Psychosoziale Hilfe für Geflüchtete

Frau auf Sofa, den Kopf in eine Hand gestützt
Foto ANNIE SPRATT/UNSPLASH

Krieg, Verfolgung, Gewalt: Viele Geflüchtete tragen schwere psychische Lasten. Ob das WHO-Programm „Problem Management Plus“ in Deutschland helfen kann, wird nun erprobt.

13.04.2026 · News · Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie · Lebenswissenschaften · Projekte

Geflüchtete Menschen haben oft schwerste Traumata erlebt. Krieg, Verfolgung, Gewalt, der Verlust von Angehörigen – viele tragen seelische Wunden, die lange unsichtbar bleiben. Genau hier setzt das neue Projekt HOME an: Gemeinsam mit dem Bremer Behandlungszentrum REFUGIO will das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS prüfen, ob eine von der Weltgesundheitsorganisation entwickelte Intervention Geflüchteten in Deutschland wirksam helfen kann.

Im Zentrum steht „Problem Management Plus“ (PM+), ein niedrigschwelliges, präventives Unterstützungsangebot. Es richtet sich an Menschen, die nicht schwer psychisch erkrankt sind, aber besondere psychische Belastungen zu bewältigen haben und denen bislang ein Zugang zu Therapie oder Beratung fehlt. Das Besondere: PM+ wird von geschulten Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren durchgeführt, die die Sprache der Teilnehmenden sprechen. Internationale Studien zeigen, dass das Programm Symptome von Depression, Angst und Stress deutlich reduzieren kann. In Deutschland gibt es jedoch bislang keine nachhaltige Implementierung.

Bremen als Vorbild

Mit HOME soll sich das ändern. Das Projekt untersucht nicht nur, ob PM+ in Bremen wirksam eingesetzt werden kann, sondern auch, wie sich das Konzept an die hiesigen Versorgungsstrukturen anpassen lässt. Zudem sollen Barrieren und förderliche Faktoren identifiziert und konkrete Implementationsleitfäden entwickelt werden. Dies könnte als Grundlage dienen, um es auf andere Regionen in Deutschland auszuweiten.
„PM+ ist international gut evaluiert und in Ländern wie der Schweiz bereits etabliert. Wir freuen uns sehr, dieses Konzept nun auch in Deutschland wissenschaftlich zu erproben und zu prüfen, wie es sich nachhaltig in bestehende Strukturen integrieren lässt“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Daniela Fuhr vom BIPS.

Großer Bedarf an psychologischer Unterstützung

Projektpartner ist REFUGIO Bremen, ein psychosoziales Zentrum für Geflüchtete mit jahrzehntelanger Erfahrung. Seit 1989 unterstützt der gemeinnützige Verein Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Diskriminierung geflohen sind. „Wir erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist und wie schwer es für viele Betroffene ist, Hilfe zu bekommen“, sagt Marc Millies, Leitung Kommunikation und Verwaltung bei REFUGIO Bremen. „Die Zusammenarbeit im Projekt HOME bietet die Chance, ein wirksames, sprachsensibles Angebot strukturell zu verankern und damit Menschen zu erreichen, die bislang durchs Raster fallen.“

Das Projekt HOME läuft vom Oktober 2025 bis September 2028 und wird kofinanziert von der Europäischen Union. Anmeldungen für das Programm sind ab dem 08. April 2026 möglich. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich hier.

Weitere Informationen und Kontakt

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS