Corona-Forschung: Beiträge der Natur- und Lebenswissenschaften
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist eingebunden in die SARS-CoV-2-Diagnostik, unter anderem mit seinen mobilen Laboren. Es führt epidemiologische Studien zur Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen in Hamburg und Afrika durch, bildet Laborpersonal aus und ertüchtigt Labore in verschiedenen afrikanischen Ländern in der Diagnostik von SARS-CoV-2. Das BNITM beteiligt sich an Placebo-kontrollierten multizentrischen Medikamentenstudien und entwickelt verbesserte Diagnostika. Zusätzlich werden Kleintiermodelle etabliert zum Studium der Pathogenese von COVID-19 und zur in-vivo-Validierung neuer Wirkstoffe. Das BNITM ist beteiligt am Projekt COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO), das Wissen, Risikowahrnehmung, Schutzverhalten und Vertrauen während des aktuellen COVID-19-Ausbruchsgeschehens untersucht.
Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) bietet gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Helmholtz Zentrum München umfangreiche und allgemeinverständliche Informationen zum Coronavirus SARS-CoV-2 für Menschen mit Diabetes an. Die Informationen werden auf dem neuen und unabhängigen nationalen Diabetesinformationsportal diabinfo.de zur Verfügung gestellt. Das Portal ist eine online-basierte Plattform mit qualitätsgesicherten Informationen über Diabetes mellitus und wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert.
Als eines von insgesamt 18 Studienzentren beteiligte sich das am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) angesiedelte NAKO-Studienzentrum in Berlin-Steglitz an einer Befragung aller Teilnehmenden der NAKO Gesundheitsstudie, um Erkenntnisse über die Verbreitung, den Verlauf und die Auswirkungen von COVID-19 in Deutschland zu gewinnen. Da aktuelle Daten zur Gesundheit der Bevölkerung unmittelbar vor und zu Beginn der Pandemie vorliegen, bietet sich die bundesweite Kohortenstudie mit 200.000 teilnehmenden Männern und Frauen für diese Untersuchung besonders gut an. Die 10.000 Probandinnen und Probanden des NAKO-Studienzentrums Berlin-Süd/Brandenburg gaben in dem 13-seitigen Fragebogen unter anderem Antworten zum Einfluss der Corona-Pandemie auf ihr Ernährungsverhalten, ihren Alkoholkonsum und ihre körperliche Aktivität. Erste Ergebnisse zum Einfluss der Pandemie auf die selbsteingeschätzte Gesundheit wurden Ende 2020 im Deutschen Ärzteblatt publiziert. Die DIfE-Forschenden haben innerhalb der NAKO-Expertenkommission bei der Erstellung des COVID-19-Fragebogens mitgewirkt. Eine zweite Fragerunde für 2022 ist derzeit in Planung.
Des Weiteren haben DIfE-Forschende an Open-Access-Publikationen zu folgenden Themen im Zusammenhang mit COVID-19 mitgearbeitet:
- Virale Infiltration von Beta-Zellen bei Patienten mit COVID-19
- Extrakorporale Apherese (Blutwäsche) bei Long-COVID-Patienten
- Neuausrichtung der mikrobiellen Biotechnologie gegen COVID-19 am Beispiel der mikrobiellen Produktion von Flavonoiden
- Nasopharyngeales Mikrobiom von COVID-19-Patienten
- Übergewicht, Stoffwechselgesundheit und COVID-19
Die intensive Grundlagenforschung des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) zielt darauf ab, die Vermehrung von SARS-CoV-2 im Menschen zu stoppen sowie neue Therapien und Impfstoffkandidaten zu identifizieren. Im Rahmen einer Kooperation konnten der Eintrittsmechanismus des Virus in Wirtszellen entschlüsselt und potenzielle Medikamente ausfindig gemacht werden, die diesen Prozess blockieren. Darüber hinaus haben die Infektionsforscherinnen und -forscher nachgewiesen, dass einige Virusvarianten Lungen- und Darmzellen besser infizieren können als das Ursprungsvirus. Das Land Niedersachsen unterstützt die Coronavirus-Forschung am DPZ mit über drei Millionen Euro für die Entwicklung und Testung präventiver und therapeutischer Maßnahmen an verschiedenen Tiermodellen. Zudem ist das DPZ Partner im COVID-19 Forschungsnetzwerk Niedersachsen (COFONI), das darauf abzielt, Impfstoffe gegen Virusvarianten zu entwickeln, den Verlauf und die Langzeitfolgen einer Erkrankung sowie die Impfung von Risikogruppen zu untersuchen. In zwei BMBF-geförderten Kooperationsprojekten erforschen die DPZ-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler einen Wirkstoff zur inhalativen Anwendung und untersuchen die Empfänglichkeit von Haus-, Nutz- und Wildtieren für eine Infektion. Das DPZ stellt Probenmaterial für andere Forschungseinrichtungen weltweit zur Verfügung, um die Suche nach neuen Therapien und Impfstoffen voranzutreiben.
Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) bietet ein weltweit einzigartiges Arsenal zur Untersuchung menschlicher Immunreaktionen gegen SARS-CoV-2 und zur Gewinnung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Es wird untersucht, welche Gene exprimiert werden, welche Rolle sie spielen, wie sie aktiviert wurden, und ob sie ein immunologisches Gedächtnis verkörpern. Forschende des DRFZ und der Charité zeigten kürzlich, dass das Virus bei schweren Krankheitsverläufen eine über Monate andauernde Immunreaktion auslöst, die sich am Ende gar nicht mehr gegen das Virus selbst richtet und von einem bestimmten Botenstoff gesteuert wird.
Die epidemiologischen Forschungsgruppen am DRFZ beteiligten sich am Aufbau nationaler und internationaler Datensammlungen und Register, um für PatientInnen mit verschiedensten rheumatischen Erkrankungen die dringenden Fragen ihres spezifischen Risikos für einen schweren Krankheitsverlauf zu untersuchen. Es wurde bereits klar, dass PatientInnen mit rheumatischen Erkrankungen weniger durch die rheumatische Grunderkrankung gefährdet sind, sondern mehr durch Begleiterkrankungen. Das Risiko schwer an COVID-19 zu erkranken ist zudem für PatientInnen höher, deren rheumatische Grunderkrankung nicht gut unter medikamentöser Kontrolle ist.Näheres zu diesen und weitere Forschungsergebnisse des DRFZ zu SARS-CoV-2 sowie Podcasts, Interviews und Weiteres finden Sie auf dieser Seite:
Das Verbundprojekt CORSA untersucht, wie SARS-CoV-2 und weitere Atemwegsviren auf Oberflächen und Haut mittels UVC-Licht unschädlich gemacht werden können. Gemeinsam mit Partnern entwickelt das Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik geeignete LEDs und erforscht die optimalen Wellenlängen und Bestrahlungsdosen.
Der Wirkstoff Favipiravir wird als ein Kandidat für ein Medikament gegen COVID-19 gesehen. Eine Fallstudie von FIZ Karlsruhe untersucht die Patentsituation des Wirkstoffs mithilfe des Informationsservices STN. Dieser weltweit genutzte Informationsservice mit den Schwerpunkten Forschungs- und Patentliteratur, chemische Strukturen, Sequenzen und Materialeigenschaften liefert valide Informationen. Fragen nach der aktuellen Patentsituation, z. B. nach den Rechteinhabern oder der Dauer des verbliebenen Patentschutzes in verschiedenen Ländern, müssen klar beantwortet werden. Die Studie von FIZ Karlsruhe zeigt am Beispiel des Medikaments Avigan (Wirkstoff: Favipiravir), das gegen die Vogelgrippe und Ebola entwickelt wurde, wie diese Fragen mittels einer umfangreichen Recherche in den STN-Patentdatenbanken beantwortet werden können.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen und Patente im Zusammenhang mit Ereignissen von Coronavirus-Ausbrüchen, insbesondere SARS-COV-1 und MERS, können wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden gegen COVID-19 liefern. Die Recherche in hunderten bis tausenden Patentdokumenten ist eine schwierige Aufgabe. Daher erforscht und entwickelt das FIZ Karlsruhe neue semantische Methoden für die Suche und Analyse von Patentinformationen und wissenschaftlichen Texten.
Das Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) arbeitet und forscht in mehreren Bereichen zu COVID-19, unter anderem an diagnostischen Testverfahren. So werden z.B. die Sequenzbereiche des SARS-2 Spike-Glykoproteins bestimmt, die von Antikörpern aus genesenen COVID-19-Patienten aber nicht von solchen aus Serumproben (Biobankmaterial) vor dem Ausbruch von COVID-19 erkannt werden. Dieser Ansatz soll dabei helfen herauszufinden, ob bereits früher eine kreuzreaktive Immunität bestand. In Proben aus COVID-19 Patienten werden die Virusgenome vergleichend analysiert, um ihre Diversität zu erfassen. Für Untersuchungen zum Verhalten von Coronavirus-haltigen Aerosolen in der Luft plant das FZB mit dem Leibniz-Institut TROPOS zu kooperieren.
Aktuelles: Die an das FZB angeschlossene Lungenfachklinik führt in einem „Corona-Drive-Thru“ ambulante Testungen auf SARS-CoV-2 durch. Soeben wurde der Startschuss zu einer großen COVID-19-Antikörper-Studie in Lübeck unter Beteiligung des FZB gegeben. Das BMG fördert ein Forschungsprojekt zu Covid-19, das das FZB gemeinsam mit dem BNITM und dem HPI durchführt.
Am Leibniz-Institut für Virologie (LIV) arbeitet man an der Entwicklung neuer Antiviralia und Therapiemaßnahmen gegen COVID-19 als Blueprint für künftige respiratorische Viren in Pandemien. Dazu werden neue Infrastrukturen und Kapazitäten für die Diagnostik geschaffen, präklinische Studien durchgeführt, die Biologie und Pathogenität von SARS-CoV-2 im Vergleich zu SARS-CoV, anderen CoVs und Influenza-Viren untersucht. Ein Ziel der Untersuchungen ist unter anderem die Erforschung des Immunsystems zur Beantwortung der Frage, warum das Immunsystem von älteren Menschen und von Männern weniger gut mit der Erkrankung zurechtkommt.
Aktuelles:Das LIV und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben ihre Expertisen gebündelt und zusammen eine „Surveillance“ Plattform aufgebaut. Diese Plattform wurde bereits erfolgreich zur Untersuchung einer Reihe von Infektionsclustern eingesetzt. In einem weiteren LIV & UKE-Projekt soll der Ursprung von SARS-CoV-2-Varianten untersucht werden.
Im Rahmen des vom BMBF geförderten nationalen Forschungsverbundes InfectControl arbeitet das HPI gemeinsam mit Partnern an einem neuartigen Ansatz das menschliche Immunsystem dazu zu bringen, das Virus eigenständig zu erkennen und zu beseitigen.
Zudem ist das LIV zusammen mit weiteren Leibniz-Partnern (INP, FZB) an dem Projekt „PlasmaplusCorona (PPC)“ beteiligt, welches an einer technischen Lösung zur lokalen Behandlung des SARS-CoV-2-infizierten Atemtraktes forscht.
Forschende am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) untersuchen neue Ansätze in der COVID-19-Diagnostik und –therapie, unter anderem im neuen Verbundprojekt der Berlin University Alliance. Gemeinsam mit anderen prominenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Berliner Universitäten und des Robert Koch-Instituts sollen potentielle Wirkstoffe gegen COVID-19 erforscht werden. Ein Ergebnis gemeinsamer Berliner Forschungsaktivitäten sind neue antivirale Substanzen, die aktuell in der Fachliteratur beschrieben sind.
Zudem testen die Forschenden am FMP Substanzen, die die Virusaufnahme in Lungenepithelzellen verhindern. Um eine Diagnostik in der Breite der Bevölkerung zu unterstützen, entwickelt das FMP einen Schnelltest.
Mit Blick auf die Frage, wie umhüllte Viren in die Zellen gelangen, soll die Struktur des Virus mittels Kernspinresonanz (NMR/Englisch nuclear magnetic resonanz) untersucht werden. Außerdem soll die Struktur und Dynamik viraler Membranproteine mittels NMR erforscht werden, da sie Ziele für antivirale Hemmstoffe darstellen.
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) forscht in verschiedenen Arbeitsgruppen zu Veränderungen des Immunsystems, insbesondere im Alter. Diese Kompetenzen möchte das FLI in die Corona-Forschung einbringen: Geplant ist eine Langzeit-Untersuchung der Immunantworten gegen SARS-CoV-2 vom Krankheitsbeginn über möglichst drei Jahre hinweg mit folgenden Fragestellungen im Fokus: Wie langfristig ist die Immunantwort nach einer Infektion? Wie unterscheidet sich die Immunantwort älterer (>65 Jahre) Patienten von der Immunantwort jüngerer Patienten (<40 Jahre)? Auch Modellierungsversuche über den Pandemieverlauf sollen helfen, unterschiedliche Entwicklungen in Bundesländern, Landkreisen etc. aufzuklären.
Am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung (IfADo) startete eine Tagebuchstudie zu Corona-bedingtem Homeoffice. Im Rahmen der Tagebuchstudie werden Anpassungsprozesse an die Situation im Homeoffice bei Mitarbeitern untersucht, für die diese Situation bislang ungewohnt ist.
In der Dortmunder Vitalstudie untersucht das IfADo die Auswirkungen und Zusammenhänge endogener und exogener Einflussfaktoren auf die Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit beim Menschen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Umgang mit Stress, der z.B. durch Corona-bedingte Einschränkungen ausgelöst wird. In der laufenden Erhebung werden deshalb Pandemieauswirkungen auf wesentliche Aspekte des Lebens erfasst und auf bereits vorher erhobene Daten der Probanden bezogen. Analysiert werden Zusammenhänge zwischen den Auswirkungen der Corona-Krise auf das Verhalten und Erleben der Befragten mit Stresserleben, Persönlichkeit, aber auch Immunstatus und Genetik.
Die Abteilung Immunologie des IfADo entwickelt neue Testverfahren zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Diese Testverfahren sollen eingesetzt werden um (i) Personen zu identifizieren, die (eventuell sogar unbemerkt) mit SARS-CoV-2 infiziert waren und um (ii) Studien darüber durchzuführen, welche Art und Konzentration von Antikörpern für eine Immunität gegen SARS-CoV-2 von Bedeutung sind. Ab Juni 2021 werden dazu zusätzlich in einem übergreifenden Verbundprojekt (gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften - ISAS, Dortmund und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf - UKE, gefördert durch die VolkswagenStiftung, Laufzeit 18 Monate) neuartige Teststrategien zur SARS-CoV-2-Virus-Surveillance und Immunitätsbestimmung entwickelt
Ein stark gestörtes Geruchs- und Geschmacksempfinden ist das vorherrschende neurologische Symptom einer COVID-19-Erkrankung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen dabei davon aus, dass das SARS-CoV-2-Virus die chemosensorische Wahrnehmung über andere Mechanismen beeinträchtigt als es gewöhnliche Erkältungsviren tun. Um diese auf molekularer Ebene zu erforschen und so eine wissenschaftliche Basis für neue Therapieansätze und Testmöglichkeiten zu erstellen, hat das Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie Fördergelder vom Bayerischen Wirtschaftsministerium für ein im Juni 2020 gestartetes Forschungsprojekt erhalten. Im Rahmen des MCGG-SARS-CoV-2-Projekts arbeitet das Institut eng mit der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Wien zusammen.
Darüber hinaus ist Dr. Antonella Di Pizio ein Mitglied des Konsortiums Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), das eine weltweite Studie durchführt, um die möglichen Beziehungen zwischen Atemwegserkrankungen (z. B. COVID-19, Influenza, Erkältung) und deren Auswirkungen auf die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung zu bewerten. Erste Ergebnisse zu Genesungsmustern finden Sie hier.
Das Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) widmet sich der Identifizierung neuer Naturstoffe aus Mikroorganismen und deren Entwicklung zu Leitstrukturen für therapeutische Anwendungen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-HKI schöpfen hierfür aus einer umfangreichen Naturstoffbibliothek und entdecken kontinuierlich neue niedermolekulare Substanzen, die im Rahmen mikrobieller Interaktionen gebildet werden. Die breite biologische Profilierung dieser Naturstoffe und auch zahlreicher Synthetika erfasst antivirale Aktivitäten, unter anderem in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, gegen SARS-CoV-2.
Aktuelles: Im Rahmen des vom BMBF geförderten nationalen Forschungsverbundes InfectControl arbeitet das Leibniz-HKI gemeinsam mit Partnern an einer zielgerichteten Therapie gegen SARS-CoV-2. Ziel des Projekts ist es, mit einem neuartigen Ansatz das menschliche Immunsystem dazu zu bringen, das Virus eigenständig zu erkennen und zu beseitigen.
Das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) verfügt über ein einzigartiges Arsenal pflanzlicher, pilzlicher und synthetischer Wirkstoffe, die durch spezielle Methoden für neue Erreger und für die Anwendung im Menschen optimiert werden können. Im Rahmen des Leibniz-Forschungsverbunds Wirkstoffe und Biotechnologie werden diese Substanzen jetzt auch gegen die Infektions- und Vermehrungsprozesse des neuen SARS-CoV-2 getestet.
In einem zweiten Ansatz widmen wir uns Adjuvantien für die Immuntherapie. Um eine gute Immunisierung zu erreichen, reicht es nicht, nur passende Antigene zu injizieren (z.B. abgetötete Viruspartikel), sondern das Immunsystem benötigt oft einen zusätzlichen "Schubs", um eine ausreichende Immunantwort zu erzeugen. Das wird mit Adjuvantien erreicht. Das IPB hat eine Technologie entwickelt, neuartige, überdurchschnittlich aktive Adjuvantien in großer Variationsbreite hochrein zu erzeugen. Unsere Adjuvantien sollen helfen, schnell die richtige Immunantwort herbeizuführen.
Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) entwickeln lichtbasierte Technologien, um dem Coronavirus auf den Grund zu gehen. Sie arbeiten an diagnostischen Testverfahren und haben Anfang April 2020 einen der ersten Antikörpertests mit entwickelt.
Ein Forschungsteam vom Leibniz-IPHT und dem Universitätsklinikum Jena entwickelt mithilfe von spektroskopischen Methoden ein prognostisches Modell, um schwere Covid-19-Krankheitsverläufe früh vorauszusehen.
Infrarotsensoren aus dem Leibniz-IPHT kommen in Beatmungsgeräten zum Einsatz. Die am Institut entwickelten und gefertigten Sensoren messen den CO₂-Anteil in der Atemluft; dies liefert Rückschlüsse auf die Atemfrequenz und die Sauerstoffzufuhr.
SARS-CoV-2 oder Grippe? Ein interdisziplinäres Forschungsteam vom Leibniz-IPHT entwickelt eine optische Methode, um Viren schnell und strukturspezifisch zu charakterisieren.
Um sichtbar zu machen, wie das Coronavirus in die Zelle eindringt und seine Angriffspunkte zu identifizieren, untersuchen Forschende des Leibniz-IPHT die molekulare Struktur und Dynamik des Virus mittels superauflösender Fluoreszenz-STED-Mikroskopie. Diese umgeht die Auflösungsgrenze der optischen Mikroskopie und macht es möglich, dynamische Prozesse in den winzig kleinen Viren detailliert sichtbar zu machen.
Das Faserphotonik-Team vom Leibniz-IPHT hat gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Spezialfaseroptik eine mikrostrukturierte Hohlkern-Faser entwickelt, um Viruspartikel von SARS-CoV-2 zu charakterisieren und ihre Dynamik über lange Zeiträume zu beobachten.
Im BMBF-geförderten Projekt „PlasmaplusCorona (PPC) - Plasmabasierte Desinfektion des Respirationstraktes zur Senkung der SARS-CoV-2-Viruslast in vitro und in vivo“ erforscht das INP zusammen dem Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Lungenzentrum (FZB) sowie dem Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) in Hamburg eine plasmabasierte technische Lösung zur lokalen Behandlung des Respirationstraktes. Dabei geht es um den breiten Wirksamkeitsnachweis zur Reduktion der Viruslast und dabei insbesondere um umfassende präklinische Untersuchungen zur Verträglichkeit entsprechender Anwendungen im klinischen Kontext. Die Untersuchungen dienen der Schaffung wissenschaftlich technischer Voraussetzungen für die spätere Entwicklung eines plasmabasierten Medizinproduktes.
Im Mittelpunkt des BMBF-Projektes „Plasmabasierte Desinfektion medizinischer Bedarfsartikel mit Schwerpunkt medizinischer Schutzausrüstung (PlaVir)“ steht die Entwicklung eines plasmabasierten, SARS-CoV-2-viruzid wirksamen, hygienischen Verfahrens zur Behandlung von Medizinprodukten oder medizinischen Bedarfsartikeln. Zum einen stehen Untersuchungen zur antimikrobiellen Wirksamkeit reaktiver Plasma-Stickstoffspezies auf das zu behandelnde Material im Fokus. Zum anderen stehen Entwicklung und Aufbau zweier Atmosphärendruck-Plasma-verfahren auf Basis reaktiver Sauerstoffspezies im Zentrum. Dazu werden zwei bezüglich ihrer Entladungscharakteristiken (dielektrische Barriere-Entladung und lichtbogenartige Entladung) unterschiedliche Anlagen entwickelt und auf ihre Eignung hinsichtlich eines Batch- und Durchlaufbetriebes evaluiert.
Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) bringt seine epidemiologische Expertise in Forschung und Beratung von Politik und Bevölkerung ein. Dazu gehört die Planung und Durchführung von epidemiologischen Studien: z.B. einer Kohortenstudie in Bremen zum Erkrankungsverlauf bei Personen mit einer COVID-19-Erkrankung bzw. einem positiven Test auf SARS-CoV-2, oder einer internationalen Studie zur mentalen Gesundheit von Studierenden in Zeiten vor und während der Pandemie. Außerdem berät das BIPS die Bremer Senatorin für Gesundheit und arbeitet am Kompetenznetz Public Health zu COVID-19, einem Zusammenschluss von über 25 Fachgesellschaften aus dem Bereich Public Health, mit. Auf der BIPS-Webseite finden sich wissenschaftliche und praktische Informationen, etwa zu Schutzmasken und Aktivitätsmöglichkeiten.
Am Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) werden aktuell mehrere Studien und Forschungsprojekte zu COVID-19 durchgeführt. So analysiert das COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO) die psychische Belastung sowie die Risikowahrnehmung und das Wissen über das SARS-CoV-2-Virus in Deutschland. Das LIR untersucht zusammen mit dem vom LIR geleiteten EU Projekt DynaMORE die psychische Belastung in der Allgemeinbevölkerung (hier kann jeder online oder via App teilnehmen) und in Gesundheitsberufen.
In der LORA-COVID-Studie werden 500 von 1.200 Probanden aus der seit etwa zwei Jahren laufenden LORA-Studie (Longitudinal Assessment of Resilience des SFB 1193) wöchentlich bezüglich Stress, Resilienz und psychischer Belastung durch die Coronakrise befragt. Zudem wird das Online-Training "Auf Kurs bleiben - Kompakt" angeboten. Weiterhin stellt das Institut Hilfestellungen und Empfehlungen zum Umgang mit den psychischen Folgen der Corona-Pandemie zur Verfügung.
Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) hat aufgrund seiner wissenschaftlichen Expertise zur Situation der Luftverschmutzung in Zeiten des SARS-CoV-2-Virus Stellung bezogen. Das Statement „Corona-Lockdown-Luftqualität am Ort resultiert immer aus der Kombination von Emissionen, chemischen Prozessen und Schadstoff-Transport“ kann hier heruntergeladen werden.
Da Aerosole bei der Übertragung des SARS-CoV-2-Virus eine wesentliche Rolle spielen, beteiligt sich das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) aktiv an der Aufklärungsarbeit zum Übertragungsrisko durch Viren in Aerosolen der Innenraumluft. Der Arbeitsausschuss Feinstäube (AAF) und die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) haben im Dezember 2020 zwei Stellungnahmen veröffentlicht, an den TROPOS-Forschende wesentlichen Anteil haben. Beide Positionspapiere fassen leicht verständlich den aktuellen Stand des Wissens zusammen und geben konkrete Empfehlungen, wie die Ausbreitung über Aerosole reduziert und damit die Pandemie eingedämmt werden könnte. Die Stellungnahmen sind hier und hier zu finden. Außerdem entstanden Empfehlungen für Innenräume, die sich explizit an Krankenhäusern und Pflegeheime richten, um COVID-19-Ausbrüche zu vermeiden und so besonders vulnerable Personengruppen besser zu schützen.
Um die Übertragung von SARS-CoV-2 durch Aerosolpartikel besser zu verstehen, wird es im Rahmen des DFG-Projekts AEROVIR Laboruntersuchungen in der ACD-Kammer von TROPOS geben, die den Einfluss von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Flüssigwassergehalt sowie Zusammensetzung und Größe der Aerosolpartikel untersuchen.
Eine Zusammenfassung der Auswirkungen auf die Luftqualität am Beispiel von Leipzig ist hier online.
Das IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung ist an mehreren großen Kohortenstudien – teilweise federführend – beteiligt. Entsprechende Untersuchungen wurden auf Fragen der Corona-Forschung ausgeweitet: In den zwei Kohortenstudien SALIA und GINI wurde mit Hilfe eines Fragebogens untersucht, wie viele Probanden eine COVID Erkrankung hatten und wie sich die Einschränkungen durch den Lockdown auf das Leben der Probanden ausgewirkt haben. Des Weiteren wird nun in einem von der DFG-geförderten Projekt untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Luftschadstoffbelastung und der Erkrankung mit dem Coronavirus gibt. Zusätzlich werden mit COVID-19 einhergehende Symptome und Stressbelastung untersucht. Zudem ist geplant mit Nucleocapsid-Tests die Dunkelziffer von infizierten Personen in den Studien GINI und SALIA zu erheben.
In der NAKO Gesundheitsstudie soll mit Hilfe eines Fragebogens untersucht werden, wie viele Probanden Symptome gezeigt haben und wie sie mit der Belastung umgehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen zusätzlich Antikörpertests gemacht werden, um die Dunkelziffer von infizierten Personen zu untersuchen.
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat in den letzten Jahren in mehreren asiatischen Ländern Blutproben von Wildtieren aus Blutegeln gesammelt und ein Virusscreening durchgeführt. Das Institut plant, dieses Screening systematisch auszubauen und insbesondere auch Proben aus China einzubeziehen. Zudem will das IZW die Übertragung von SARS-CoV-2 auf Hauskatzen und in Zoos gehaltene Katzenarten untersuchen.
Mit #fürNatur digital ist das Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung mit seiner 30 Millionen Objekte zählenden Sammlung online erlebbar, um für Natur zu begeistern und Besucherinnen und Besucher am Forschungsgeschehen teilhaben zu lassen. In diesem Rahmen experimentiert das MfN mit neuen Formaten und erweitert sein digitales Angebot.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beleuchtet die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Klima und umgekehrt. Wissenschaftler*innen haben zum Beispiel untersucht, was der temporäre Rückgang von CO2-Emissionen durch die Pandemie für das Klima bedeutet und ob sie das Ende der klimaschädlichen fossilen Stromerzeugung beschleunigen könnte. Sie erforschen, ob der Klimawandel womöglich eine Rolle bei der Entstehung von SARS-CoV-2 gespielt hat und welche Lehren aus der Corona-Krise für die Stabilisierung des Klimas gezogen werden können.
Viele Menschen sind in diesen Tagen zu Hause – vielleicht weil sie Homeoffice machen, ihre Kinder betreuen oder aus anderen Gründen. Um etwas Abwechslung zu bieten, hat Senckenberg – Leibniz Institution for Biodiversity and Earth System Research auf der Website unterhaltsame und aufschlussreiche Informationen zusammengetragen.
Forschende der TIB entwickeln den Open Research Knowledge Graph (ORKG), mit dem die Vielzahl an Forschungsergebnissen zu COVID-19 strukturiert, organisiert und vergleichbar gemacht werden kann. So können Überschneidungen erkannt und auf jedem der Teilgebiete der jeweils aktuelle Stand erfasst werden.
Außerdem wird an der TIB die Daten-Pipeline "Knowledge4Covid-19" zur Erfassung und Zusammenführung von COVID-19-Forschungsergebnissen implementiert. Dabei werden COVID-19-Ergebnisse mit bereits existierenden Forschungsergebnissen verknüpft und über maschinelle Lernverfahren ausgewertet, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Als weitere Initiative stellt das Open Science Lab der TIB durch die Book Sprint Initiative dringend benötigte Literatur zum Umgang mit COVID-19 für den Gesundheitssektor und die Fachöffentlichkeit zur Verfügung. So wird der wichtige Transfer von Forschungsergebnissen in die operativen Bereiche der Gesundheitsversorgung und Prävention realisiert.
Mathematische Modelle sowie die systematische Untersuchung und Interpretation von Daten spielen im aktuellen Diskurs eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen, Epidemien zu beschreiben, wie zum Beispiel ihren Verlauf und die Wirkung von Maßnahmen. Die angewandte mathematische Forschung am Weierstraß-Institut bietet hierfür viele Anknüpfungspunkte. So wurde eine optimale, nicht-pharmazeutische Interventionsstrategie zur Kontaktreduktion erarbeitet für den Fall, dass kein Impfstoff zur Verfügung steht und eine vollständige Eindämmung des Virus nicht möglich ist. Langjährige Forschungen zu stochastischen Epidemiemodellen auf zufälligen Netzwerken ermöglichen unter anderem Aussagen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit, die Form infizierter Cluster sowie mögliche dezentrale Gegenmaßnahmen. WIAS-Forscher sind an Aktivitäten zur Corona-Pandemie etwa der European Mathematical Society (EMS) oder des European Consortium for Mathematics in Industry (ECMI) beteiligt - zum Beispiel dem europaweiten ECMI-Webinar „Mathematics of the COVID19 crisis - In the eye of the storm“.
Das Zoologische Forschungszentrum Alexander König - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere ist weiterhin für seine Besucherinnen und Besucher da. Mit Filmen, Hörspielen, Audioguides, Experimenten und Bastelanleitungen für die ganze Familie, virtuellen Führungen sowie interessanten Informationen aus der Forschung kommt das ZFMK zu den Besucherinnen und Besuchern nach Hause.
Avocado Film