Fachkonferenz · Potsdam

01.10.2020 - 02.10.2020 · ganztägig
Internalizing external experience

Nicht erst seit der jüngsten „Berateraffäre“ im Bundesministerium der Verteidigung wird über die „unheimliche Macht der Berater" (Titel einer ARD-Reportage über die “Big Four” der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften von Anfang 2019) diskutiert. Bereits im Zuge der Rationalisierungsbewegung der Zwischenkriegszeit fungierten beratende Ingenieure als Experten für effizientes Wirtschaften. Mit dem Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach 1945 wuchs die Branche weiter und die Unternehmensberatung etablierte sich als eigenständiger Berufszweig. Durch die Bereitstellung von Handlungswissen veränderten Berater*innen das Verhältnis von intern und extern generierter Erfahrung in Organisationen im Laufe des 20. Jahrhundert grundlegend. Sie wirkten auf die Erwartungsbildung in Unternehmen, Behörden sowie Non-Profit-Organisationen ein und prägten deren Entscheidungsprozesse und Governance-Strukturen.

Während insbesondere die wissenschaftliche (Politik-)Beratung in der deutschen Zeitgeschichte gut erforscht ist, gilt dies weniger für kommerzielle Formen der Beratung. Wie erklärt sich der Aufstieg externer, kommerzieller Expertise seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert? Welche Prozesse beförderten den Boom der Beraterbranche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und welchen Einfluss nahmen Berater*innen und die von ihnen provozierten Erwartungen auf Entscheidungsprozesse in Unternehmen, Behörden und Stiftungen? Neben der Klärung dieser Fragen soll die die Tagung auch den Austausch über die methodischen Herausforderungen einer Geschichtsschreibung ermöglichen, deren Protagonisten meist auf Diskretion bedacht sind.

Veranstaltungsort:

Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Am Neuen Markt 9d
14467 Potsdam
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Um Anmeldung bis zum 16. März wird gebeten.

Zur Veranstaltungswebsite des ZZF Potsdam