Millionenförderung für die Tuberkuloseforschung

Ein neues internationales Projekt aus 30 Partnern und 13 Ländern soll die Tuberkuloseforschung und -bekämpfung stärker vorantreiben. Das Forschungszentrum Borstel ist Teil des Konsortiums.

15.07.2021 · Lebenswissenschaften · Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum · News · Projekte

Die Tuberkulose (TB) ist die häufigste zum Tod führende bakterielle Infektionskrankheit weltweit. Um die Tuberkuloseforschung voranzutreiben und die Entwicklung neuer, sicherer und erschwinglicher Behandlungslösungen für TB-Patienten weltweit zu ermöglichen, hat ein neues Konsortium aus 30 Partnern aus 13 Ländern offiziell die Arbeit aufgenommen. Das auf sieben Jahre angelegte, 185 Millionen Euro teure Projekt mit dem Namen UNITE4TB zielt darauf ab, die klinische Bewertung von Kombinationen bestehender und neuartiger Medikamente zu beschleunigen und zu verbessern, mit dem Ziel, neue und hochaktive TB-Behandlungsschemata für arzneimittelresistente und -empfindliche TB zu entwickeln.

UNITE4TB ist das neueste Projekt des IMI AMR Accelerator, einer öffentlich-privaten Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Ziel, die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung oder Prävention resistenter bakterieller Infektionen voranzutreiben.

"Tuberkulose stellt weltweit eine große Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Indem wir führende Experten aus dem öffentlichen und privaten Sektor in Europa und darüber hinaus zusammenbringen, ist UNITE4TB gut aufgestellt, um Ergebnisse zu liefern, die die Entwicklung besserer Behandlungsmethoden zur Bekämpfung dieser Krankheit beschleunigen", sagt Dr. Pierre Meulien, Executive Director von IMI.

Das zunehmende Auftreten von multiresistenter TB ist als Herausforderung für die öffentliche Gesundheit anerkannt und hat neues Interesse und Investitionen in die Entwicklung von Anti-TB-Medikamenten geweckt. Trotz verstärkter Aktivitäten auf diesem Gebiet ist ein integrierter Ansatz für die Entwicklung von TB-Medikamenten immer noch begrenzt.

Mit der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) und Associated Partners an Bord hat UNITE4TB Zugang zu den meisten der innovativsten TB-Wirkstoffe, die sich derzeit in der späten präklinischen, klinischen Phase 1 und frühen Phase 2 befinden. Das Konsortium wird ein effizientes, globales Netzwerk für klinische Studien bereitstellen, das für die Durchführung von Phase-2-Studien ausgerüstet ist. Es werden hochmoderne adaptive Studiendesigns implementiert und fortschrittliche Modellierung, künstliche Intelligenz und maschinelle Lerntechniken eingesetzt. All dies wird die Auswahl und das Testen neuartiger Kombinationstherapien mit einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit in anschließenden klinischen Studien der Phase 3 ermöglichen. 

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, sagt: "Das europäische Projekt UNITE4TB schafft eine wichtige neue Plattform für die Forschung zur Bekämpfung der Tuberkulose. Wissenschaft und Industrie werden gemeinsam ihre klinischen Kandidaten testen und Forschungsergebnisse austauschen. Ziel ist es, wirksame Kombinationen für neue, dringend benötigte Lösungen zur Behandlung von Tuberkulose zu entwickeln. Diese öffentlich-private Partnerschaft wird einen neuen Standard im Kampf gegen globale Krankheiten wie TB setzen. UNITE4TB ist ein bemerkenswertes Beispiel für internationale Forschungszusammenarbeit. Ich freue mich, dass Deutschland das Konsortium mit einer Förderung von rund 25 Millionen Euro für die beiden deutschen Partner unterstützt. Ich bin zuversichtlich, dass UNITE4TB dazu beitragen wird, das Ziel der Beendigung der Tuberkulose bis 2030 zu erreichen, das von den Staats- und Regierungschefs der G20 bei der UN-Generalversammlung beschlossen wurde."

„Wir stehen am Anfang eines neuen Zeitalters der Tuberkulosebehandlung. Seit der Entwicklung der Antibiotika gab es noch nie so viele Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose in der klinischen Entwicklung wie heute“, sagt Professor Christoph Lange Medizinischer Direktor am Forschungszentrum Borstel, einer der 4 wissenschaftlichen Leiter des Projekts. „UNITE4TB eröffnet uns die Möglichkeit auf einer internationalen Studienplattform mehr als 10 neue TB-Medikamente in den kommenden Jahren auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit in der Anwendung am Menschen zu untersuchen. Die Erkenntnisse des Projekts werden hoffentlich die Behandlung der Tuberkulose für die betroffenen Patienten auf der ganzen Welt verbessern“, so Lange. Das Forschungszentrum Borstel im Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein, ist neben der Koordination des Projekts auch auf dem Gebiet der Biomarkerentwicklung und der Mikrobiologie an UNITE4TB beteiligt und ist der zweitgrößte Empfänger der EU-Forschungsgelder unter den akademischen Partnern.

Für weitere Informationen besuchen Sie die Website des Konsortiums: www.unite4TB.org.

Weitere Informationen und Kontakt

fz-borstel.de