Hilfen im Vergleich

Seit Kriegsausbruch erreichen die Ukraine militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen aus vielen Ländern. Eine neue Datenbank zeigt auf, wie ungleich diese verteilt sind. 

20.04.2022 · News · Institut für Weltwirtschaft · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Forschungsergebnis

Hilfen anderer Länder an die Ukraine seit Kriegsausbruch sind sehr ungleich verteilt, und ihr Umfang richtet sich meist nicht an der Wirtschaftsleistung der Geberländer aus. Dies zeigen Auswertungen des Ukraine Support Trackers, einer neuen Datenbank für staatliche Unterstützungsleistungen an die Ukraine, die Forscherinnen und Forscher des Kiel Instituts für Weltwirtschaft erstellt haben.

Der Ukraine Support Tracker erfasst systematisch den Wert der Unterstützung, die Regierungen von 31 westlichen Ländern der Ukraine seit der russischen Invasion am 24. Februar 2022 zugesagt haben. Erfasst sind militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen, die öffentlich bekannt sind. „Die Datenbank soll die Diskussion über die Unterstützung der Ukraine mit Fakten unterfüttern. Seit Kriegsausbruch dreht sich die öffentliche Debatte vor allem um die Frage, wie Russlands Regierung am effektivsten geschadet werden kann. Hilfen an die Ukraine spielen im Vergleich eine untergeordnete Rolle – auch weil Daten dazu fehlen“, sagt Christoph Trebesch, Forschungsdirektor am IfW Kiel und verantwortlich für den Ukraine Support Tracker: „Es gibt überraschend starke Unterschiede, sowohl was die absolute Höhe der Unterstützung angeht als auch die relative im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der jeweiligen Geberländer.“

Die USA sind den öffentlich bekannten Zahlen zufolge mit umgerechnet 7,6 Mrd. Euro seit Kriegsausbruch der größte aktuelle Unterstützer der Ukraine (Datenstand 27. März 2022). Alle EU-Länder zusammen kommen auf 2,9 Mrd. Euro, plus 1,4 Mrd. Euro aus den EU-Institutionen und 2 Mrd. Euro von der Europäischen Investitionsbank. Großbritannien, Kanada und Japan haben zusammen genommen Hilfen im Wert von 1 Mrd. Euro zugesagt. „Es ist beachtlich, dass alleine die USA deutlich mehr gibt als die gesamte EU, in deren unmittelbarer Nachbarschaft der Krieg tobt“, sagt Trebesch.

„Wir können nicht das volle Bild liefern, weil gerade militärische Hilfen an die Ukraine nicht immer transparent sind. Aber wir haben akribisch öffentlich bekannte Hilfen erfasst und bewertet“, sagt Trebesch. „Damit können wir die Hilfen an die Ukraine systematisch vergleichen. Das macht Bewertungen möglich, wie das Hilfsvolumen im Verhältnis zu anderen Ausgaben ausfällt – etwa zur Krisenbewältigung im eigenen Land – oder zur Wirtschaftsleistung.“ Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es, den Ukraine Support Tracker regelmäßig zu aktualisieren und laufend zu verbessern.

Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist Estland der größte Unterstützer der Ukraine gefolgt von Polen und Litauen. Die USA sind hier auf dem 6. Rang, Deutschland auf dem 12. Rang, wobei hier indirekt über die EU geleistete Hilfen nicht enthalten sind. „Die räumliche Nähe zu Russland oder der Ukraine spielt offensichtlich eine große Rolle für das Engagement einiger osteuropäischer Länder. Aber auch Großbritannien sticht sowohl absolut wie relativ zur Wirtschaftsleistung als Unterstützer der Ukraine hervor“, so Trebesch.

„Während sich die Diskussion derzeit vor allem um das Pro und Kontra eines Energieembargos dreht, besteht eine wichtige Alternative für die Politik darin, die finanziellen und militärischen Hilfen für die Ukraine deutlich auszuweiten. Wie der Ukraine Support Tracker zeigt, fällt die Unterstützung für die Ukraine etwa im Vergleich zu den aktuellen inländischen Ausgabepaketen gering aus“, sagt Trebesch.

Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel)