Vortrag · Leipzig

12.03.2020 · 18:00
Fragmente aus der Endzeit. Negatives Geschichtsdenken bei Günther Anders

Wie lässt sich Geschichte von ihrem möglichen Ende her begreifen? Diese Frage stellen der Leipziger Historiker Ulrich Brieler und die Kulturhistorikerin Anna Pollmann und suchen Antworten darauf im literarischen und philosophischen Werk des deutsch-jüdischen Schriftstellers und Philosophen Günther Anders (1902–1992), der für seine Deutungen der atomaren Endzeit bekannt ist.

Ausgangspunkt ist Anna Pollmanns vor wenigen Wochen erschienenes Buch, für das die Autorin Anders' negatives Geschichtsdenken von der Genese in den 1930er Jahren bis hin zur Rezeption seiner Endzeitdiagnosen in den neuen sozialen Bewegungen ab den 1960er Jahren rekonstruiert hat. Sie zeigt, wie stark sich die Zerrüttung des Geschichtsbewusstseins im 20. Jahrhundert auch in der Form seines Werkes spiegelt. Die Zäsuren von Auschwitz und Hiroshima werden dabei in ihrer unterschiedlichen Bedeutung für die Grenzen historischen Denkens behandelt. Die Topografie von Anders' Emigration und Remigration nachzeichnend, führt die Veranstaltung an biografische Stationen wie Paris, Los Angeles, Berlin und Wien und in die ideengeschichtlichen Kontexte seines Geschichtsdenkens, das nicht nur mit Blick auf die gegenwärtigen Klimaproteste und die Kritik am digitalen Kapitalismus noch heute relevant ist.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Lesefestivals Leipzig liest der Leipziger Buchmesse 2020

Veranstaltungsort:

Radrevier, Friedrichstr. 13, Leipzig

Referent/innen:

Dr. Anna Pollmann
Prof. Dr. Ulrich Brieler