Festakt für Christoph M. Schmidt

Foto REINALDO CODDOU H./RWI

Mit einem wirtschaftspolitischen Symposium und einem Festakt würdigte das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung das Lebenswerk ihres langjährigen Präsidenten.

06.11.2026 · News · RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung · Menschen

24 Jahre lang hat Prof. Dr. Christoph M. Schmidt das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung geprägt. Am 4. November 2026 kamen mehr als 200 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Philharmonie Essen zusammen, um ihn für sein Lebenswerk zu würdigen. Das RWI-Wirtschaftsgespräch bot dabei weit mehr als einen feierlichen Rückblick: Anspruchsvolle wirtschaftspolitische Debatten, persönliche Erinnerungen und humorvolle Unterhaltung sorgten für einen abwechslungsreichen Tag, der beim Publikum großen Anklang fand.

Ein Lebenswerk mit Wirkung weit über das RWI hinaus

Welche Spuren Christoph Schmidt in der Wissenschaft und der wirtschaftspolitischen Beratung hinterlassen hat, zog sich als roter Faden durch die Veranstaltung. Bereits im von Ursula Weidenfeld moderierten Symposium sprach sein langjähriger Weggefährte, Prof. Dr. Volker Wieland, mit ihm über prägende Stationen, Entscheidungen und Erfolge seiner Laufbahn.

Beim abendlichen Festakt hob Nordrhein-Westfalens Wissenschafts- und Kulturministerin Ina Brandes insbesondere Schmidts Verdienste als respektvoller Ratgeber für die Politik und für die Entwicklung der Region hervor. Vor allem sein Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs werde langfristig Früchte tragen, so die Ministerin. Brandes unterstrich zugleich die Bedeutung der Wissenschaftsförderung für die Landesregierung. Von den acht Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, die Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stünden, entfielen 2,3 Milliarden Euro auf ihr Ministerium. 

Benjamin Weigert, Chefvolkswirt des Bundeswirtschaftsministeriums, stellte Schmidts besondere Fähigkeit heraus, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und adressatengerecht in die politische Debatte einzubringen und ihnen damit politisches Gehör zu verschaffen. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen betonte den Beitrag Schmidts zur Entwicklung des RWI zu einer der ersten Adressen evidenzbasierter Politikberatung in Deutschland. Damit habe er zugleich den Wissenschaftsstandort Essen gestärkt. 

Besonders persönlich fiel die Laudatio von RWI-Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Bauer aus. Er blickte auf die gemeinsame Zeit am Institut zurück und stellte neben den wissenschaftlichen Leistungen vor allem Schmidts Einfluss auf die Menschen am RWI heraus: „Christoph Schmidts Wirkmacht nach innen, die Inspiration, Motivation und Wirkung auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RWI, ist wohl sein größtes Vermächtnis.“ 

Wissenschaft berät, Politik gestaltet

Wie sehr Christoph Schmidt nicht nur das RWI, sondern auch die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland geprägt hat, zeigte sich in den Diskussionen des Nachmittags. Ein zentrales Thema des Wirtschaftsgesprächs war die Frage, welche Rolle wissenschaftliche Erkenntnisse bei politischen Entscheidungen spielen können. Darüber diskutierte Schmidt im nachmittäglichen Symposium gemeinsam mit den RWI-Ökonomen Manuel Frondel und Boris Augurzky sowie der Wirtschaftsjournalistin Heike Göbel. 

Schmidt betonte, dass Wissenschaft und Politik unterschiedlichen Regeln und Handlungsbedingungen folgten. Die Erwartung, politische Entscheidungsträger müssten wissenschaftliche Empfehlungen eins zu eins umsetzen, verkenne diese Unterschiede und führe zwangsläufig zu Enttäuschungen.

Heike Göbel verwies am Beispiel der Debatten über Mietendeckel und Vergesellschaftung auf die begrenzte Durchsetzungskraft ökonomischer Erkenntnisse. Wissenschaft müsse ihre Ergebnisse frühzeitig und kontinuierlich in die öffentliche Diskussion einbringen, bevor sich politische Positionen verfestigten. Medien sollten diesbezüglich stärker engagiert sein.

Energie, Gesundheit und Infrastruktur: Große Herausforderungen bleiben

Wie schwierig die wirtschaftspolitischen Aufgaben sind, verdeutlichten die weiteren Diskussionen des Wirtschaftsgesprächs. Im Energiepanel mit RWI-Ökonom Manuel Frondel, Lars-Martin Klieve von den Stadtwerken Essen und Thomas Johannsen vom Verband Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland überwog die Einschätzung, dass Deutschland die Treibhausgasneutralität bis 2045 kaum erreichen könne. Sollte das Ziel dennoch erreicht werden, sei mit sehr hohen gesellschaftlichen Kosten zu rechnen. 

Auch für das Gesundheitswesen zeichneten die Diskussionsteilnehmer ein komplexes Bild. RWI-Gesundheitsökonom Boris Augurzky, Barbara Steffens von der Techniker Krankenkasse und Michaela Lemm vom Alfried Krupp Krankenhaus Essen diskutierten über eine bessere Patientensteuerung und notwendige Reformen. Angesichts begrenzter Ressourcen und der demografischen Entwicklung müssten Leistungen voraussichtlich stärker budgetiert werden. Umso wichtiger sei es, der Prävention künftig einen deutlich höheren Stellenwert einzuräumen.

Beim abendlichen Podium über das 500 Milliarden Euro umfassende Sondervermögen des Bundes stand die Modernisierung der Infrastruktur im Mittelpunkt. Benjamin Weigert, Thomas Kufen und der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Hafen AG, Markus Bangen, waren sich einig, dass die zusätzlichen Mittel für die Modernisierung der Infrastruktur notwendig seien. Bangen machte allerdings deutlich, dass Geld allein die Probleme nicht löse. Engpässe bei der Beschaffung und gestiegene Preise erschwerten die Umsetzung.

Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung