Millionenförderung für globale Gesundheit

Foto von medizinischen Fachkräften in blauer Schutzkleidung, die in einem Laborraum an verschiedenen medizinischen Geräten arbeiten
Foto BNITM/MEIKE PAHLMANN

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin erhält im Rahmen des Global Health Protection Programmes mehr als neun Millionen Euro für die internationale Gesundheitsforschung.

11.03.2026 · News · Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin · Lebenswissenschaften

Ein starkes Signal für internationale Gesundheitsforschung: Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat im Rahmen der dritten Förderphase des Global Health Protection Programme (GHPP) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen Fördermittel in Millionenhöhe eingeworben. In einer Zeit, in der internationale Programme und Forschungskooperationen im Bereich der globalen Gesundheit unter politischen und finanziellen Druck geraten, setzt die Bewilligung ein klares Zeichen für Kontinuität und Zusammenarbeit. Die Vorhaben starteten Anfang 2026 und laufen über drei Jahre. Forschende des BNITM treiben darin in Afrika die Pandemievorbereitung voran, bauen die Überwachung gefährlicher Erreger aus, bekämpfen antimikrobielle Resistenzen und verbessern die klinische Versorgung bei schweren Infektionskrankheiten.

Globale Gesundheitskrisen machen nicht an Landesgrenzen halt. Genau hier setzt das GHPP an: Seit 2016 fördert es strategische Partnerschaften zwischen deutschen Einrichtungen und Institutionen in Ländern mit hoher Krankheitslast und begrenzten Ressourcen im Bereich der Infektionsforschung. Das Hamburger Tropeninstitut war von Anfang an dabei. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BNITM arbeiten eng mit Partnerinstitutionen unter anderem in Nigeria, Guinea, Benin, Sierra Leone, Ghana und Tansania zusammen, darunter das Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH) in Nigeria und das Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) in Ghana. Gemeinsam bauen sie Laborkapazitäten aus, etablieren genomische Überwachung von (hochpathogenen) Krankheitserregern, entwickeln klinische Strukturen weiter und erarbeiten Strategien gegen arzneimittelresistente Erreger. Im Mittelpunkt steht dabei, diese Strukturen langfristig in Forschung und Versorgung zu verankern. 

Mit der nun bewilligten dritten Förderphase setzt das BNITM diese Kooperationen gemeinsam mit seinen Partnern fort und vertieft sie strategisch. In mehreren Verbundprojekten bauen Forschende stationäre und mobile Labornetzwerke in Westafrika weiter aus (AfroLabNet3), entwickeln die genomische Überwachung ausbruchrelevanter Viren weiter (CELESTA 2.0) und stärken die intensivmedizinische Versorgung bei Lassa-Fieber sowie anderen viralen hämorrhagischen Fiebern (MEVIN 2.0). Moderne Sequenzierungstechnologien ermöglichen es Partnerlaboren, Erreger genetisch zu charakterisieren, Übertragungsketten nachzuvollziehen und Ausbrüche schneller einzugrenzen. Mobile Laboreinheiten unterstützen nationale Behörden zudem direkt im Feld, auch in schwer zugänglichen Regionen. Um die Überlebenschancen bei schweren Verläufen zu erhöhen, baut das Projektteam intensivmedizinische Behandlungskapazitäten aus. Internationale Trainings und die Etablierung eines klinischen Expert:innen-Teams am BNITM verbessern zudem die globale Pandemievorsorge.

Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treiben die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen (SCOPE-AMR) und arzneimittelresistenter Malaria (SMART II) voran. Antimikrobielle Resistenzen entstehen, wenn Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden, eine Entwicklung, die weltweit als eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit gilt. Das Team analysiert Resistenzmuster, untersucht Behandlungsergebnisse und entwickelt evidenzbasierte Strategien für eine wirksamere Patientenversorgung. In der Malariaforschung überwachen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt Resistenzen gegen etablierte Medikamente und bauen regionale Netzwerke weiter aus.

Auch das Fortbildungsprogramm „Fellowship in Outbreak Readiness for Global Health Protection (FOR-GHP) beruht auf langfristigen Kooperationen. Es wird gemeinsam mit dem African Field Epidemiology Network (AFENET), dem Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) und dem Robert Koch-Institut (RKI) umgesetzt. Das Programm qualifiziert Fachkräfte gezielt für den Umgang mit gesundheitlichen Notlagen in Subsahara-Afrika. Es setzt auf einen Multiplikator:innen-Ansatz: Erfahrene Expertinnen und Experten geben ihr Wissen weiter und stärken so die Bereitschaft, Reaktionsfähigkeit und Widerstandskraft öffentlicher Gesundheitsstrukturen. FOR-GHP kombiniert digitale Lernformate mit Präsenztrainings und entwickelt eigene simulationsbasierte Übungsformate. So trainieren die Teilnehmenden konkretes Ausbruchsmanagement und lernen, die Internationalen Gesundheitsvorschriften sicher umzusetzen. Mit Unterstützung von AFENET vernetzt das Programm Fachkräfte in der gesamten Region und hält sie über ein aktives Alumni-Netzwerk dauerhaft im Austausch.

„Diese Bewilligung zählt zu den größten Drittmittelzusagen der vergangenen Jahre für unser Institut“, sagt Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des BNITM. „Sie ist eine große Anerkennung für die hervorragende Arbeit, die neben der Forschung am Institut geleistet wird: der Aufbau und die Unterstützung von Strukturen für Gesundheit in strukturschwachen Regionen. Dass gleich mehrere unserer Arbeitsgruppen in dieser Förderphase erfolgreich sind, zeigt die Stärke und internationale Vernetzung unseres Instituts. Unsere institutionenübergreifenden Teams verbinden exzellente Forschung mit konkreter Wirkung in den Partnerländern.“

Mit der neuen Förderphase baut das BNITM seine internationale Vernetzung weiter aus. Sie ermöglicht es, zentrale Bereiche der globalen Gesundheitsforschung weiterzuentwickeln, internationale Kooperationen langfristig zu festigen und gemeinsam mit den Partnerinstitutionen Infektionsdynamiken früh zu erkennen sowie Präventions- und Therapiestrategien voranzubringen.

Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM)