Zur Vorbereitung von Patentanmeldungen, aber auch für das Auffinden von neuen Vermarktungschancen oder Lizenznehmern werden regelmäßig Patentrecherchen durchgeführt. Technische Zusammenhänge können jedoch mit unterschiedlichen Begriffen und Graden an Abstraktion beschrieben werden. Daher reicht eine Suche nach einzelnen Stichworten oft nicht aus, um alle relevanten Dokumente und Informationen zu erfassen. Das Verbundprojekt „ExpResViP“ (Exploitation of Research Results through Visual Patent Retrieval) setzt es sich daher zum Ziel, ein Recherche-Tool zu entwickeln, das die Informationen aus visuellen Elementen in Patentdokumenten für Recherchen nutzt.

Im Gegensatz zu rein textbasierten Recherchemethoden basiert das visuelle Patentretrieval auf der automatischen Erkennung von Bildähnlichkeiten und Text-Bild-Bezügen. Dadurch kann die Reichweite von Recherchen über Patentklassen und Domänen hinweg erweitert werden. Dies ermöglicht beispielsweise das Auffinden neuer Märkte oder Lizenznehmer abseits der bekannten Anwendungsgebiete. Ferner können sprachunabhängige visuelle Recherchen in fremdsprachigen Datenbeständen eingesetzt werden, wenn keine adäquaten Volltext-Übersetzungen vorliegen.

Das BMBF-geförderte Verbundprojekt wird im Zeitraum von August 2020 bis Juli 2023 in Zusammenarbeit mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) durchgeführt. Aufgabe der Geschäftsstelle der Leibniz-Gemeinschaft ist der Aufbau von Kompetenzen im visuellen Patentretrieval und die Vorbereitung der Nutzung des neuen Tools, beispielsweise für die Gründerberatung.

Um einen effizienten und nachhaltigen Einsatz des neuen Recherche-Tools zu gewährleisten, erfolgt die Entwicklung des Tools nicht rein technikgetrieben, sondern aus einer nutzerorientierten Perspektive. Hierfür werden regelmäßig Bedarfs- und Nutzerverhaltensanalysen durchgeführt und das Tool mithilfe des Feedbacks aus den Analysen iterativ angepasst.

Interessierte Institute der Leibniz-Gemeinschaft sind daher herzlich eingeladen, am Projekt teilzunehmen, die Prototypen des neuen Tools zu testen und ihr Feedback in die Entwicklung einfließen zu lassen.

Kontakt
Dr. Julia Linke
Leibniz-Gemeinschaft
Chausseestraße 111
10115 Berlin
T 030 20 60 49 312
linke@leibniz-gemeinschaft.de