„Unverzichtbares Element innovativer Forschung“

Bund und Länder fördern acht weitere Konsortien zum Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. An allen Konsortien sind Leibniz-Einrichtungen beteiligt.

09.11.2022 · Leibniz-Gemeinschaft · News · Gemeinschaft

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat die Förderung von acht Konsortien in der dritten Förderrunde zum Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) beschlossen. An allen sieben fachlichen Konsortien und einem Konsortium für Basisdienste sind insgesamt knapp 30 Leibniz-Einrichtungen beteiligt. Zwei der Konsortien werden von Leibniz-Instituten koordiniert.

Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz hat die Federführung bei „NFDI4Memory“ inne - einer Forschungsdateninfrastruktur für historische Daten ‑ und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung führt das Konsortium „FAIRagro“ – einer Forschungsdateninfrastruktur für die Agrosystemforschung. Die NFDI dient dem Aufbau einer koordinierten vernetzten Informationsinfrastruktur zur systematischen Nutzbarmachung von Forschungsdaten in Deutschland.

Der mehrstufige wissenschaftsgeleitete Auswahlprozess der dritten und letzten Förderrunde führte zur Bewilligung von acht aus 16 antragsstellenden Konsortien. Pro Konsortium sind jährliche Fördersummen zwischen zwei und fünf Millionen Euro vorgesehen.

Das Konsortium „NFDI4Memory“ integriert unter der Federführung des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz bundesweit erstmals historische Forschungs-, Gedächtnis- und Informationsinfrastrukturen in einer digitalen Forschungsdateninfrastruktur. Damit ermöglicht es die nachhaltige Transformation der geschichtswissenschaftlichen Forschung. Das Konsortium wird von elf Institutionen mit großer Erfahrung in digitalen Methoden sowie von mehr als 70 beteiligten Einrichtungen aus der gesamten disziplinären und epochalen Breite der historischen Forschung getragen. „NFDI4Memory“ entwickelt in seinem auf fünf Jahre ausgelegten Arbeitsprogramm ein Portfolio von Schlüsseldiensten, die historische Wissenschaft und digitale Ressourcen systematisch miteinander verknüpfen. Seine Internationalisierungsstrategie stellt sicher, dass globale Perspektiven und internationale Partner eingebunden werden. „NFDI4Memory“ sichert die Bedeutung und kritische Funktion der historischen Forschung in Gesellschaft, Kultur und Politik im Rahmen der digitalen Transformation.

Das Konsortium „FAIRagro“ wird unter der Koordinierung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung im Brandenburgischen Müncheberg eine Forschungsdaten­infrastruktur einrichten, die die unterschiedlichen institutionellen Datenbanken (Repositorien) in der deutschen Agrosystemforschung vernetzen wird. Derzeit werden in zahlreichen Fachinstituten vielseitige Forschungsdaten erhoben und auf unterschiedliche Weise gespeichert. Diese Daten zukünftig auffindbar, zugänglich, interoperabel und nachnutzbar (kurz FAIR) zu machen, wird das Hauptanliegen von „FAIRagro“ sein. Nutzer der zukünftigen Forschungsdateninfrastruktur sollen sich in allen Fragen zum Forschungsdatenmanagement und Services an ein Data Steward Service Center wenden. Es werden Leitlinien und Informationsmaterial entwickelt und auf einer zentralen Plattform für alle Forschenden und die agrarwissenschaftliche Community bereitgestellt. FAIRagro möchte nicht nur Rechtssicherheit bei der Verwendung und Bereitstellung von Daten herstellen, sondern auch die Qualität veröffentlichter Daten und damit der Agrosystemforschung insgesamt erhöhen.

Zur Entscheidung sagte Leibniz-Präsidentin Martina Brockmeier: „Herausragende wissenschaftliche Infrastrukturen sind ein unverzichtbares Element innovativer Forschung. Daher ist es nur folgerichtig, dass der Dreiklang aus exzellenter Forschung, Wissenstransfer in die Gesellschaft und Bereitstellung von wissenschaftlichen Infrastrukturen für Forschende in Deutschland und international ein zentrales Wesensmerkmal von Leibniz-Instituten darstellen. Das spiegelt sich in der Tatsache wider, dass in der dritten Auswahlrunde für die Nationale Forschungsdateninfrastruktur bei allen ausgewählten Konsortien Leibniz-Institute beteiligt sind und erneut zwei der Konsortien unter Leibniz-Federführung stehen. Ohne Forschungsdaten, die reproduzierbar aufbereitet und der Wissenschaft allgemein zugänglich gemacht werden, wären viele Projekte schlicht undenkbar. Ich freue mich, dass die Leibniz-Gemeinschaft hier eine so zentrale Rolle spielt.“

Die Konsortien mit Leibniz-Beteiligung im Einzelnen:

• FAIRagro – FAIRe Dateninfrastruktur für die Agrosystemforschung. Federführend: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Müncheberg (Sprecher: Frank Ewert), weitere beteiligte Leibniz-Institute: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. www.fairagro.net/index.php/de/

• NFDI4Memory – Konsortium für historisch arbeitende Geisteswissenschaften. Federführend: Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz, Mainz (Sprecher: Johannes Paulmann), weitere beteiligte Leibniz-Institute: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Deutsches Museum, Deutsches Schifffahrtsmuseum - Leibniz-Institut für Maritime Geschichte, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut, Germanisches Nationalmuseum – Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte, Institut für Zeitgeschichte München - Berlin, Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. https://4memory.de/

• NFDI4BIOIMAGE - Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Mikroskopie und Bildanalyse. beteiligte Leibniz-Institute: -Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut, Leibniz-Institut für Neurobiologie, Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie, Leibniz-Institut für Photonische Technologien, Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS. https://nfdi4bioimage.de

• NFDI4Energy – Nationale Forschungsdateninfrastruktur für die interdisziplinäre Energiesystemforschung. beteiligtes Leibniz-Institut: TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften. https://nfdi4energy.uol.de/

• NFDI4Immuno – Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Immunologie. beteiligtes Leibniz-Institut: Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin. www.nfdi4immuno.de/

• NFDI4Objects – Forschungsdateninfrastruktur für die materiellen Hinterlassenschaften der Menschheitsgeschichte. beteiligte Leibniz-Institute: Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Römisch-Germanisches Zentralmuseum - Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften. www.nfdi4objects.net/

• NFDIxCS – Nationale Forschungsdateninfrastruktur für und mit Computer Science. beteiligte Leibniz-Institute: FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur (FIZ KA), Schloss Dagstuhl - Leibniz-Zentrum für Informatik. https://nfdixcs.org/

• Base4NFDI – Basisdienste für die NFDI. beteiligte Leibniz-Institute: GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften als Sprecherorganisation von Konsort SWD, Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik als Sprecherorganisation von MaRDI, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache als Sprecherorganisation von Text+ und weitere. https://base4nfdi.de/

Die Auswahl der Konsortien erfolgte auf Grundlage einer Förderempfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft nach einem mehrstufigen wissenschaftsgeleiteten Prozess, in den auch zahlreiche internationale Gutachterinnen und Gutachter einbezogen waren.

Kontakt
Christoph Herbort-von Loeper
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