Mehr übergewichtige Russen

Die von der WHO ausgerufene Übergewichtskrise betrifft auch Russland: Fast 60 Prozent der russischen Erwachsenen sind zu dick – mehr als in Deutschland, wo es 55 Prozent sind.

07.10.2016 · Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien · News

Die von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufene Übergewichtskrise mit all ihren gesundheitlichen Konsequenzen hat spätestens seit Anfang des Jahrtausends auch in der Russischen Föderation Einzug gehalten. Dies gewinnt im Besonderen vor dem Hintergrund der in Russland diskutierten „Steuer auf ungesunde Lebensmittel“ an Bedeutung und ist eine Folge veränderter Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Im IAMO Policy Brief 27 "Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Ernährungsgewohnheiten und gesundheitliche Folgen in Russland" legen Dr. Christine Burggraf, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), und Professor Thomas Glauben, Direktor des IAMO, Gründe für diese Entwicklung dar und geben Handlungsempfehlungen für Gegenmaßnahmen.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler zeigen, dass mit zunehmendem ökonomischen Wachstum und privaten Einkommen in Russland der Konsum von fettreichen tierischen Produkten angestiegen ist. Die Gesundheit vieler russischer Bürgerinnen und Bürger ist durch ein erhöhtes Risiko für Adipositas und ernährungsmitbedingte chronische Erkrankungen belastet. Gleichzeitig verbesserte sich die gesundheitsbezogene Ernährungsweise im Hinblick auf die Zufuhr diverser Vitamine und Mineralstoffe. Diese beiden gegenläufigen Entwicklungen sind typischerweise auch in anderen Industrie- und Schwellenländern vorzufinden, wenngleich in der Russischen Föderation in teilweise ausgeprägterer Form.

Als Gründe dafür führen Burggraf und Glauben neben einer traditionell eher hohen Präferenz der russischen Gesellschaft für fettreiche tierische Produkte unzureichende Ernährungsinformationen an. Um den Weg für eine gesündere Ernährung in Russland zu ebnen, empfehlen sie deshalb, neben einem vielfältigeren Lebensmittelangebot sowie Programmen zur Verbesserung von Gemeinschaftsverpflegungen, gezieltere Informationskampagnen für die Vermittlung von ausreichendem Ernährungswissen sowie klare Produktkennzeichnungen, die Aufschluss über den ernährungsphysiologischen Gehalt eines Lebensmittels geben.

Der IAMO Policy Brief 27 "Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Ernährungsgewohnheiten und gesundheitliche Folgen in Russland" kann auf der Webseite des IAMO unter www.iamo.de/policybrief-27 heruntergeladen werden.

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