Feldhasen oder Wildkaninchen gesichtet?

Foto D.KOEHLER

Bei dieser Osteraktion versteckt der Hase nichts, sondern wird gesucht – und zwar in Berlin. Gerne mit Beweisfoto!

31.03.2021 · Lebenswissenschaften · Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung · News · HP-Topnews · Projekte

Wussten Sie, dass es im Ostteil Berlins besonders viele Hasen gibt und Kaninchen eher im Westteil der Hauptstadt zu finden sind? Erkenntnisse wie diese werden auch durch Bürgerwissenschaftler*innen möglich gemacht – sie beobachten, fotografieren und melden ihre tierischen Nachbarn Forschungseinrichtungen oder Naturschutzorganisationen. Zur Osterzeit 2021 rufen das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam mit dem Bezirksamt Lichtenberg von Berlin zu einer Sonderaktion auf: Vom 2. bis zum 18. April können alle Sichtungen von Feldhasen und Wildkaninchen auf der Berliner Stadtwildtiere-Webseite gemeldet werden. Die Seite bietet Bestimmungs- und Beobachtungstipps für beide Arten an.

Mit der Osteraktion wollen die Initiatoren vom Leibniz-IZW und NABU herausfinden, wo genau in der Stadt Hasen und Kaninchen gesichtet werden können, und den Berliner*innen bewusst machen, dass diese Arten auch in ihrer Stadt leben und beobachtet werden können. „Der Feldhase ist in Deutschland als gefährdet eingestuft und auch Kaninchen befinden sich auf der Vorwarnliste“, sagen Dr. Sarah Kiefer und Dr. Konstantin Börner vom Leibniz-IZW. „Vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und die Fragmentierung ihrer Lebensräume machen ihnen zu schaffen, sodass auch Stadtgebiete wie Berlin ein Rückzugsort sein können.“ Tipps zum Bestimmen von Hasen und Kaninchen bieten die Portraits beider Arten auf der Berliner Stadtwildtiere-Webseite: https://berlin.stadtwildtiere.de/tiere/wildkaninchen und https://berlin.stadtwildtiere.de/tiere/feldhase.

Der NABU ruft Bürger*innen dauerhaft dazu auf, die besonders gefährdeten Hasen zu melden. Mit der Osteraktion wollen NABU und Leibniz-IZW diesen Tieren besondere Aufmerksamkeit verschaffen und mit Hilfe von Berliner Bürger*innen den Kenntnisstand über das Vorkommen der Langohren auf den neuesten Stand bringen. „Feldhasen sind sehr lernfähig und sehen im Menschen zunächst keinen Feind, sodass in der Stadt, infolge von Gewöhnung, deutlich geringere Fluchtdistanzen zu beobachten sind als in der Feldflur“, erklärt Dr. Dieter Köhler vom NABU. „Meldungen mit Beweisfoto sind besonders willkommen“, sagt Kiefer. „Und wer andere Stadtwildtiere entdeckt, ist ebenfalls herzlich eingeladen, sie auf der Website zu melden – auch nach Ablauf der Osteraktion.“ Es ist geplant, die Daten dieses Aufrufs und die in den bisherigen Aktionen gewonnenen auszutauschen und als Zusammenarbeit von Leibniz-IZW, NABU und Bezirksamt Lichtenberg auszuwerten.

Übrigens: Die meisten Abbildungen des Osterhasen und auch die Schokoladen-Osterhasen stellen nicht etwa einen Hasen dar, sondern das niedlichere und kleinere Kaninchen. In der Westschweiz und in manchen Regionen im Elsass wird es auch tatsächlich als Osterkaninchen (lapin de Pâques) bezeichnet.

Die Osteraktion ist Teil einer breiten Palette von bürgerwissenschaftlichen Forschungs- und Wissenstransferprojekten, die das Berlin-Brandenburgische Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB) in der Hauptstadtregion koordiniert und durchführt. Das Leibniz-IZW ist Mitglied des BBIB-Konsortiums und betreut im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Bridging in Biodiversity Science“ (BIBS) der BBIB-Mitgliedseinrichtungen das Onlineportal „Berliner Stadtwildtiere“ (berlin.stadtwildtiere.de). Die Plattform bietet Informationen zu Berliner Wildtieren. Interessierte können Tiersichtungen, Spuren oder Nester melden, Fotos hochladen und sich die eigenen und die Meldungen anderer anzeigen lassen. Bürger*innen können sich über Forschung zur Stadtökologie informieren und Forschungsprojekte zum Mitmachen finden. In diesen „Citizen Science“-Projekten bereichern Bürgerwissenschaftler*innen mit ihrem persönlichen Wissen die Forschung, sammeln Daten, übernehmen Aufgaben oder helfen bei der Entwicklung von neuen Fragestellungen. So bekommen sie auch einen Eindruck, wie Forschung funktioniert. „Berliner Stadtwildtiere“ ist zudem Teil eines internationalen Verbundprojektes zur Stadtnatur, das vom Züricher Verein „StadtNatur“ ins Leben gerufen wurde. Projekte zu Stadtwildtieren gibt es aktuell neben Berlin in vielen Städten in Österreich und in der Schweiz. In Baden-Württemberg läuft zudem das Projekt „Wilde Nachbarn Baden-Württemberg“ mit dem Fokus auf den ländlichen Raum.

Weitere Informationen und Kontakt

www.izw-berlin.de