Leibniz-Einrichtungen in München, Großbeeren und Berlin evaluiert

Die Förderung von fünf Leibniz-Einrichtungen soll fortgeführt werden. Das hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft nach Abschluss der regelmäßigen wissenschaftlichen Evaluierung im Rahmen eines Beschlussverfahrens anstelle einer ursprünglich geplanten Präsenzsitzung beschlossen, die aufgrund der derzeitigen Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden konnte. Eine erneute Überprüfung der Fördervoraussetzungen soll bei vier Einrichtungen nach dem Regelturnus von sieben Jahren, bei einem Institut jedoch schon nach fünf Jahren erfolgen.

14.04.2020 · Leibniz-Gemeinschaft - Evaluierung · Pressemeldung

Folgende Leibniz-Einrichtungen wurden evaluiert:

  • ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo)
  • Museum für Naturkunde ‒ Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin (MfN)
  • Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau e.V., Großbeeren (IGZ)
  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
  • Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie im Forschungsverbund Berlin e. V. (MBI)

Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen:

1) ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.

Das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München befasse sich mit zentralen ökonomischen Fragen und sozialen Veränderungen, die sowohl wissenschaftlich als auch mit Blick auf die Gestaltung von politischen Rahmenbedingungen für Volkswirtschaften von Interesse seien, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme.

Seit langer Zeit erziele das ifo Institut stetig hohe Leistungen in der Forschung und in der Bereitstellung wichtiger wissenschaftlicher Dateninfrastrukturen. Das Institut nehme seine Aufgaben in der Politikberatung ausgezeichnet wahr, zum Beispiel im Rahmen der Mitwirkung an der Gemeinschaftsdiagnose zur Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland. Mit dem European Network for Economic and Fiscal Policy Research (EconPol) bündele das Institut seit 2017 zudem europaweite wissenschaftliche Diskurse und bringe sie in die wirtschaftspolitische Debatte auf EU-Ebene ein.

Bei der vergangenen Evaluierung sei festgehalten worden, dass sich das ifo Institut unter der Führung des damaligen Vorstands zu einem der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Europas entwickelt habe. Diese übergreifende Einschätzung gelte weiterhin, so der Senat. Er würdigt dies insbesondere vor dem Hintergrund eines personellen Umbruchs auf beiden Vorstandspositionen. Dem neuen, wissenschaftlich und kaufmännisch hervorragend besetzten Vorstand gelinge es ausgesprochen gut, Wandel und Kontinuität am Institut zu balancieren. Dies gelte auch mit Blick auf die strategischen Planungen der Institutsarbeit in den kommenden Jahren, die Fortentwicklung der ausgezeichneten Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und die sehr überzeugende Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Deutliche Verbesserungen seien nach wie vor bei der Gleichstellung der Geschlechter notwendig.

Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des ifo Instituts fortzusetzen.

2) Museum für Naturkunde ‒ Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin (MfN)

Das Museum für Naturkunde ‒ Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin (MfN) habe sich seit der letzten Evaluierung außerordentlich dynamisch entwickelt, so der Senat in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. Die drei für Leibniz-Forschungsmuseen zentralen Arbeitsfelder Sammlungsentwicklung, Forschung und Vermittlung habe das MfN neu strukturiert und stärker aufeinander bezogen. Außerdem seien die Bereiche Biodiversitätsentdeckung und Wissenstransfer erheblich ausgebaut worden.

Mit der 30 Millionen Objekte umfassenden Sammlung stelle das Museum eine global bedeutsame wissenschaftliche Infrastruktur bereit. Es erziele sehr gute Forschungsleistungen, die größtenteils auf den Sammlungen basieren würden. Die Leistungen im Wissenstransfer seien herausragend. In den kommenden Jahren wolle sich das Museum weiter modernisieren. Der Senat würdigt in diesem Zusammenhang insbesondere eine dafür grundlegende, sehr umfangreiche Sonderfinanzierung des Bundes und des Landes Berlin.

Das MfN sei ausgezeichnet in die Berliner Forschungslandschaft integriert. Auch national und international sei es an einer Vielzahl von Initiativen, Netzwerken und Konsortien beteiligt, teilweise in führender Rolle. In der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Chancengleichheit sei das MfN sehr engagiert. Das Museum habe den Anteil von Wissenschaftlerinnen bei Abteilungs- und Programmbereichsleitungen in den letzten Jahren weiter gesteigert, auf der Ebene darunter sei er jedoch niedrig, so dass Verbesserungen notwendig seien.

Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des MfN fortzusetzen.

3) Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V., Großbeeren

Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren forsche zu Eigenschaften, Anpassungsfähigkeit und Diversität von Pflanzen und widme sich nachhaltigen Produktionssystemen im Gartenbau, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme.

Bei der letzten Evaluierung des IGZ vor vier Jahren hatte der Senat die Strukturen des Instituts, das seinerzeit sowohl in Großbeeren als auch in Erfurt angesiedelt war, erheblich kritisiert. Es wurden damals gravierende Leistungsschwächen identifiziert und die Beendigung der Bund-Länder-Förderung für die Arbeiten in Erfurt empfohlen. Daraufhin wurde dieser Standort geschlossen, das Budget des IGZ verringerte sich um drei Millionen Euro und knapp 20 Prozent der Stellen mussten abgebaut werden. Der Senat würdigt, dass die damit einhergehenden, äußerst schwierigen Aufgaben von der Institutsleitung sehr gut bewältigt worden seien.

Gleichzeitig habe die IGZ-Leitung unter engagierter Beteiligung von Beirat und Aufsichtsgremium eine grundlegende Umgestaltung des Instituts in Gang gesetzt. Die örtliche Konzentration auf den Standort Großbeeren erweise sich als richtiger Schritt, der die Profilbildung des Instituts erheblich vorangebracht habe. Das IGZ sei nun überzeugend organisiert, habe die Grundlagenforschung gestärkt und vertiefe dies mit dem derzeitigen Aufbau eines fünften Programmbereichs. Außerdem habe es die Personalstruktur auf der Ebene der wissenschaftlichen Leitungspositionen erheblich fortentwickelt. Damit lägen die Voraussetzungen vor, in den nächsten Jahren zu deutlichen Leistungssteigerungen zu kommen. Nach Abschluss des laufenden Wechsels auf Leitungsstellen solle das Institut erneut evaluiert werden.

Der Senat empfiehlt daher Bund und Ländern, die nächste Überprüfung der Fördervoraussetzungen in fünf Jahren vorzusehen.

4) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin (Institut für Konjunkturforschung)

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin (Institut für Konjunkturforschung) arbeite erfolgreich zu zentralen Fragen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. Schwerpunkte der Forschung bezögen sich auf Makroökonomie, Konjunkturpolitik und Weltwirtschaft, die Nachhaltigkeit von Volkswirtschaften, die Industrieökonomie sowie der Wirkung von Steuer-, Sozial, Bildungs- und Familienpolitik.

Der Senat hebt hervor, dass das Institut seine Leistungen seit der vergangenen Evaluierung im Jahr 2013 weiter gesteigert habe. Auch gelinge es dem DIW sehr gut, seine wissenschaftlichen Ergebnisse in die Beratung von Gesellschaft und Politik zu übertragen, unter anderem im Rahmen der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gemeinschaftsdiagnose zur wirtschaftlichen Entwicklung. Mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) werde am Institut eine weltweit herausragende und im höchsten Maße anerkannte Forschungsdateninfrastruktur bereitgestellt. Die ausgezeichnet aufbereiteten Haushaltsbefragungen des SOEP seien weit über das DIW hinaus für die Forschung eine wesentliche Grundlage für Untersuchungen des gesellschaftlichen Wandels.

Vor sieben Jahren habe das DIW in einer Phase des Umbruchs gestanden. Der 2013 neue berufene Präsident, ein wissenschaftlich international hoch anerkannter Makroökonom, habe die strategische Entwicklung des DIW deutlich vorangetrieben. Auch der ruhestandsbedingte Wechsel in der Leitung des SOEP wird vom Senat sehr positiv gewürdigt.

Das DIW verfüge über enge und ertragreiche Kooperationen, so der Senat. Auch engagiere es sich seit vielen Jahren mit großem Erfolg in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des DIW Berlin fortzusetzen.

5) Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie im Forschungsverbund Berlin e. V. (MBI)

Das Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie im Forschungsverbund Berlin (MBI) betreibe äußerst erfolgreich Grundlagenforschung auf dem Gebiet der nichtlinearen Optik und Kurzzeitdynamik bei der Wechselwirkung von Licht mit Materie, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. Das Institut entwickle teilweise einzigartige Laser und lasergesteuerte Kurzpulslichtquellen und setzte diese in der Forschung ein. Das MBI widme sich fundamentalen Fragen der Physik, Chemie und Materialwissenschaften.

Seit der letzten Evaluierung habe sich das MBI überzeugend weiterentwickelt. Die Forschungsleistungen des MBI seien nach wie vor hervorragend. Dies zeige sich unter anderem an zahlreichen qualitativ hochwertigen Publikationen sowie der erfolgreichen Einwerbung sehr kompetitiver Fördermittel, wie zum Beispiel drei ERC Grants.

Zudem erbringe das MBI wichtige und stark nachgefragte Infrastrukturleistungen. So habe das MBI Lasersysteme am European X-Ray Free-Electron Laser (XFEL) und am Free Electron Laser Hamburg (FLASH) des Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) mit aufgebaut. Außerdem beteilige sich das Institut maßgeblich an der Errichtung der Extreme Light Infrastructure (ELI) im Rahmen des European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI).

Das MBI kooperiere sowohl in der Forschung als auch in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses eng mit den Hochschulen der Berlin University Alliance. Als unbefriedigend kritisiert der Senat allerdings die Situation im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter, insbesondere mit Blick auf die geringe Anzahl von promovierenden Wissenschaftlerinnen.

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des Instituts fortzusetzen.

Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auch auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/

Hintergrund:

Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die in der Regel Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) werden die Senatsstellungnahmen auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind.

Kontakt
Christoph Herbort-von Loeper
Leibniz-Gemeinschaft
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