Demografischer Wandel schränkt Wachstum ein

Deutschland wird alt – das schlägt auf den Arbeitsmarkt durch und kostet Wirtschaftskraft. Bereits Ende 2026 könnte das Wirtschaftswachstum laut einer neuen Prognose nur noch knapp 0,9 Prozent betragen.

05.10.2021 · News · Institut für Weltwirtschaft · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Forschungsergebnis

Deutschlands Wachstumsperspektiven verschlechtern sich aufgrund des demografischen Wandels deutlich. Das Wirtschaftswachstum dürfte Ende 2026 nur noch knapp 0,9 Prozent betragen. Damit läge das Potenzialwachstum über 0,5 Prozentpunkte unter seinem langjährigen Durchschnitt und hätte ausgehend von 1,4 Prozent über ein Drittel verloren.

Deutschland wird alt, das schlägt auf den Arbeitsmarkt durch und kostet Wirtschaftskraft. Dies zeigt die aktuelle Mittelfristprojektion des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel). Im Jahr 2023 dürfte der Zenit bei der Beschäftigung mit knapp 46 Millionen Erwerbstätigen überschritten werden und fortan mehr Personen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als neu hinzukommen.

Eine höhere Zuwanderung und eine höhere Partizipationsrate am Arbeitsmarkt, wenn also etwa über bessere Kinderbetreuung oder flexiblere Arbeitszeitmodelle Menschen mehr oder überhaupt arbeiten können, dämpfen zwar den Effekt, können ihn aber nicht aufhalten. Ab 2026 verliert Deutschland jährlich schätzungsweise 130.000 Personen im erwerbsfähigen Alter.

Dies kostet Deutschland einen erheblichen Teil seiner Wachstumskräfte. Die bei Normalauslastung mögliche Zunahme an Wirtschaftsleistung dürfte Ende 2026 nur noch knapp 0,9 Prozent betragen. Damit läge das Potenzialwachstum über 0,5 Prozentpunkte unter seinem langjährigen Durchschnitt und hätte ausgehend von 1,4 Prozent über ein Drittel verloren. „Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange – in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre wird sich dieser Trend fortsetzen“, so IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

„Schwindet das Wachstum, schwindet die Quelle für Wohlstandszuwächse und die ökonomischen Verteilungskonflikte nehmen zu. Die Sozialkassen müssen mit weniger Einnahmen höhere Ausgaben stemmen, das gilt insbesondere für die Rentenkasse. Hierauf ist Deutschland nur unzureichend vorbereitet, vielleicht eines der größten Versäumnisse der Ära Merkel.“

Die Corona-Krise schwächt Deutschlands Wachstumsaussichten dagegen kaum. Nach jetzigen Erkenntnissen wurde das Produktionspotenzial deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen, als bei anderen Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit.

Publikation

Martin Ademmer, Dominik Groll, Nils Jannsen et. al. (2021): Konjunkturbericht: Demografie zehrt zunehmend am Wirtschaftswachstum, in: Kieler Konjunkturberichte Mittelfristprojektion, Nr. 84. 

Weitere Informationen und Kontakt 

www.ifw-kiel.de