Leibniz-Forschungsmuseen auf dem Weg in die Zukunft

Mit einer Agenda 2030 haben sich die acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft ein gemeinsames Leitbild für künftige Entwicklungsperspektiven gegeben. Die Agenda definiert Eckpunkte für einen konsequenten Ausbau der Leibniz-Forschungsmuseen als einzigartigen, spartenübergreifenden Verbund, der Forschung, Sammlung und Wissenstransfer als ein international sichtbares Alleinstellungsmerkmal der Leibniz-Gemeinschaft verschränkt.

21.02.2022 · Pressemeldung · Leibniz-Gemeinschaft

Die Agenda 2030, die im vergangenen Jahr entwickelt wurde und Teil des Bund-Länder-Eckpunktepapieres zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft ist, versteht sich als ein Taktgeber für die strategische Weiterentwicklung des Konzeptes des integrierten Forschungsmuseums. Auf dem Fundament exzellenter Forschung wollen die Leibniz-Forschungsmuseen ihre Kooperationen untereinander und mit externen Partnern intensivieren, ihre Sammlungen umfassend digitalisieren und breiter verfügbar machen sowie mit innovativem Wissenschaftstransfer neue Zielgruppen erreichen und Orte für einen zukunftsorientierten gesellschaftlichen Dialog sein. Damit werden die Forschungsmuseen ihren einzigartigen Charakter nutzen, um ihren Wert für Wissenschaft, Politik und die Gesellschaft ganz allgemein auch in Zukunft aufrechtzuerhalten und ausbauen.

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, begrüßt die Agenda 2030 und verweist auf ihre politische Relevanz: „Mit den Plänen der Agenda 2030 werden die Leibniz-Forschungsmuseen dem im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung an die Forschungsmuseen gerichteten Anspruch gerecht, dass Wissenschaft nicht als abgeschlossenes System betrachtet wird, sondern vom Austausch und der Kommunikation mit der Gesellschaft lebt.“

Auf insgesamt vier Handlungsfeldern skizziert die Agenda 2030 gemeinsame Ziele und Aktivitäten der Leibniz-Forschungsmuseen:

Auf dem Gebiet von Wissenschaft und Forschung stehen die Museen für themenoffene Grundlagenforschung und Forschung am und mit dem Objekt auf international höchstem Niveau. Sie verpflichten sich den Grundsätzen von Open Science und wollen vor allem bei sammlungsbezogenen Querschnittsthemen wie etwa Konservierungs- und Restaurierungs-forschung, Materialkunde sowie Sammlungsgeschichte und Provenienzforschung zusammenarbeiten. Außerdem soll die Kooperation mit der Bildungsforschung ausgebaut werden. „Die Einrichtung des Leibniz-Kompetenzzentrums Bildung im Museum ist ein erster, wichtiger Meilenstein in der Umsetzung unserer gemeinsamen Agenda“, erläutert die Sprecherin der Leibniz-Forschungsmuseen und Generaldirektorin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Alexandra W. Busch. „Es geht uns darum, wissenschaftliche Grundlagen für ein tieferes Verständnis von Lern- und Bildungsprozessen in Museen zu schaffen und auf dieser Basis die besonderen Potenziale von Museen als informellen Lernumwelten neu zu erschließen. Theoriegeleitet und forschungsbasiert werden neue Standards und innovative Formate für nachhaltigen Transfer im Museum entwickelt und durch Wirksamkeitsstudien überprüft.“

Auf dem Feld der Sammlungen und Forschungsinfrastrukturen gilt es, die etwa 100 Millionen naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Sammlungsobjekte der Leibniz-Forschungs-museen fortschreitend weiter zu erschließen, zu sichern und zu digitalisieren. Dies geschieht unter dem Anspruch größtmöglicher Transparenz und Verfügbarkeit. „Unser Ziel ist es, unsere Sammlungen in einer digitalen Forschungsinfrastruktur weltweit verfügbar zu machen und optimale Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Objekte offen zugänglich sind, miteinander in Beziehung gesetzt werden und als maßgebliche Wissensressource für die Lösung der großen aktuellen und Zukunftsfragen zur Verfügung stehen – und das nicht nur für Forschende, sondern auch für andere gesellschaftliche Gruppen“, erläutert Helmuth Trischler, Leiter des Bereichs Forschung am Deutschen Museum, die Planungen.

Im Bereich Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer verstehen sich die Forschungsmuseen als Drehscheiben einer dialoghaften Wissenschaftskommunikation. Sie adressieren aktuelle Herausforderungen einer durch Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Migrationsbewegungen gekennzeichneten globalen Welt und bringen sich zunehmend aktiv in den gesellschaftlichen und politischen Dialog ein. Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung: „Forschungsmuseen begeben sich immer mehr und aktiver in einen offenen Dialog mit der Gesellschaft. Sie tauschen sich mit Menschen unterschiedlichster Herkünfte und gesellschaftlicher Gruppen aus. Forschende suchen nach anderen Worten, um Wissenschaft zu erklären, zuzuhören, zu diskutieren, zu experimentieren und das Wissen anderer anzuerkennen. Bürgerbeteiligung, aktiver Dialog, Partizipation und Kollaboration stehen im Vordergrund, nicht die einseitige Kommunikation. Aus diesem wechselseitigen Austausch können ganz neue Perspektiven auf akute wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen, wie etwa Nachhaltigkeit, Klimawandel oder den Verlust der Biodiversität, erwachsen.“ Im „Aktionsplan Leibniz-Forschungsmuseen“ wird diese Stärke im Wissenstransfer bereits im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten mit einer noch bis zum Ende des Jahres 2022 laufenden Förderung durch Bund und Länder umgesetzt.

Schließlich wollen die Forschungsmuseen auch neue Wege der Governance beschreiten: Ein integriertes Konzept stärkt die Zusammenarbeit vor allem in Bereichen wie der trans- und interdisziplinären Forschung, der Sammlungsdigitalisierung und -entwicklung sowie bei innovativen Ansätzen des Wissenstransfers. Es soll die Chance ergriffen werden, bekannte Pfade der institutionell-administrativen Verfasstheit zu verlassen, Neues auszuprobieren und einen integrierten, aber flexiblen Handlungsraum einzurichten. Agile gemeinsame Strukturen ermöglichen Kooperation und Verzahnung der einzelnen Institutionen über die üblichen Wege der Zusammenarbeit hinaus, ohne die Dynamik und die rechtliche Eigenständigkeit der einzelnen Museen einzuschränken.

Die Agenda 2030 der Leibniz-Forschungsmuseen konkretisiert die Ziele, die im Oktober 2021 im Rahmen eines Bund-Länder-Eckpunktepapiers zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) beschlossen wurden. Die GWK beabsichtigt, spätestens im Jahr 2027 zu überprüfen, inwieweit sich die Ziele aus dem Papier umsetzen ließen.

Weiterführende Links:

Das GWK-Eckpunktepapier zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft: www.gwk-bonn.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/Papers/Bund-Laender-Eckpunktepapier_Forschungsmuseen_WGL.pdf

Die Leibniz-Forschungsmuseen

Die acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft sind Forschungseinrichtungen zur Erdgeschichte und Artenvielfalt, zur Kultur- und Technikgeschichte mit einem klaren gesellschaftlichen Auftrag. Sie ermöglichen lebendige Teilhabe an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den zentralen Fragen unserer Gegenwart und stärken auf diese Weise den Aufbau einer demokratischen Wissensgesellschaft.

  • Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen
  • Deutsches Museum, München
  • Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte, Bremerhaven
  • Germanisches Nationalmuseum – Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte, Nürnberg
  • Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels mit den Standorten Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig Bonn und Zoologisches Museum Hamburg
  • Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin
  • Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main, Görlitz, Dresden

Mehr Informationen zu den Leibniz-Forschungsmuseen und den Aktionsplan gibt es online unter www.leibniz-forschungsmuseen.de

Kontakt
Christoph Herbort-von Loeper
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