert werden.</p>
<h6><strong>Worum geht’s? Das Projekt „MADBARLEY“ in Kürze</strong></h6>
<p>Die durch den Klimawandel bedingten wärmeren Temperaturen wirken sich negativ auf das Wachstum und den Ertrag von Nutzpflanzen aus. Gerste reagiert besonders anfällig auf erhöhte Temperaturen. Dabei verstehen wir die zugrundeliegenden molekularen und genetischen Prozesse noch nicht vollständig, dies wäre aber notwendig, um künftigen Ernteausfällen entgegenwirken zu können. Das Projektteam setzt an den beiden involvierten Instituten einzigartige Methoden und Infrastrukturen ein und kombiniert die Expertise aus Biochemie, Strukturbiologie, Samenentwicklung und Temperaturregulierung von Pflanzen. So hoffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, neue Durchbrüche bei der Temperaturregulierung von Gerste zu erzielen.</p>
<h6><strong>Warum ist das wichtig? Probleme, die das Projekt lösen will</strong></h6>
<p>Gerste ist das am zweithäufigsten angebaute Getreide in Deutschland und eines der wichtigsten Getreide weltweit. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Nahrungsmittelversorgung und die Anfälligkeit der Pflanze auf erhöhte Temperaturen ist dementsprechend eine große Herausforderung. Das Projektteam hofft, in seiner innovativen Zusammenarbeit neue Gene und intrazelluläre Signalwege zu entdecken, die künftig dazu genutzt werden können, hitzeresistente Gerstenstämme zu züchten.</p>
<h6><strong>Worauf freuen Sie sich zum Projektstart am meisten? Eine Frage an die Projektleitung </strong></h6>
<p>„Wir fühlen uns geehrt, dass die Leibniz-Gemeinschaft unser Projekt fördert, und freuen uns auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem IPK Gatersleben, dem IPB in Halle und darüber hinaus.“</p>
<p>Dr. Jozefus Schippers, Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)</p>
<h6><strong>Wer ist dabei? Die beteiligten Leibniz-Institute</strong></h6>
<p><a href="https://www.ipk-gatersleben.de/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)</a><a href="https://www.ipb-halle.de/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB)</a></p>
<h6><strong>Hintergrund: Der Leibniz-Wettbewerb</strong></h6>
<p>Das Projekt „MADBARLEY“ wird im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs für den Zeitraum von drei Jahren gefördert. Der Wettbewerb unterstützt die Erreichung der strategischen Ziele der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation. Die Projektbewilligungen ermöglichen Forschung auf höchstem Niveau. Insgesamt fördert die Leibniz-Gemeinschaft in der Runde 2026 30 Vorhaben.</p>
<p><a href="/forschung/leibniz-wettbewerb" class="internal">Weitere Informationen zum Leibniz-Wettbewerb</a></p>
<p><a href="/forschung/leibniz-wettbewerb/gefoerderte-vorhaben" class="internal">Projektdatenbank des Leibniz-Wettbewerbs</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Fri, 20 Mar 2026 10:45:08 +0100</pubDate>
                        <title>Neu entdeckter Gegenspieler</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/molekularer-schalter-fuer-lysosomenfunktion</link>
                        <description>Forschende haben einen bislang unbekannten Kontrollmechanismus in Zellen entschlüsselt. Ihre Erkenntnisse könnten helfen, das Wachstum von Tumoren zu beeinflussen oder Demenz zu verhindern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Universität Bielefeld hat einen bislang unbekannten Kontrollmechanismus in menschlichen Zellen entschlüsselt. Die Ergebnisse zeigen erstmals, wie ein zentraler molekularer Schalter die „Recyclingzentren“ der Zelle reguliert. Die Ergebnisse, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Nature Communications, liefern wichtige Ansätze für das Verständnis von Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.</p>
<p>Lysosomen sind die Kontrollzentren des Stoffwechsels von Zellen und Geweben einschließlich des Gehirns. Sie zerlegen defekte Eiweiße und andere Makromoleküle in ihre Bausteine. Gleichzeitig entscheiden sie, ob eine Zelle wächst oder in einen Energiesparmodus schaltet. Damit übernehmen sie eine Schlüsselrolle für Gesundheit und Krankheit.&nbsp;</p>
<p>Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Damme von der Universität Bielefeld und Prof. Dr. Volker Haucke, Direktor des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), haben nun gemeinsam einen entscheidenden Mechanismus dieser Steuerung aufgeklärt. „Wir zeigen zum ersten Mal, welcher Gegenspieler den zentralen Transportschalter ARL8B wieder ausschaltet“, sagt der Biochemiker Markus Damme, der vor kurzem aus Kiel an die Universität Bielefeld berufen wurde. „Damit verstehen wir besser, wie Zellen ihre Recyclingzentren – oder noch konkreter, ihre Nachhaltigkeitszentren – räumlich organisieren und an Nährstoffmangel anpassen", ergänzt Prof. Volker Haucke, der zusammen mit Markus Damme gemeinsamer Letztautor der Studie ist.</p>
<p>Im Zentrum der Arbeit, die in enger Kooperation der Teams um Prof. Volker Haucke in Berlin und Prof. Markus Damme in Bielefeld sowie Forschenden der Christian-Albrechts-Universität Kiel entstanden ist, steht das Protein ARL8B. Es wirkt wie ein Motorstarter: Ist es aktiv, wandern Lysosomen entlang eines zellulären Schienennetzes – den sogenannten Mikrotubuli – an den Rand der Zelle. Dort fördern sie Wachstumsprozesse. Bisher war jedoch unklar, wie dieser Schalter wieder deaktiviert wird.</p>
<h6><strong>Ein neu entdeckter Gegenspieler</strong></h6>
<p>Die Forschenden identifizierten das Protein TBC1D9B als entscheidenden „Ausschalter“. TBC1D9B bindet an das Lysosomen-Protein TMEM55B und schaltet ARL8B gezielt ab. Fachleute sprechen von einer GAP-Funktion (GTPase-aktivierendes Protein) – einem Mechanismus, der molekulare Schalter in ihre inaktive Form zurückversetzt.</p>
<p>"Fehlt TBC1D9B oder sein Partner TMEM55B, verlieren Lysosomen ihre geordnete Position. Sie verteilen sich unkontrolliert in der Zelle", erläutert Doktorand Valentin Duhay von der CAU Kiel, Ko-Erstautor der Studie. Besonders dramatisch zeigt sich das bei Nährstoffmangel: „Normalerweise rücken Lysosomen dann ins Zellzentrum und kurbeln den Abbauprozess an – die sogenannte Autophagie, eine Art Selbstreinigung der Zelle. Ohne den neu entdeckten Regulator funktioniert diese Anpassung nicht", ergänzt Dr. Miaomiao Tian, Wissenschaftlerin am Leibniz-FMP und Ko-Erstautorin der Studie.</p>
<h6><strong>Bedeutung für Medizin und Gesellschaft</strong></h6>
<p>Die Arbeit verbindet modernste Proteomanalysen, Genom-Editierung und hochauflösende Mikroskopie. Sie belegt in bisher unerreichter Detailtiefe, dass nicht nur die präzise Position von Lysosomen über ihre Funktion entscheidet.</p>
<p>Fehlfunktionen von Lysosomen spielen bei Alzheimer, Parkinson und erblichen Stoffwechselerkrankungen ebenso eine Rolle wie bei Krebs. Wenn Lysosomen in ihrer Kontroll- und Reccylingfunktion gestört sind, sammeln sich schädliche Eiweißablagerungen z.B. im Gehirn an oder Tumorzellen nutzen die Systeme für ihr eigenes Wachstum.</p>
<p>„Unsere Ergebnisse liefern den fehlenden Baustein zur Regulation von ARL8B. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven, um krankhafte Prozesse wie das Tumorwachstum gezielt zu beeinflussen", sagt Prof. Dr. Markus Damme. Prof. Volker Haucke ergänzt: „Durch gezielte Eingriffe in die Schaltprozesse am Lysosom könnten wir zum Beispiel Nervenzellen widerstandsfähiger machen und so Demenz verhindern oder verzögern oder Immunzellen, die ebenfalls von ARL8 abhängig sind, scharfstellen, um Viren oder Bakterien effektiver zu bekämpfen."</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Valentin Duhay, Miaomiao Tian, Klaudia Kosieradzka, Michael Ebner, Wen-Ting Lo, Michael Krauss, Henner-Linus Sprengel, Matthias Voss, Mara Riechmann, Jeffrey N. Savas, Michael Schwake, Volker Haucke und Markus Damme: Control of lysosome function by the GTPase-activating protein TBC1D9B and its binding partner TMEM55B. Nature Communications 17, 2487 (2026) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-026-70345-y" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.nature.com/articles/s41467-026-70345-y</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://leibniz-fmp.de/de/newsroom/news/detail/researchers-identify-control-mechanism-against-cellular-stress" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) </a></p>

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                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7372</guid>
                        <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:39:04 +0100</pubDate>
                        <title>Geschäftsmodell Nationalismus</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/geschaeftsmodell-nationalismus</link>
                        <description>Im April wird in Ungarn gewählt: eine Schicksalswahl für ganz Europa, sagt der Historiker Ulf Brunnbauer.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>In Ungarn steht am 12. April 2026 die Parlamentswahl an. Die Politik des aktuellen Ministerpräsidenten Viktor Orbán wird oft weniger von nationalistischer Ideologie als vielmehr von Korruption bestimmt, kommentiert Prof. Dr. Ulf Brunnbauer, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung.</p>
<h6>Brunnbauer kommentiert:</h6>
<p>„Wirtschaftspartnerschaft mit Iran, Anbiedern an Trump und Putin – wenn es einen roten Faden in Viktor Orbáns Außenpolitik gibt, dann diesen: die Feinde der EU, die in der Regel auch Demokratie und Rechtsstaat ablehnen, sind seine Freunde. Ideologische Gemeinsamkeiten begründen die Wahl dieser Partner nur zum Teil. Mindestens ebenso wichtig sind deren unverhohlene Korruption und ihr offener Rechtsnihilismus.</p>
<p>Beides beansprucht Orbán auch für sich selbst. Gefüllte Taschen und Straffreiheit sind für ihn im Zweifel wichtiger als Ideologie, Nationalismus ist für ihn oft nur Geschäftsmodell, ein Vehikel, mit dem er bei einer konservativen Wählerschaft punkten und so an staatliche Ressourcen kommen kann. Das festigt seine Macht. Und das macht ihn gefährlich. Denn sie sind ihm auch wichtiger als das Wohlergehen der ungarischen Bevölkerung, der Fortbestand der EU und die Sicherheit in Europa. Ungarn hat die Kunst eines außenpolitischen Zynismus perfektioniert, der nicht auf Werten beruht, sondern handfesten materiellen Vorteilen – nicht für das Land, sondern die Elite. Würde das in Europa Schule machen, verlöre die EU ihre Existenzberechtigung als Wertegemeinschaft.</p>
<p>Gleichzeitig sind Korruption und Klientelismus die große Schwachstelle des Regimes: Während die materielle Lage des ungarischen Gesundheits- und Bildungswesens immer prekärer wird, nimmt der Wohlstand in Orbáns Umfeld frappant zu. Die Staatsverschuldung liegt deutlich über dem Durchschnitt der Region, doch trotz hoher Staatsdefizite wächst die Wirtschaft nicht schneller als in der Nachbarschaft. Patronage kostet Geld, produziert aber keine Innovation.</p>
<p>Vor der Parlamentswahl liegt Oppositionspolitiker Péter Magyar in Umfragen vorne, der konsequent auf das Thema Korruptionsbekämpfung setzt. Die Nervosität von Orbán und seiner Regierungspartei steigt merklich. Eine Abwahl ist für sie auch eine persönliche Gefahr. Ein schmutziges Nachspiel droht, es ist keinesfalls ausgemacht, dass die Regierungspartei FIDESZ eine Niederlage akzeptieren würde. Die EU sollte derweil mehr tun, als nur auf Magyar zu hoffen. Sie braucht einen Plan für den Fall eines erneuten Erfolgs Orbáns. Sie müsste ihm künftig deutlicher als bislang Grenzen setzen, sonst droht irgendwann womöglich ihr eigenes Ende.“</p>
<h6>Mehr lesen</h6>
<p><a href="https://ostblog.hypotheses.org/8908" target="_blank" rel="noreferrer">Zum ausführlichen Kommentar auf dem Blog des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://leibniz-ios.de/wissen-vermitteln/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2026/presseinformation-3/2026#c3531" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7373</guid>
                        <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:09:00 +0100</pubDate>
                        <title>Landwirtschaft der Zukunft</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/landwirtschaft-der-zukunft</link>
                        <description>Das neu eröffnete Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) erprobt in fünf Reallaboren, wie Landwirtschaft klimaresilient und wirtschaftlich stabil werden kann.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann Landwirtschaft wettbewerbsfähig, umweltschonend und klimaresilient sein und zugleich Versorgungs- und Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleisten? Mit dem am 17.3. im Futurium in Berlin feierlich eröffneten Innovationszentrum für Agrarsystemtransformation (IAT) gehen das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die Universität Kassel, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Hochschule Geisenheim gemeinsam neue Wege. In fünf Regionen in Brandenburg und Hessen – den Reallaboren – werden künftig gemeinsam mit Praxisakteuren innovative Lösungen für zentrale Herausforderungen in Landwirtschaft und Ernährungssystemen entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt. Rund 250 Gäste aus Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft nahmen an dem Festakt teil.</p>
<p>Klimawandel, zunehmende Wetterextreme und globale Krisen verdeutlichen, wie anfällig Agrar- und Ernährungssysteme sein können. Gleichzeitig müssen Landwirtschaft und Wertschöpfungsketten heute mehr denn je unterschiedliche Anforderungen erfüllen: Sie sollen eine verlässliche Versorgung sichern, wirtschaftlich tragfähig bleiben und zugleich ihren Beitrag zu Klimaschutz und Ressourcenschonung leisten. Dies gelingt langfristig nur mit innovativen Praktiken, die auf gesunde Böden und Landschaften aufbauen. Genau hier setzt das IAT an. Mit einer gemeinsamen Forschung und neuen Service- und Infrastrukturen unterstützt es Akteure im Agrar- und Ernährungssystem dabei, ihre Produktionsweisen und Kooperationsstrukturen so weiterzuentwickeln, dass sie klimaangepasst, ressourcenschonend und wirtschaftlich stabil arbeiten können.</p>
<p>Dabei betrachtet das IAT Land- und Ernährungswirtschaft nicht isoliert auf der Ebene einzelner Betriebe, sondern auf regionaler Landschaftsebene im Zusammenspiel von Produktion, Verarbeitung, Vermarktung und gesellschaftlichen Erwartungen. Entscheidungen in Acker- und Weinbau, Grünland, Tierhaltung oder Energieerzeugung wirken sich auf ganze Regionen aus – ökologisch wie wirtschaftlich. Die Reallabore schaffen deshalb einen Rahmen, in dem diese Wechselwirkungen sichtbar werden und systematisch berücksichtigt werden können.</p>
<p>Im Mittelpunkt des IAT stehen fünf Reallabore als dauerhafte Kooperations- und Experimentierräume. Dort arbeiten Forschung, landwirtschaftliche Betriebe, Kommunen, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über viele Jahre hinweg gemeinsam an tragfähigen Ansätzen.</p>
<h6><strong>Langfristige Reallabore statt kurzer Projekte</strong></h6>
<p>Das Besondere am IAT ist der lange Atem: Die Reallabore sind, im Gegensatz zur klassischen Projektforschung, auf langfristige Zusammenarbeit ausgelegt und umfassen ganze Regionen in Brandenburg und Hessen. Hier sollen künftig neue und miteinander integrierte Ansätze für den Acker- und Weinbau, das Grünland, die Tierhaltung, den Umgang mit Wasser, Böden und Artenvielfalt oder den Aufbau regionaler Wertschöpfung unter realen Bedingungen erprobt und über viele Jahre hinweg entwickelt werden.<br> „Landwirtschaftliche Betriebe und regionale Akteure aus Politik und Praxis bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen bereits bei der Formulierung der Forschungsfragen von Anfang an ein. So arbeiten wir an Lösungen, die vor Ort auch akzeptiert werden und im Alltag bestehen können“, ist Prof. Bettina Matzdorf, Co-Leiterin des IAT am ZALF, überzeugt. „Im Verständnis des IAT werden aus Lösungsvorschlägen für neue Technologien, Produkte oder Vermarktungswege erst dann Innovationen, wenn diese tatsächlich in der Praxis Anwendung finden. Daher ist es uns wichtig, genau hinzuschauen: Was benötigen die Akteure vor Ort, welche Hemmnisse bestehen und welche Innovationen erweisen sich am Ende wirklich als praxistauglich?“</p>
<p>Prof. Frank Ewert, Wissenschaftlicher Direktor des ZALF, ergänzt: „Mit der Eröffnung des IAT wollen wir uns als ZALF, verstärkt durch die enge Kooperation mit den hessischen Hochschulen in Gießen, Kassel und Geisenheim, zu einem führenden Akteur in der landwirtschaftlichen Reallaborforschung weltweit entwickeln und neue Maßstäbe im Transfer von Innovationen aus der Forschung in die Praxis setzen.“ Mit der zusätzlichen Bewilligung des IATs ab 2026 eröffnet das ZALF erstmals in der fast 100-jährigen Tradition seines Forschungsstandortes im brandenburgischen Müncheberg auch drei neue Standorte in Hessen.</p>
<h6><strong>Innovationen, die zur Region und den Menschen passen</strong></h6>
<p>In Ostbrandenburg wird untersucht, wie Betriebe mit Trockenstress und wenig fruchtbaren Böden besser umgehen können – etwa durch vielfältigere Fruchtfolgen und digitale Hilfsmittel. Im Havelland Westbrandenburgs werden neue Formen der Moorbewirtschaftung entwickelt, die Klimaschutz und ländliche Wertschöpfung vereinen. In der Nordhessischen Lössebene und im Hessischen Mittelgebirge bringen die Partner ihre besondere Expertise in den Bereichen ökologischer Landbau und Tierhaltung ein. Im Reallabor Rheingau steht die multifunktionale, klimaresiliente Weiterentwicklung der durch den Weinbau geprägten Landschaft im Fokus. In allen Reallaborregionen wird am Aufbau von Wertschöpfungsketten für regionale Produkte geforscht: vom Feld über die regionale Verarbeitung bis zum Vertrieb. Ein weiteres Thema, sowohl in Brandenburg als auch in Hessen, ist die Kombination von Energie- und Landwirtschaft – zum Beispiel mit Agri-Photovoltaik-Anlagen auf Feldern und in Weinbergen.</p>
<p>Wichtig ist dabei: Innovationen sollen nicht nur “funktionieren”, sondern auch zur jeweiligen Region passen, dort akzeptiert und tatsächlich genutzt werden. Im IAT entstehen neue Lösungen im Zusammenspiel von wissenschaftlicher Expertise und praktischem Erfahrungswissen. So soll eine häufige Lücke geschlossen werden – zwischen vielversprechenden Ansätzen und ihrer erfolgreichen Umsetzung im Alltag. Durch gemeinsames Forschen und Entwickeln entsteht gemeinsames Wissen, das über einzelne Betriebe hinauswirkt und auf andere Regionen übertragbar ist. Expliziter Anspruch des IAT ist es, Vernetzung und Nutzen auch über die fünf Reallaborregionen hinaus bis auf die internationale Ebene zu schaffen.</p>
<p>Unter dem Motto „Zukunft Land – Gemeinsam forschen, gemeinsam entwickeln“ informiert das IAT auf der Website <a href="https://www.zukunft-land.org/" target="_blank" rel="noreferrer">www.zukunft-land.org</a> über seine Arbeit in den Reallaboren und bietet eine zentrale Anlaufstelle für Interessierte.</p>
<h6><strong>Was die Reallabore konkret bringen</strong></h6>
<p>Für Akteure rund um die Landwirtschaft bieten die Reallabore handfeste Vorteile: Sie erhalten Zugang zu einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das mit ihnen gemeinsam arbeitet und moderne Technik, Daten sowie neue Technologien einbringt. So möchte das IAT starke, langfristige regionale Netzwerke aufbauen. Diese verbinden nicht nur Landwirtinnen und Landwirte untereinander, sondern auch Behörden, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, verarbeitende Betriebe, Handel sowie Start-ups und andere Wirtschaftsunternehmen.</p>
<p>Gemeinsame Experimente können für Betriebe auch Risiken bedeuten. Ziel ist es, den Betrieben mit dem Reallabor einen Raum zu eröffnen, in dem sie neue Ideen ohne Existenzrisiko erproben können. Deshalb sind auch finanzielle Ausgleichsregelungen möglich, etwa bei Ertragseinbußen.</p>
<h6><strong>Gemeinsame Professuren für eine neue Forschungsstruktur</strong></h6>
<p>Um die Reallabore wissenschaftlich zu begleiten, werden in den kommenden Monaten 15 neue Forschungsarbeitsgruppen und drei Servicearbeitsgruppen am ZALF aufgebaut. Neun dieser Gruppen werden durch gemeinsam eingerichtete Professuren getragen, die von den hessischen Partnerhochschulen und weiteren Hochschulen zusammen mit dem IAT besetzt werden. Für die enge Zusammenarbeit mit den hessischen Partnereinrichtungen entstehen Standorte in Gießen, Kassel und Geisenheim. Ein Koordinationsbüro in Müncheberg mit einer Außenstelle in Gießen sowie die Netzwerkmanagerinnen und Netzwerkmanager in allen Reallaboren unterstützen die vielfältigen Forschungsaktivitäten in den fünf Regionen. In Hessen kooperiert das IAT weiterhin eng mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).</p>
<p>Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur: „Klimawandel, Kriege und die wachsende Weltbevölkerung stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. In den Reallaboren bringen die hessischen Hochschulen wertvolle Expertise ein: Sie verbinden nachhaltigen Pflanzenanbau mit ökologischer Landwirtschaft und nachhaltiger Tierhaltung, sie forschen zu unternehmerischen Aspekten in der Landwirtschaft und widmen sich klima-resilienten Weinbausystemen. Auf diesen hessischen Beitrag zu wichtigen Zukunftsfragen der Versorgung sind wir stolz.“</p>
<p>„Dass Gießen mit dem Innovationszentrum zu einem Standort des ZALF wird, ist für die renommierte Agrarforschung der JLU eine riesige Chance. In unserem Potentialbereich Agrarsysteme und Ressourcen geht es um die Grundlagen für die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrung, Energie und nachwachsenden Rohstoffen durch die Landwirtschaft. Ich bin sehr gespannt darauf, wie unsere Forschenden in den Reallaboren praxisnahe Lösungen entwickeln werden,“ sagte Prof. Dr. Katharina Lorenz, die Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen. &nbsp;</p>
<p>Prof. Dr. Michael Wachendorf, Vizepräsident Forschung der Universität Kassel und selbst Agrarwissenschaftler: „Das ist ein spannendes, relevantes und extrem vielversprechendes Projekt, das durch seine vergleichsweise langfristige Finanzierung die Perspektive eröffnet, gewonnene Erkenntnisse über kurze Zyklen hinaus zu erproben und in die Praxis zu bringen. Wir bringen vor allem unsere Expertise in ökologischer Landwirtschaft ein, aber auch unsere langjährige Erfahrung in der Kooperation mit Partnern aus der Praxis und der Gesellschaft. Auf die enge Zusammenarbeit mit dem ZALF und mit zwei weiteren hessischen Universitäten freuen wir uns sehr.“</p>
<p>„Die Einrichtung des IAT ist ein wichtiges und nachhaltiges Element, um mithilfe von ganzheitlicher Forschung die Transformation der Landwirtschaft bzw. in unserem Fall des Weinbaus und der durch ihn geprägten besonderen Landschaften, in eine tragfähige Zukunft zu unterstützen. Nur unter real-praktischen Bedingungen kann sichergestellt werden, dass alle Facetten des notwendigen Veränderungsprozesses betrachtet werden. Und es entstehen bereits im gemeinsamen Prozess Lösungen, die direkt in der Praxis erprobt sind und Anwendung finden“, erklärt <strong>Prof. Dr. </strong>Annette Reineke, Vizepräsidentin für Forschung an der Hochschule Geisenheim.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.zalf.de/de/aktuelles/Seiten/Pressemitteilungen/Festakt-IAT-Eroeffnung-2026.aspx" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung</category>
                            
                                <category>Umweltwissenschaften</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7363</guid>
                        <pubDate>Tue, 17 Mar 2026 14:08:00 +0100</pubDate>
                        <title>Erde erwärmt sich schneller</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/hoechstes-erwaermungstempo-seit-1880</link>
                        <description>Eine neue Studie belegt erstmals statistisch signifikant:&amp;nbsp;In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Erwärmungsrate beinahe verdoppelt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die globale Erwärmung hat sich seit 2015 deutlich beschleunigt, zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Das Forschungsteam berücksichtigt in der Untersuchung bekannte natürliche Einflüsse auf die globale Temperatur und weist die Beschleunigung des Erwärmungstrends erstmals statistisch signifikant nach. Die ermittelte Erwärmungsrate lag in den vergangenen zehn Jahren je nach Datensatz um rund 0,35°C pro Jahrzehnt, verglichen mit knapp 0,2°C pro Jahrzehnt im Durchschnitt der Jahre 1970 bis 2015. Damit ist das jüngste Erwärmungstempo höher als in jedem vorherigen Jahrzehnt seit Beginn der Messungen im Jahr 1880.<em> </em></p>
<p>„Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen,“ sagt Grant Foster, ein US-Statistikexperte und Co-Autor der Studie, die heute in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde. „Entscheidend ist, dass wir aus den Messdaten bekannte, natürliche Schwankungen herausrechnen, sodass das zufällige ‚Rauschen‘ geringer wird und daher das langfristige Erwärmungssignal klarer hervortritt.“<br> <br> Kurzfristige natürliche Schwankungen der globalen Temperatur, verursacht durch El Niño, Vulkanausbrüche und solare Zyklen, können Veränderungen der langfristigen Erwärmungsrate überlagern. In der Datenanalyse, die auf Messdaten basiert, arbeitet das Forschungsteam mit fünf großen etablierten, globalen Temperaturdatensätzen (NASA, NOAA, HadCRUT, Berkeley Earth, ERA5). „Die bereinigten Daten zeigen eine Beschleunigung der Erderwärmung seit 2015 mit einer statistischen Sicherheit von über 98 Prozent, konsistent in allen untersuchten Datensätzen und unabhängig von der gewählten Auswertungsmethode,“ erklärt Stefan Rahmstorf, PIK-Forscher und Leitautor der Studie.</p>
<h6>Studie untersucht statistische Beschleunigung der Erwärmung, nicht deren Ursachen</h6>
<p>Die extrem warmen Jahre 2023 und 2024 werden nach der Korrektur für El Niño und das Sonnenmaximum kühler, bleiben aber die beiden wärmsten seit Beginn der Messungen. In allen Datensätzen setzt bereits ab 2013 oder 2014 die Beschleunigung ein. Um zu überprüfen, ob sich die Erwärmungsrate seit den 1970er Jahren verändert hat, nutzte das Forschungsteam zwei statistische Ansätze: eine quadratische Trendanalyse und ein stückweise lineares Modell, das statistisch objektiv ermittelt, wann sich die Erwärmungsrate verändert.<br> <br> Die Studie hat nicht die konkreten Ursachen der beobachteten Beschleunigung untersucht. Klimamodelle zeigen jedoch, dass eine zunehmende Erwärmungsrate grundsätzlich im Rahmen der aktuellen Klimamodellierungen liegt, so das Autorenteam.<br> <br> „Setzt sich die Erwärmungsrate der vergangenen zehn Jahre fort, würde das zu einem langfristigen Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze des Pariser Abkommens vor dem Jahr 2030 führen,“ sagt Stefan Rahmstorf. „Wie schnell sich die Erde weiter erwärmt, hängt letztlich davon ab, wie rasch wir die globalen CO₂-Emissionen aus fossilen Energien auf null reduzieren.“</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Foster, G., Rahmstorf, S. (2026): Global Warming has accelerated significantly. Geophysical Research Letters. [DOI: 10.1029/2025GL118804]</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/signifikante-beschleunigung-der-globalen-erwaermung-seit-2015" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung</category>
                            
                                <category>Umweltwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 16 Mar 2026 12:18:00 +0100</pubDate>
                        <title>Bildungschancen im Langzeitblick</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/soziale-schere-im-bildungssystem</link>
                        <description>Eine Studie zeigt erstmals umfassend, wie die soziale Herkunft Bildungsungleichheit von der Kita bis zur Uni prägt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Chancengerechtigkeit gehört zu den zentralen Versprechen des deutschen Bildungssystems, doch die Realität sieht anders aus. Eine neue Studie analysiert erstmals umfassend, wie soziale Herkunft in Deutschland den gesamten Bildungsverlauf eines Menschen beeinflusst – von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium und Ausbildung. Die Autor:innen unterscheiden dabei zwischen den Einflüssen von Armut, Bildungsniveau und beruflichem Status der Eltern und messen deren Einfluss auf Kompetenzniveaus, Bildungsentscheidungen und Leistungsbeurteilungen. So kann genauer als in bisherigen Studien untersucht werden, an welchen Stellen soziale Ungleichheiten entstehen, wo sie sich fortsetzen, verstärken oder verringern. Möglich wird diese umfassende Betrachtung durch die Analyse von Bildungsverläufen von der Geburt bis zum Alter von 26 Jahren mit den Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Die neue Veröffentlichung identifiziert die Quellen der Ungleichheit im Bildungsverlauf und liefert damit einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie Bildung in Deutschland gerechter gestaltet werden kann.</p>
<p>Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass soziale Bildungsungleichheiten sehr früh einsetzen und lange stabil bleiben. Die Studie erstellt dabei keine Momentaufnahme, sondern analysiert, wie sich früh entstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln. Die Autor:innen, Prof. Dr. Marcel Helbig, Dr. Claudia Karwath und Prof. Dr. Corinna Kleinert vom Leibniz‑Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), blicken dabei nicht allein auf eine Dimension sozialer Herkunft, sondern auf kulturelle, soziale und finanzielle Ressourcen. Anders als in vorherigen Studien untersuchen sie nicht nur ein Bildungsergebnis, sondern (1) die Entwicklung unterschiedlicher Kompetenzen, (2) Bildungsentscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und schließlich (3) die Beurteilung von Schüler:innen durch Lehrkräfte. Ein besonderer Fokus liegt auf den Übergängen zwischen einzelnen Bildungsetappen. Diese Scharnierstellen im Bildungssystem bilden einen besonderen Nährboden für die Verfestigung von Ungleichheiten, bieten jedoch gleichzeitig Ansatzpunkte für deren Beseitigung.</p>
<h6><strong>Kompetenzunterschiede durch soziale Herkunft: Früher Beginn, lange Stabilität</strong></h6>
<p>Bereits in den ersten Lebensjahren von Kindern zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Nutzung frühkindlicher Betreuungsangebote, die auf die verschiedenen Faktoren der sozialen Herkunft zurückzuführen sind. Während im zweiten Lebensjahr vor allem Eltern mit hohem beruflichem Status ihre Kinder außerfamiliär betreuen lassen, gewinnt im dritten und vierten Lebensjahr das Bildungsniveau der Eltern an Bedeutung. Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau nehmen vor dem vierten Lebensjahr seltener an frühkindlicher Betreuung teil. (<a href="https://www.lifbi.de/Portals/2/News/LFK07-Soz-Ungl_Abb-1_Wahrscheinlichkeit%20Kita-Besuch.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abb. 1: Wahrschenlichkeit des KiTa-Besuchs</a>)</p>
<p>Auch bei den Kompetenzen zeigen sich früh Unterschiede: Schon im Kleinkindalter unterscheiden sich Wortschatz sowie frühe mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten systematisch nach der sozialen Herkunft und vergrößern sich bis zum Schuleintritt. Diese Ungleichheiten setzen sich im weiteren Bildungsverlauf fort, etwa auch beim Lesen sowie bei computerbezogenen und digitalen Kompetenzen. Insgesamt bleiben die Unterschiede über die Schulzeit hinweg weitgehend stabil. So gehören am Ende der Grundschule nur 12 % der Kinder aus unteren sozialen Schichten zu den leistungsstärksten Schüler:innen in Mathematik, aber 40 % der Kinder aus hohen sozialen Schichten. (<a href="https://www.lifbi.de/Portals/2/News/LFK07-Soz-Ungl_Abb-2_Mathe-Kompetenz.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abb. 2: Wahrscheinlichkeit, zu den kompetenzstärksten SuS in Mathe zu gehören</a>)</p>
<h6><strong>Die Rolle der Eltern und der Lehrkräfte für den Übertritt aufs Gymnasium</strong></h6>
<p>Besonders deutlich werden soziale Ungleichheiten bei schulischen Bewertungen und Übergangsentscheidungen. Hier bleibt der Vorsprung von Kindern aus Familien mit hohen finanziellen Ressourcen und hohem Berufs- und Bildungsstatus bestehen. Ein Teil dieser Unterschiede lässt sich durch unterschiedliche Kompetenzniveaus erklären. Allerdings bleiben auch bei gleichen Kompetenzen deutliche Herkunftseffekte bestehen. (<a href="https://www.lifbi.de/Portals/2/News/LFK07-Soz-Ungl_Abb-3_Gute%20Noten.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abb. 3: Wahrscheinlichkeit für gute Noten in Deutsch und Mathe</a>)</p>
<p>Der berufliche Status und das Bildungsniveau der Eltern beeinflussen den Übergang auf das Gymnasium dabei in mehrfacher Hinsicht. So erhalten privilegierte Kinder bei vergleichbaren Kompetenzen häufiger bessere Noten als Kinder aus Familien mit sozial niedrigem Status. Ähnliche Bewertungsunterschiede durch Lehrkräfte lassen sich auch bei den Übertrittsempfehlungen feststellen. Kinder von Eltern mit niedrigem beruflichem Status und niedrigem Bildungsniveau werden auch bei gleichen Kompetenzen und gleichen Noten seltener für das Gymnasium empfohlen als Kinder aus Familien mit hohen Niveaus. Unabhängig von der Empfehlung melden Familien mit hohem Sozialstatus ihre Kinder zudem häufiger am Gymnasium an.</p>
<h6><strong>Hauptschulabschluss trotz hoher Kompetenzen: Verletzung des Leistungsprinzips</strong></h6>
<p>Im weiteren Verlauf der Sekundarstufe bleiben die sozialen Unterschiede beim Gymnasialbesuch weitgehend bestehen. Zwar verringern sich am Übergang zur Sekundarstufe II teilweise die Unterschiede zwischen mittleren und hohen sozialen Schichten, dennoch erreichen Jugendliche aus privilegierten Familien deutlich häufiger die (Fach-)Hochschulreife. Am Ende der Schulzeit hat nur etwa ein Drittel der Jugendlichen aus niedrigen sozialen Schichten eine Studienberechtigung erzielt, gegenüber mehr als drei Viertel aus hohen sozialen Schichten – und dieser Unterschied ist nur teilweise auf Kompetenzunterschiede zurückzuführen. Jugendliche mit niedriger Bildungsherkunft und aus armen Familien haben – bei gleichen schulischen Kompetenzen – zudem ein höheres Risiko, maximal einen Hauptschulabschluss zu erreichen. (<a href="https://www.lifbi.de/Portals/2/News/LFK07-Soz-Ungl_Abb-4_Schulabschluss.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abb. 4: Wahrscheinlichkeit für Abitur oder Hauptschulabschluss</a>)</p>
<p>„Dies widerspricht“, so Prof. Dr. Marcel Helbig, Bildungssoziologe und Mitautor der Studie, „dem meritokratischen Leistungsprinzip, nach dem Bildungszertifikate auf tatsächlich erworbenen schulischen Kompetenzen basieren sollen.“</p>
<h6><strong>Migrationshintergrund allein erklärt Benachteiligungen nicht</strong></h6>
<p>Ferner zeigt sich, dass Kinder mit Migrationshintergrund bei vergleichbaren sozialen Ausgangsbedingungen zwar niedrigere Kompetenzen aufweisen, aber weder bei der Bewertung durch Lehrkräfte noch in ihren Bildungsverläufen benachteiligt sind. Die Studie zeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund vor allem aufgrund ihrer niedrigeren sozialen Lage niedrigere Schulabschlüsse erwerben – und nicht wegen ihres Migrationshintergrunds.</p>
<h6><strong>Lücke zwischen gewollter Chancengerechtigkeit und empirischer Realität</strong></h6>
<p>„Von der Kita bis zur Uni: Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen“ zeichnet ein umfassenderes Bild von Bildungsungleichheiten als es punktuelle Leistungsmonitorings wie PISA oder IQB-Bildungstrend leisten können. Durch die Langzeitperspektive des NEPS ist es möglich, entscheidende Phasen für ungleiche Bildungschancen aufzuzeigen und die Lücke zwischen gewollter Chancengerechtigkeit und empirischer Realität zu benennen.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.lifbi.de/de-de/Start/Aktuelles-Medien/Neuigkeiten?details=gleiche-leistung-ungleiche-chancen" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Bildungsverläufe</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7366</guid>
                        <pubDate>Fri, 13 Mar 2026 12:33:00 +0100</pubDate>
                        <title>Demografischer Niedergang in Russland</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/demografischer-niedergang-in-russland</link>
                        <description>Krieg, Überalterung und eine nationalistische Innnenpolitik belasten Russlands Bevölkerungsentwicklung. Ein Demograf ordnet die Lage ein&amp;nbsp;– und erklärt, warum der erhebliche Rückgang kaum noch aufzuhalten ist.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p class="text-justify">Russland steuert auf einen erheblichen und nahezu irreversiblen Bevölkerungsrückgang zu – angetrieben durch den Krieg und nationalistische Innenpolitik: So argumentiert der Demograf Dr. Salavat Abylkalikov in einem Kommentar für das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Während der Staat praktisch keine einschlägigen demografischen Daten mehr publiziert, gehört Abylkalikov zu den wenigen russischen Forschenden, die sich öffentlich zu dem Thema äußern. Dafür wird er in Russland politisch verfolgt.&nbsp;</p>
<p class="text-justify">Abylkalikov kommentiert:</p>
<p class="text-justify">„Seit Langem warnt Präsident Wladimir Putin vor einem Schrumpfen der russischen Bevölkerung. Dabei steuert seine Politik das Land genau darauf zu. Russland steht vor einem massiven und irreversiblen Bevölkerungsrückgang. Grund ist, dass das Land zurzeit mehrere folgenschwere Entwicklungen gleichzeitig erlebt, die sich gegenseitig verstärken.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Alternde Bevölkerung</strong></h6>
<p class="text-justify">Der Großangriff auf die Ukraine erfolgte in einer Phase der demografischen Verwundbarkeit Russlands: Derzeit vollzieht sich ein grundlegender Wandel in der Bevölkerungsstruktur. Kleine Geburtsjahrgänge der 1990er und frühen 2000er Jahre erreichen das Erwerbs‑ und Familiengründungsalter, während die Angehörigen der großen Kohorten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Ruhestand gehen. Die Zahl der Arbeitskräfte und die der Geburten sinken; während es immer weniger Jüngere gibt, steigt die Zahl der über 60-Jährigen in dieser Phase um etwa die Hälfte an.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Verlust von Erwerbsbevölkerung und potenziellen Vätern</strong></h6>
<p class="text-justify">Das wäre Herausforderung genug, doch der Krieg und seine Folgen verschärfen das Problem enorm. Schon jetzt ist schätzungsweise mindestens jeder 20. Mann in der Gruppe der 21- bis 47-Jährigen tot oder verwundet. Das trifft – neben allem menschlichen Leid – den Kern der Erwerbsbevölkerung und potenzieller Väter. Solche Verluste dürften die Wirtschaftsleistung über Jahrzehnte verringern und den Mangel an Vätern angesichts der ohnehin schon kleinen Altersgruppen verschärfen, zumal seit Kriegsbeginn auch noch insbesondere gut ausgebildete Jüngere in Massen Russland verlassen haben. Indirekte Verluste können ebenso bedeutend sein. Mit der Rückkehr von Veteranen erhöht sich das Risiko von Alkohol- und Drogenmissbrauch, Gewalt, Unfällen und Suiziden. Sanktionen und finanzielle Zwänge wegen des Krieges sowie Personalmangel im Gesundheitssystem verschlechtern die Versorgung. Die nach der Corona-Pandemie angestiegene Lebenserwartung von Männern dürfte stagnieren oder sich gar umkehren.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Keine Mittel für Anreize</strong></h6>
<p class="text-justify">Auch sonst fehlen dem Staat schon länger der Wille und inzwischen auch die Mittel, die Menschen durch Anreize dazu zu bewegen, mehr Kinder zu bekommen. Wirksame geburtenfördernde Politik ist teuer. Die Erfahrungen der OECD legen nahe, dass Aufwendungen von mindestens 3 % des BIP für Familienleistungen und Kinderbetreuung nötig sind, um einen merklichen Einfluss auf die Geburtenhäufigkeit zu haben; der OECD-Durchschnitt liegt bei über 2 %. Russland gibt etwa 1 % aus. Seine immer knapperen Mittel wird Russland künftig aber erst recht eher ins Militär als in Familien investieren.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Einwanderung geht zurück</strong></h6>
<p class="text-justify">Dabei schrumpft die russische Bevölkerung schon seit Jahren. Von 1992 bis 2023 betrug der natürliche Rückgang 16,8 Millionen. Allerdings wurde dies in großen Teilen durch Zuwanderung ausgeglichen – die Nettozuwanderung belief sich in diesem Zeitraum auf 12,3 Millionen. Nun jedoch schwächt sich dieser Mechanismus ab. Das Wirtschaftswachstum in den Herkunftsländern – insbesondere Zentralasien – hat die Einkommensunterschiede zu Russland verringert, zudem droht vielen Migranten in Russland die Zwangsrekrutierung für den Krieg. Das Land wird damit unattraktiv für Einwanderer. Mehr noch: Die zunehmende Feindseligkeit der russischen Öffentlichkeit gegenüber Migranten seit Beginn der Vollinvasion und Maßnahmen gegen Einwanderer nach dem Terroranschlag auf die Crocus City Hall im Jahr 2024, darunter vermehrte Abschiebungen, stehen für eine restriktive Wende in der Einwanderungspolitik des Kremls.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Halbiert sich die Bevölkerungszahl?</strong></h6>
<p class="text-justify">In der Folge könnte die Nettozuwanderung gegen Null tendieren oder sogar negativ werden. Was das bedeutet, habe ich auf Grundlage von UN-Prognosen berechnet. Russlands Bevölkerung beläuft sich derzeit auf gut 140 Millionen Menschen. Legt man eine Null-Migration zugrunde, werden es im Jahr 2100 noch – je nach Variante – 89,6 oder 58,3 Millionen Menschen sein.</p>
<p class="text-justify">Demografische Prozesse sind sehr träge. Schon jetzt hat sich der Rückgang der Geburtenrate und des Arbeitskräfteangebots beschleunigt. Das Zusammentreffen von struktureller Überalterung, kriegsbedingten Verlusten, wirtschaftlichen Zwängen und weniger Zuwanderung könnte diesen Trend festigen. Sollten sich die Bedingungen nicht innerhalb der nächsten höchstens zehn Jahre deutlich ändern, wird ein massiver Rückgang der Bevölkerung kaum mehr aufzuhalten sein.“</p>
<p class="text-justify">Eine ausführliche Version des Kommentars finden Sie auf dem Blog des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung: <a href="https://ostblog.hypotheses.org/8793" title="Externer Link" target="_blank" rel="noreferrer"><u>https://ostblog.hypotheses.org/8793</u></a></p>
<h6 class="text-justify"><strong>Zur Person</strong></h6>
<p class="text-justify">Dr. Salavat Abylkalikov ist Demograf. Er ist aktuell Philipp-Schwartz-Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Universität Regensburg und Assoziierter Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Er promovierte in Soziologie an der HSE Universität in Moskau, wo er bis 2023 lehrte. Seine Forschungsschwerpunkte sind Migration, historische Demografie sowie die regionale Demografie Russlands und des postsowjetischen Raums. Aufgrund seiner öffentlichen Äußerungen u. a. in Medien zu den langfristigen Folgen der Vollinvasion der Ukraine wird er in Russland politisch verfolgt.</p>
<h6 class="text-justify">Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p class="text-justify"><a href="https://leibniz-ios.de/wissen-vermitteln/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2026/presseinformation-2/2026#c3484" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7364</guid>
                        <pubDate>Thu, 12 Mar 2026 17:00:00 +0100</pubDate>
                        <title>15 Millionen Euro für AI-Disco</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/ki-an-der-schnittstelle-von-edge-und-cloud</link>
                        <description>Eine neue Art, Künstliche Intelligenz und Mikroelektronik gemeinsam zu denken: Startschuss für das Projekt AI-Disco.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat die Förderung des Projekts AI-DISCO – Edge Cloud AI for Distributed Sensing &amp; Computing mit 15 Millionen Euro bewilligt. AI-DISCO ist das erste Modul der R+I Factory (Research and Innovation Factory AI &amp; Microelectronic), einer bundesweit neuartigen, modularen Forschungs- und Innovationsstruktur an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Mikroelektronik. Konsortialführer ist das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik.</p>
<p>Moderne Anwendungen nutzen zunehmend die Auswertung von Daten in Echtzeit – in Smart Cities, in der kritischen Infrastruktur, in Industrie 4.0 oder in der Energieversorgung. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf, wenn große Datenmengen zwischen Anwendungen und Rechenzentren übertragen werden, stark an. Genau hier setzt AI-DISCO an: Das Projekt entwickelt eine offene, rekonfigurierbare Plattform für energieeffiziente, verteilte KI-Verarbeitung an der Schnittstelle von Edge und Cloud.</p>
<p>Die Idee ist einfach: Intelligente Edge-Knoten verarbeiten z. B. Sensordaten direkt dort, wo sie anfallen – lokal, in Echtzeit und ohne unnötige Datenübertragung. So kann das System Energie sparen, Latenzen reduzieren und sensible Daten besser schützen. Nur das Wesentliche wird mit der Cloud geteilt. AI-DISCO baut dabei auf verschiedenen Vorarbeiten und Entwicklungen auf, darunter die HARMMONAI-Beschleunigung, ein RRAM-basierter KI-Beschleuniger sowie eine neuartige Spiking-Neuralnetzarchitektur. Technische Basis sind unter anderem RISC-V-basierte Edge-Hardware, die mit energieeffizienten KI-Beschleunigern erweitert wird, sowie Methoden wie Federated Learning (verteiltes Lernen, d. h. KI-Lernen ohne zentrale Datensammlung) und Ansätze aus der neuromorphen KI. Auch Themen wie integrierte Kommunikation und Sensorik (ISAC/6G) sind als Anwendungsfeld adressiert.</p>
<p>Prof. Dr. Milos Krstic, Projektleiter AI-DISCO, IHP:<br> „AI-DISCO ist mehr als ein Forschungsprojekt – es ist der Startschuss für eine neue Art, KI und Mikroelektronik gemeinsam zu denken. In der Lausitz bauen wir dafür die technologische Grundlage.“</p>
<p>Das Projekt AI-DISCO ist das erste bewilligte Modul der R+I Factory – eines modular aufgebauten Forschungs- und Innovationsvorhabens, das die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Mikroelektronik strategisch vorantreibt und dabei wirtschaftliche Wertschöpfung und Standortentwicklung in der Region ausdrücklich mit adressiert. Die Initiative trägt zur Stärkung des Forschungsstandorts Cottbus bei, indem sie Kompetenzen bündelt, Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie erleichtert und anwendungsnahe Entwicklungen für regionale Unternehmen und Infrastrukturen ermöglicht. Das Konsortium von AI-DISCO besteht aus dem IHP (Frankfurt (Oder) und Cottbus), der BTU Cottbus-Senftenberg, dem&nbsp;Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI), dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS und dem Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) sowie den Industriepartnern ABB, ENERTRAG und Perinet. Strategisch ist die R+I Factory so konzipiert, dass in zukünftigen Modulen weitere zentrale Schwerpunkte an der Schnittstelle von KI und Mikroelektronik bearbeitet werden können – etwa KI für die Mikroelektronik-Fertigung, KI für Schaltungs- und Algorithmusdesign, energieeffiziente Mikroelektronik für KI-Anwendungen sowie zeitkritischen Systemen.</p>
<p>Prof. Dr. Gerhard Kahmen, Wissenschaftlich-Technischer Geschäftsführer, IHP:<br> „Mit AI-DISCO, dem ersten Modul der Research and Innovation Factory, führen wir Mikroelektronik und Künstliche Intelligenz gezielt zusammen. Ziel ist es, technologische Alleinstellungsmerkmale und neue Anwendungspotenziale für die regionale und überregionale Wirtschaft zu schaffen. Gemeinsam mit bereits in der Lausitz verorteten und neu sich dort ansiedelnden Partnern tragen wir mit der R+I Factory zur weiteren Dynamisierung des Forschungsstandorts Cottbus bei.“</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ihp-microelectronics.com/de/news/news-detailansicht/research-and-innovation-factory-for-ai-microelectronics-first-approved-module-ai-disco-begins-work" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik</category>
                            
                                <category>Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7361</guid>
                        <pubDate>Thu, 12 Mar 2026 13:40:00 +0100</pubDate>
                        <title>Wie alt ist das Universum?</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/wie-alt-ist-das-universum</link>
                        <description>Die ältesten Sterne der Milchstraße geben Auskunft über das Alter des Universums – und liefern neue Hinweise zu seiner Expansion.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Team der Universität Bologna und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) und weiteren Instituten bringt Licht in eine der am meisten diskutierten Fragen in der gegenwärtigen Kosmologie; dem Wert der Hubble-Konstante.</p>
<p>Statt die Expansionsrate des Universums direkt zu vergleichen, bestimmten sie mithilfe präziser Sternendaten das Alter sorgfältig ausgewählter, sehr alter Sterne der Milchstraße und dieses auf etwa 13,6 Milliarden Jahre. Unter der Annahme des Standardmodells der Kosmologie steht dieses Alter im Widerspruch zu einem jüngeren Universum, das sich aus auf Cepheiden und Supernovae basierenden Expansionsmessungen ergibt. Es ist aber vereinbar mit dem aus Beobachtungen der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung abgeleiteten älteren Alter – und eröffnet damit eine neue Perspektive in der Debatte um die Hubble-Konstante.<br> <br> Eine der am meisten diskutierten Fragen in der gegenwärtigen Kosmologie ist heute der Wert der Hubble-Konstante. Sie gibt an, wie schnell sich das Universum ausdehnt. Seit Jahren liefern verschiedene Methoden widersprüchliche Ergebnisse, und trotz vieler Bemühungen gibt es immer noch keine eindeutige Erklärung. Seit der Weltraummission Gaia wird unsere Milchstraße zunehmend zu einem „Nahfeldlabor“ der Kosmologie – wie eine aktuelle Studie nun zeigt.<br> <br> Die Studie der Università di Bologna und dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) eröffnet einen alternativen Zugang zu den bisherigen Methoden. Statt die Antworten direkt in der Expansionsrate zu suchen, wurden sie in eine Frage nach dem Alter übersetzt. Kosmologische Modelle verknüpfen die die aktuelle Rate der Expansionsgeschwindigkeit des Universums unmittelbar mit seinem Alter: Ein höherer Wert der Hubble-Konstante bedeutet ein jüngeres Universum, während ein kleinerer Wert einem älteren Universum entspricht. Die derzeit widersprüchlichen Messungen der Hubble-Konstante, die einerseits auf Messungen im lokalen Universum anhand von Cepheiden und Supernovae und andererseits auf Messungen im frühen Universum anhand der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung basieren, entsprechen einem Alter des Universums von etwa 13 bzw. 14 Milliarden Jahren. Aber welches dieser beiden Alter ist das richtige?<br> <br> Das Universum kann nicht jünger sein als die ältesten Sterne, die es enthält. Gelingt es also, das Alter der ältesten Sterne in unserer Galaxis präzise zu bestimmen, lässt sich damit eine robuste Untergrenze für das Alter des Universums festlegen.<br> <br> Angestoßen wurde das Projekt durch eine ungewöhnliche Zusammenarbeit zweier traditionell getrennter Forschungsrichtungen: einer kosmologischen Arbeitsgruppe an der Universität Bologna und einer Gruppe für stellare Archäologie am AIP. Grundlage bildete ein bereits existierender Katalog von Sternaltern aus einer früheren Studie des AIP, in der für mehr als 200.000 Sterne der Milchstraße präzise Altersbestimmungen mithilfe mehrerer Informationen wie ihrer Helligkeit, Position und Entfernung, vorgenommen wurden. Entscheidend war dabei die Nutzung der dritten Datenveröffentlichung der ESA Gaia-Mission, die besonders genaue Parallaxen und Spektren und damit verbesserte Sternparameter für eine große Zahl naher Sterne liefert.<br> <br> Aus diesem umfangreichen Datensatz wurde eine sorgfältig ausgewählte Stichprobe der ältesten Sterne mit den zuverlässigsten Altersschätzungen zusammengestellt. Der Schwerpunkt lag dabei auf Qualität statt Quantität, wobei nur Sterne ausgewählt wurden, deren Alter mit dem StarHorse-Code zuverlässig bestimmt werden konnte, und potenzielle Verunreinigungen entfernt wurden. Das Ergebnis: Für die endgültige Stichprobe von rund hundert Sternen beträgt das wahrscheinlichste Alter etwa 13,6 Milliarden Jahre. Dies ist zu alt, um mit dem aus Cepheiden und Supernovae abgeleiteten Alter des Universums vereinbar zu sein (es sei denn, andere Komponenten der kosmologischen Modelle werden variiert), es entspricht jedoch gut dem aus der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung abgeleiteten Alter des Universums.<br> <br> „Dieses Projekt zeigt auf anschauliche Weise, wie die Kombination von Fachwissen aus verschiedenen Bereichen neue Perspektiven auf grundlegende Fragen eröffnen kann. Die Messung des Alters von Sternen ist an sich schon eine komplexe Herausforderung, aber wir leben heute in einer Zeit, in der die Quantität und Qualität der verfügbaren Daten es uns ermöglichen, eine beispiellose Präzision und erstmals statistisch signifikante Ergebnisse zu erzielen. Mit der bevorstehenden Veröffentlichung der nächsten Gaia-Daten könnte das Alter von Sternen zu einem grundlegenden Anker für die Kosmologie werden“, so Dr. Elena Tomasetti von der Università di Bologna, Erstautorin der Studie.<br> <br> „Mit Gaia ist die Milchstraße praktisch zu einem Nahfeld-Kosmologielabor geworden. Wir können nun das Alter von Sternen mit beispielloser Präzision bestimmen. Der nächste Durchbruch wird die Genauigkeit sein, die galaktische Zeitachse mit weitaus größerer Sicherheit zu verankern. Das ESA-HAYDN-Missionskonzept, an dem das AIP beteiligt ist, zielt darauf ab, diesen entscheidenden Schritt zu ermöglichen“, fügt Dr. Cristina Chiappini vom AIP hinzu.<br> <br> Auch wenn die Ergebnisse aufgrund verbleibender Unsicherheiten in den Sternaltersbestimmungen noch nicht endgültig sind, liefern sie einen wichtigen unabhängigen Hinweis in der Debatte um die Hubble-Konstante. Zugleich unterstreichen sie das Potenzial der Nahfeld-Kosmologie und insbesondere der AIP-Forschung, fundamentale kosmologische Fragen mithilfe der ältesten „Fossilien“ der Milchstraße anzugehen. Mit der vierten Gaia-Datenveröffentlichung werden weitere deutliche Fortschritte erwartet – und damit weitere Erkenntnisse über das Alter des Universums und den Wert der Hubble-Konstanten.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>E. Tomasetti et al. 2026: The oldest Milky Way stars: New constraints on the age of the Universe and the Hubble constant, A&amp;A, 707, A111, <a href="https://doi.org/10.1051/0004-6361/202557038" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1051/0004-6361/202557038</a></p>
<p>S. Nepal et al. 2024: Discovery of the local counterpart of disc galaxies at z &gt; 4: The oldest thin disc of the Milky Way using Gaia-RVS, A&amp;A, 688, A167 <a href="https://doi.org/10.1051/0004-6361/202449445" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer noopener">https://doi.org/10.1051/0004-6361/202449445</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.aip.de/de/news/how-old-is-the-universe/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>HP-Topnews</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam</category>
                            
                                <category>Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 12 Mar 2026 13:05:00 +0100</pubDate>
                        <title>Dem Frost gewachsen</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/dem-frost-gewachsen</link>
                        <description>Ackerbohnen sind eine gute Eiweißquelle, doch manche Sorten sind kalten Wintern nicht gewachsen. Neue Forschung könnte die Züchtung robuster Ackerbohnen beschleunigen und die Abhängigkeit von Importen verringern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des IPK Leibniz-Instituts hat einen kleinen, aber folgendreichen genetischen Unterschied bei der Ackerbohne entdeckt. Ob eine Pflanze den Winter übersteht oder aber nur im Frühjahr angebaut werden kann, hängt maßgeblich von einer einzigen Stelle im Genom ab. Die Ergebnisse der Studie, die die Züchtung robuster Sorten deutlich beschleunigen könnten, wurden heute im Fachmagazin „Nature Genetics“ veröffentlicht.</p>
<p>Die Ackerbohne - auch Faba-Bohne genannt - ist eine alte Kulturpflanze. Sie ist besonders wertvoll, da sie viel Eiweiß enthält und Stickstoff aus der Luft im Boden binden kann. Das macht sie zu einer Alternative zu Soja, vor allem in Europa. Doch es gibt ein Problem: Viele Sorten sind nicht winterhart. In kalten Regionen überleben sie den Frost nicht.<br> <br> In einem ersten Schritt gelang es dem Forschungsteam, das Referenzgenom der Ackerbohne deutlich zu verbessern. Mithilfe verschiedener Methoden, wie der optischen Kartierung, konnten die einzelnen Abschnitte des Genoms präziser zusammengesetzt werden. „Unsere neue Referenz des Ackerbohnen-Genoms ist ein präziser Bauplan: deutlich weniger Lücken, bessere Verankerung auf den sechs Chromosomen und eine verlässliche Grundlage für die Züchtung“, betonte Prof. Dr. Murukarthick Jayakodi, der bereits 2023 am IPK eine erste Referenz des Genoms erstellt hat. Auf dieser Grundlage untersuchten die Forscherinnen und Forscher in einem zweiten Schritt mehr als 400 Winter- und Sommerlinien und verglichen systematisch das entsprechende Erbgut.<br> <br> Gleichzeitig führten sie sogenannte Assoziationsanalysen durch. Dabei wird geprüft, welche genetischen Unterschiede mit bestimmten Eigenschaften - in diesem Fall der Winterhärte - zusammenhängen. Zusätzlich untersuchten sie, welche Gene bei Kälte aktiviert werden. Besonders interessierten sie sich dabei für Gene, die in anderen Pflanzenarten bereits für Kälteresistenz bekannt sind.<br> <br> „Wir waren überrascht zu sehen, dass ein einziges Allel an einem einzigen Genort ausreicht, um Winter- und Sommersorten klar zu trennen“, sagte Hailin Zhang, Erstautorin der Studie. Das ist vergleichbar mit einem Lichtschalter: Entweder ist er an, oder er ist aus. Je nach Variante dieses Gens ist die Pflanze winterhart - oder eben nicht.<br> <br> Genau dieser Genort zeigte sich auch als stärkstes Signal in einer Analyse zur Winterhärte. Die dort liegenden Gene gehören zur Gruppe der CBF/DREB-Transkriptionsfaktoren. Das sind Schalter-Gene, die bei Kälte viele andere Schutzmechanismen aktivieren. „Wir konnten zeigen, dass diese Gene bei Kälte deutlich aktiviert werden. Das bestätigt, dass sie eine zentrale Rolle bei der Frosttoleranz spielen“, erklärte Hailin Zhang. Man kann sich diese Gene wie eine Art Notfallplan vorstellen. Sinkt die Temperatur, wird dieser Plan aktiviert und die Pflanze stellt sich auf Frost ein.<br> <br> Doch nicht nur das: Derselbe Genort wurde auch mit stabilen Erträgen in unterschiedlichen Umwelten in Verbindung gebracht. „Dass derselbe Genort sowohl die Winterhärte als auch die Ertragsstabilität beeinflusst, war für uns eine besonders spannende Entdeckung“, sagte Dr. Martin Mascher, Leiter der Arbeitsgruppe „Domestikationsgenomik“ am IPK. Das heißt: Dieses eine genetische „Schaltzentrum“ hat gleich mehrere wichtige Effekte. Das neue Wissen kann die Züchtung robuster Winter-Ackerbohnen beschleunigen. Diese bringen in Europa fast 50 Prozent mehr Ertrag und reduzieren als heimische Eiweißquelle auch die Abhängigkeit von Importen.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Zhang, Windhorst et al. (2026): Allelic variation at a single locus distinguishes spring and winter faba beans. Nature Genetics. DOI: 10.1038/s41588-026-02524-y</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ipk-gatersleben.de/fileadmin/content-presse/Pressemitteilungen/2026_PM_05_Ackerbohne_dt_final.pdf" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)</a></p>

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                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Wed, 11 Mar 2026 15:18:55 +0100</pubDate>
                        <title>Millionenförderung für globale Gesundheit </title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/bnitm-wirbt-millionenfoerderung-ein</link>
                        <description>Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin erhält im Rahmen des Global Health Protection Programmes mehr als neun Millionen Euro für die internationale Gesundheitsforschung.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein starkes Signal für internationale Gesundheitsforschung: Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat im Rahmen der dritten Förderphase des Global Health Protection Programme (GHPP) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen Fördermittel in Millionenhöhe eingeworben. In einer Zeit, in der internationale Programme und Forschungskooperationen im Bereich der globalen Gesundheit unter politischen und finanziellen Druck geraten, setzt die Bewilligung ein klares Zeichen für Kontinuität und Zusammenarbeit. Die Vorhaben starteten Anfang 2026 und laufen über drei Jahre. Forschende des BNITM treiben darin in Afrika die Pandemievorbereitung voran, bauen die Überwachung gefährlicher Erreger aus, bekämpfen antimikrobielle Resistenzen und verbessern die klinische Versorgung bei schweren Infektionskrankheiten.</p>
<p>Globale Gesundheitskrisen machen nicht an Landesgrenzen halt. Genau hier setzt das GHPP an: Seit 2016 fördert es strategische Partnerschaften zwischen deutschen Einrichtungen und Institutionen in Ländern mit hoher Krankheitslast und begrenzten Ressourcen im Bereich der Infektionsforschung. Das Hamburger Tropeninstitut war von Anfang an dabei. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BNITM arbeiten eng mit Partnerinstitutionen unter anderem in Nigeria, Guinea, Benin, Sierra Leone, Ghana und Tansania zusammen, darunter das Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH) in Nigeria und das Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) in Ghana. Gemeinsam bauen sie Laborkapazitäten aus, etablieren genomische Überwachung von (hochpathogenen) Krankheitserregern, entwickeln klinische Strukturen weiter und erarbeiten Strategien gegen arzneimittelresistente Erreger. Im Mittelpunkt steht dabei, diese Strukturen langfristig in Forschung und Versorgung zu verankern.&nbsp;</p>
<p>Mit der nun bewilligten dritten Förderphase setzt das BNITM diese Kooperationen gemeinsam mit seinen Partnern fort und vertieft sie strategisch. In mehreren Verbundprojekten bauen Forschende stationäre und mobile Labornetzwerke in Westafrika weiter aus (AfroLabNet3), entwickeln die genomische Überwachung ausbruchrelevanter Viren weiter (CELESTA 2.0) und stärken die intensivmedizinische Versorgung bei Lassa-Fieber sowie anderen viralen hämorrhagischen Fiebern (MEVIN 2.0). Moderne Sequenzierungstechnologien ermöglichen es Partnerlaboren, Erreger genetisch zu charakterisieren, Übertragungsketten nachzuvollziehen und Ausbrüche schneller einzugrenzen. Mobile Laboreinheiten unterstützen nationale Behörden zudem direkt im Feld, auch in schwer zugänglichen Regionen. Um die Überlebenschancen bei schweren Verläufen zu erhöhen, baut das Projektteam intensivmedizinische Behandlungskapazitäten aus. Internationale Trainings und die Etablierung eines klinischen Expert:innen-Teams am BNITM verbessern zudem die globale Pandemievorsorge.</p>
<p>Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treiben die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen (SCOPE-AMR) und arzneimittelresistenter Malaria (SMART II) voran. Antimikrobielle Resistenzen entstehen, wenn Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden, eine Entwicklung, die weltweit als eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit gilt. Das Team analysiert Resistenzmuster, untersucht Behandlungsergebnisse und entwickelt evidenzbasierte Strategien für eine wirksamere Patientenversorgung. In der Malariaforschung überwachen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt Resistenzen gegen etablierte Medikamente und bauen regionale Netzwerke weiter aus.</p>
<p>Auch das Fortbildungsprogramm „Fellowship in Outbreak Readiness for Global Health Protection (FOR-GHP) beruht auf langfristigen Kooperationen. Es wird gemeinsam mit dem African Field Epidemiology Network (AFENET), dem Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) und dem Robert Koch-Institut (RKI) umgesetzt. Das Programm qualifiziert Fachkräfte gezielt für den Umgang mit gesundheitlichen Notlagen in Subsahara-Afrika. Es setzt auf einen Multiplikator:innen-Ansatz: Erfahrene Expertinnen und Experten geben ihr Wissen weiter und stärken so die Bereitschaft, Reaktionsfähigkeit und Widerstandskraft öffentlicher Gesundheitsstrukturen. FOR-GHP kombiniert digitale Lernformate mit Präsenztrainings und entwickelt eigene simulationsbasierte Übungsformate. So trainieren die Teilnehmenden konkretes Ausbruchsmanagement und lernen, die Internationalen Gesundheitsvorschriften sicher umzusetzen. Mit Unterstützung von AFENET vernetzt das Programm Fachkräfte in der gesamten Region und hält sie über ein aktives Alumni-Netzwerk dauerhaft im Austausch.</p>
<p>„Diese Bewilligung zählt zu den größten Drittmittelzusagen der vergangenen Jahre für unser Institut“, sagt Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des BNITM. „Sie ist eine große Anerkennung für die hervorragende Arbeit, die neben der Forschung am Institut geleistet wird: der Aufbau und die Unterstützung von Strukturen für Gesundheit in strukturschwachen Regionen. Dass gleich mehrere unserer Arbeitsgruppen in dieser Förderphase erfolgreich sind, zeigt die Stärke und internationale Vernetzung unseres Instituts. Unsere institutionenübergreifenden Teams verbinden exzellente Forschung mit konkreter Wirkung in den Partnerländern.“</p>
<p>Mit der neuen Förderphase baut das BNITM seine internationale Vernetzung weiter aus. Sie ermöglicht es,&nbsp;zentrale Bereiche der globalen Gesundheitsforschung weiterzuentwickeln, internationale Kooperationen langfristig zu festigen und gemeinsam mit den Partnerinstitutionen Infektionsdynamiken früh zu erkennen sowie Präventions- und Therapiestrategien voranzubringen.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.bnitm.de/aktuelles/news/erfolg-bei-ghpp-foerderung" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                        
                        
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                    <item>
                        <guid isPermaLink="false">news-7356</guid>
                        <pubDate>Mon, 09 Mar 2026 15:42:00 +0100</pubDate>
                        <title>Kontrolliertere Immuntherapie</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/mehr-kontrolle-in-der-krebsimmuntheraphie</link>
                        <description>CAR-T-Zellen bekämpfen Krebszellen, können aber auch gesundes Gewebe schädigen. Ein neues Medikament soll ihre Aktivität kontrollieren.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die chimäre Antigenrezeptor-(CAR)-T-Zelltherapie basiert auf gentechnisch veränderten Immunzellen, die Krebszellen aufspüren und zerstören. Manchmal greifen diese Zellen jedoch auch gesundes Gewebe an und verursachen Nebenwirkungen. Ein internationales Forscherteam, darunter die LIT-Wissenschaftler Dr. Leo Scheller, Dr. Markus Barden und Prof. Hinrich Abken, hat nun ein System entwickelt, um die Bindung von T-Zellen an andere Zellen durch ein zugelassenes Medikament zu kontrollieren.</p>
<p>Forschende am Leibniz Institut für Immuntherapie (LIT), an der Ecole polytechnique fédérale Lausanne (EPFL), der ETH Zürich und der Universität Lausanne haben ein System entwickelt, das CAR T Zelltherapien sicherer und besser steuerbar machen soll. In Nature Chemical Biology veröffentlicht, stellt die neue Forschungsarbeit DROP CAR Systeme (Drug Regulated Off switch PPI CAR) vor, mit denen sich die Aktivität von CAR T Zellen über Venetoclax kontrollieren lässt – ein klinisch zugelassenes Medikament, das bereits bei Blutkrebserkrankungen eingesetzt wird. Diese Technologie kann die therapeutische Funktion von CAR-T-Zellen präzise modulieren, falls Nebenwirkungen auftreten.<br> <br> „Die CAR T Zelltherapie hat die Behandlung von bestimmten Blutkrebserkrankungen revolutioniert, aber der Fortschritt bei vielen anderen Tumoren wird durch Sicherheitsbedenken gebremst", erklärt Dr. Leo Scheller, Erstautor und Leiter der Forschungsgruppe Strukturbiochemie am LIT. „Neue Werkzeuge wie der DROP CAR sind ein Schritt hin zu neuen Behandlungsformen, die andernfalls zu riskant sein könnten."</p>
<h6>Kontrolle durch Protein Protein Interaktionen</h6>
<p>Ein CAR besteht aus einem äußeren Teil, der aus der T Zelle herausragt und Krebszellen erkennt und einem intrazellulären Teil, der daraufhin Signale an das Innere der T Zelle weitergibt, um die Krebszelle abzutöten. Allerdings werden manchmal gesunde Zellen fälschlicherweise vom selben Mechanismus angegriffen. Beim DROP CAR werden diese beiden Rezeptorbestandteile in zwei getrennte Komponenten aufgespalten. Durch Zugabe des Medikaments Venetoclax löst sich der äußere Teil ab, sodass T Zellen von vornherein nicht mehr an andere Zellen binden können. Diese Methode wird voraussichtlich die Sicherheit von möglichen neuen CAR-T-Zelltherapien erhöhen.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Scheller, L., Giordano Attianese, G.M.P., Castellanos-Rueda, R. et al. Drug-controlled CAR T cells through the regulation of cell–cell interactions. Nat Chem Biol (2026).&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1038/s41589-026-02152-x" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41589-026-02152-x</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://lit.eu/drug-controlled-car-t-cells-a-new-safety-switch-for-cancer-immunotherapy/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Immuntherapie (LIT) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Immuntherapie</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
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                        <guid isPermaLink="false">news-7358</guid>
                        <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 12:00:28 +0100</pubDate>
                        <title>Plastik in der Stadtluft</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/plastik-in-der-stadtluft</link>
                        <description>Autos belasten die Luft auch durch Reifenabrieb. Wie viel Plastik wir täglich dadurch einatmen, zeigt eine neue Studie.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl Plastikpartikel in der Luft zunehmend in den Fokus geraten, ist das Wissen über deren Verbreitung und Wirkung immer noch begrenzt. Chemische Analysen aus Leipzig liefern jetzt erstmals Details aus Deutschland dazu: Rund 4 Prozent der Feinstaub-Masse bestehen aus Plastik. Rund zwei Drittel davon gehen auf Reifenabrieb zurück. Hochgerechnet bedeutet dies, dass Menschen in einer Stadt wie Leipzig ungefähr 2,1 Mikrogramm Plastik pro Tag über die Luft einatmen, was das Sterberisiko durch Herzkreislauferkrankungen um 9 Prozent und durch Lungenkrebs um 13 Prozent erhöht. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, global Maßnahmen gegen die Plastikverschmutzung zu ergreifen sowie Luftqualität und Gesundheit regional unter die Lupe zu nehmen, schreiben Forschende des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg im Fachjournal communications earth &amp; environment der Nature-Verlagsgruppe. Die Studie entstand im Rahmen des von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projekts „AirPlast“.&nbsp;</p>
<p>Plastikpartikel in der Luft sind in den letzten Jahren in den Fokus der Wissenschaft geraten, weil sie selbst in menschenleeren Regionen wie den Polargebieten oder Hochgebirgen nachgewiesen werden konnten und sie das Potenzial haben, ökologische Prozesse zu stören und die menschliche Gesundheit zu beeinflussen. Für diese Art der Luftverschmutzung kommen verschiedenste Quellen in Frage wie Reifenabrieb, Bremsabrieb, Textilfasern, Staub oder urbane Oberflächen. Aber auch Plastik, das in großen Mengen über die Flüsse in die Ozeane gelangt, kann später als Mikro- und Nanoplastik über die Gischt aus dem Wasser wieder in die Luft gelangen. Als Nanoplastik werden alle Plastikpartikel kleiner als 1 Mikrometer bezeichnet, als Mikroplastik alle zwischen einem Mikrometer und einem Millimeter. Obwohl die Mengen an Plastik offensichtlich zunehmen, ist über die Risiken durch eingeatmete Plastikpartikel bisher noch zu wenig bekannt. &nbsp;</p>
<p>Klar ist bisher: Eingeatmetes Nanoplastik kann bis in die Luge geraten und dort oxidativen Stress oder Entzündungsreaktionen auslösen, die zu Atemwegserkrankungen beitragen. Außerdem können diese Partikel Schwermetalle, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) und andere Stoffe auf ihrer Oberfläche transportieren, die die Giftigkeit verstärken. Das lückenhafte Wissen über Mikro- und Nanoplastik ist auch ein Grund, dass es momentan weder von der Weltgesundheitsorganisation WHO noch von der Europäischen Union Empfehlungen oder Grenzwerte für Plastik in der Luft gibt. Während die Plastikverschmutzung in den Ozeanen inzwischen Teil der Verhandlungen über ein UN-Plastikabkommen ist, spielen die kleinen Plastikpartikel in der Luft bisher in der politischen Diskussion kaum eine Rolle.&nbsp;</p>
<p>Die Forschung zu Plastik in der Luft hat erst in den letzten zehn Jahren an Dynamik gewonnen. Ein Grund dafür ist, dass „Plastik“ nicht ein Material ist, sondern eine ganze Gruppe verschiedener Substanzen mit unterschiedlichen chemischen Eigenschaften. Aufgrund dieser Vielfalt verwenden Wissenschaftler mehrere sich ergänzende Analysemethoden. Spektroskopische Techniken können Informationen über die Partikelstruktur und Oberflächeneigenschaften liefern, während massenbasierte Ansätze zur Bestimmung der Gesamtmengen eingesetzt werden. Allerdings sind sehr kleine Partikel, insbesondere Nanokunststoffe, in komplexen Umweltproben besonders schwer zu analysieren und eindeutig zu identifizieren. Herkömmliche optische Methoden sind nur begrenzt in der Lage, Partikel im Nanometerbereich zuverlässig nachzuweisen, und die Identifizierung des genauen Polymertyps bleibt bei diesen kleinen Größenordnungen eine Herausforderung.&nbsp;</p>
<p>Um diese Einschränkungen zu überwinden, wurde die Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie (Py-GC-MS) zu einem wichtigen Werkzeug entwickelt. Bei diesem analytischen Verfahren werden die Proben durch schnelle Erhitzung (Pyrolyse) in kleinere Fragmente zerlegt, gaschromatographisch getrennt und massenspektrometrisch identifiziert. Da es bisher keine Standards für den Nachweis der unterschiedlichen Polymere gibt, musste das Team Methoden dafür entwickeln. Dazu wurden 11 häufige Arten einschließlich Reifenpartikel ausgewählt wie PE (Polyethylen), PP (Polypropylen), PVC (Polyvinylchlorid), PET (Polyethylenterephthalat), PS (Polystyrol), PMMA (Polymethylmethacrylat/Plexiglas), PC (Polycarbonat), PA6 (Polyamid 6) und MDI-PUR (Polyurethan). Der analytischen „Fingerabdruck“ wurde anhand von kommerziell erhältlichen Rohpolymeren bestimmt und dann mit den Proben aus der Luft in Leipzig verglichen.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Die Feinstaub-Proben von PM10 (kleiner als 10 Mikrometer) und PM2,5&nbsp;(kleiner als 2,5 Mikrometer) wurden mit zwei Hochvolumensammlern genommen wie sie auch sonst an Luftüberwachungsstationen gemäß europäischen Normen im Einsatz sind. Dabei werden 500 Liter Luft pro Minute durch ein Filtersystem gesaugt und der Filter aller 24 Stunden gewechselt. Die Filter werden später im Labor mit Pyrolyse-Gaschromatographie und Massenspektroskopie aufwendig analysiert. Gemessen wurde zwei Wochen lang (01. bis 14. September 2022) im Wissenschaftspark an der Torgauer Straße, einer Ausfallstraße im Stadtgebiet von Leipzig – also an einem Hotspot der Luftverschmutzung. „Das gab uns einen fokussierten und detaillierten Überblick über die Zusammensetzung von Mikro-Nano-Plastik bei starkem Verkehrseinfluss. Dieser Aufbau bot den Vorteil, dass die Spitzenwerte der städtischen Exposition mit einer feinen Größenauflösung von Feinstaub erfasst und hochwertige Basisdaten für die Abschätzung von Gesundheitsrisiken generiert werden konnten“, erklärt Ankush Kaushik, Doktorand am TROPOS, der die Proben genommen und analysiert hat. „Nach unserem Kenntnisstand ist unsere Studie die erste polymeraufgelöste, nach Größen sortierte Quantifizierung von Mikro- und Nanokunststoffen in der Luft in Deutschland, die analytische Messungen mit einer Expositions- und Gesundheitsrisikobewertung verbindet.“&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Die jetzt veröffentlichte Studie ist ein erster Einblick in die Belastung der Atemluft mit Mikroplastik in einer Stadt wie Leipzig. Wie stark die Konzentrationen zeitlich und räumlich variieren, ist aber bisher noch völlig offen. Aus Sicht der Forschenden sollten daher verschiedene Standorte (städtischer und ländlicher Hintergrund) einbezogen und längerfristige Probenahmen durchgeführt werden. Im nächsten Schritt will das Team um Kaushik die Proben eines ganzen Jahres auswerten, um herauszufinden, ob es jahreszeitliche Schwankungen gibt.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Im Leibniz-Projekt „AirPlast“ wurden Analysemethoden entwickelt, um solche synthetischen Polymere in Aerosolproben nachzuweisen und zu quantifizieren. Zusammen mit Modellierungsansätzen wurden ihre potenziellen Quellen und ihr Transport in der Atmosphäre zurückverfolgt. Daran beteiligt waren Forschende der Leibniz-Institute für Troposphärenforschung (TROPOS) und für Polymerforschung (ipf), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der TU Berlin sowie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. &nbsp;&nbsp;</p>
<p>Mikro- und Nanokunststoffpartikel in der städtischen Luft wurden zuvor bereits von anderen Forschungsteams in Graz (Österreich), Kyoto (Japan) und Shanghai (China) nachgewiesen. Die Leipziger Studie ist die erste ihrer Art in Deutschland und liefert wichtige Erkenntnisse über die Zusammensetzung und Herkunft der Feinstaubpartikel: Reifenabriebpartikel dominierten mit einem Anteil von etwa 65 % an den gesamten Kunststoffen, gefolgt von Polyvinylchlorid, Polyethylen und Polyethylenterephthalat. Diese Polymere korrelierten stark mit kohlenstoffhaltigen Aerosolmarkern, was auf eine gemeinsame Emission und Vermischung in der Atmosphäre hindeutet.&nbsp;</p>
<p>Feinstaub als Gesundheitsrisiko ist seit Jahrzehnten bekannt. Laut WHO ist die Massenkonzentration ein entscheidender Parameter für die Bewertung der Luftverschmutzung und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit sowie für die Entwicklung von Rechtsvorschriften. Um grob abzuschätzen wie stark Menschen in Leipzig durch Plastikpartikel in der Atemluft Risiken ausgesetzt sind, bestimmte das Forschungsteam zunächst die Masse der Plastikpartikel in der Luft und rechnete dann hoch, wie viel Erwachsene anhand des Lungenvolumens einatmen. Leipzigerinnen und Leipziger, die sich rund um die Uhr an der Torgauer Straße aufhalten, würden demnach ungefähr 2,1 Mikrogramm Plastik-Feinstaub pro Tag einatmen, was 0,7 Milligramm pro Jahr entspricht. Auch für Megastädte in China und Indien gibt es inzwischen Schätzungen darüber, wie viel Mikroplastik Menschen einatmen. Diese Schätzungen variieren jedoch stark. Die große Bandbreite unterstreicht, wie wichtig es ist, alle relevanten Kunststoffarten zu erfassen, und wie notwendig standardisierte Messungen sind.&nbsp;</p>
<p>Aufgrund ihrer geringen Größe können vor allem die kleineren Nano-Plastik-Partikel tiefer in die Atemwege eindringen, was ein höheres Potenzial für langfristige Erkrankungen birgt. Um mögliche gesundheitliche Auswirkungen zu untersuchen, wurden in der Leipziger Studie das relative Risiko auf der Grundlage bestehender epidemiologischer Modelle berechnet, um die Umweltbelastung abzuschätzen. Diese Hochrechnungen ergaben ein potenziell erhöhtes Mortalitätsrisiko von 5–9 % für Herz-Lungen-Erkrankungen (relatives Risiko (RR): 1.08) und von 8–13 % für Lungenkrebs (relatives Risiko (RR): 1.12).&nbsp;„Das ist höher als das Risiko von Feinstaub PM2.5&nbsp;allgemein in Europa. Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass Mikro-Nano-Plastik trotz geringer Masse Gesundheitsrisiken im Laufe der Zeit mit sich bringen kann. Das erhöhte Sterberisiko bei Lungenkrebs und Herzkreislauferkrankungen könnte von einer möglichen polymerspezifischen Toxizität des Plastik-Feinstaubes verursacht sein“, erklärt Kaushik.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Die Bekämpfung der Luftverschmutzung durch Plastikfeinstaub ist wichtig für die Verringerung der Exposition der Menschen (UN-Ziel SDG 3 für nachhaltige Entwicklung: Gesundheit und Wohlergehen), die Integration des Luftqualitätsmanagements in die Stadtplanung (UN-SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden) und die Auswirkungen auf die Atmosphäre (UN-SDG 13: Klimaschutz). „Das der überwiegende Anteil an Mikroplastik aus Reifenabrieb besteht, zeigt, dass hier Handlungsbedarf herrscht und sich das Feinstaubproblem nicht allein durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen lässt. Zum Schutz der Gesundheit wäre es wichtig, auch den Reifenabrieb bei der Regulierung der Luftqualität zu berücksichtigen und Grenzwerte für Mikroplastik in der Luft zu erlassen“, fordert Prof. Hartmut Herrmann vom TROPOS, der die Studie geleitet hat.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Aktuelle Erkenntnisse wie diese Studie aus Leipzig deuten zunehmend darauf hin, dass das Einatmen von Plastikpartikeln und besonders Nanoplastik gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Die Forschung dazu ist jedoch noch relativ jung. &nbsp;Weitere Langzeitstudien sind erforderlich, um die Giftigkeit einzelner Plastikarten zu bestätigen, sichere Grenzwerte festzulegen und Regulierungsstandards zu entwickeln. Bis dahin unterstreichen die Ergebnisse aus Leipzig, wie wichtig es ist, Mikro- und Nanoplastikpartikel in der Luft als neue Schadstoffe zu überwachen und die Methoden zur Bewertung von Gesundheitsrisiken weiter zu verfeinern.&nbsp;</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Ankush Kaushik, Anju Elizbath Peter, Manuela van Pinxteren, Barbara M. Scholz-Böttcher &amp; Hartmut Herrmann: Composition, interactions and resulting inhalation risk of micro- and nano-plastics in urban air.&nbsp;Commun Earth Environ 6, 985 (2025). DOI: 10.1038/s43247-025-02980-0<br> <a href="https://doi.org/10.1038/s43247-025-02980-0" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s43247-025-02980-0</a><br> Diese Forschung wurde von der Leibniz-Gemeinschaft (Berlin, Deutschland) im Rahmen des Leibniz-Verbundprogramms „Kooperative Exzellenz“ unter dem Projekt „AirPlast“ (Förderkennzeichen: K389/2021) finanziert. Die Open-Access-Finanzierung wurde durch das Projekt DEAL ermöglicht und organisiert.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/mikro-und-nanoplastik-in-der-stadtluft-stammt-groesstenteils-aus-reifenabrieb" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Troposphärenforschung</category>
                            
                                <category>Umweltwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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