Masterplan fürs Naturkundemuseum

Foto CAROLA RADKE/MFN

Am Museum für Naturkunde Berlin entsteht ein Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft - mit Laboren für Spitzenforschung und Sammlungsräumen für 30 Millionen Objekte.

11.10.2019 · Lebenswissenschaften · Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung · News · Gemeinschaft · Projekte

In den kommenden zehn Jahren wird das Museum für Naturkunde Berlin (MfN) - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) einen Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft entwickeln. Dieser liegt in der Invalidenstraße 42/43 und damit in der Mitte des Wissenschaftsstandortes Berlin. Es werden neue Labore und Arbeitsplätze für Spitzenforschung geschaffen. Gleichzeitig wird eine der weltweit umfassendsten naturhistorischen Sammlungen mit über 30 Millionen Objekten in moderne Sammlungsgebäude untergebracht. Um alle Objekte weltweit zugänglich zu machen, wird von der Fliege bis zum Dinosaurier alles digitalisiert.
Für die Besucherinnen und Besucher entstehen neue Ausstellungsräume, die die Vielfalt der Natur und gleichzeitig die Forschung für Natur zeigen. Außerdem sind Tagungs- und Veranstaltungsräume für die Wissenschaftskommunikation geplant. Ziel ist es, eine zukunftsorientierte Forschung und einen wirkungsvollen Wissenstransfer an einem Ort zu schaffen, um die demokratische Wissensgesellschaft zu stärken.

Das Herz des Wissenschaftscampus ist das Naturkundemuseum. Hier wird zu Biodiversität, Evolution, Natur und Gesellschaft geforscht. „Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr und wollen gemeinsam mit Partnern am Wissenschaftscampus die Erforschung der großen Umweltthemen voranbringen“, betont Generaldirektor Johannes Vogel und Geschäftsführer Stephan Junker ergänzt: „Ziel des Zukunftsplans ist, die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zu intensivieren, um wissenschaftsbasierte Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu finden.“ Dabei sollen nationale wie internationale Partnerschaften geschlossen werden – auch interdisziplinär.

Masterplan bündelt Sanierung und Campusentwicklung

Die Umsetzung des Zukunftsplans wird mit insgesamt 660 Millionen Euro vom Bund und Land Berlin gefördert. Um einen guten Ablauf aller Arbeiten zu sichern, wird in den kommenden Monaten ein Masterplan zur Umsetzung des Zukunftsplans erstellt. Hierfür wurde nun in einer europaweiten Ausschreibung die Arbeitsgemeinschaft des Ingenieurbüros Arup mit dem Architekturbüro David Chipperfield und der Design- und Stadtplanungsagentur Event Communications Dublin gefunden.

Der Masterplan soll den konkreten Bedarf aller Planungs- und Bauleistungen unter Berücksichtigung des Denkmalsschutzes ermitteln. Dabei besonders im Blick sind die Anforderungen an die Forschungsinfrastruktur eines besucheroffenen Wissenschaftscampus. Im Fokus liegt der reibungslose Ablauf bei Terminen, Logistik, Technik und Budget. Der Masterplan bildet die Basis für einen Architektenwettbewerb.

Hintergrundinformation

Das Museum für Naturkunde Berlin (MfN) ist ein exzellentes, offenes und integriertes Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft mit internationaler Ausstrahlung und global vernetzter Forschungsinfrastruktur. Teams mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen vertiefen ihre Forschung an über 30 Millionen Sammlungsobjekten zur Entwicklung der Erde und des Lebens.
Die Themen reichen von der Entwicklung des Sonnensystems über die Mechanismen der Evolution bis zur Vielfalt des Lebens auf der Erde. Darüber hinaus wird die wissenschaftshistorische, kulturelle und künstlerische Bedeutung der Objekte erforscht. Die interdisziplinär agierenden Forscherteams treten mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit, um aktuelle Entwicklungen zu deuten, globale Veränderungen vorauszusagen, Erkenntnisse zu vermitteln und gesellschaftliche Veränderungsprozesse anzustoßen. Das MfN bietet eine Plattform des Austauschs für Natur mit unterschiedlichen Akteuren der Zivilgesellschaft und ist offen für Citizen-Science-Projekte und interdisziplinäre Veranstaltungsformate. 

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble wurde nach Entwürfen des Baurats August Tiede errichtet. Es setzt sich aus dem Hauptgebäude (Bauzeit 1883 bis 1889) in der Invalidenstr. 43 und einem Ergänzungsbau (Bauzeit 1913 bis 1917) im hinteren Bereich des Grundstücks zusammen. Auf der Liegenschaft befindet sich ferner der kleinteilig untergliederte Nordbau (1906 bis 1910 errichtet), ein ehemaliges Instituts‐ und Lehrgebäude, das inzwischen zum größten Teil vom Museum für Naturkunde Berlin genutzt wird. Zur Straßenfront östlich flankiert wird die zentrale Anlage des Naturkundemuseums von dem sogenannten Thaer‐Bau. Er wird derzeit von der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin genutzt.

Weitere Informationen und Kontakt

www.museumfuernaturkunde.berlin