Vortrag

16.06.2021 · 18:00
Stadtstress: Lässt sich die Resilienz von Stadtbewohnern verbessern?

Foto FREE-PHOTOS/PIXABAY

Die Urbanisierung stellt die Völkerwanderung der modernen Zeit dar.

Während in den 50er-Jahren noch ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten lebte, ist es heute bereits mehr als jeder Zweite bei weiter steigender Tendenz: Schätzungen der Weltbank und der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Diese Entwicklung macht auch nicht vor Deutschland halt, wie die Entwicklung der Einwohnerzahlen der Großstädte in den vergangenen 30 Jahren zeigt. Diverse Faktoren des Stadtlebens erscheinen dabei für die Bewohner reizvoll, begonnen bei Aspekten wie mehr Arbeitsplatzmöglichkeiten, besserer Infrastruktur und Gesundheitsversorgung hin zu kulturellem Angebot und persönlichen Entfaltungs- und Freiheitsmöglichkeiten.

Auf der anderen Seite zeigen Beobachtungsstudien konsistent, dass stressassoziierte psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression in Städten relativ häufiger auftreten als auf dem Land. Wenngleich aus diesen Beobachtungen kein eindeutiger Rückschluss auf Henne und Ei möglich ist, weisen sie doch darauf hin, dass Städte z.B. über Überbevölkerung und assoziiertem Wohnraummangel, Verkehrslärm und Umweltverschmutzung durchaus auch spezifische Belastungen für die psychische Gesundheit mit sich bringen können. Verbunden mit der Vorhersage von Stadt als Lebensraum der Zukunft wird klar, dass Resilienzförderung im Angesicht der wachsenden Urbanisierung dringend notwendig erscheint.

Zu diesem Thema wird mit Prof. Dr. Mazda Adli ein ausgewiesener Experte und auch Großstadtbewohner referieren. Der Psychiater und Stressforscher ist Leiter der Fliedner Klinik Berlin sowie Oberarzt und Leiter des Forschungsschwerpunkts „Affektive Störungen“ an der Charité Berlin und Mitbegründer von „Stress and the City“, einem interdisziplinären Forum aus Neurowissenschaftler*innen, Architekt*innen und Stadtplaner*innen, welches sich mit der Erforschung von Einflussfaktoren des Stadtlebens auf Emotionen und Verhalten beschäftigt.

Basierend auf seiner Forschung wird er u.a. erläutern, wie es genau zur Häufung von Stressfolgeerkrankungen in der Stadt kommt und wie wir in diesem Licht die individuelle Resilienz ihrer Bewohner*innen fördern können.

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