Patentrechercheure und Forschende stehen bei der Identifikation neuer Technologie­entwicklungen, bei der Prüfung der Patentierbarkeit von eigenen Forschungsergebnissen oder bei der Suche nach geeigneten Lizenznehmern immer wieder vor Sprach- und Terminologiebarrieren. Technische Zusammenhänge können durch Verwendung verschiedener Begriffe und mit unterschiedlichen Graden an Abstraktion beschrieben werden, so dass allein eine Suche nach einzelnen Stichworten oft nicht alle relevanten Dokumente erfasst. Bei fremdsprachigen Patentdokumenten stellt sich zudem häufig das Problem, dass keine Übersetzung der gesamten Beschreibung verfügbar ist oder nur eine weniger genaue maschinelle Übersetzung.

Die Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft unterstützt daher das Verbundprojekt „ExpResViP“ (Exploitation of Research Results through Visual Patent Retrieval), bei dem – im Gegensatz zu rein text-basierten Recherchemethoden – visuelle Elemente in Patentdokumenten für die Recherche genutzt werden.

„ExpResViP“ wird seit August 2020 in Zusammenarbeit mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) durchgeführt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Patentrecherche-Tools, das auf der automatischen Erkennung von Bildähnlichkeiten und Text-Bild-Bezügen in Patentdokumenten basiert und damit die Reichweite von Recherchen erhöht. Mit dem Tool soll so ein gezielteres Auffinden von Verwertungschancen und eine schnellere Überführung von Forschungsergebnissen in Märkte und Produkte ermöglicht werden, um langfristig den Technologietransfer aus Forschungseinrichtungen zu stärken.

Um einen effizienten Einsatz des neuen Recherche-Tools zu gewährleisten, erfolgt die Entwicklung des Tools nicht rein technik-getrieben, sondern aus einer nutzerorientierten Perspektive nach dem User-Centered-Design-Ansatz. Bei diesem Ansatz werden regelmäßig Bedarfs- und Nutzerverhaltensanalysen durchgeführt und das Tool mithilfe des Feedbacks aus diesen Analysen iterativ angepasst. Der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft kommt dabei die Aufgabe zu, geeignete Forschungseinrichtungen innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft für die Analysen zu gewinnen und die iterative Entwicklung des Tools zu begleiten. Interessierte Institute aus der Leibniz-Gemeinschaft sind daher herzlich eingeladen, am Projekt teilzunehmen, die Prototypen des neuen Tools zu testen und die Entwicklung des Tools für die visuelle Patentrecherche durch ihr Feedback aktiv mitzugestalten.

Kontakt
Dr. Julia Linke
Leibniz-Gemeinschaft
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