Zwei neue Leibniz-Institute und gestärkte Leitlinie für gute wissenschaftliche Praxis

Auf ihrer Mitgliederversammlung am 28. November in Berlin hat die Leibniz-Gemeinschaft die Aufnahme zweier Institute in Mainz und Frankfurt am Main beschlossen und ihre Leitlinie zur guten wissenschaftlichen Praxis aktualisiert. Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft entschied über die Projekte im Leibniz-Wettbewerb 2020.

29.11.2019 · Leibniz-Gemeinschaft · Pressemeldung

Neue Leibniz-Institute ab 2020

Das LOEWE-Zentrum Sustainable Architecture for Finance in Europe (SAFE) in Frankfurt am Main sowie das Deutsche Resilienz Zentrum (DRZ) in Mainz werden zum 1. Januar 2020 Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft und tragen zukünftig die Namen „Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung“ beziehungsweise „Leibniz-Institut für Resilienzforschung“. Die Forschungsorganisation wächst damit wegen eines gleichzeitigen Ausscheidens eines Instituts in Hannover auf 96 Mitgliedseinrichtungen an.

Der Aufnahme gingen Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft hinsichtlich der institutionellen Passfähigkeit und des strategischen Nutzens sowie des Wissenschaftsrats zur wissenschaftlichen Qualität der Einrichtungen, ihrer überregionalen Bedeutung und ihrer strukturellen Relevanz für das Wissenschaftssystem insgesamt voraus. Auf deren Grundlage hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) die Aufnahme der beiden Einrichtungen in die Bund-Länder-Förderung beschlossen.

Zu den Internetauftritten der Institute: https://safe-frankfurt.de bzw. www.drz-mainz.de

Vizepräsidentin wiedergewählt

Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt, wurde als Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft für eine zweite Amtszeit von zwei Jahren wiedergewählt. Die Biologin erforscht den Zusammenhang zwischen Biodiversität und Mensch auf der Ebene von Arten, Lebensgemeinschaften und Ökosystemen. Insbesondere untersucht sie den Einfluss von Klima und Landnutzungswandel auf Lebensgemeinschaften von Tieren und auf deren Ökosystemfunktionen und Dienstleistungen. Im Direktorium der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – einem Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft – ist sie zuständig für das Programm „Wissenschaft & Gesellschaft“.

(Ein Lebenslauf von Katrin Böhning-Gaese ist online verfügbar unter www.bik-f.de/root/index.php?page_id=256)

Verhaltenskodex und Neufassung der Leitlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

Die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft hat einen Verhaltenskodex „Leitsätze unseres Handelns in der Leibniz-Gemeinschaft“ verabschiedet und ihre „Leitlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ aktualisiert.

Mit den „Leitsätzen unseres Handelns in der Leibniz-Gemeinschaft“ verabschiedete die Mitgliederversammlung erstmals für die gesamte Forschungsorganisation mit allen Instituten eine Selbstverpflichtung des Miteinanders, die unter anderem Aspekte wie ethische Verantwortung, Karriereförderung, Diversität, Kritikkultur und Transparenz adressiert.

Die „Leitlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ setzt verbindliche Standards auf Gemeinschaftsebene für alle Leibniz-Einrichtungen und ist zugleich eine Schablone für individuelle Regelungen, die alle Institute für sich definieren. Die Leitlinie integriert außerdem den Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die neue Fassung reagiert unter anderem auf die jüngsten gesellschaftlichen Diskussionen zum Machtmissbrauch in der Wissenschaft und definiert die Vermeidung von „Machtmissbrauch und dem Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen“ explizit als Standard der Betreuung und Leitungsverantwortung.

Weiterhin sieht die Leitlinie einen Ausbau der Instanz der zentralen Ombudsperson vor. Statt bisher einer Ombudsperson und einer Stellvertretung wählt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft künftig bis zu vier zentrale Ombudspersonen, die durch dezentrale Ombudspersonen an den einzelnen Leibniz-Einrichtungen ergänzt werden. Mit dieser Entscheidung soll dem Anstieg der auf Gemeinschaftsebene gemeldeten Fälle begegnet und die fachliche Expertise im Gremium verbreitert werden.

Beschluss eines Leitbilds Nachhaltigkeit der Leibniz-Gemeinschaft

Die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft hat ein „Leitbild Nachhaltigkeit“ beschlossen, dessen Ziel es sein soll, ein grundlegendes Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs in der Leibniz-Gemeinschaft zu etablieren und eine Grundlage zu schaffen, um eine nachhaltige Gestaltung aller Forschungs- und Verwaltungsprozesse in der Leibniz-Gemeinschaft und ihren Einrichtungen zu erreichen.

Nachhaltigkeit ist zu einem sichtbaren und selbstverständlichen Teil der täglichen Arbeit in der Leibniz-Gemeinschaft geworden. Angestoßen wurde der Prozess mit der Herausgabe der Handreichung „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, die im Rahmen des Verbundprojekts „Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“ (LeNa) in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft im Herbst 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Leitbild umfasst Bereiche wie Nachhaltigkeit im Forschungsprozess, nachhaltiges Personalmanagement sowie Nachhaltigkeitsmanagement im Betrieb von Gebäuden und Infrastrukturen sowie Beschaffungswesen und Mobilität. Unter anderem verpflichten sich die Leibniz-Institute, Möglichkeiten der Selbstverpflichtung auf konkrete Nachhaltigkeits­maßnahmen, etwa zur Reduzierung der CO2-Bilanzen, zu prüfen.

Neue Projekte im Leibniz-Wettbewerb

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat für den Leibniz-Wettbewerb 2020 die Förderung von 27 Vorhaben in einem Gesamtumfang von 24,1 Millionen Euro beschlossen. Die bewilligten Projekte widmen sich zum Beispiel Themen wie der physikalischen Erforschung von Turbulenzen, wie sie in Ozeanen und Atmosphäre in sehr ähnlicher Weise vorkommen, dem ökologischen Fußabdruck des Menschen in der Altsteinzeit, den Auswirkungen von Hitzestress auf Tomaten,  der juvenilen idiopathischen Arthritis ‑ einer der schwersten Formen des chronischen Rheumas ‑ oder der aktuellen regionalen Ungleichheit in Deutschland. Im Bereich des Wissenstransfers befasst sich ein Vorhaben damit, ein dreidimensionales digitales Modell der Stadt Nürnberg in vier unterschiedlichen historischen Zeitebenen vom Barock bis zur Gegenwart zu erstellen, das unter anderem einen virtuellen Rundgang durch die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt erlaubt.

Zum dritten Mal sind herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Leitung von Leibniz-Junior Research Groups ausgewählt worden. Mit diesem Programm fördert die Leibniz-Gemeinschaft die frühe Selbständigkeit von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch die Leitung einer unabhängigen Nachwuchsgruppe. Hinzu kommen 21 Projekte im Programm Leibniz-Kooperative Exzellenz und drei Vorhaben im Programm Leibniz-Transfer.

Für die Leitung einer Leibniz-Junior Research Group wurden ausgewählt:

  • Martina Artmann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden widmet sich der Erforschung der Resonanz zwischen Mensch und Umwelt in Städten und deren Einfluss auf eine gesellschaftliche Nachhaltigkeitstransformation.
  • Wladimir Sgibnev vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig untersucht die Mobilitätstransformation in post-sozialistischen Städten unter Einflussfaktoren wie Digitalisierung, Modernisierung und Globalisierung.
  • Patricio Farrell vom Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, Leibniz-Institut im Forschungsverbund Berlin, befasst sich mit der numerischen Beschreibung und Simulation von Halbleiterelementen.
Kontakt
Christoph Herbort-von Loeper
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