Vom Modell zur Politikberatung

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Foto ARTHUR LAMBILLOTTE

Forschende simulieren, wie sich wirtschaftspolitische Maßnahmen auf Einkommen und Konsum auswirken. Ihr neues ökonomisches Modell setzten sie bei der Beratung des Finanzministeriums ein.

09.01.2026 · News · DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Projekte

Ein Team um den Wirtschaftswissenschaftler Alexander Kriwoluzky hat ein Modell entwickelt, mit dem die Forschenden simulieren und untersuchen können, wie sich wirtschaftspolitische Maßnahmen auf die Einkommen und den Konsum der privaten Haushalte auswirken. Das Besondere: das Team konnte das Modell konkret bei der Beratung des Finanzministeriums einsetzen.

Im Beratungsprojekt ging es um die Auswirkungen des Energiepreisschocks seit Herbst 2022. Das Bundesfinanzministerium hatte die Forschenden beauftragt, das Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Entlastung der Haushalte von der Übernahme der Gasanbieter über die Wohngeldreform bis zum 9-Euro-Ticket, vor allem aber der Gaspreisbremse, zu evaluieren. Dabei sollten die Auswirkungen auf Haushalte mit unterschiedlich hohem Einkommen und Vermögen und unterschiedlich hohem Energiekonsum untersucht werden.

Mithilfe des Modells konnte das Team bestätigen, dass die Gesamtwirkung der Maßnahmen, gemessen an der kumulierten Änderung des Bruttoinlandsprodukts, nach 2, 5 und 10 Jahren jeweils positiv ist. Besonders positiv wirkten die steuerlichen Entlastungsmaßnahmen, jedoch profitierten davon die einkommensstärkeren Haushalte etwas mehr als die einkommensschwächeren Haushalte. Hingegen kamen einkommensschwächeren Haushalte eher Maßnahmen zugute, die das Angebot an Energie sicherstellten und den Konsum von Energie verbilligten. Die Transferzahlungen für die deutschen Energieverbrauchenden federten die hohen Kosten auf der einen Seite ab, setzten aber auch Anreize zum Sparen von Energie. Das hat geholfen, die Energienachfrage zu senken und die Energiepreise in ganz Europa nicht zu stark steigen zu lassen.

Seine Erfahrungen nutzt das Team, um über die Bedingungen gelingender Politikberatung nachzudenken: auf der Abschlusskonferenz zum Forschungsprojekt reflektierte der Co-Projektleiter Christian Bayer diese Frage mit Stefan Profit vom Bundesministerium der Finanzen und Claudia Buch, der Vorsitzenden des EZB-Bankenaufsichtsrates. Unter anderem würde es demnach helfen, die Infrastrukturen für evidenzbasierte Politik zu verbessern und wissenschaftliche Publikationen in geeigneten Repositorien zur Verfügung zu stellen. Auch seien Konsultationen eine niedrigschwellige Möglichkeit, wissenschaftliche Expertise in Prozesse der Politikgestaltung einzubringen. Vor allem sei auch ein tiefes Verständnis für die jeweiligen Kontextbedingungen in Wissenschaft und Politik wichtig.

Das Modell wurde im Rahmen des vom Leibniz-Wettbewerb geförderten Projekts „Distributional effects of macroeconomic policies in Europe“ entwickelt. Alexander Kriwoluzky und das Projekt werden auch in der Broschüre „Facetten der Forschungsförderung im Leibniz-Wettbewerb“ vorgestellt.

Weitere Informationen

Publikation Politikberatung kompakt