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Integration und Kooperation im Europa der Wissenschaften

Wie erfolgreich trägt Horizon 2020 zur Inklusion im Europa der Wissenschaft bei und was bleibt noch zu tun? Werden die derzeitigen politisch geprägten Anforderungen an Forschungskooperationen in Europa der Realität von Wissenschaft noch gerecht? Und nicht zuletzt: Wie kann die internationale Dimension des Europäischen Forschungsraumes weiter gestärkt werden? Diese und andere Fragen diskutierte Leibniz-Präsident Matthias Kleiner mit einem hochkarätigen internationalen Expertenpanel aus Frankreich, Ungarn und Japan am 17. Februar 2016 in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU in Brüssel.

Der kürzlich veröffentlichte Evaluierungsbericht zum 7. EU-Forschungsrahmenprogramm sowie die bevorstehende Zwischenevaluierung von Horizon 2020 boten den Anlass für diese Podiumsdiskussion, der über 120 Teilnehmer, darunter Vertreter der Europäischen Kommission und Europaabgeordnete, gespannt folgten.  In seinem Impulsreferat warf Matthias Kleiner die Frage auf, ob in der EU-Forschungsförderung ein Europa der zwei Geschwindigkeiten akzeptabel sei. Während Eva Kondorosi (Ungarische Wissenschaftsakademie und ERC Scientific Council) erklärte, dass für viele Forschende aus den EU-13 Staaten schlechte Rahmenbedingungen Grund genug seien ihre Heimat zu verlassen, stellte Michael Matlosz (Präsident der französischen Forschungsagentur ANR und von Science Europe) fest, es komme darauf an, das gesamte in Europa vorhandene Talent zu fördern und zu nutzen. Matlosz und Kleiner betrachteten Mobilität außerdem als wesentlichen Bestanteil bei der Entwicklung von Forscherkarrieren.

Yuko Harayama (Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsrat, Japan) erläuterte die Infrastrukturentwicklung Japans in den vergangenen Jahren und hob hervor, dass die Tendenz hin zur Förderung von Bildungs- und Forschungsstrukturen gehe und die Forschungs- und Innovationspolitik ihres Landes sehr stark technisch orientiert sei. Matlosz hinterfragte die allgemeine Tendenz, Forschung und Innovation in einem Programm vereinen zu wollen. Seiner Auffassung nach sei Forschung eine Aktivität während er Innovation als eine Kultur beschreibt. Harayama warnte davor, ökonomische Interessen zu sehr über den „human factor“ zu stellen. Es dürfe dabei nicht vergessen werden, dass Forschung letztlich zum Ziel habe, Mensch und Gesellschaft bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. An diese menschliche Komponente erinnerte auch Kleiner mit der Feststellung, dass Wissenschaft und Forschung eines der wenigen noch vereinenden Elemente seien in einem ansonsten von Krisen und zunehmend nationalen Interessen geprägten Europa und damit dem Begriff des „europäischen Mehrwerts“ in der EU-Forschungsförderung eine völlig neue Bedeutung gebe.

Claudia Labisch, Leiterin des Brüssel-Büros der Leibniz-Gemeinschaft

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