
Innovation in der Objektdigitalisierung

Am Berliner Museum für Naturkunde geht das Projekt ELIO neue Wege, um die Digitalisierung in Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen voranzutreiben.
11/13/2025 · News · Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung · Lebenswissenschaften · Projekte
Wie können Museen ihre Sammlungen effizient, anschlussfähig und nachhaltig digital erfassen? Diese Frage steht im Zentrum des Entwicklungslabors ELIO (Entwicklungslabor für Innovation in der Objektdigitalisierung) am Museum für Naturkunde Berlin. Ziel ist es, innovative technische Lösungen zu entwickeln, die nicht nur die Digitalisierung selbst ermöglichen, sondern auch Modelle für deren dauerhafte Nutzung und Verstetigung schaffen.
Mit ELIO hat das Museum ein Laborformat geschaffen, in dem Forschung, Technologieentwicklung und Anwendung eng miteinander verzahnt sind. Hier entstehen Prototypen entlang konkreter Bedarfe aus den Sammlungen: Sie werden gemeinsam mit Partnerunternehmen entworfen, gebaut und getestet. Anschließend werden sie zu tragfähigen Nutzungskonzepten weiterentwickelt – etwa als Dienstleistung, Lizenz oder Software-as-a-Service. Auf diese Weise bringt ELIO Innovationen aus öffentlich-privaten Kooperationen gezielt in die Anwendung.
Neben der technologischen Entwicklung beschäftigt sich ELIO mit neuen Geschäfts- und Kooperationsmodellen, um den Transfer zwischen Museen und Technologieunternehmen langfristig zu sichern. Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu schaffen, die digitale Infrastruktur nicht nur für das eigene Haus, sondern für die gesamte GLAM-Community (Galleries, Libraries, Archives, Museums) zugänglich machen.
Bereits umgesetzt werden erste Prototypen:
Gemeinsam mit der Gestalt Automation GmbH entsteht eine modulare Digitalisierungseinheit, die Objekte automatisiert fotografiert. Das System richtet sich an Einrichtungen mit sehr unterschiedlichen Sammlungen, von kleinen Museen bis zu großen Forschungssammlungen und soll standardisierte, reproduzierbare Aufnahmen mit minimalem manuellem Aufwand ermöglichen.
Als nächstes bereitet ELIO gemeinsam mit Birds on Mars die Entwicklung einer Softwarelösung vor, die Bild- und Objektdaten automatisch verarbeitet. Ziel ist es, Arbeitsschritte wie Texterkennung, Datenanreicherung und Integration in bestehende Systeme zu automatisieren und damit digitale Arbeitsabläufe deutlich zu vereinfachen.
Parallel werden weitere Ansätze erprobt, etwa die automatische Objektpositionierung oder bildgestützte Erkennungssysteme, die auf konkrete Anforderungen aus der Sammlungspraxis reagieren.
Für das nächste Entwicklungsprojekt sucht ELIO nun innovative Partner zur Entwicklung eines modularen Tracking-Prototyps. Ziel ist ein System, das Veränderungen in Insektenkästen – etwa Umsetzungen, Entnahmen oder Standortwechsel – automatisiert erkennt und dokumentiert. Dabei sollen optische Verfahren, Sensorik oder RFID-Technologien (Funkerkennung) kombiniert werden, um Präparate eindeutig zuzuordnen, Veränderungen zu historisieren und Schnittstellen zu bestehenden Sammlungsdatenbanken zu schaffen. Der Prototyp soll museal geeignet, skalierbar und kosteneffizient sein. Die Entwicklungszeit beträgt rund neun Monate ab Zuschlag, einschließlich eines Pilotbetriebs am Museum für Naturkunde Berlin.
Mit diesem Projekt setzt ELIO seine Mission fort, die Digitalisierung von Naturkundesammlungen mitzugestalten – als Schnittstelle zwischen Forschung, Technologie und Anwendung. Unternehmen, die ihre Innovationskraft und Technologieexpertise in den Kulturbereich einbringen möchten, sind herzlich eingeladen, sich auf die bevorstehende Ausschreibung zu bewerben und die Zukunft der Objektdigitalisierung aktiv mitzugestalten.
Weitere Informationen und Kontakt
ELIO - Entwicklungslabor für Innovation in der Objektdigitalisierung