Leibniz-Promotionspreis 2019

Foto DAVID AUSSERHOFER

Ausgezeichnet werden in diesem Jahr die Physikerin Catrin Ciemer und der Politikwissenschaftler Felix Haaß.

28.11.2019 · GIGA German Institute of Global and Area Studies / Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien · Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung · HP-Topnews · Gemeinschaft · Menschen

Auf ihrer Jahrestagung in Berlin hat die Leibniz-Gemeinschaft die herausragenden Doktorarbeiten des Politikwissenschaftlers Felix Haaß aus Hamburg in der Kategorie Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Physikerin Catrin Ciemer aus Potsdam in der Kategorie Natur- und Technikwissenschaften mit ihrem Leibniz-Promotionspreis ausgezeichnet. Die Dissertationen beschäftigen sich mit dem Einfluss von Entwicklungshilfe auf Demokratisierungsprozesse in Post-Konflikt-Gesellschaften und mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Amazonas-Regenwald. Die beiden prämierten Arbeiten wurden als beste aus knapp 900 Promotionen ausgewählt, die im Jahr 2018 an Leibniz-Instituten abgeschlossen wurden.

Dr. Felix Haaß (34) vom GIGA ‑ Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg untersuchte in seiner Dissertation zum Thema „Buying Democracy? The Political Economy of Foreign Aid, Power-Sharing Governments, and Post-Conflict Political Development“ den Einfluss von Entwicklungsprojekten auf die Entstehung demokratischer Institutionen nach Bürgerkriegen. Dabei zeigte er, dass in von Entwicklungshilfe abhängigen Ländern mit Gemeinschaftsregierungen der ehemaligen Bürgerkriegsparteien zwar häufig schnell demokratische Wahlen abgehalten werden. Allerdings versuchen die alten Eliten mit anderen Methoden, ihren Machtverlust zu verhindern, etwa durch Einschränkungen bei der Unabhängigkeit der Justiz oder durch die Begünstigung von partikularen Interessensgruppen. Mit seiner Arbeit zeigt Haaß die ambivalenten Effekte von Machtteilung und unbeabsichtigte Folgen von demokratiefördernden Entwicklungshilfemaßnahmen auf. Als möglichen Ausweg skizziert Haaß dabei die Förderung von Programmen der Zivilgesellschaft, um die Verantwortlichkeit für den Demokratisierungsprozess möglichst breit in der Gesellschaft zu verankern.

Felix Haaß studierte Politikwissenschaften in Mannheim und Tübingen. Seine Dissertation entstand an der Philosophischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald im Rahmen des vom GIGA eingeworbenen Leibniz-Wettbewerbsprojekts „Institutions for Sustainable Peace - Comparing Institutional Options for Divided Societies and Post-Conflict Countries“. Aktuell ist Felix Haaß als Post-Doc im Drittmittel-Projekt „The Anatomy of Repression in Authoritarian States“ der Deutschen Stiftung Friedensforschung an der Universität Osnabrück sowie als Research Fellow am GIGA tätig.

Publikationen:

Haaß, Felix. „The Democracy Dilemma. Aid, Power-Sharing, and Post-Conflict Democratization.“ Conflict Management and Peace Science. (first Published March 27, 2019)

DOI: https://doi.org/10.1177/0738894219830960

Haaß, Felix and Martin Ottmann. „Profits from Peace. The Political Economy of Power-Sharing and Post-Conflict Corruption.” World Development. vol. 99(11): p. 60-74 (November 2017).

DOI: https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2017.07.006

www.giga-hamburg.de/de/team/haaß

Dr. Catrin Ciemer (31) vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in der Leibniz-Gemeinschaft (PIK) befasste sich in ihrem Promotionsvorhaben „Complex systems analysis of changing rainfall regimes in South America and their implications for the Amazon rainforest“ mit den Auswirkungen von Veränderungen der Niederschlagsmenge und -häufigkeit im Amazonas sowie der zukünftigen Entwicklung des Regenwaldes unter den Bedingungen des Klimawandels. Durch die Anwendung des Konzepts komplexer Netzwerke gelang ihr erstmalig eine treffsichere Vorhersage von Dürren im Amazonasgebiet bis zu einem Jahr im Voraus. Außerdem untersuchte Catrin Ciemer die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) der Vegetation im tropischen Südamerika. Dabei konnte sie nachweisen, dass diese entgegen der bisherigen Lehrmeinung nicht konstant ist, sondern sich in entsprechenden Gebieten durch einen Langzeittrainingseffekt der jährlichen Niederschlagsunterschiede substantiell erhöhen kann. Die Arbeit von Catrin Ciemer gewinnt besondere Relevanz dadurch, dass der Amazonas, der auch als „Lunge der Erde“ bezeichnet wird, als Kohlenstoffspeicher nicht nur für das globale Klima eine entscheidende Rolle spielt, sondern mit dem Vorkommen von etwa 25 Prozent der weltweiten Pflanzenvielfalt auch ein Hotspot der Biodiversität ist.

Nach einem Physikstudium an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Freien Universität Berlin verfolgte Catrin Ciemer ihr Dissertationsvorhaben im Rahmen der deutsch-brasilianischen Graduiertenschule 1740 der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Sao Paulo, an der das PIK beteiligt ist. Zurzeit ist Catrin Ciemer weiterhin am Potsdam-Institut beschäftigt.

Publikationen:

Catrin Ciemer, Niklas Boers, Henrique MJ Barbosa, Jürgen Kurths und Anja Rammig: Temporal evolution of the spatial covariability of rainfall in South America. Climate Dynamics, vol. 51(1-2), page 371-382 (Oktober 2017).

DOI: https://doi.org/10.1007/s00382-017-3929-x

Catrin Ciemer, Niklas Boers, Marina Hirota, Jürgen Kurths, Finn Müller-Hansen, Rafael S. Oliveira und Ricarda Winkelmann: Higher resilience to climatic disturbances in tropical vegetation exposed to more variable rainfall. Nature Geoscience, 12, page 174-179 (März 2019).

DOI: https://doi.org/10.1038/s41561-019-0312-z

www.pik-potsdam.de/members/ciemer/catrin-a-ciemer

Der Promotionspreis der Leibniz-Gemeinschaft

Der Promotionspreis der Leibniz-Gemeinschaft wird jährlich für die besten Doktorarbeiten aus Leibniz-Instituten in den Kategorien „Geistes- und Sozialwissenschaften“ und „Natur- und Technikwissenschaften“ vergeben. Die prämierten Arbeiten müssen sich neben einer herausragenden Bewertung durch eine fächerübergreifende Bedeutung, einen Anwendungsbezug und Publikation in Fachzeitschriften oder Präsentationen auf Fachkonferenzen auszeichnen. Er ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger trifft die elfköpfige Leibniz-Preisjury, die aus Personen des öffentlichen Lebens und leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter dem Vorsitz von Leibniz-Präsident Matthias Kleiner besteht, aus den Vorschlägen der wissenschaftlichen Sektionen der Leibniz-Gemeinschaft.

www.leibniz-gemeinschaft.de/karriere/karriere-in-der-wissenschaft/promotion-in-der-leibniz-gemeinschaft/promotionspreis.html

Pressefotos der Preisträger finden Sie unter

www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/presse/pressefotos.html

Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft

Christoph Herbort-von Loeper
stellv. Leiter Kommunikation
T 030 / 20 60 49 – 48
0174 / 310 81 74
herbort(at)leibniz-gemeinschaft.de