Wer darf wählerisch beim Sex sein?

Spinnen sind eher anspruchslos, Pfauenhennen bevorzugen Männchen mit prächtiger Federkrone: Eine Studie zeigt, welche Tiere sich den Luxus gestatten, bei der Partnersuche wählerisch zu sein.

05.10.2016 · HP-Topnews · Biodiversität · Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

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Wenn Tiere ihre Partner für die Paarung wählen, gehen sie sehr verschieden vor. Einige männliche Mormonengrillen (Anabrus simplex) haben gerne Sex mit jedem verfügbaren Weibchen. Hingegen sind Pfauenhennen sehr wählerisch, wenn sie ein Männchen des Blauen Pfaus (Pavo cristatus) als Partner küren. Er muss schon eine besonders prächtige Federkrone mit besonders vielen Federn präsentieren. Quer durch die Natur gibt es unzählige Varianten der Partnerwahl, von der reinen Männerwahl bis hin zur reinen Damenwahl. In einer Studie kommen Alexandre Courtiol vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und Kollegen des Institut des Sciences de l’Evolution in Montpellier (Frankreich) jetzt zum Schluss, dass sich das Ausmaß des Wählerisch-Seins bei der Partnerwahl der Arten aus ihren Lebensumständen und Lebensläufen vorhersagen lässt. Dieser Befund ist wichtig, weil die Partnerwahl die Genmischung innerhalb einer Art wesentlich beeinflusst und damit ein Schlüsselfaktor für die Beibehaltung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) darstellt. Dies wiederum hat Auswirkungen vor allem auf den Fortbestand von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind.

Für ihre Schlussfolgerungen verwendeten die Forscher ein mathematisches Modell, das wichtige Merkmale im Lebenslauf der Tiere erfasste, etwa, wie oft sich die Tiere begegnen, welche Möglichkeiten der Paarung bestehen, wie oft das geschieht und wie lang die Lebenszeit der Individuen ist. So erhöht sich zum Beispiel die benötigte Zeit, um einen passenden Partner zu finden, je wählerischer die Tiere sind. Tiere, die besonders wählerisch sind, haben zwar die Chance, einen Partner höherer Qualität zu bekommen. Andererseits führen zu hohe Qualitätsansprüche auch dazu, dass es viel seltener zu Paarungen kommt.

Die Sache ist also recht kompliziert. Die Evolution zur höheren Anspruchshaltung beim Sex hin, etwa beim Pfau, kann dazu führen, dass die Partnerwahl immer schwieriger wird. Teilweise zwingen auch die Umweltbedingungen die Tiere dazu, einen großen Teil ihrer Lebenszeit mit der Suche nach passenden Partnern zu verbringen, dies gilt etwa für männliche Mormonengrillen und viele männliche Spinnen. Dann wären die Kosten für die Suche nach maximaler Qualität mangels Ergebnis möglicherweise zu hoch, das einzelne Tier darf also nicht zu wählerisch sein. Umgekehrt kann sich die Suche nach einem besonders gesunden und kompetenten Partner dann lohnen, wenn dafür nur eine kurze Zeit der Lebensdauer aufgewendet werden muss.

Die Autoren der in der Fachzeitschrift The American Naturalist veröffentlichten Studie kommen zu dem Schluss, dass besonders jene Arten besonders wählerisch sind, bei denen Weibchen und Männchen nach der Paarung für längere Zeit eine Pause einlegen müssen. Gründe dafür können die lange Aufzuchtzeit des Nachwuchses sein oder aber der Umstand, dass einige Männchen Zeit benötigen, um ihre Spermareserven wieder aufzufüllen.

Publikation

Courtiol A, Etienne L, Féron R, Godelle B, Rousset F (2016): The evolution of mutual mate choice under direct benefits. The American Naturalist; doi: 10.1086/688658.

Kontakt

Steven Seet
Pressesprecher
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Tel.: +49 (0)30 51 68 125
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