„Mich begeistert dieses Denken an Zukunft“

Bundespräsident Joachim Gauck besucht den InfectoGnostics Forschungscampus Jena und diskutiert mit Wissenschaftlern, Ärzten und Industrievertretern.

24.11.2016 · HP-Topnews · Leibniz-Institut für Photonische Technologien

Foto: InfectoGnostics/Jens Meyer

Bundespräsident Joachim Gauck hat am Mittwoch, 23.11.2016, den InfectoGnostics Forschungscampus Jena besucht. „Mich begeistert dieses Denken an Zukunft, das hier am Campus vorherrscht“ – so fasste Bundespräsident Joachim Gauck seine Eindrücke aus der Diskussion mit Wissenschaftlern, Ärzten und Industrievertretern in Jena zusammen. Der Präsident diskutierte mit den InfectoGnostics-Mitarbeitern vor Ort das Problem der multiresistenten Krankheitserreger und informierte sich über neue Methoden zur Früherkennung von Sepsis oder Lungenentzündungen.

Besonders das Thema weltweit zunehmender Antibiotika-Resistenzen stand bei der Diskussionsrunde mit dem Bundespräsidenten im Vordergrund: „Infektionen, die wir noch vor wenigen Jahren problemlos behandeln konnten, sind bereits heute nur noch mit einem Reserveantibiotikum in den Griff zu kriegen. Doch selbst gegen diese Mittel sind einige Bakterienstämme bereits resistent“, erläuterte Prof. Mathias Pletz, medizinischer Koordinator des InfectoGnostics-Kernprojekts und leitender Infektiologe am Uniklinikum Jena, die prekäre Lage.

Bundespräsident Gauck hakte interessiert nach und wollte wissen, wie dieses Wettrennen gegen die sich ständig anpassenden Keime in der Praxis gewonnen werden kann. „Durch exakte, schnelle Diagnosen und eine personalisierte Therapie“ – so brachte Prof. Jürgen Popp den wichtigsten InfectoGnostics-Lösungsansatz auf den Punkt. Popp ist Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien, Professor für Physikalische Chemie an der Universität Jena und zugleich Sprecher des Forschungscampus. Das Konzept des Campus setze auf die frühe Zusammenarbeit zwischen Forschung, Klinik und Industrie: „Wir arbeiten hier eng in einer öffentlich-privaten Partnerschaft, damit die vielen Ideen unserer Forscher auch tatsächlich zu einem Produkt werden, das den Menschen hilft.“

Innovatives photonisches Diagnoseverfahren soll miniaturisiert werden

Vor Ort präsentierten die InfectoGnostics-Forscher dem Bundespräsidenten bereits erste diagnostische Lösungen, die durch die enge Zusammenarbeit am Forschungscampus entstanden sind. Neben „CarbDetect“, einem Schnelltest zur Bestimmung von multiresistenten Bakterien des InfectoGnostics-Partners Alere Technologies, stand der „Bio Particle Explorer“ im Fokus: Dieses Gerät identifiziert mit Hilfe eines laser-spektroskopischen Messverfahrens und einer intelligenten statistischen Auswertung, welche und wie viele Erregern sind in einer Patientenprobe vorhanden.

Doch das sei laut Popp erst der Anfang: „Wir wollen solche derzeit noch sehr teuren Geräte schrittweise leistungsfähiger und zugleich auch kleiner machen. Das Ziel ist eine günstige ‚to go‘-Diagnostik, die von Ärzten, Pflegepersonal oder sogar dem Patienten selber eingesetzt werden kann.“

InfectoGnostics Forschungscampus Jena

Der InfectoGnostics Forschungscampus Jena beschreitet als öffentlich-private Partnerschaft neue Wege in der Diagnostik von Infektionen und Erregern, wie z. B. Viren, Bakterien und Pilzen. InfectoGnostics wird durch das BMBF im Rahmen der Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ mit zusätzlicher Unterstützung durch das Land Thüringen gefördert.
Etwa die Hälfte des benötigten Etats finanzieren die beteiligten Partner.

In seinem zentralen Campusprojekt erforscht InfectoGnostics zuverlässige, schnelle und nicht-invasive Methoden der Diagnostik von Erregern der Lungenentzündung und deren Resistenzen vor dem Hintergrund von Immunsuppression. Das rechtzeitige Erkennen von Infektionserregern und ihrer Resistenz ist Voraussetzung für eine wirksame Antibiotikatherapie.

Die Gründungspartner des Forschungscampus sind neben der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Universitätsklinikum auch die Ernst-Abbe-Hochschule Jena, sowie das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll Institut (Leibniz-HKI) und die Firmen für medizinische Diagnostika und Analysetechniken Analytik Jena AG und Alere Technologies GmbH. Insgesamt sind im Forschungscampus über 30 Partner organisiert. Gemeinsam verfolgen sie eine langfristige Forschungs- und Entwicklungsstrategie.

Kontakt

Christian Döring
Wissenschaftskommunikation
InfectoGnostics Forschungscampus Jena
Leibniz-Institut für Photonische Technologien
Tel.: +49 3641 948391
christian.doering(at)leibniz-ipht.de

www.infectognostics.de
www.leibniz-ipht.de