Die Pandemie und der Seehandel

Foto TOM FISK/PEXELS

Covid-19 lässt die Preise für Nahrungsmittel und Transporte weiter steigen – und damit die globale Armut. Forscher fordern mehr internationale Kooperation und warnen vor nationaler Selbstversorgung.

26.05.2021 · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien · News · Forschungsergebnis

Ein Jahr nach dem pandemiebedingten Einbruch der Weltwirtschaft sind die Folgeerscheinungen mitnichten ausgestanden. Vielmehr lassen sich nun starke Anstiege von Transportkosten im internationalen Seehandel und stetig steigende Nahrungsmittelpreise beobachten. Im IAMO Policy Brief 40 beleuchten der IAMO-Direktor Thomas Glauben und Wissenschaftler Maximilian Heigermoser den Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im internationalen Seehandel mit Agrargütern. Um einer Nahrungsmittelkrise vorzubeugen, fordern die beiden Autoren ein Mehr an internationaler Kooperation und warnen ausdrücklich vor Rufen nach nationaler Selbstversorgung.

Während Volkswirtschaften in Nordamerika und Europa ab Herbst 2020 von einer zweiten Infektionswelle erfasst wurden, blieben Südostasien und speziell China von einem erneuten Anstieg von Infektionen weitgehend verschont. Der weitgehende Lockdown von Dienstleistungs-, Hotellerie- und Gastronomiesektoren in westlichen Volkswirtschaften hatte einen Anstieg der Nachfrage nach materiellen Konsumgütern zur Folge, der sich stark auf die Schifffahrtslogistik auswirkte und zu Höchstpreisen für Frachtcontainer führte. Parallel stiegen auch Frachtpreise für Massengutfrachter durch erhöhten Bedarf nach Baumaterialien, Industriemetallen und Agrargütern aus Asien und den USA auf ein Elfjahreshoch.

Gleichzeitig verzeichnet der von der FAO monatlich erhobene Food Price Index seit Mai 2020 einen kontinuierlichen Anstieg und hat mittlerweile ebenfalls ein Siebenjahreshoch erreicht. Besonders betroffen sind die Unterindizes, die Samen- und Pflanzenöle sowie Getreide abbilden. Als Grund hierfür sind anhaltend hohe Futtermittelimporte Chinas zu nennen. Auch Sorgen um die Beschaffenheit der Maisernten in Südamerika und den USA, sowie erneut diskutierte Exportrestriktionen sind als treibende Faktoren zu nennen.

Die Weltbank geht für das Jahr 2020 bereits von einem historischen Anstieg globaler Armut aus. Verschiedene Entwicklungen, die sich auf Rohwaren- und Frachtmärkten beobachten lassen, bergen das Risiko, sich weiter negativ auf die Armutsbekämpfung sowie die globale Ernährungssicherheit auszuwirken. „Vor diesem Hintergrund muss einmal mehr die Notwendigkeit eines funktionierenden internationalen Handels unterstrichen, und vor Rufen nach regionaler Selbstversorgung oder gar Forderungen nach planwirtschaftlich anmutenden Systemänderungen im Nahrungsmittelsektor gewarnt werden“, so Thomas Glauben.

Publikation

Der IAMO Policy Brief 40 thematisiert die pandemiebedingten Auswirkungen auf die internationalen Fracht- und Nahrungsmittelpreise.

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