Für Wissenschaftsfreiheit und Innovationskraft

Als eine von 23 Organisationen hat die Leibniz-Gemeinschaft das Positionspapier "Freie Wissenschaft – Erfolgreiche Wirtschaft – Starkes Deutschland" des Berliner Forschungsnetzwerks unterzeichnet.

02.09.2026 · News · Gemeinschaft

Wir veröffentlichen das Positionspapier an dieser Stelle im Wortlaut.

Freie Wissenschaft –
Erfolgreiche Wirtschaft –
Starkes Deutschland

Deutschland braucht eine exzellente Wissenschaftslandschaft und starke innovative Unternehmen. Gemeinsam bilden diese das Fundament für Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität in Deutschland. Forschung, Entwicklung und industrielle Umsetzung sind unabdingbar, um die Innovationskraft Deutschlands zu verteidigen und auszubauen. Doch unser Land steht vor einer Bewährungsprobe: Der internationale Wettbewerb um Technologien, Talente und Wertschöpfung nimmt zu. Zugleich geraten unsere offene Gesellschaft und ihre Institutionen unter Druck. Wissenschafts- und demokratiefeindliche Kräfte versuchen, Ergebnisse, Themen und Bereiche der Forschung zu delegitimieren, einzuschränken oder ideologisch zu beeinflussen. Das gefährdet die Freiheit der Wissenschaft, die Resilienz unserer Demokratie, die Innovationskraft unserer Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes. Die unterzeichnenden Organisationen fordern nachdrücklich, die Freiheit der Wissenschaft zu schützen.

Wissenschaft ist die systematische und methodisch nachvollziehbare Erforschung der Welt. Laufend kommen neue Erkenntnisse hinzu, die vorheriges Wissen ergänzen, bestätigen, in Frage stellen oder widerlegen. Ihre Ergebnisse sind nie endgültig: Sie werden veröffentlicht, überprüft, hinterfragt und weiterentwickelt. So entsteht belastbares Wissen als Grundlage für politische Entscheidungen, für Fortschritt und Innovation. Wissenschaft lebt von der Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse, der Nachvollziehbarkeit ihrer Methoden, von Transparenz, Verantwortung und Freiheit. Forschung schafft oft völlig neues Wissen und legt die Basis für neue Anwendungsgebiete und Wertschöpfungsfelder, in denen Produkte entstehen, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes ausbauen.

Durch direkte Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, durch Patente und Ausgründungen sind viele Technologien und Verfahren entstanden, die heute die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland bilden. Der volkswirtschaftliche Nutzen von Forschung ist messbar: Allein jeder in Hochschulstandorte investierte Euro schafft einen vielfachen ökonomischen Mehrwert. Aktuelle Beispiele für die Wertschöpfung aus der Forschung sind: Modelle für KI-optimierte Arbeitsprozesse für kleinere und mittlere Unternehmen, Design von Mikroprozessoren, funktionale Materialien für effiziente Wasserstoff- und Energietechnologien, Medikamente auf mRNA-Basis gegen Infektionen und Krebs, Sensoren für klimaintelligente Landwirtschaft, raumtemperaturfähige Quantencomputer oder KI-basierte Automatisierungssoftware für Anruf- und Prozessbearbeitung im Gesundheitsbereich. Die Beispiele ließen sich endlos fortführen.

Wissenschaft kennt keine nationalen Grenzen. Rund die Hälfte aller deutschen Publikationen entsteht mit internationalen Co-Autorinnen und Co-Autoren; etwa 400.000 internationale Studierende und Promovierende an unseren Hochschulen machen Deutschland zu einem der beliebtesten Studienziele weltweit. Zudem treiben rund 70.000 wissenschaftliche und künstlerische Beschäftigte mit ausländischer Staatsbürgerschaft Lehre, Forschung und Transfer an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen voran. In internationalen Netzwerken entsteht wissenschaftlicher Fortschritt. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil herausragender Forschung. Davon profitieren insbesondere die forschungsintensiven Branchen in Deutschland. Sie sind auf den globalen Austausch von Wissen, Talenten und Technologien sowie – gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels – auf die Zuwanderung Studierender und hochqualifizierter Forschender angewiesen, um Innovationen hervorzubringen, internationale Märkte zu erschließen und hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Fremdenfeindliche Tendenzen erschweren oder verhindern gar die Anwerbung internationaler Talente. Fremdenfeindlichkeit darf auch deswegen in unserem Land keinen Platz haben.

Wissenschaft ist unersetzlicher Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie ermöglicht eine evidenzbasierte und deshalb belastbare demokratische Willensbildung. Zudem öffnet sie neue Lösungsräume, um Wohlstand zu erhalten. Ihre Freiheit ist grundgesetzlich verbrieft. Bildung, Forschung und Innovation sind unser größtes Kapital, Grundlage unseres Wohlstands und kultureller Errungenschaften. Deshalb dürfen wir Wissenschaftsfeindlichkeit keinen Raum geben. Wer wissenschaftliche Ergebnisse delegitimiert, Forschende diskreditiert oder Forschung politisch manipuliert, schwächt das Wissenschaftssystem, bedroht das Fundament unserer Gesellschaft und gefährdet unseren Wohlstand.

Die unterzeichnenden Organisationen setzen sich dafür ein,

  • Forschungsfragen nach wissenschaftlichen Maßstäben zu beantworten, 
  • wissenschaftliche Methoden und Ergebnisse zu schützen und der Diskreditierung von Forschung und Forschenden entgegenzutreten,
  • unabhängige Begutachtungs- und Selbstverwaltungsstrukturen der Wissenschaft zu achten und zu stärken,
  • das Vertrauen in evidenzbasierte Erkenntnisse zu fördern sowie
  • eine offene Gesellschaft mit Willkommenskultur zu leben und zu schützen.

Wissenschaft und Forschung brauchen Freiheit. Eine fortschrittliche, resiliente Demokratie und eine moderne, international kompetitive Wirtschaft brauchen eine freie Forschung. Wer versucht, die Wissenschaft zu instrumentalisieren, versperrt einer freien Gesellschaft die Zukunft.

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Positionspapier (PDF)