Leibniz-Gründerpreis für zwei Medizin-Start-ups: Gewinner kommen aus Borstel und Greifswald

Der Gründerpreis der Leibniz-Gemeinschaft geht an zwei Start-ups aus der Medizin. Die „Brandenburg Antiinfectiva GmbH“ erhält die Auszeichnung für eine Medikamentenentwicklung gegen Blutvergiftungen, „Coldplasmatech“ will eine aktive Behandlung chronischer Wunden mit kaltem Plasma auf den Markt bringen.

20.03.2015 · Pressemeldung · Leibniz-Gemeinschaft

Die Ausgründungsvorhaben „Brandenburg Antiinfectiva GmbH“ aus dem Forschungszentrum Borstel ‑ Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften (FZB) in Schleswig-Holstein und „Coldplasmatech“ des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald sind heute mit dem erstmals vergebenen Leibniz-Gründerpreis ausgezeichnet worden. Mit dem mit 50.000 Euro dotierten Preis sollen erfolgversprechende Start-ups durch externe Beratung bei Markteintritt, Finanzierung und Marketing unterstützt werden.

Brandenburg Antiinfectiva hat ein vielversprechendes Medikament gegen Blutvergiftung (Sepsis) entwickelt. Aspidasept® basiert auf einer künstlichen Eiweißverbindung, einem synthetischen Anti-Lipopolysaccharid-Peptid (SALP). Es inaktiviert den Auslöser einer Sepsis, ein bakterielles Endotoxin und hat im Tierversuch bereits gute Schutzwirkungen gezeigt. Nach Schätzungen der Deutschen Sepsis-Gesellschaft erleiden in Deutschland pro Jahr etwa 200.000 Menschen eine Blutvergiftung, 60.000 sterben an den Folgen. Wirksame Medikamente sind bislang nicht verfügbar, wegen zahlreicher Fehlschläge haben sich die großen Pharmafirmen weitgehend aus der Entwicklung von Sepsis-Wirkstoffen zurückgezogen. Hier bietet Aspidasept® einen neuen Ansatz, der schon bald in die erste klinische Testphase eintreten könnte. Entwickelt hat Aspidasept® der Biophysiker Klaus Brandenburg, der am FZB lange Jahre zu den Wirkungsweisen natürlicher und künstlicher Peptide geforscht hat. Neben der Sepsis zeigen die SALPs aussichtsreiche Ergebnisse bei anderen Infektionserkrankungen wie Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Bakterienstämmen (MRSA) sowie Herpes-, Hepatitis- und Papillom-Viren.

www.antiinfektiva.com 

Die Geschäftsidee von „Coldplasmatech“ ist ein plasmaphysikalisches Medizinprodukt zur Behandlung großflächiger chronischer Wunden, die derzeit nicht oder nur schlecht therapierbar sind. Krankheitsbilder wie das diabetische Fußsyndrom, Druckgeschwüre (Dekubitus) oder Pilzerkrankungen bedeuten für Millionen meist älterer Menschen eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die innovative Wundtherapie von „Coldplasmatech“ geschieht durch eine aktive Wundauflage, ein sogenanntes Plasma-Patch, mit der durch eine Steuerungseinheit (Plasma-Cube) ein kaltes Plasma auf die Wunde aufgebracht wird. Das Plasma aktiviert dabei die Zellregeneration, desinfiziert die Wunde und tötet multiresistente Keime ab. Angesichts von mehr als zwei Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland und Kosten für Heil- und Hilfsmittel in Milliardenhöhe pro Jahr im Gesundheitswesen sind eine entsprechende Nachfrage und ein Markt vorhanden. Denkbare Einsatzorte der Behandlung sind sowohl die Praxen niedergelassener Ärzte als auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Die Innovation von „Coldplasmatech“ ist das Ergebnis der Forschung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP) in Greifswald unter der Leitung seines Direktors Klaus-Dieter Weltmann auf dem Gebiet der Plasmamedizin, auf dem das Institut zu den weltweiten Vorreitern gehört. Die Köpfe hinter der Gründung sind der Physiker René Bussiahn, der Maschinenbau-Ingenieur Stephan Krafczyk, der Chemiker Carsten Mahrenholz und der Medizinökonom Tobias Güra die jahrelang am INP gemeinsam auf dem Gebiet der Plasmamedizin gearbeitet haben.

www.coldplasmatech.de 

Anlässlich der Preisverleihung erklärt der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner: „Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen einerseits und die Folgen einer immer älter werdenden Bevölkerung sind große medizinische Herausforderungen für unsere Gesellschaft. An ihrer Lösung mitzuarbeiten, ist Auftrag und Mission der Leibniz-Institute. Unsere Gründerpreisträger stehen kurz davor, mit ihren Innovationen den Wissens- und Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Gesellschaft abzuschließen. An der Schwelle zum Markt sind aber auch Kompetenzen gefragt, die nicht unbedingt zur Standardqualifikation eines Forschers gehören. Ich hoffe, dass der Leibniz-Gründerpreis einen Beitrag dazu leisten kann, dass sich unsere Gründer das notwendige externe Know-how verschaffen können, um diesen letzten Schritt in den Markt erfolgreich zu gehen, damit die Wissenschaft einmal mehr ihren obersten Auftrag erfüllen kann: Innovation und Wertschöpfung für die Gesellschaft zu bringen.“

Hintergrund Leibniz-Gründerpreis:

Mit dem Gründerpreis der Leibniz-Gemeinschaft werden Ausgründungsvorhaben aus Leibniz-Instituten in der Vorbereitungs- bzw. Start-up-Phase unterstützt. Das Preisgeld ist zweckgebunden für Beratungsleistungen bei der Überprüfung und praktischen Umsetzung der Unternehmenskonzepte. Dabei geht es insbesondere um Herausforderungen wie Markteintritt, Einwerbung einer Finanzierung oder Entwicklung von Marketing- und Vertriebskonzepten. Die Begutachtung der eingereichten Vorschläge erfolgte durch eine externe Jury unter dem Vorsitz des ehemaligen Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Uwe Thomas.

Weitere Informationen zum Leibniz-Gründerpreis unter

www.leibniz-gemeinschaft.de/transfer/service/leibniz-gruenderpreis/

Ein Pressefoto der Preisträger steht online zur Verfügung unter

idw-online.de/de/news627885  

Pressekontakt Leibniz-Gemeinschaft:

Christoph Herbort-von Loeper
Tel.: 030 / 20 60 49 – 48
Mobil: 0174 / 310 81 74
herbort@leibniz-gemeinschaft.de

Kontakt Brandenburg Antiinfectiva:
Prof. Dr. Klaus Brandenburg
Tel: 04537 / 188 2350
brandenburg@antiinfektiva.com

Kontakt Coldplasmatech:

Tel.: 0162 / 1033 527
info@coldplasmatech.de