Hochland der Artenvielfalt

Foto PETR NECAS

Das äthiopische Bale-Gebirge ist ein Hotspot biologischer Vielfalt. Immer noch werden dort unbekannte Pflanzen und Tiere entdeckt – zuletzt eine neue Chamäleon-Art.

08.04.2021 · Lebenswissenschaften · Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere · News · Forschungsergebnis

Einmal mehr wird die Bedeutung des Bale-Gebirges in Äthiopien als einzigartiger Hotspot der Artenvielfalt aufgezeigt: Eine neue Chamäleon-Art, die an den Nordhängen dieses bemerkenswerten afromontanen Plateaus zu finden ist, wurde von den Zoologen Thore Koppetsch, Benjamin Wipfler, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn, sowie dem tschechischen Chamäleon-Experten Petr Nečas entdeckt.

Der Neufund wurde jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Zoosystematics and Evolution beschrieben. Angesichts seiner herausragenden Forschung und Leidenschaft für die Herpetologie wurde die neue Art nach dem deutschen Zoologen Wolfgang Böhme benannt.

Das Bale-Gebirge im südlichen Zentral-Äthiopien gilt als eines der einzigartigen Zentren von einer außergewöhnlichen Anzahl endemischer Pflanzen und Tiere, die nur dort zu finden sind. Aus diesem afromontanen Hochplateau sind bereits unzählige Arten bekannt, was es zu einem Hotspot biologischer Vielfalt macht. Andauernde Forschungsarbeit befördert jedoch weiterhin noch unbekannte und unbeschriebene Organismen ans Tageslicht.

Die Zoologen Thore Koppetsch, Herpetologe am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn (Museum Koenig, ZFMK), und Benjamin Wipfler, Leiter des Morphologielabors am Museum Koenig, sowie der tschechische Chamäleon-Experte Petr Nečas beschreiben eine solche neuentdeckte Art: Ein der Wissenschaft bisher unbekanntes Chamäleon. Ihre Ergebnisse wurden erst kürzlich in der Fachzeitschrift Zoosystematics and Evolution veröffentlicht.

Bereits zwei Arten der Chamäleon-Gattung Trioceros, die nur in der Bale-Region zu finden sind, waren bereits bekannt, als Koppetsch und seine Kollegen einen weiteren einzigartigen Vertreter dieser Gruppe an den Nordhängen des Bale-Gebirges entdeckten. Dieses neue Chamäleon als Teil eines Artenkomplexes des weit verbreiteten Äthiopischen Chamäleons Trioceros affinis angesehen.Studien haben bereits angedeutet, dass die einzelnen Populationen über das äthiopische Hochland hinweg Unterschiede zeigen – einige davon sind auch durch die nördlichen Ausläufer des Great Rift Valley, das auch die Evolution der frühen Menschen maßgeblich geprägt hat, separiert.

Das neue Chamäleon, Trioceros wolfgangboehmei, hat einen besonderen Namen: Es würdigt die wissenschaftliche Arbeit von Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, und seine Leidenschaft für Chamäleons und eine Vielzahl anderer Reptilien.

Abgesehen von ihren bemerkenswerten Verbreitungsmustern zeichnet sich die neue Chamäelon-Art durch ein charakteristisches Erscheinungsbild aus, denn es zeigt vergrößerte Stachelschuppen an Rücken und Schwanz, die einen markanten Kamm bilden. Normalerweise ist es auf kleinen Bäumen und Büschen in Höhen von über 2.500 m über dem Meeresspiegel zu finden.

“Angesichts der unterschiedlichen Farbmuster und Morphologie zwischen verschiedenen Populationen dieser Chamäleons in Äthiopien ist es wahrscheinlich, dass diese Gruppen immer noch eine höhere verborgene Vielfalt aufweisen als bisher bekannt ist, was durch künftige Untersuchungen aufgedeckt werden könnte” merkt Koppetsch an. Darüber hinaus betont das Forschungsteam die Notwendigkeit einer langfristigen Bewahrung seines schützenswerten Lebensraums, um die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten zu mildern.

Publikation

Koppetsch T, Nečas P, Wipfler B (2021) A new chameleon of the Trioceros affinis species complex (Squamata, Chamaeleonidae) from Ethiopia. Zoosystematics and Evolution 97 (1): 161–179. DOI: https://doi.org/10.3897/zse.97.57297

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