
EFI-Gutachten 2026

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) unter Vorsitz von ZEW-Ökonomin Irene Bertschek übergibt ihr Jahresgutachten an die Bundesregierung – und spricht Empfehlungen aus.
11.02.2026 · News · ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Forschungsergebnis · Menschen
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute ihr Jahresgutachten an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär übergeben. Die EFI-Kommission legt der Bundesregierung jährlich einen Bericht zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor und entwickelt Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovations-Politik (F&I).
Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ am ZEW Mannheim, Vorsitzende der EFI-Kommission sowie Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sagt: „Das deutsche F&I-System steht vor großen Herausforderungen. Wir müssen gezielt auf Schlüssel- und Zukunftstechnologien setzen, ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen und überflüssige Bürokratie abschaffen. Die schwarz-rote Bundesregierung hat hier bereits erste wichtige Schritte getan: Mit der Hightech Agenda Deutschland sendet sie ein klares Bekenntnis zur Priorität von F&I aus und legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz. Zudem unterstreicht die Einrichtung des Ministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung den ernsthaften Willen der Regierung, die Digitalisierung in Deutschland konsequent voranzutreiben und administrative Hemmnisse systematisch abzubauen.“
Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und designierter Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, ergänzt: „Künstliche Intelligenz und andere Schlüsseltechnologien revolutionieren unsere Wirtschaft und Gesellschaft – Deutschland und Europa dürfen bei dieser Entwicklung nicht den Anschluss verlieren. Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, braucht es jetzt klare Prioritäten: Wir sollten nicht nur nationale, sondern vor allem europäische Kräfte bündeln, gezielt in Rechenkapazitäten und Innovation investieren und gleichzeitig innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen – etwa durch attraktive Standorte, schlanke Verfahren und eine ausgewogene Balance von Datenschutz und Innovationsfähigkeit. Entscheidend ist, dass wir Projekte mit Strahlkraft vorantreiben, die technologische Souveränität stärken und den Wandel so gestalten, dass Unternehmen wie Beschäftigte nachhaltig profitieren. Es gilt, nicht auf perfekte Lösungen zu warten: Jetzt ist der Moment, entschlossen zu handeln und gemeinsam Fortschritt zu ermöglichen.“ Als Mitglied der EFI-Kommission verantwortete Christoph M. Schmidt gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Henkel das Thema „Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland und Europa“.
Hightech Agenda Deutschland
Die Kommission befürwortet, dass sich die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) auf die Schlüsseltechnologien Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie sowie Technologien für klimaneutrale Energieerzeugung und Mobilität fokussiert. EFI-Analysen weisen allerdings auf Schwächen in der Entwicklung und Anwendung von Schlüsseltechnologien hin. Die Experten/-innen empfehlen, deren Diffusion systematisch zu erfassen und die HTAD aktiv zur Mobilisierung von Wirtschaft und Wissenschaft zu nutzen.
Bertschek: „Der Erfolg der Hightech Agenda hängt nicht allein vom Handeln der Bundesregierung ab. Entscheidend ist auch das Engagement der Akteure im deutschen F&I-System. Diese gilt es zu mobilisieren. Darüber hinaus gilt es, die gesellschaftliche Akzeptanz und Offenheit gegenüber neuen Technologien zu stärken. Über Chancen und Risiken neuer Technologien muss nachvollziehbar und wissenschaftlich fundiert informiert werden.“
Innovationen im Mittelstand
Da Mittelständler, bei denen Eigentum und Geschäftsführung zusammenfallen, den Großteil der Unternehmen in Deutschland ausmachen, ist deren Innovationstätigkeit für die Innovationslandschaft in Deutschland maßgeblich. Unter Berücksichtigung von Eigenschaften wie Unternehmensgröße oder Branchenzugehörigkeit gelang es mittelständischen Unternehmen im Zeitraum 2005 bis 2023 häufiger als vergleichbaren nicht-mittelständischen Unternehmen, Produkt- oder Prozessinnovationen einzuführen. Bemerkenswert ist zudem, dass sie trotz geringerer Innovationsausgaben höhere Umsatzanteile mit Produktinnovationen erzielen konnten. Ihre Innovationsfähigkeit kommt jedoch angesichts von Hemmnissen wie Fachkräftemangel oder Bürokratie nur eingeschränkt zur Entfaltung.
„Mittelständische Unternehmen stoßen bei der Umsetzung innovativer Ideen an administrative und personelle Grenzen. Für eine Stärkung der Innovationskraft müssen Maßnahmen zur Innovationsförderung, zum Abbau bürokratischer Belastungen und zur Fachkräftesicherung umgesetzt werden“, so Bertschek.
EFI-Gutachten 2026
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) leistet seit 2008 wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung. Prof. Dr. Irene Bertschek vom ZEW Mannheim ist seit 2019 Mitglied der EFI, seit 2025 ist sie Vorsitzende des sechsköpfigen Gremiums.
2026 stellt die Kommission folgende aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in den Fokus:
- Umsetzung der Hightech Agenda Deutschland
- Sicherheitsrelevante Forschung und Innovation
- Europäische Forschungs- und Innovationspolitik
- 28. Regime für den europäischen Binnenmarkt
Zudem werden folgende Kernthemen behandelt:
- Innovation im Mittelstand
- Wettbewerb und Innovation im deutschen Hochschulsystem
- Entwicklungen und Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in Deutschland und Europa
Zu allen Kapiteln veröffentlicht die EFI-Kommission jeweils eigene Mitteilungen. Der gesamte Bericht wird von der Kommission zur Verfügung gestellt.
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Pressemitteilung des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung